Das kardiale Lipom ist ein seltener primärer benigner Herztumor aus reifem Fettgewebe und macht etwa 8-10% aller primären Herztumoren aus. Es ist eine gut verkapselte, runde oder ovale, homogene fetthaltige Masse. Es kann in jeder kardialen Lokalisation (subendokardial, subepikardial oder myokardial) entstehen; am häufigsten im linken Ventrikel, rechten Vorhof und interatrialen Septum. Die Diagnose kann mit hoher Sicherheit bildgebend gestellt werden: Fettdichte im CT (-50 bis -150 HU) ist pathognomonisch und T1-Hyperintensität mit Signalverlust in Fat-Sat-Sequenzen im MRT liefert die definitive Diagnose. Eine maligne Transformation tritt nicht auf. Bei asymptomatischen Fällen ist keine Operation erforderlich; Resektion ist nur bei hämodynamischen Komplikationen (Obstruktion, Arrhythmie) indiziert. Muss von lipomatöser Hypertrophie (des interatrialen Septums) differenziert werden — lipomatöse Hypertrophie ist unverkapselt und spart die Fossa ovalis aus (Hantelform).
Altersbereich
30-70
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Sehr selten
Das kardiale Lipom ist eine echte Neoplasie aus Proliferation reifer Adipozyten (Fettzellen), durch eine dünne fibröse Kapsel von umgebenden Geweben getrennt. Der Tumor teilt die gleichen histopathologischen Merkmale wie normale subkutane Lipome: reife unilokuläre Fettzellen, minimales fibröses Stroma und fehlende Vaskularität. Die pathognomonische niedrige Dichte im CT (-50 bis -150 HU) resultiert daraus, dass Triglyzeridmoleküle aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen mit niedriger Ordnungszahl bestehen — diese Atome absorbieren sehr wenig Röntgenstrahlung. Die ausgeprägte Hyperintensität in T1-gewichteten MRT-Sequenzen beruht auf der kurzen T1-Relaxationszeit der Fettprotonen — die große und langsam rotierende Struktur der Fettmoleküle beschleunigt die Spin-Gitter-Relaxation. In Fat-Sat-Sequenzen supprimieren frequenzselektive RF-Pulse die Fettprotonen und erzeugen Signalverlust — dieser Befund ermöglicht definitive Differenzierung von anderen T1-hyperintensen Läsionen (subakute Blutung, proteinhaltige Flüssigkeit). Fehlende Post-Gadolinium-Anreicherung reflektiert die avaskuläre Struktur und das homogene Fettgewebe. Die Kapselintegrität trennt die Masse klar vom umgebenden Myokard und zeigt das Fehlen von Invasion an.
Nachweis homogener negativer Dichtewerte (-50 bis -150 HU) in einer intrakardialen Masse im CT. Da kein Gewebe im menschlichen Körper außer Luft negative Hounsfield-Werte ergibt, ist negative Dichte in einer soliden Masse definitiver Nachweis des Fettgehalts und ein pathognomonischer Befund, der allein die Lipom-Diagnose bestätigt. Dieser Befund eliminiert den Bedarf für zusätzliche Bildgebung oder Biopsie (homogene Fettdichte + Kapsel + Fehlen interner Weichteilkomponente).
Im nativen CT eine homogene Fettdichte (-50 bis -150 HU), gut abgrenzbare, verkapselte, runde oder ovale intrakardiale Masse. Die Dichtemessung ist identisch mit subkutanem Fettgewebe. Die dünne Kapsel trennt die Masse klar vom umgebenden Myokard. Keine interne Septierung, Verkalkung oder Weichteilkomponente (falls vorhanden, sollte Liposarkom erwogen werden). Dieser CT-Befund ist pathognomonisch und bestätigt allein die Diagnose — zusätzliche Bildgebung ist meist nicht erforderlich.
Berichtssatz
Eine _x_ cm homogene Fettdichte (ca. _x_ HU), gut abgrenzbare, verkapselte intrakardiale Masse an _Lokalisation_. Keine interne Weichteilkomponente oder Verkalkung identifiziert. Befunde vereinbar mit kardialem Lipom.
Im kontrastmittelverstärkten CT zeigt die Masse mit Fettdichte keine Anreicherung — die Dichtewerte bleiben identisch zur nativen Untersuchung. Die dünne Kapsel kann durch stärkeren Kontrast mit dem umgebenden anreichernden Myokard die Massenbegrenzung deutlicher darstellen. Fehlende Anreicherung bestätigt die avaskuläre Struktur und Zusammensetzung aus homogenem reifem Fettgewebe. Dieser Befund ist wichtig für die Differenzierung von vaskularisierten fetthaltigen Tumoren (Angiomyolipom).
Berichtssatz
Im kontrastmittelverstärkten CT zeigt die Masse mit Fettdichte keine Anreicherung. Die dünne Kapsel der Masse ist mit umgebender myokardialer Anreicherung auffälliger geworden.
In T1-gewichteten Sequenzen zeigt das Lipom ein deutlich hyperintenses Signal — identische hohe Signalintensität wie subkutanes Fettgewebe. Das Signalmuster ist homogen. Diese T1-Hyperintensität reflektiert die kurze T1-Relaxationszeit der Fettprotonen. Die Massenbegrenzung ist gut definiert mit dünner Kapsel, die vom umgebenden Myokard trennt. Keine interne Blutung, Nekrose oder Septierung.
Berichtssatz
In T1-gewichteten Sequenzen eine deutlich hyperintense, homogene, gut abgrenzbare, verkapselte Masse mit Signalintensität gleich dem subkutanen Fettgewebe an _Lokalisation_.
In fettgesättigten T1-gewichteten Sequenzen zeigt das Lipom kompletten Signalverlust — die im T1 helle Masse verliert in Fat-Sat komplett das Signal und zeigt niedrigeres Signal als umgebendes Myokard. Dieser Befund ist definitiver Beweis, dass die T1-Hyperintensität fettbedingt ist und bestätigt die Lipom-Diagnose. Homogener Signalverlust ist wichtig — heterogener Signalverlust oder nicht-supprimierte Areale deuten auf Nicht-Fett-Komponenten hin (Liposarkom). Chemical-Shift-Bildgebung (In-Phase/Opposed-Phase) liefert ähnliche diagnostische Information: Signalverlust in Opposed-Phase erzeugt India-Ink-Artefakt an Fett-Wasser-Grenzflächen.
Berichtssatz
In fettgesättigten T1-gewichteten Sequenzen zeigt die Masse homogenen kompletten Signalverlust. Dieser Befund bestätigt den Fettgehalt und validiert die Lipom-Diagnose.
In T2-gewichteten Sequenzen zeigt das Lipom mittlere bis hohe Signalintensität (Fett ist auch in T2 relativ hell). In T2-STIR-(Short-Tau-Inversion-Recovery-)Sequenzen wird Fett supprimiert mit Signalverlust — dies liefert diagnostische Information äquivalent zu Fat-Sat-T1. Homogenes Signalmuster ist typisch.
Berichtssatz
In T2-gewichteten Sequenzen zeigt die Masse mittleres bis hohes Signal. Kompletter Signalverlust vereinbar mit Fett ist in STIR-Sequenzen bestätigt.
In Post-Gadolinium-Sequenzen zeigt das Lipom keine Anreicherung — definitiv bestätigend die avaskuläre Struktur des Tumors. In Fat-Sat-Post-Kontrast-Sequenzen (fettunterdrücktes kontrastmittelverstärktes T1) zeigt die Masse niedriges Signal und die fehlende Anreicherung wird am deutlichsten in dieser Sequenz beurteilt. Minimale dünne lineare kapsuläre Anreicherung kann beobachtet werden. Fehlende Anreicherung ist wichtig für die Differenzierung vom Liposarkom (heterogene Anreicherung).
Berichtssatz
In Post-Gadolinium-Fat-Sat-T1-Sequenzen keine Anreicherung innerhalb der Masse identifiziert; vereinbar mit avaskulärem Fettgewebe.
In der Echokardiographie eine homogene, hyperechogene (Fettgewebe ist echogener als Myokard), gut abgrenzbare intrakardiale Masse. Die hohe Reflektivität des Fettgewebes erzeugt prominente Echogenität. Die Kapsel kann als dünner hypoechogener Saum sichtbar sein. Die Binnenstruktur ist homogen — keine Septierung oder Verkalkung. Die Echokardiographie kann die Diagnose nahelegen, aber CT oder MRT ist für definitive Fettidentifikation erforderlich.
Berichtssatz
Die Echokardiographie zeigt eine _x_ cm homogene, hyperechogene, gut abgrenzbare intrakardiale Masse an _Lokalisation_. Eine fetthaltige Läsion wird vermutet; CT/MRT-Bestätigung wird empfohlen.
Kriterien
Entwickelt sich unter dem Endokard, ragt in den intrakavitären Raum. Kann Höhlenobstruktion und Klappendysfunktion verursachen. Am häufigsten im linken Ventrikel und rechten Vorhof.
Unterscheidungsmerkmale
Präsentiert sich als intrakavitäre Masse, Risiko der Höhlenobstruktion, leichterer chirurgischer Zugang.
Kriterien
Entwickelt sich unter dem Epikard, wächst zum Perikard hin. Kann mit perikardialer Masse verwechselt werden. Kann Koronararterien-Kompression verursachen (selten). Perikarderguss bei großer Größe.
Unterscheidungsmerkmale
Extrinsische Masse, Wachstum zum Perikard, Koronararterienbeziehung sollte beurteilt werden.
Kriterien
Verkapselte Fettmasse im interatrialen Septum. Muss von lipomatöser Hypertrophie differenziert werden: Lipom ist verkapselt und betrifft die Fossa ovalis, lipomatöse Hypertrophie ist unverkapselt und spart die Fossa ovalis aus (Hantelform). >2 cm spricht für Lipom, <2 cm für lipomatöse Hypertrophie.
Unterscheidungsmerkmale
Fossa-ovalis-Beteiligung spricht für Lipom, Aussparung für lipomatöse Hypertrophie. Kapselvorhandensein unterstützt Lipom-Diagnose. Arrhythmierisiko (Nähe zum Reizleitungssystem).
Unterscheidungsmerkmal
Lipomatöse Hypertrophie ist unverkapselt, zeigt bilaterale Verdickung im interatrialen Septum mit charakteristischer Hantelform und Aussparung der Fossa ovalis. Lipom ist verkapselt, kann das gesamte Septum einschließlich Fossa ovalis betreffen und ist größer. Braune Fettareale (leichte Heterogenität) können innerhalb der lipomatösen Hypertrophie im CT und MRT gesehen werden.
Unterscheidungsmerkmal
Liposarkom zeigt heterogene Struktur: Fettareale + solide Weichteilkomponente + Septierung + anreichernde Areale. Lipom ist homogenes Fett, verkapselt, keine Anreicherung. In Fat-Sat-Sequenzen werden beim Liposarkom nicht-supprimierte solide Areale gesehen, während beim Lipom kompletter homogener Signalverlust vorliegt. Liposarkom kann irreguläre Ränder haben und invasiv sein.
Unterscheidungsmerkmal
Teratom hat heterogene Binnenstruktur: Fett + Verkalkung + zystische Areale + Weichteilgewebe (multiple Keimblattkomponenten). Lipom ist homogenes Fett, Einzelkomponente. Im CT zeigt Teratom gemischte Dichte (negativ + positiv), Lipom zeigt homogene negative Dichte. Teratom ist pädiatrisch, häufiger im Perikard.
Dringlichkeit
routineManagement
surveillanceBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
annualDas kardiale Lipom ist ein benigner Tumor ohne maligne Transformation. Da die Diagnose mit hoher Sicherheit bildgebend gestellt werden kann (Fettdichte im CT oder T1-Hyperintensität + Fat-Sat-Signalverlust im MRT), ist keine Biopsie erforderlich. Bei asymptomatischen Fällen ist keine Behandlung erforderlich; jährliche echokardiographische Nachsorge ist ausreichend. Chirurgische Resektionsindikationen: Ventrikelhöhlen- oder Ausflusstraktobstruktion, hämodynamisch signifikante Klappendysfunktion, schwere Arrhythmien (ventrikuläre Tachykardie, AV-Block) und atypische Merkmale mit rascher Größenzunahme. Rezidiv nach chirurgischer Resektion ist sehr selten (1%). Bei Nachweis eines interatrialen Septum-Lipoms sollte die Differenzierung von lipomatöser Hypertrophie erfolgen; Größe >2 cm, Kapselvorhandensein und Fossa-ovalis-Beteiligung sind Befunde zugunsten eines Lipoms.
Das kardiale Lipom ist meist asymptomatisch und wird inzidentell entdeckt. Typische Bildgebungsbefunde (Fettdichte, T1-Hyperintensität, Signalverlust in der Fettunterdrückung, keine Anreicherung) sind für eine nichtinvasive Diagnose ausreichend, und eine Biopsie ist in der Regel nicht erforderlich. Bei symptomatischen Fällen (Arrhythmie, Klappenobstruktion, Kompression) ist die chirurgische Resektion kurativ und ein Rezidiv ist äußerst selten. Bei asymptomatischen kleinen Läsionen wird ein konservativer Ansatz mit periodischer Nachsorge angewendet. Bei heterogener Zusammensetzung, anreichernden soliden Komponenten oder schnellem Wachstum muss ein Liposarkom ausgeschlossen werden — in solchen Fällen ist eine Biopsie indiziert.