Die Stressfraktur ist ein Frakturtyp durch repetitive mechanische Belastung. Zwei Subtypen: Ermüdungsfraktur und Insuffizienzfraktur. MRT ist Goldstandard für Früherkennung: periostales und Knochenmarködem (Stressreaktion), T1-lineare Frakturlinie (Stressfraktur). Fredericson-Grading.
Altersbereich
15-45
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Häufig
Normaler Knochen unterliegt kontinuierlichem Remodeling. Repetitive Belastung stört dieses Gleichgewicht → progressive Schwächung. Vier Stadien: periostale Reaktion → Marködem → Frakturlinie → komplette Fraktur. Fredericson-Grading korreliert mit MRT-Befunden.
MRT-Kombination von periostalem und Knochenmarködem auf STIR/T2-fat-sat (Stressreaktion) + linearer niedrigsignaler Frakturlinie auf T1-gewichteten Bildern innerhalb des Ödembereichs ist die diagnostische Befundkombination für echte Stressfraktur (Fredericson Grad 4). Dieses Zwei-Sequenzen-Kriterium (STIR für Ödemerkennung + T1 für Frakturlinie) ist der zuverlässigste MRT-Ansatz und unterscheidet Stressfraktur von reiner Stressreaktion (Grad 1-3, keine T1-Frakturlinie).
Auf STIR/T2-Fat-Sat zeigen sich periostales Ödem und intramedulläres Knochenmarködem. Periostales Ödem ist der früheste MRT-Befund (Fredericson Grad 1).
Berichtssatz
Periostales Ödem und Knochenmarködem auf STIR, vereinbar mit Stressreaktion (Fredericson Grad [X]).
In T1-gewichteten Bildern zeigt sich eine lineare Niedrigsignallinie im Knochen — die Frakturlinie (Fredericson Grad 4). Grad 4a: partiell; Grad 4b: komplett.
Berichtssatz
Eine lineare Niedrigsignal-Frakturlinie wird im Marködembereich auf T1 gesehen, vereinbar mit Stressfraktur (Fredericson Grad 4).
CT kann kortikale Frakturlinie oder periostale Knochenneubildung zeigen. CT ist spezifischer als MRT für Frakturlinien, zeigt aber keine frühe Stressreaktion.
Berichtssatz
Kortikale Frakturlinie und/oder periostale Reaktion im CT, vereinbar mit Stressfraktur.
In der Tc-99m-MDP-Knochenszintigraphie zeigt sich fokal erhöhte Aufnahme an der Stressfrakturstelle. Hohe Sensitivität (95%+) aber niedrige Spezifität.
Berichtssatz
Fokal erhöhte Aufnahme an der Stressfraktur-Lokalisation in der Knochenszintigraphie, vereinbar mit Knochenstressreaktion.
Bei chronischer Stressreaktion kann Niedrigsignal-Verdickung an der endostalen (inneren) Kortikalisoberfläche auf T1-gewichteten Bildern gesehen werden — reflektiert reaktive Sklerose und neue Knochenbildung durch Osteoblastenaktivierung. Dieser Befund ist bei subakuter/chronischer Stressfraktur ausgeprägter und zeigt den Heilungsprozess an. Dichter neuer Knochen hat niedrige Protonendichte → niedriges Signal auf T1. Kann auch ohne Frakturlinie gesehen werden (Grad 2-3) als Zeichen chronischer Stressbelastung.
Berichtssatz
Endostale Verdickung am kortikalen Knochen auf T1, vereinbar mit chronischer Stressreaktion.
Kriterien
Grad 1: nur periostales Ödem. Grad 2: Marködem (STIR), T1 normal.
Unterscheidungsmerkmale
Keine Frakturlinie. Erholung in 4-6 Wochen mit Ruhe.
Kriterien
Marködem auf T1 und STIR. Noch keine Frakturlinie.
Unterscheidungsmerkmale
T1-Marksignalabfall. Längere Ruhezeit (6-12 Wochen).
Kriterien
Lineare Frakturlinie auf T1. Grad 4a: intrakortikale Fraktur; Grad 4b: volle kortikale Fraktur.
Unterscheidungsmerkmale
Nicht-belastend, 8-16 Wochen Erholung. Femurhalsspannungsseite und Navikularstressfrakturen sind 'Hochrisiko'.
Unterscheidungsmerkmal
AVN zeigt Doppellinienzeichen und nekrotische Zone, Stressfraktur zeigt lineare T1-Frakturlinie mit umgebendem Ödem
Unterscheidungsmerkmal
Transiente Osteoporose zeigt diffuses homogenes Marködem ohne Frakturlinie, Stressfraktur zeigt fokales Ödem und T1-Frakturlinie
Unterscheidungsmerkmal
Knochenmetastase zeigt multifokale Beteiligung, irreguläre Ränder, Weichteilmasse und Diffusionsrestriktion, während Stressfraktur fokale lineare Frakturlinie mit reaktivem umgebendem Ödem zeigt — stets klinische Korrelation erforderlich
Dringlichkeit
urgentManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthStressfrakturbehandlung wird nach Fredericson-Grad und anatomischer Lokalisation geplant — lokalisationsbasierte Risikostratifizierung ist kritisch. Niedrigrisiko-Lokalisationen (posteromediale Tibia, Metatarsalschäfte, Fibula, Becken): Grad 1-3: Ruhe, Cross-Training (Schwimmen, Radfahren), Aktivitätsmodifikation — 4-12 Wochen, exzellente Prognose. Grad 4: nicht-belastend (Krücken, orthopädischer Stiefel), 8-16 Wochen, Kontroll-MRT zur Heilungsverifikation. Hochrisiko-Lokalisationen — Risiko kompletter dislozierter Fraktur, manche erfordern chirurgische Fixierung: (1) Femurhals-Spannungsseite (superiorer Kortex) — gefährlichste Stressfraktur, frühzeitige chirurgische Fixierung empfohlen, (2) Navikular — avaskuläres zentrales Drittel mit schlechtem Heilungspotenzial, (3) anteriore Tibia ('dreaded black line') — chronisch, schwierige Heilung, evtl. intramedullärer Nagel, (4) fünfter Metatarsus proximal (Jones-Fraktur) — hohes Pseudarthrose-Risiko. Bei Insuffizienzfrakturen: Osteoporosebehandlung kritisch — DEXA, Kalzium + Vitamin D, Bisphosphonat/Denosumab. Bei Sportlerinnen: 'weibliche Sportlertriade' untersuchen (Energiedefizit, Amenorrhö, Osteoporose). Rückkehr zur Aktivität muss graduell und schmerzfrei erfolgen.
Stressreaktionen (Grad 1-3) heilen mit konservativer Behandlung in 4-8 Wochen (Aktivitätsmodifikation, Belastungsreduktion). Die Behandlung von Grad-4-Frakturen hängt von der Lokalisation ab: Femurhals-Medialseite konservativ, Superiorseite (Zugseite) erfordert chirurgische Intervention. Anteriore tibiale Kortexfrakturen heilen langsam ('dreaded black line'). Follow-up-MRT zeigt die Ödemrückbildung.