Fettnekrose ist ein benigner entzündlicher Prozess, der aus ischämischer Nekrose des Brustfettgewebes resultiert. Sie macht 0,6-2,75% aller Brustläsionen aus. Entwickelt sich am häufigsten nach Trauma (stumpf oder penetrierend), Operation (Lumpektomie, Reduktion, Rekonstruktion), Radiotherapie und Biopsie. Fettnekrose zeigt hochvariable Bildgebungsmerkmale — kann sich als Ölzyste, Randverkalkung, spikulierte Masse, Architekturstörung oder fokale Asymmetrie präsentieren und Malignität imitieren. Der charakteristischste mammographische Befund ist eine Ölzyste mit fettdichtem (radioluzenten) Zentrum und peripherer dünner Randverkalkung (Eierschalentyp) — dieses Erscheinungsbild ist pathognomonisch. Jedoch kann Fettnekrose im Frühstadium als spikulierte Masse oder Architekturstörung auftreten und invasives Karzinom imitieren (BI-RADS 4-5). Im MRT sind Läsion mit Fettsignal (hell in T1, Signalverlust bei Fettunterdrückung) und Randanreicherung typisch. Im US variable Echogenität — anechogene Zyste, hyperechogene Fettmasse oder gemischte Echotextur sichtbar. Klinische Anamnese (Trauma/Operation) ist für die Diagnose kritisch wichtig.
Altersbereich
30-70
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Häufig
Fettnekrose ist ein aseptischer entzündlicher Prozess, der sich nach ischämischer oder traumatischer Schädigung von Adipozyten im Brustfettgewebe entwickelt. Geschädigte Adipozyten zerfallen und setzen freie Fettsäuren frei — diese Fettsäuren lösen eine Entzündungsreaktion im umgebenden Gewebe aus. Der entzündliche Prozess verläuft in vier Stadien: (1) Akute Entzündung — Ödem, Hämorrhagie und Neutrophileninfiltration. In diesem Stadium kann in der Bildgebung eine unregelmäßig begrenzte Masse oder fokale Konsolidierung sichtbar sein — kann Malignität imitieren. (2) Lipidphagozytose — Makrophagen (Schaumzellen/Lipophagen) phagozytieren nekrotisches Fett. Verseifung (Saponifikation) der Fettsäuren beginnt. (3) Fibrose und Verkalkung — Granulationsgewebe bildet sich, fibrotische Kapsel entwickelt sich. Bindung verseifter Fettsäuren mit Kalzium führt zu peripherer dystrophischer Verkalkung (Randverkalkung). (4) Ölzystenbildung — flüssiges Fett (Oleat) sammelt sich innerhalb der fibrotischen Kapsel und bildet eine Ölzyste. Der Fettgehalt der Ölzyste erzeugt negative Dichte (radioluzentes Zentrum) in der Mammographie und helles Signal in T1-MRT — Signalverlust bei Fettunterdrückung bestätigt Diagnose. Randanreicherung resultiert aus Granulationsgewebe und Neovaskularisation der fibrotischen Kapsel. Spikulierter Rand reflektiert fibrotische Gewebsretraktion — dieser Befund imitiert desmoplastische Reaktion des invasiven Karzinoms und kann Malignitätsverdacht erwecken.
Fettdichtes (radioluzentes/dunkles) Zentrum mit umgebender dünner peripherer Verkalkung (Eierschalentyp-Rand) in der Mammographie. Dieses Erscheinungsbild ist pathognomonisch für Fettnekrose — keine andere Brustläsion erzeugt diese spezifische Kombination. Bei Ölzysten-Diagnose ist keine weitere Abklärung oder Biopsie erforderlich (BI-RADS 2).
Fettdichtes (radioluzentes) Zentrum umgeben von dünner peripherer Verkalkung — 'Eierschalen'-Typ Randverkalkung. Ölzyste ist gewöhnlich rund oder oval, gut begrenzt. Größe variabel (von wenigen mm bis mehrere cm). Dieses Erscheinungsbild ist pathognomonisch für Fettnekrose und erfordert keine weitere Abklärung.
Berichtssatz
Eine Ölzyste mit fettdichtem Zentrum und peripherer Randverkalkung wird an der chirurgischen Narbenstelle in der Mammographie beobachtet, ein benigner Befund vereinbar mit Fettnekrose; keine weitere Abklärung erforderlich (BI-RADS 2).
In der frühen oder aktiven entzündlichen Phase kann Fettnekrose als spikulierte oder unregelmäßig begrenzte Masse erscheinen — invasives Karzinom imitierend. Architekturstörung kann begleiten. Fettdichtes Zentrum hat sich möglicherweise noch nicht gebildet. Diese Präsentation wird als BI-RADS 4-5 bewertet und erfordert Biopsie.
Berichtssatz
Eine spikulierte Masse wird an der Operations-/Traumastelle beobachtet; invasives Karzinom und Fettnekrose sollten in der Differentialdiagnose berücksichtigt werden; Stanzbiopsie wird empfohlen (BI-RADS 4B).
Hohes Signal in T1-gewichteten Serien (isointens mit subkutanem Fett). Signalverlust in fettunterdrückten (Fat-Sat oder STIR) Sequenzen — bestätigt Fettgehalt. Ölzyste ist rund oder oval, gut begrenzt mit hellem Zentrum in T1.
Berichtssatz
Eine Läsion mit hellem Signal in T1-gewichteten Serien und Signalverlust in der fettunterdrückten Sequenz wird im MRT beobachtet, vereinbar mit Ölzyste aufgrund Fettnekrose.
Dünne Rand (periphere Ring-) Anreicherung um die Ölzyste in der kontrastmittelverstärkten MRT. Zentrum reichert nicht an (flüssiges Fett ist avaskulär). Randanreicherung reflektiert Granulationsgewebe und Neovaskularisation der fibrotischen Kapsel. Randdicke ist gewöhnlich dünn und glatt — dicker oder irregulärer Rand erhöht Malignitätsverdacht.
Berichtssatz
Dünne glatte Randanreicherung um die T1-hyperintense Läsion wird in der kontrastmittelverstärkten MRT beobachtet, vereinbar mit Ölzyste und umgebender fibrotischer Kapsel aufgrund Fettnekrose.
Fettnekrose zeigt extrem variables Erscheinungsbild im Ultraschall: (1) Anechogene Zyste (Ölzyste), (2) Hyperechogene Masse (fetthaltige solide Läsion), (3) Gemischt zystisch-solide Struktur, (4) Hypoechogene Masse (frühes entzündliches Stadium), (5) Architekturstörung. Posteriore Schallverstärkung (in zystischen Komponenten) oder Schallschatten (in verkalktem Rand) können sichtbar sein.
Berichtssatz
Eine anechogene zystische Läsion mit peripherem hyperechogenem Rand und posteriorer Schallverstärkung wird an der chirurgischen Narbenstelle im Ultraschall beobachtet, vereinbar mit Ölzyste aufgrund Fettnekrose; mammographische Korrelation wird empfohlen.
Fettdichte (-20 bis -100 HU) Läsion im CT. Peripherer verkalkter Rand kann sichtbar sein. Ölzyste erscheint als gut begrenzte, runde Struktur. Obwohl CT nicht die primäre Modalität für die Brust ist, kann sie inzidentell im Thorax-CT nachgewiesen werden.
Berichtssatz
Eine gut begrenzte fettdichte (-60 HU) Läsion mit peripherer Verkalkung wird im Brustparenchym im CT beobachtet, vereinbar mit Ölzyste aufgrund Fettnekrose.
Kriterien
Wochen bis Monate nach Trauma/Operation. Aktive Entzündung, Ödem, Hämorrhagie dominant. Ölzyste noch nicht gebildet. Verkalkung fehlend oder minimal.
Unterscheidungsmerkmale
Spikulierte oder unregelmäßig begrenzte Masse in der Mammographie — imitiert Malignität, Biopsie erforderlich. Heterogene Anreicherung im MRT. Hypoechogene irreguläre Masse im US. In diesem Stadium kann Bildgebung allein keine Diagnose stellen — klinische Anamnese und Biopsie erforderlich.
Kriterien
Monate bis Jahre später. Fibrotische Kapsel ausgereift. Ölzyste gebildet. Randverkalkung entwickelt oder sich entwickelnd. Entzündung minimal.
Unterscheidungsmerkmale
Pathognomonische Ölzyste in der Mammographie (radioluzentes Zentrum + Randverkalkung). T1 hell, Fat-Sat-Dropout im MRT. Anechogene Zyste im US. Diagnose definitiv — Biopsie nicht erforderlich (BI-RADS 2).
Kriterien
Fettnekrose nach Brustoperation (Lumpektomie, Mastektomie+Rekonstruktion, Reduktion, Augmentation). Multiple Ölzysten können entlang des Operationsfeldes sichtbar sein. Häufig bei TRAM/DIEP-Lappen-Rekonstruktion.
Unterscheidungsmerkmale
Ölzysten in linearer Ausrichtung entlang der chirurgischen Narbenlinie. Narbenretraktion und Architekturstörung können begleiten. Nach Operation wegen Brustkrebs ist Differenzierung von Malignitätsrezidiv wichtig — Fettsignal (MRT) oder Ölzyste (Mammographie) zeigt kein Rezidiv.
Unterscheidungsmerkmal
IDC bildet spikulierte Masse zeigt aber kein fettdichtes Zentrum — Fettnekrose im Ölzystenstadium hat radioluzentes Zentrum. IDC enthält kein Fettsignal im MRT, Fettnekrose ist T1 hell und verliert Signal in Fat-Sat. Anamnese von Trauma/Operation unterstützt Fettnekrose.
Unterscheidungsmerkmal
DCIS zeigt fein pleomorphe/lineare/verzweigte intraduktale Verkalkungen — Fettnekrose zeigt Rand (periphere) Verkalkung. DCIS-Verkalkungen sind segmental verteilt und gangförmig. Bei Fettnekrose ist Verkalkung ringförmig um die Läsion.
Unterscheidungsmerkmal
Einfache Zyste zeigt niedriges (Wasser-) Signal in T1 — Ölzyste zeigt hohes (Fett-) Signal in T1. Einfache Zyste ist hell in T2, Ölzyste zeigt intermediäres Signal in T2. Einfache Zyste verliert kein Signal bei Fettunterdrückung, Ölzyste schon. In der Mammographie hat einfache Zyste Wasser-/Weichteilgewebedichte, Ölzyste hat Fettdichte.
Unterscheidungsmerkmal
Hamartom ist eine gut begrenzte Masse mit Mischung aus Fett- und Drüsengewebe ('Brust-in-der-Brust'-Erscheinung) — Fettnekrose zeigt typischerweise reinen Fettgehalt und Randverkalkung. Hamartom ist nicht mit Traumaanamnese assoziiert und wächst nicht. Ölzyste kann im Laufe der Zeit schrumpfen oder vollständig verkalken.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
no-follow-upFettnekrose im Ölzystenstadium ist ein benigner Befund, der keine weitere Abklärung oder Behandlung erfordert (BI-RADS 2). Klinische Anamnese (Trauma, Operation, Radiotherapie) ist diagnostisch kritisch wichtig. Jedoch kann Fettnekrose im Frühstadium (spikulierte Masse, Architekturstörung) Malignität imitieren — Stanzbiopsie ist in dieser Situation erforderlich (BI-RADS 4). Nach Brustkrebsoperation muss Fettnekrose von Rezidiv unterschieden werden — Fettsignal im MRT (T1 hell, Fat-Sat-Dropout) bestätigt kein Rezidiv. Symptomatische Ölzysten (Schmerz, palpable Schwellung) können mit Aspiration behandelt werden. Im Laufe der Zeit können Ölzysten schrumpfen oder vollständig verkalken — stabile verkalkte Ölzysten erfordern keine Nachsorge.
Die Fettnekrose ist eine benigne Läsion, die bei typischem Erscheinungsbild keiner Behandlung bedarf. Bei atypischem Erscheinungsbild (spikulierte Raumforderung, Anreicherung) kann eine Biopsie erforderlich sein. Sie sollte im postoperativen Follow-up nicht mit einem Karzinom verwechselt werden. Die klinisch-radiologische Korrelation ist wichtig.