Die De-Quervain-Tenosynovitis ist eine stenosierende Tenosynovitis der Sehnen des Abductor pollicis longus (APL) und Extensor pollicis brevis (EPB) im ersten dorsalen Kompartiment des Handgelenks. Charakterisiert durch Schmerzen, Schwellung am Radiusstyloid und eingeschränkte Daumenbewegungen. 6-10 mal häufiger bei Frauen, besonders in der Postpartumperiode (Babyheben — Daumenabduktionsstress) und bei repetitiven Handbewegungen. Finkelstein-Test ist positiv und bestätigt klinische Diagnose. US ist die primäre Bildgebungsmodalität: Flüssigkeit um Sehnenscheide, Sehnen- und Retinakulum-Verdickung, anatomische Septum-Variante. MRT zeigt erstes Kompartimentödem, Sehnensignalanomalie und peritendinöse Flüssigkeit.
Altersbereich
25-55
Häufigkeitsalter
40
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Häufig
Das erste dorsale Kompartiment bildet einen fibro-ossären Tunnel über dem Radiusstyloid mit APL- und EPB-Sehnen — dieser Tunnel wird dorsal durch das Extensorenretinakulum geschlossen. Repetitive Daumenabduktion und -extension erhöhen die Sehnen-Scheiden-Reibung → Sehnenscheidenentzündung und -verdickung → Tunnelverengung → Sehneneinklemmung — der klassische stenosierende Tenosynovitis-Zyklus. Histopathologisch dominieren mukoide Degeneration, fibroangioblastische Proliferation und Scheidenstenose statt akuter Entzündung. Anatomische Varianten sind prädisponierend und chirurgisch kritisch: ~30% haben separate Kompartimente (vertikales Septum) für APL und EPB — unerkanntes Septum bei chirurgischer Freisetzung ist die Hauptursache persistierender Symptome. APL-Sehnenvariante mit multiplen Zügeln (2-4 akzessorische Sehnen) ist häufig und verschlimmert die Einklemmung. MRT/US-Befunde reflektieren verschiedene pathophysiologische Stadien: peritendinöse Flüssigkeit = akute Entzündung, Retinakulum-Verdickung = chronische mechanische Tunnelbildung, Sehnenverdickung = degenerative Matrixveränderungen.
Anechogene Flüssigkeit um APL/EPB-Sehnen im ersten dorsalen Kompartiment am Radiusstyloid mit verdicktem Retinakulum (>2 mm) im US ist die diagnostische Kombination. US-Fähigkeit, Septum-Variante zu zeigen, bietet Vorteil gegenüber MRT in chirurgischer Planung.
Im transversalen und longitudinalen B-Modus-US zeigt sich anechogene/hypoechogene Flüssigkeitsansammlung und Sehnenscheidenverdickung um APL- und EPB-Sehnen am Radiusstyloid. Normales erstes Kompartiment hat dünne Sehnenscheide mit minimaler Flüssigkeit. Sehnen können verdickt (>3 mm), hypoechogene Bereiche enthalten und heterogen erscheinen. Power-Doppler kann erhöhte Vaskularität in Scheide und peritendinösem Bereich nachweisen.
Berichtssatz
Flüssigkeitsansammlung und Scheidenverdickung um APL/EPB-Sehnen im ersten dorsalen Kompartiment, vereinbar mit De-Quervain-Tenosynovitis.
Im transversalen US zeigt sich ein vertikales Septum (fibröses Band), das APL- und EPB-Sehnen im ersten dorsalen Kompartiment trennt — bei ~30% der Patienten vorhanden. Septum erscheint als dünnes hyperechogenes Band. Diese anatomische Variante ist kritisch für chirurgische Freisetzungsplanung: ohne Septumerkennung wird nur ein Kompartiment befreit und Symptome persistieren. APL-akzessorische Sehnenzügel (2-4) können ebenfalls beurteilt werden.
Berichtssatz
Vertikales Septum zwischen APL- und EPB-Sehnen im ersten dorsalen Kompartiment ist zu beachten für chirurgische Freisetzungsplanung.
In axialen T2-fat-sat-Bildern zeigen sich Ödem, Sehnenscheidenflüssigkeit und Sehnensignalanomalie um das erste dorsale Kompartiment. In sagittalen Bildern werden Sehnenverdickung und Signaländerung im Verlauf beurteilt. Radiusstyloid-Knochenmarködem reflektiert chronische mechanische Irritation. MRT kann Septum-Variante zeigen. Begleitpathologien werden untersucht.
Berichtssatz
Peritendinöses Ödem, Sehnenscheidenflüssigkeit und APL/EPB-Sehnensignalanomalie im ersten dorsalen Kompartiment in T2-fat-sat, vereinbar mit De-Quervain-Tenosynovitis.
In Post-Kontrast-T1-fat-sat zeigen Retinakulum und Sehnenscheide des ersten dorsalen Kompartiments Anreicherung — aktiver entzündlicher Prozess. Retinakulum verdickt (>2 mm, normal <1 mm) mit homogener Anreicherung. Peritendinöser Anreicherungshalo um Sehnenscheide.
Berichtssatz
Anreicherung des Retinakulums und der Sehnenscheide des ersten dorsalen Kompartiments in Post-Kontrast-Bildern, vereinbar mit aktiver De-Quervain-Tenosynovitis.
Erhöhte Vaskularität um APL/EPB-Sehnenscheide und im Retinakulum des ersten dorsalen Kompartiments im Power-Doppler. Normales Kompartiment hat minimales oder fehlendes Dopplersignal. Erhöhte Vaskularität reflektiert aktive entzündliche Neovaskularisation.
Berichtssatz
Erhöhte peritendinöse Vaskularität im ersten dorsalen Kompartiment im Power-Doppler, vereinbar mit aktiver De-Quervain-Tenosynovitis.
Hyperintense Signalzunahme im Radiusstyloid-Knochenmark auf STIR- oder T2-fat-sat-Bildern — reflektiert Ausbreitung chronischer mechanischer Irritation auf die Knochenoberfläche. Dieser Befund deutet auf schwere oder langanhaltende De-Quervain-Tenosynovitis hin. Knochenmarködem konzentriert sich subchondral — am deutlichsten an der Sehnen-Knochen-Grenzfläche.
Berichtssatz
STIR-hyperintense Signalzunahme im Radiusstyloid-Knochenmark, vereinbar mit Knochenödem durch chronische mechanische Irritation.
Kriterien
Akuter Beginn (<6 Wochen), prominente peritendinöse Flüssigkeit und Ödem, aktive Entzündungsphase
Unterscheidungsmerkmale
Hohe Ansprechrate auf konservative Therapie — NSAIDs, Schiene, Eis. Erster Episode meist postpartal oder bei neuer Aktivität.
Kriterien
Prolongierte Symptome (>3 Monate), Retinakulum deutlich verdickt und fibrotisch, gestörte Sehnenmorphologie, konservativ therapieresistent
Unterscheidungsmerkmale
Chirurgische Freisetzungsindikation (Retinakulum-Inzision — beide Kompartimente bei Septum). Radiusstyloid-Knochenödem kann begleiten.
Kriterien
Vertikales Septum zwischen APL und EPB vorhanden (~30% Prävalenz), separate stenosierende Tenosynovitis
Unterscheidungsmerkmale
Häufigste Ursache chirurgischen Versagens — Freisetzung ohne Septumerkennung befreit nur ein Kompartiment. US überlegen gegenüber MRT für präoperative Septumdetektion.
Unterscheidungsmerkmal
Ganglionzyste kann als anechogene Zyste am Radiusstyloid De Quervain imitieren. Ganglion ist diskrete Zyste mit Stiel — peritendinöses Ödem fehlt und Retinakulum ist normal. Bei De Quervain koexistieren peritendinöse Flüssigkeit, Retinakulum-Verdickung und Sehnenanomalie.
Unterscheidungsmerkmal
Intersektionssyndrom ist Tenosynovitis am Kreuzungspunkt der ersten und zweiten dorsalen Kompartimentsehnen (4-6 cm proximal des Radiusstyloids) — anders als De Quervain an einer proximaleren Lokalisation. Finkelstein-Test kann negativ sein.
Unterscheidungsmerkmal
Skaphoidfraktur ist wichtige Differentialdiagnose radialseitiger Handgelenkschmerzen. Skaphoid-Knochenmarködem und Frakturlinie im MRT unterscheiden von De Quervain — Sehne und Retinakulum sind normal.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthDe-Quervain-Behandlung wird stufenweise geplant. Erste Stufe: NSAIDs, Daumenschiene (4-6 Wochen), Aktivitätsmodifikation. Zweite Stufe (therapieresistent): US-geführte Kortikosteroidinjektion (80-90% Erfolgsrate). Bei Septum-Variante separate Injektion in jedes Kompartiment. Dritte Stufe: chirurgische Retinakulum-Freisetzung — präoperative US-Beurteilung der Septum-Variante obligatorisch (20-25% Rezidiv bei unerkanntem Septum).
Die Tendovaginitis de Quervain spricht in der Regel auf konservative Behandlung an: Schiene, NSAR, Kortikosteroid-Injektion. Die Injektionserfolgsrate beträgt 80-90%. Eine chirurgische Retinakulumspaltung wird in therapieresistenten Fällen durchgeführt. Das subkompartmentale Septum beeinflusst den chirurgischen Zugang — sollte präoperativ mittels US/MRT beurteilt werden.