Die Rippenfraktur ist die häufigste Brustwandverletzung und entsteht typischerweise durch stumpfes Trauma. Sie kann in allen Altersgruppen auftreten, entwickelt sich aber bei osteoporotischen älteren Patienten auch bei minimalem Trauma. Am häufigsten sind die 4.-9. Rippen betroffen. Akute Frakturen sind durch kortikale Unterbrechung und Dislokation gekennzeichnet; Kallusbildung entwickelt sich während der Heilung. Stressfrakturen entstehen durch repetitive mechanische Belastung und treten bei Sportlern (besonders 1. Rippe bei Ruderern), chronischem Husten auf. Pathologische Frakturen entstehen bei minimalem Trauma auf dem Boden von Knochenläsionen (Metastasen, Myelom, fibröse Dysplasie). Komplikationen umfassen Pneumothorax, Hämatothorax, Lungenkontusion, Gefäßverletzung (1.-2. Rippenfrakturen), Milz-/Leberverletzung (untere Rippenfrakturen) und instabilen Thorax (Flail Chest — 3+ konsekutive Rippen, doppelte Frakturlinie). Die Diagnose wird durch CT bestätigt; Knochenszintigraphie ist sensitiv für okkulte Frakturen.
Altersbereich
20-90
Häufigkeitsalter
55
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Häufig
Rippenfrakturen entstehen, wenn die auf den Knochen einwirkende Kraft dessen elastische Deformationskapazität überschreitet. Bei traumatischen Frakturen bricht die hochenergetische äußere Kraft den Knochenkortex — am häufigsten in der posterolateralen Region, wo die Rippenkrümmung am ausgeprägtesten ist. Bei Stressfrakturen führen repetitive submaximale Kräfte (Husten, Rudern, schwere Übungen) zur Mikrofraktur-Akkumulation — wenn die normale Knochen-Remodeling-Kapazität überschritten wird, entwickelt sich eine makroskopische Fraktur. Bei pathologischen Frakturen hat die zugrunde liegende Läsion (Metastase, Myelom, fibröse Dysplasie) die normale Knochenstruktur gestört und die mechanische Festigkeit reduziert. Die pathophysiologische Grundlage der Bildgebungsbefunde: Kortikale Unterbrechung im CT erscheint als niedrigdichte Linie durch die Mineralstruktur des Knochens — die kortikale Integrität ist verloren. In der akuten Phase manifestieren sich Hämorrhagie und Ödem um die Frakturlinie als periostale Reaktion. Während der Heilung (2-6 Wochen) bildet Fibroblast- und Osteoblast-Proliferation Kallus — anfangs strahlendurchlässig (fibröser Kallus), dann strahlenundurchlässig (knöcherner Kallus). In der Knochenszintigraphie verursacht erhöhte osteoblastische Aktivität an der Frakturstelle intensive Tc-99m-MDP-Aufnahme — wird 24-72 Stunden nach Fraktur positiv und persistiert 6-12 Monate.
Niedrigdichter linearer Defekt, der den Verlust der kortikalen Kontinuität im CT-Knochenfenster demonstriert — direkter Frakturnachweis. Optimale Beurteilung wird mit Dünnschicht (1 mm) und MPR erreicht.
Im Dünnschicht-CT (Knochenfenster, 1-1,5 mm) zeigt sich ein niedrigdichter linearer Defekt mit kortikaler Unterbrechung der Rippe. Die Frakturlinie kann komplett (gesamter Kortex frakturiert) oder inkomplett (Grünholzfraktur — ein Kortex intakt) sein. Bei dislozierten Frakturen sind Knochenfragmente zueinander verschoben. Multiple Frakturen erfordern individuelle Rippenbeurteilung, und ein instabiler Thorax (3+ konsekutive Rippen mit doppelter Frakturlinie) sollte evaluiert werden. Begleitende Pneumothorax-, Hämatothorax- und Lungenkontusionsbefunde sollten dokumentiert werden.
Berichtssatz
Eine akute Frakturlinie mit kortikaler Unterbrechung und ___ mm Dislokation wird in der ___. Rippe gesehen.
Bei heilenden Frakturen (2-6 Wochen nach Verletzung) zeigt sich periostale und endostale Kallusbildung um die Frakturlinie. In frühen Stadien ist der Kallus niedrigdicht (fibröser Kallus — unmineralisiertes Osteoid), in späten Stadien hochdicht (knöcherner Kallus — mineralisierter Knochen). Kallus überbrückt die Frakturlinie und erweitert die äußere Knochenkontur. In fortgeschrittenen Stadien wird die Frakturlinie unscharf und Remodeling beginnt. Malposition (Angulation, Verkürzung) und Pseudarthrose (Pseudarthrosen) sollten evaluiert werden.
Berichtssatz
Periostale Kallusbildung vereinbar mit der Heilungsphase wird in der ___. Rippe gesehen, mit teilweiser Überbrückung der Frakturlinie.
In der Knochenszintigraphie (Tc-99m MDP) zeigt sich fokale intensive Radiopharmakon-Aufnahme an der Frakturstelle. Akute Frakturen werden 24-72 Stunden nach Trauma positiv (>95% Sensitivität — auch bei CT-negativen okkulten Frakturen). Die Aufnahme persistiert 6-12 Monate und nimmt mit der Heilung ab. Multiple Frakturen zeigen häufig intensive Aufnahmebereiche in linearem Muster (konsekutive Rippen). Stressfrakturen zeigen typischerweise fusiforme fokale Aufnahme. Bei pathologischen Frakturen kann das Aufnahmemuster irregulär sein und sich mit der Aufnahme der zugrunde liegenden Läsion überlappen.
Berichtssatz
Fokale intensive Tc-99m-MDP-Aufnahme wird in der ___. Rippe in der Knochenszintigraphie gesehen, vereinbar mit akuter/subakuter Fraktur.
Komplikationen von Rippenfrakturen sollten im CT beurteilt werden. Pneumothorax: Luft im Pleuraraum (anterior in Rückenlage, apikal in aufrechter Position); Hämatothorax: flüssigkeitsdichte Kollektion im Pleuraraum (30-70 HU, höher als einfacher Erguss); Lungenkontusion: Milchglas-/Konsolidierungsbereiche neben der Frakturstelle; subkutanes Emphysem: Luft im Brustwandweichteilgewebe. Obere Rippenfrakturen (1.-2.) zeigen Hochenergietrauma an, und Gefäß-/Plexus-brachialis-Verletzungen sollten untersucht werden. Untere Rippenfrakturen (9.-12.) sollten mit Milz- (links) und Leberverletzung (rechts) korreliert werden.
Berichtssatz
Begleitende Befunde von ___ (Pneumothorax/Hämatothorax/Lungenkontusion) zu den Rippenfrakturen werden gesehen.
In der STIR-Sequenz zeigt sich deutlich hyperintenses Knochenmarködem an der Frakturstelle. Die Frakturlinie kann als hypointense Linie in T1 dargestellt werden. MRT kann als Alternative zur Knochenszintigraphie zur Detektion okkulter Frakturen (CT-negativ, klinisch verdächtig) eingesetzt werden — besonders sensitiv bei Stressfrakturen. Begleitendes Weichteilödem und Hämatom werden ebenfalls beurteilt. Bei pathologischen Frakturen kann die zugrunde liegende Knochenmarkläsion (Metastase, Myelom) durch MRT identifiziert werden.
Berichtssatz
Deutlich hyperintenses Knochenmarködem entsprechend der Frakturstelle wird in der ___. Rippe in der STIR-Sequenz gesehen.
Stressfrakturen entstehen durch repetitive mechanische Belastung und erscheinen im CT als inkomplette kortikale Unterbrechung (ein Kortex frakturiert, gegenüberliegender Kortex intakt) mit milder periostaler Verdickung/Kallus. Am häufigsten betroffen sind 1. Rippe (Ruderer, Schwerlastheber), 4.-8. Rippen (chronischer Husten, Golf, Rudern) und posterolaterale Region. Die Frakturlinie kann dünn und nicht disloziert sein — kann bei Standard-CT-Schichtdicke übersehen werden, Dünnschicht (1 mm) und MPR sind erforderlich. Kann initial im Röntgen negativ sein und wird nach 2-3 Wochen mit Kallusbildung sichtbar.
Berichtssatz
Inkomplette kortikale Unterbrechung mit periostaler Verdickung im posterolateralen Bereich der ___. Rippe wird gesehen, vereinbar mit Stressfraktur.
Kriterien
Kortikale Unterbrechung nach stumpfem oder penetrierendem Trauma, meist 4.-9. Rippen, posterolaterale Region
Unterscheidungsmerkmale
Scharfe Frakturlinie, Knochenmarködem, begleitende Weichteilverletung; Dislokation und Komplikationen (Pneumothorax, Hämatothorax) werden beurteilt
Kriterien
Inkomplette Fraktur durch repetitive mechanische Belastung (Husten, Sport, schwere Arbeit); ohne Traumaanamnese
Unterscheidungsmerkmale
Inkomplette kortikale Unterbrechung, periostale Reaktion, nicht disloziert; 1. Rippe (Sportler), 4.-8. Rippen (Husten); kann im CT übersehen werden, MRT oder Szintigraphie sind sensitiv
Kriterien
Fraktur bei minimalem Trauma auf dem Boden einer Knochenläsion; Metastase, Myelom, fibröse Dysplasie, Paget
Unterscheidungsmerkmale
Lytische/blastische Läsion begleitend zur Frakturlinie, Weichteilmasse, periostale Destruktion; unverhältnismäßige Fraktur bei minimalem Trauma; zugrunde liegende Läsion erfordert MRT-Beurteilung
Kriterien
2-12 Wochen nach Fraktur, Kallusbildung und Überbrückung der Frakturlinie
Unterscheidungsmerkmale
Periostaler/endostaler Kallus, Verschleierung der Frakturlinie, Knochenkonturerweiterung; Mineralisierungsgrad spiegelt Heilungsstadium wider; Malposition und Pseudarthrose sollten evaluiert werden
Unterscheidungsmerkmal
Metastase: lytische/blastische Knochendestruktion, Weichteilmasse, periostale Reaktion, bekannte primäre Malignität; Fraktur: saubere Frakturlinie, keine zugrunde liegende Läsion, Traumaanamnese
Unterscheidungsmerkmal
Fibröse Dysplasie: Milchglasmatrix, Rippenexpansion, gut begrenzt; Fraktur: kortikale Unterbrechung, Dislokation, Kallus; jedoch kann pathologische Fraktur in fibröser Dysplasie entstehen
Unterscheidungsmerkmal
Osteomyelitis: Knochenmarködem + Weichteilabszess/Zellulitis, periostale Reaktion, Fieber/Leukozytose; Fraktur: kortikale Unterbrechung, Trauma-/mechanische Belastungsanamnese, periostale Reaktion vom Kallustyp
Unterscheidungsmerkmal
Ewing-Sarkom: aggressive periostale Reaktion (Zwiebelschalen), permeativer Knochenabbau, große Weichteilmasse, Kinder/junge Erwachsene; Fraktur: saubere kortikale Unterbrechung, nicht-aggressive periostale Reaktion, alle Altersgruppen
Dringlichkeit
urgentManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthIsolierte Rippenfrakturen werden in der Regel konservativ behandelt (Analgesie, Atemübungen, Aktivitätseinschränkung). Komplikationen (Pneumothorax, Hämatothorax, instabiler Thorax) erfordern jedoch eine Notfallintervention — Thoraxdrainage, chirurgische Stabilisierung. Ältere Patienten und solche mit multiplen Frakturen haben ein erhöhtes Risiko für Pneumonie und respiratorisches Versagen. Bei Verdacht auf pathologische Fraktur ist eine Abklärung der zugrunde liegenden Läsion (MRT, Biopsie, PET-CT) erforderlich. Stressfrakturen heilen mit Aktivitätsmodifikation und Ruhe (4-6 Wochen). Nachsorge: Klinische Überwachung ist bei unkomplizierten Frakturen ausreichend; CT-Kontrolle wird bei Verdacht auf Heilungsverzögerung oder Pseudarthrose empfohlen.
Rippenfrakturen heilen in der Regel konservativ (Analgesie, Atemphysiotherapie). Multiple Frakturen (≥3 aufeinanderfolgende) bergen das Risiko eines instabilen Thorax und können eine mechanische Beatmung erfordern. Bei unteren Rippenfrakturen (9-12) sollte nach Leber- und Milzverletzungen gesucht werden. Ältere Patienten haben ein hohes Risiko für Pneumonie- und Atelektasekomplikationen. Bei Verdacht auf pathologische Fraktur sollte eine zugrunde liegende Läsion abgeklärt werden.