Die zervikale ektope Schwangerschaft ist die Implantation der Blastozyste im Endozervikalkanal unterhalb des inneren Muttermunds. Sie ist selten (<1% aller Ektopen), aber potenziell lebensbedrohlich. IVF, vorherige Kürettage, Kaiserschnitt und Asherman-Syndrom sind Risikofaktoren. Die Implantation im Endozervikalkanal führt aufgrund des fibrösen, muskelarmen Zervixstromas zu einer inadäquaten Dezidualreaktion, was eine unkontrollierte trophoblastische Invasion begünstigt. Im US wird der Fruchtsack in der Zervix unterhalb des inneren Muttermunds dargestellt — Sanduhr-förmiger Uterus und fassförmig erweiterte Zervix. Das negative Sliding Sign ist diagnostisch wertvoll zur Unterscheidung von Abortmaterial. Im Farbdoppler zeigt sich peritrophoblastische Vaskularität als Implantationsnachweis.
Altersbereich
18-45
Häufigkeitsalter
33
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Bei der zervikalen ektopen Schwangerschaft implantiert sich die Blastozyste im Endozervikalkanalepithel und trophoblastische Zotten invadieren das Zervixstroma. Da das Zervixstroma muskelarm ist und überwiegend aus kollagenreichen Fasern besteht, kann es keine adäquate Barriere wie bei der myometrialen Dezidualreaktion bilden — die trophoblastische Invasion kann daher unkontrolliert fortschreiten und zervikale Gefäße erodieren, was zu massiven Blutungen führen kann. Die zervikale Vaskularität ist jedoch begrenzter als die uterine, was das Schwangerschaftswachstum limitiert. Die Kombination aus leerem Uterusfundus und erweiterter Zervix erzeugt den Sanduhr-Befund. Der Sliding-Sign-Test basiert auf der pathophysiologischen Unterscheidung: ein implantierter ektoper Fruchtsack haftet über trophoblastische Zotten am Stroma und verlagert sich nicht bei Sondendruck; Abortmaterial ist frei und gleitet im Kanal. Peritrophoblastische Vaskularität resultiert aus der Spiralarterienremodellierung durch trophoblastische Invasion und manifestiert sich als niedrigresistenter arterieller Fluss im Doppler — ein zweiter kritischer Parameter zur Unterscheidung von Abortmaterial.
Leerer Uterusfundus + implantierter Fruchtsack in erweiterter Zervix unterhalb des inneren Muttermunds + nicht-gleitendes Sliding Sign — charakteristische ultrasonographische Kombination für zervikale ektope Schwangerschaft. Peritrophoblastische Vaskularität stärkt die Diagnose.
Im TVUS wird der Fruchtsack im Endozervikalkanal unterhalb des inneren Muttermunds dargestellt. Der Fruchtsack hat typischerweise regelmäßige Konturen und ist von einem Dezidualring umgeben. Die Uteruskavität ist leer — das fundale Endometrium kann dezidual verdickt sein. Die Zervix ist erweitert mit dünnem Stromaüberzug um den Fruchtsack.
Berichtssatz
Ein Fruchtsack von __ mm wird in der Zervix unterhalb des inneren Muttermunds im TVUS dargestellt, vereinbar mit zervikaler ektoper Schwangerschaft; die Uteruskavität ist leer.
Im sagittalen US erscheint der Uterus sanduhrförmig: der fundale Uterus hat normale Größe (leere Kavität), während die Zervix durch den Fruchtsack deutlich erweitert ist. Dieser Kontrast ist charakteristisch für zervikale ektope Schwangerschaft. Die normale myometriale Dicke ist am Fundus erhalten, während die Zervixregion durch den Fruchtsack gedehnt ist. Die Sanduhr-Erscheinung wird am besten in mittleren sagittalen Schnitten beurteilt.
Berichtssatz
Der Uterus zeigt Sanduhr-Erscheinung im sagittalen US — leerer Fundus und durch Fruchtsack erweiterte Zervix werden dargestellt.
Im Farbdoppler zeigt sich prominente peritrophoblastische Vaskularität um den zervikalen Fruchtsack — Implantationsnachweis. Diese Vaskularität zeigt niedrigresistenten arteriellen Fluss (RI typischerweise <0,5). Das trophoblastische Gefäßnetzwerk kann eine 360-Grad-Verteilung um den Fruchtsack zeigen. Dieser Befund ist kritisch zur Unterscheidung von Abortmaterial, das keine vaskuläre Verbindung hat und kein Doppler-Signal gibt.
Berichtssatz
Peritrophoblastische Vaskularität und niedrigresistenter arterieller Fluss um den zervikalen Fruchtsack im Farbdoppler sind vereinbar mit zervikaler ektoper Schwangerschaft.
In T2-gewichteten MRT-Bildern wird ein hochsignaliger Fruchtsack in der Zervix dargestellt. Zervikales Stroma zeigt als fibröses Gewebe niedriges T2-Signal und hohen Kontrast zum Fruchtsack. Internal-Os-Ebene und Fruchtsackposition werden in sagittalen und koronalen Ebenen bewertet. Dezidualreaktionsring zeigt intermediäres Signal. Blutungsareale können in T1-gewichteten Sequenzen hyperintens sein.
Berichtssatz
Ein hochsignaliger Fruchtsack in der Zervix unterhalb des inneren Muttermunds wird in T2-gewichteten MRT-Bildern dargestellt, vereinbar mit zervikaler ektoper Schwangerschaft.
Bei sanftem Druck mit der Sonde auf die Zervix behält der Fruchtsack seine Position und gleitet nicht (negatives Sliding Sign). Der Fruchtsack ist mechanisch fixiert durch trophoblastische Zotten am Stroma. Abortmaterial ist frei im Zervikalkanal und gleitet bei Druck (positives Sliding Sign). Diese Unterscheidung differenziert zervikale Ektope von Abort in Transit und kann in Sekunden unter Echtzeit-US durchgeführt werden.
Berichtssatz
Der zervikale Fruchtsack gleitet nicht bei Sondendruck (negatives Sliding Sign) — Befund zugunsten einer implantierten zervikalen ektopen Schwangerschaft.
CT wird typischerweise für Komplikationsbeurteilung verwendet — massive Blutung, Hämoperitoneum oder interventionelle Planung. Kontrastmittel-CT beurteilt hypervaskuläre Masse in der Zervixregion und freie pelvine Flüssigkeit. Für die Uterusarterienembolisation-Planung zeigt die arterielle Phase die Gefäßanatomie.
Berichtssatz
Eine hypervaskuläre Masse in der Zervixregion wird im Kontrastmittel-CT mit begleitender pelviner freier Flüssigkeit dargestellt — Blutungskomplikation sollte beurteilt werden.
Der innere Muttermund ist geschlossen ohne Fruchtsackdurchgang — dieser Befund hilft bei der Unterscheidung der zervikalen Ektope von einer absinkenden Schwangerschaft des unteren Uterinsegments. Leerer Fundus bestätigt keine intrauterine Schwangerschaft.
Berichtssatz
Der innere Muttermund ist geschlossen und der Uterusfundus ist leer — zervikale Lokalisation wird bestätigt.
Kriterien
<8 Wochen Gestationsalter, kleiner Fruchtsack (<20 mm), minimal erweiterte Zervix, β-hCG meist <10.000 mIU/mL
Unterscheidungsmerkmale
Höhere Chance auf medikamentöse Behandlung (MTX) — Einzel- oder Mehrfachdosis, lokale KCl-Injektion möglich, höchste Fertilitätserhaltungswahrscheinlichkeit
Kriterien
>8 Wochen Gestationsalter, prominente fassförmige Zervix, aktive Blutung möglich, β-hCG meist >10.000 mIU/mL
Unterscheidungsmerkmale
Chirurgische oder interventionelle Behandlung erforderlich — Uterusarterienembolisation + Kürettage, zervikale Ballontamponade, selten Hysterektomie, niedrige MTX-Erfolgsrate
Kriterien
Fetale Herzaktivität vorhanden, meist >6 Wochen
Unterscheidungsmerkmale
Dringende Intervention prioritär — Wachstum setzt sich fort, Ruptur- und Blutungsrisiko steigt progressiv, MTX + lokales KCl oder Chirurgie
Unterscheidungsmerkmal
Tubare Ektope im Adnexbereich mit normaler Zervix; zervikale Ektope in der Zervix mit normalem Adnexbereich — Lokalisationsunterschied im TVUS klar dargestellt
Unterscheidungsmerkmal
Kaiserschnittnarben-Ektope am anterioren unteren Segmentnarbe mit Myometriumbezug; zervikale Ektope im Endozervikalkanal unterhalb des Muttermunds — Narbenhistorie und Geweberelation sind unterscheidend
Unterscheidungsmerkmal
Interstitielle Ektope im kornualen Myometrium mit exzentrischer Lokalisation (Interstitial-Line-Sign positiv); zervikale Ektope in der Zervix mit Mittellinienllokalisation
Unterscheidungsmerkmal
Gestationelle Trophoblasterkrankung zeigt 'Schneesturm'-Muster und sehr hohes β-hCG (>100.000); zervikale Ektope hat normale Fruchtsackstruktur und proportionales β-hCG
Dringlichkeit
emergentManagement
interventionalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralZervikale ektope Schwangerschaft erfordert Notfallmanagement wegen unkontrolliertem Blutungsrisiko. Behandlungsoptionen basieren auf Gestationsalter, β-hCG-Spiegel und fetaler Herzaktivität. Frühstadium: MTX oder lokales KCl. Fortgeschritten: Uterusarterienembolisation + Kürettage, Ballontamponade, Hysterektomie als letzte Option. β-hCG-Monitoring posttherapeutisch obligat bis Negativierung.
Die zervikale EUG ist selten, aber gefährlich — die Blutungskontrolle ist schwierig, da die Zervix keine Kontraktionsfähigkeit besitzt. Therapieoptionen umfassen Methotrexat (früh, klein, stabil), Embolisation der A. uterina + Kürettage oder Hysterektomie (bei massiver Blutung). Zervixerhaltende Ansätze werden zur Fertilitätserhaltung bevorzugt.