Die Pankreaspseudozyste ist eine Pankreasflüssigkeitskollektion, die sich nach akuter oder chronischer Pankreatitis entwickelt und keine epitheliale Auskleidung besitzt, sondern von entzündlichem Granulationsgewebe und Fibrose umgeben ist. Anders als echte Zysten hat sie keine epitheliale Bedeckung — daher der Name 'Pseudo'-(Falsch-)Zyste. Gemäß der revidierten Atlanta-Klassifikation (2012) handelt es sich um gut definierte umwandete Kollektionen mit homogenem Flüssigkeitsinhalt, die ≥4 Wochen nach akuter Pankreatitis reifen. Gangkommunikation ist häufig und entwickelt sich als Folge einer Pankreasgangsschädigung.
Altersbereich
30-70
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Häufig
Die Pseudozyste entsteht, wenn Pankreassekretionen und entzündliche Flüssigkeit als Folge einer Pankreasgangsschädigung oder Parenchymnekrose in die Peritonealhöhle oder den peripankreatischen Raum austreten. Bei akuter Pankreatitis verursacht die Gangdisruption Flüssigkeitsaustritt; diese Flüssigkeit sammelt sich zunächst als freie Kollektion (akute peripankreatische Flüssigkeitskollektion), dann bildet die Entzündungsreaktion im umgebenden Gewebe innerhalb von 4 Wochen eine fibröse Kapsel — dies ist der 'Reifungsprozess'. Die Pseudozystenwand besteht aus entzündlichem Granulationsgewebe, Fibrose und benachbarten Organwänden (Magen, Kolon, Peritoneum) anstelle von Epithel. Der Flüssigkeitsinhalt ist reich an Pankreasenzymen (Amylase, Lipase), und dieses Enzymprofil wird bei der Aspiration diagnostisch genutzt. Bei chronischer Pankreatitis führen wiederkehrende Entzündung und Fibrose zur Gangobstruktion und bilden Retentionszysten und Pseudozysten. In der Bildgebung erscheint die Pseudozyste als homogene Flüssigkeitsdichte/-signal-Kollektion, umgeben von einer dünnen glatten enhancenden Wand ohne solide Komponenten.
Darstellung einer dünnen (<2-4 mm), glatten, homogen enhancenden fibrösen Wand um die Pseudozyste in der portalvenösen Phase — der definierende Befund einer gereiften Pseudozyste. Diese Wand besteht aus entzündlichem Granulationsgewebe und Fibrose ohne epitheliale Auskleidung. Wanddicke und Regelmäßigkeit zeigen eine unkomplizierte Pseudozyste an; unregelmäßige Wandverdickung deutet auf Infektion oder Malignität hin. Bei akuten peripankreatischen Flüssigkeitskollektionen (<4 Wochen) hat sich diese Wand noch nicht gebildet.
In der portalvenösen Phase eine homogene Flüssigkeitsdichte-(0-20 HU)-Kollektion angrenzend an das Pankreas oder im peripankreatischen Raum, umgeben von einer dünnen (<2 mm), glatten, enhancenden Wand. Der Inhalt enthält keine soliden Komponenten oder Debris. Die Wand zeigt homogenes glattes Enhancement.
Berichtssatz
Eine homogene Flüssigkeitsdichte-Kollektion von [X×Y] mm Größe, umgeben von einer dünnen glatten enhancenden Wand, wird angrenzend an das Pankreas/im peripankreatischen Raum beobachtet, vereinbar mit einer Pankreaspseudozyste.
In T2-gewichteten Sequenzen eine deutlich hyperintense, homogen signalgebende, gut abgrenzbare Kollektion. Keine soliden Komponenten, Debris oder Septierungen sind im Inhalt sichtbar. Die Wand erscheint als dünnes Band mit niedrigem T2-Signal.
Berichtssatz
Im MRT wird eine deutlich T2-hyperintense, homogene, gut abgrenzbare Kollektion im peripankreatischen Bereich beobachtet, vereinbar mit einer Pankreaspseudozyste.
Nachweis der Pseudozysten-Kommunikation mit dem Pankreasgang in der MRCP — bestätigt die Gangschädigung und ist entscheidend für die Interventionsplanung (Drainage vs. Chirurgie). Gangkommunikation ist nicht immer nachweisbar, aber ihr Vorhandensein unterstützt die Diagnose.
Berichtssatz
Die MRCP zeigt/zeigt keine Kommunikation zwischen der Pseudozyste und dem Pankreasgang; dieser Befund ist vereinbar mit Gangschädigung und Pseudozystenätiologie.
Im transabdominellen US wird eine anechogene (oder hypoechogene) Flüssigkeitskollektion angrenzend an das Pankreas dargestellt. Dünne glatte Wand, posteriore akustische Verstärkung und Fehlen interner Echos bestätigen einfache Flüssigkeit. Das Vorhandensein interner Echos oder Debris deutet auf eine komplizierte (infizierte oder hämorrhagische) Pseudozyste hin.
Berichtssatz
Eine anechogene Flüssigkeitskollektion von [X] mm Größe wird im US angrenzend an das Pankreas beobachtet, im klinischen Kontext vereinbar mit einer Pankreaspseudozyste.
Eine noduläre Struktur mit prominentem Enhancement in der arteriellen Phase innerhalb oder in der Nähe der Pseudozystenwand — deutet auf eine Pseudoaneurysma-Komplikation hin. Die A. lienalis, A. gastroduodenalis oder der Arkus pancreaticoduodenalis sind die am häufigsten beteiligten Gefäße. Erfordert dringende Beurteilung aufgrund des lebensbedrohlichen Blutungsrisikos.
Berichtssatz
Eine noduläre Struktur von [X] mm Größe mit prominentem arteriellen Enhancement wird innerhalb/in der Nähe der Pseudozystenwand beobachtet, hinweisend auf eine Pseudoaneurysma-Komplikation; dringende CTA/Angiographie wird empfohlen.
Kriterien
Dünne glatte Wand, homogener Flüssigkeitsinhalt, keine Infektionszeichen, kein Pseudoaneurysma, keine Kompression benachbarter Organe.
Unterscheidungsmerkmale
Konservatives Follow-up kann ausreichen bei asymptomatischen und <6 cm. Die meisten zeigen spontane Resolution (besonders <4 cm). EUS-gesteuerte Drainage oder chirurgische Zystogastrostomie wird bei symptomatischen oder wachsenden Pseudozysten durchgeführt.
Kriterien
Klinik: Fieber, Leukozytose, Bauchschmerzen. Bildgebung: Wandverdickung, internes Debris/Gasblasen, peripankreatische entzündliche Veränderungen. Purulente Flüssigkeit und positive Kultur bei Aspiration.
Unterscheidungsmerkmale
Erfordert Antibiotikatherapie + Drainage. Gasblasen in der Zyste im CT sind starke Infektionsindikatoren. EUS-gesteuerte oder perkutane Drainage ist die bevorzugte Intervention. Chirurgische Drainage/Nekrosektomie wird bei unzureichendem Ansprechen durchgeführt.
Kriterien
Hochdichter Inhalt (>30 HU) oder T1-hyperintenses Signal im MRT — intrazystische Blutung. Durch Pseudoaneurysmaruptur oder vaskuläre Erosion durch Pankreasenzymverdauung.
Unterscheidungsmerkmale
Pseudoaneurysma sollte untersucht werden — Quellarterie in der CTA identifiziert. Aktive Blutung erfordert notfallmäßige angiographische Embolisation oder chirurgische Intervention. Sentinel-Clot-Zeichen (hochdichtes Gerinnsel in der Pseudozyste) kann die Blutungsquelle anzeigen.
Unterscheidungsmerkmal
Walled-off-Nekrose (WON) ist eine Kollektion mit heterogenem Inhalt (Flüssigkeit + solides nekrotisches Debris), die sich nach nekrotisierender Pankreatitis entwickelt. Pseudozyste hat HOMOGENEN Flüssigkeitsinhalt ohne solide Komponenten/Debris. Diese Unterscheidung beeinflusst direkt den Behandlungsansatz — WON kann Nekrosektomie erfordern, während Pseudozyste mit einfacher Drainage behandelt wird.
Unterscheidungsmerkmal
Seitengang-IPMN ist multilokular zystisch (traubenförmig), enthält dünne Septen, kann murale Knoten beherbergen und erfordert keine Pankreatitis-Anamnese. Pseudozyste ist unilokular, glattwandig, ohne Septen und begleitet die Pankreatitis-Anamnese. Zystenflüssigkeits-CEA (hoch beim IPMN, niedrig bei Pseudozyste) und Amylase (hoch bei Pseudozyste) sind unterscheidend.
Unterscheidungsmerkmal
Das seröse Zystadenom zeigt ein mikrozystisches 'Waben'-Muster, zentrale fibröse Narbe und Sonnenstrahlen-Kalzifikation; keine Pankreatitis-Anamnese. Pseudozyste ist eine unilokulare glattwandige Kollektion mit Pankreatitis-Anamnese. Demographisch ist das seröse Zystadenom häufiger bei älteren Frauen.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthDie meisten Pseudozysten (50-70%) zeigen spontane Resolution; konservatives Vorgehen wird besonders bei asymptomatischen <4 cm bevorzugt. Interventionsindikationen: symptomatisch (Schmerzen, Obstruktion), >6 cm, wachsend, infiziert oder kompliziert (Blutung, Ruptur, Pseudoaneurysma). Interventionsoptionen: EUS-gesteuerte transmurale Drainage (Zystogastrostomie/Zystoduodenostomie, erste Wahl), perkutane Drainage (bei Zysten-Magen-Abstand >1 cm), endoskopische transpapilläre Drainage (bei vorhandener Gangkommunikation) oder Chirurgie (bei Versagen anderer Methoden). Pseudoaneurysma-Komplikation erfordert notfallmäßige angiographische Embolisation.
Die meisten Pankreaspseudozysten bilden sich spontan zurück. Symptomatische, infizierte oder über 6 cm große Pseudozysten erfordern eine Drainage (endoskopisch, perkutan oder chirurgisch). Eine Pseudoaneurysma-Komplikation birgt ein lebensbedrohliches Blutungsrisiko. Die Abgrenzung zu zystischen Neoplasien ist von großer Bedeutung.