Der hintere Kreuzbandriss (HKB) ist eine Verletzung des stärksten intraartikulären Bandes des Knies. Das HKB erstreckt sich vom medialen Femurkondylus zur posterioren Fläche der Tibia und verhindert die posteriore tibiale Translation. Er ist viel seltener als der VKB-Riss (3-20% aller Kniebandverletzungen), da das HKB etwa 2-mal dicker als das VKB ist. Der häufigste Verletzungsmechanismus ist die 'Dashboard-Verletzung' — direkter Stoß auf die anteriore Tibiafläche bei flektiertem Knie (Knie prallt auf Armaturenbrett bei Verkehrsunfällen). Sturz auf flektiertes Knie und Hyperextension sind weitere Mechanismen. Im MRT erscheint das normale HKB als homogen signalarmes gebogenes Band. Beim Riss erscheint das Band verdickt, amorph und hyperintens. Partielle Risse sind häufiger als beim VKB, da die starke Struktur des HKB eher zu partieller als kompletter Zerreißung prädisponiert. Isolierter HKB-Riss wird generell konservativ behandelt; kombinierte Bandverletzungen können eine Operation erfordern.
Altersbereich
18-50
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Das HKB ist das stärkste und dickste Band des Knies (~2x dicker als VKB, ~38 mm lang, ~13 mm breit). Es besteht aus zwei Hauptbündeln: anterolateralem Bündel (AL — straff in Flexion, kontrolliert primär posteriore Translation) und posteromedialem Bündel (PM — straff in Extension). Die primäre Funktion des HKB ist die Verhinderung der posterioren tibialen Translation. Beim Dashboard-Verletzungsmechanismus drückt der direkte Stoß auf die anteriore Tibiafläche bei 90 Grad Knieflexion die Tibia nach posterior — diese Kraft überschreitet die HKB-Toleranz und der Riss tritt auf. Das Rissmuster variiert je nach Stoßlokalisation: proximale tibiale Avulsion (20-30%), Midsubstanzriss (50-60%) oder femorale Ablösung (10-20%). Beim Hyperextensionsmechanismus wird das HKB sowohl gegen posteriore Translation als auch Hyperextension beansprucht — posterolaterale Eckverletzung und Poplitealarterienschaden können diesen Mechanismus begleiten. Das amorphe verdickte Erscheinungsbild des HKB-Risses im MRT resultiert aus Hämorrhagie und Ödem, die zwischen die Bandfasern penetrieren und die Faserarchitektur stören — die normale homogen signalarme Struktur wird durch eine heterogene hyperintense, schlecht definierte Masse ersetzt.
In sagittalen PD-fettgesättigten MRT-Bildern wird anstelle des normalen dünnen gebogenen signalarmen Banderscheinungsbilds des HKB eine verdickte (>7 mm), amorphe (unregelmäßige Ränder), diffus hyperintense Masse gesehen. Dieses Erscheinungsbild spiegelt die vollständige Zerstörung der Faserarchitektur durch Hämorrhagie und Ödem wider, die zwischen die Bandfasern penetrieren. Während normales HKB homogenes niedriges Signal zeigt, zeigt gerissenes HKB heterogenes hyperintenses Signal. Dieser Befund ist der wichtigste primäre MRT-Befund für HKB-Riss und ist diagnostisch in Kombination mit Dashboard-Verletzungsanamnese.
In sagittalen PD-fettgesättigten Bildern verliert das HKB sein normales dünnes gebogenes signalarmes Banderscheinungsbild und erscheint als verdickte (>7 mm), amorphe, diffus hyperintense Struktur. Beim kompletten Riss geht die Faserkontinuität vollständig verloren und ein mit hyperintensem Ödem/Hämorrhagie gefüllter Spalt wird gesehen. Beim partiellen Riss ist das HKB verdickt mit hyperintensem Signal in einigen Fasern, während andere Fasern intakt und signalarm bleiben. Die tibiale Insertion des HKB ist die häufigste Rissstelle.
Berichtssatz
HKB ist verdickt, amorph und diffus hyperintens ohne sichtbare Faserkontinuität; vereinbar mit komplettem Riss.
In T2-fettgesättigten/STIR-Sequenzen zeigt sich Knochenmarködem im proximalen anterioren Tibiabereich — diese 'Dashboard-Kontusion' ist ein Befund des direkten Stoßes auf die anteriore Tibiafläche. Ödem liegt typischerweise auf Höhe der Tuberositas tibiae und des proximalen anterioren Tibiakortex. Dashboard-Kontusion ist ein spezifischer sekundärer Befund für HKB-Riss mit anderer Lokalisation als die Pivot-Shift-Kontusion. Zusätzlich kann Knochenödem in der posterioren Tibiafossa-Region gesehen werden — dies ist avulsionsbedingtes Ödem auf Höhe der HKB-Tibialinsertion.
Berichtssatz
Knochenmarködem vereinbar mit Dashboard-Kontusion wird in der proximalen anterioren Tibia gesehen und unterstützt den HKB-Verletzungsmechanismus.
In sagittalen PD-Bildern wird die posteriore Position des tibialen Hinterrandes relativ zur medialen Femurkondylus-Hinterlinie gemessen. >7 mm posteriore tibiale Translation zeigt HKB-Insuffizienz an. Bei chronischer HKB-Insuffizienz ist das Band lax und ein posteriorer tibialer Durchhang entwickelt sich. Der posteriore Durchhang-Befund ist im seitlichen Röntgen prominenter. Im MRT kann eine progressive Verdünnung und partielle Darstellung der HKB-Fasern (chronischer Rissbefund) gesehen werden.
Berichtssatz
Ungefähr ___ mm posteriore tibiale Translation wird in sagittalen Bildern gesehen, vereinbar mit HKB-Insuffizienz.
Schaden an posterolateralen Eckstrukturen (Popliteussehne, laterales Seitenband, Arcuatum-Band, posterolaterale Kapsel) kann mit HKB-Riss gesehen werden. Ödem, Signalzunahme und Diskontinuität werden in diesen Strukturen in T2-fat-sat/STIR-Sequenzen gesehen. Wenn posterolaterale Eckverletzung koexistiert, nimmt die Instabilität signifikant zu und die chirurgische Indikation wird stärker. Poplitealarterienverletzungsrisiko steigt ebenfalls — MR-Angiographie-Beurteilung kann erforderlich sein.
Berichtssatz
Ödem und partielle Diskontinuität in posterolateralen Eckstrukturen (Popliteussehne, LCL) begleitend zum HKB-Riss wird gesehen, hinweisend auf kombinierte Bandverletzung.
In T1-gewichteten sagittalen Bildern können kortikale Unregelmäßigkeit und kleines Avulsionsfragment an der HKB-Tibialinsertion gesehen werden. HKB-tibiale Avulsionsfrakturen machen 20-30% aller HKB-Verletzungen aus und können chirurgisch refixiert werden (im Gegensatz zu Midsubstanzrissen). Das Fragment ist meist klein (5-15 mm) und in der posterioren Tibiafossa verlagert sichtbar. Das Fragment mit Knochenmarksignal in T1 wird leicht identifiziert.
Berichtssatz
Kortikale Unregelmäßigkeit und ein ca. ___ mm großes Avulsionsfragment an der HKB-Tibialinsertion wird gesehen, vereinbar mit HKB-tibialer Avulsionsfraktur.
Kriterien
Beide Bündel (AL + PM) vollständig gerissen — kompletter Verlust der Faserkontinuität
Unterscheidungsmerkmale
Signifikante posteriore Instabilität, häufig bei kombinierten Verletzungen, stärkere chirurgische Indikation, amorphes verdicktes HKB
Kriterien
Ein Bündel gerissen, anderes intakt — partielle Faserkontinuität vorhanden
Unterscheidungsmerkmale
Häufiger (50% aller HKB-Risse), konservative Behandlung meist erfolgreich, HKB verdickt aber einige Fasern sichtbar
Kriterien
Kortikale Avulsionsfraktur an HKB-Tibialinsertion — Bandfasern intakt
Unterscheidungsmerkmale
20-30% aller HKB-Verletzungen, chirurgische Refixation möglich (gute Prognose), Fragment in posteriorer Tibiafossa
Unterscheidungsmerkmal
VKB-Riss ist anteriore Bandpathologie mit Pivot-/Dezelerationsmechanismus; HKB-Riss ist posteriores Band mit Dashboard-Mechanismus — verschiedenes Band, verschiedenes Kontusionsmuster
Unterscheidungsmerkmal
MCL-Verletzung ist mediale extraartikuläre Bandpathologie; HKB ist intraartikuläres posteriores Band — können aber bei kombinierten Verletzungen koexistieren
Unterscheidungsmerkmal
Isolierte Knochenkontusion kann ohne Bandriss auftreten; Dashboard-Kontusion zeigt spezifisch HKB-Verletzung an
Dringlichkeit
urgentManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralIsolierter HKB-Riss ergibt generell erfolgreiche Ergebnisse mit konservativer Behandlung — Quadrizepskräftigungsübungen, Orthese und Rehabilitation. Das HKB hat eine bessere spontane Heilungskapazität als das VKB, da es von einer synovialen Hülle mit besserer Blutversorgung bedeckt ist. Bei kombinierten Bandverletzungen (HKB + posterolaterale Ecke, HKB + VKB, HKB + MCL) ist jedoch eine chirurgische Rekonstruktion indiziert. Bei HKB-tibialer Avulsionsfraktur wird chirurgische Refixation (Schraubenfixation) mit guter Prognose bevorzugt. Bei chronischer HKB-Insuffizienz steigt das Arthroserisiko im posterioren Kompartiment — besonders medialer Femurkondylus und Patellofemoralgelenk sind betroffen. Posterolaterale Eckverletzungskoexistenz ist der wichtigste prognostische Faktor — unbehandelte posterolaterale Eckverletzung erhöht das Rekonstruktionsversagensrisiko erheblich.
Isolierte HKB-Risse sprechen im Allgemeinen auf konservative Behandlung an. Multiligamentäre Verletzungen (insbesondere mit posterolateraler Eckschädigung) erfordern jedoch eine chirurgische Rekonstruktion. Chronische HKB-Insuffizienz führt zu früher Arthropathie im medialen und patellofemoralen Kompartiment.