Das lobuläre Carcinoma in situ (LCIS) ist eine nicht-invasive neoplastische Proliferation, die von Epithelzellen der terminalen Duktuli und Azini der Brustläppchen ausgeht und die Basalmembran nicht durchbrochen hat. LCIS wird typischerweise inzidentell entdeckt — es zeigt keine spezifischen Befunde in der Mammographie und wird meist zufällig bei einer aus anderem Grund durchgeführten Biopsie diagnostiziert. LCIS ist weniger eine präkanzeröse Läsion als ein Risikomarker, der das Risiko für bilateralen Brustkrebs erhöht — es steigert das Risiko für die Entwicklung eines invasiven Karzinoms in beiden Brüsten gleichermaßen um das 7-12-fache. Es neigt in 30-40% zur Multifokalität und in 20-30% zur Bilateralität. Es besteht eine starke Assoziation mit invasivem lobulären Karzinom (ILC), aber das Risiko für invasives duktales Karzinom ist ebenfalls erhöht. Es tritt typischerweise bei prämenopausalen Frauen (40-50 Jahre) auf. Die pleomorphe LCIS-Variante zeigt aggressiveres biologisches Verhalten und kann sich mit DCIS-ähnlichen Verkalkungen präsentieren.
Altersbereich
40-60
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Selten
LCIS ist eine Proliferation E-Cadherin-negativer neoplastischer Zellen, die die Azini und kleinen Duktuli der terminalen duktalen lobulären Einheit auskleiden. E-Cadherin-Verlust ist das definierende molekulare Merkmal von LCIS — der Verlust dieses Zell-Zell-Adhäsionsmoleküls führt dazu, dass Zellen in einem diskohäsiven Muster wachsen. Dieses diskohäsive Wachstum zeigt, dass LCIS einen gemeinsamen pathologischen Mechanismus mit dem invasiven lobulären Karzinom (ILC) teilt — ILC ist ebenfalls E-Cadherin-negativ und zeigt ein 'Indian-File' (Einzelreihen-) Infiltrationsmuster. Der Hauptgrund für die Unsichtbarkeit von LCIS in der Mammographie ist, dass neoplastische Zellen die lobuläre Architektur nicht stören, keine desmoplastische Reaktion (stromale Fibrose) erzeugen und typischerweise keine Nekrose oder Verkalkung produzieren. Obwohl Lobuli gefüllt sind, bleibt das gesamte Brustparenchym strukturell erhalten — daher werden Masse, Distorsion oder Verkalkung in der Mammographie nicht erwartet. Bei der pleomorphen LCIS-Variante sind die Zellen größer und atypischer, zentrale Nekrose kann auftreten und dystrophische Verkalkung ähnlich DCIS kann entstehen — daher kann sich pleomorphes LCIS mit Verkalkungen in der Mammographie präsentieren.
Der definierende 'Befund' von LCIS ist tatsächlich das Fehlen von Befunden — die Unsichtbarkeit in Mammographie, Ultraschall und häufig MRT ist das charakteristischste Merkmal von LCIS. Dies resultiert daraus, dass E-Cadherin-negative diskohäsive Zellen keine desmoplastische Reaktion, Nekrose oder Verkalkung produzieren.
Klassisches LCIS ist in der Mammographie unsichtbar — produziert keine Verkalkungen, Masse oder Architekturstörung. Brustdichte ist unabhängig vom LCIS-Vorhandensein. Diagnose wird inzidentell bei Biopsie für einen anderen Befund gestellt, nicht durch mammographisches Screening.
Berichtssatz
Kein spezifischer Befund in der Mammographie nachgewiesen; da LCIS jedoch typischerweise in der Mammographie okkult ist, schließt ein negatives Mammogramm LCIS nicht aus.
LCIS ist in der kontrastmittelverstärkten Brust-MRT im Allgemeinen nicht nachweisbar, aber in einigen Fällen kann multifokale, regionale oder diffuse Non-Mass-Enhancement sichtbar sein. Segmentales oder duktales NME kann bei pleomorphem LCIS prominenter sein. MRT-Sensitivität für LCIS-Detektion ist niedrig (40-60%).
Berichtssatz
Bilaterale diffuse milde Non-Mass-Enhancement wird in der kontrastmittelverstärkten Brust-MRT beobachtet; dieser Befund ist unspezifisch im Rahmen von LCIS und klinische Korrelation wird empfohlen.
Amorphe oder fein pleomorphe Verkalkungen können bei der pleomorphen LCIS-Variante sichtbar sein — diese Verkalkungen imitieren DCIS-Verkalkungen. Können gruppierte oder regionale Verteilung zeigen. Immunhistochemische E-Cadherin-Negativität bestätigt LCIS-Diagnose.
Berichtssatz
Gruppierte amorphe Verkalkungen werden beobachtet; DCIS und pleomorphes LCIS sollten in der Differentialdiagnose berücksichtigt werden; stereotaktische Biopsie mit E-Cadherin-Immunhistochemie wird empfohlen.
LCIS kann eine leichte T2-Signalerhöhung in betroffenen Lobuli zeigen, aber dieser Befund ist gewöhnlich sehr subtil und kann vom Hintergrundparenchym nicht unterscheidbar sein. T2-Signaländerungen können bei pleomorphem LCIS prominenter sein.
Berichtssatz
Keine signifikante fokale Signalveränderung wird in T2-gewichteten Serien beobachtet; LCIS kann im MRT typischerweise okkult sein.
Klassisches LCIS zeigt typischerweise keine Befunde im Ultraschall. Selten kann ein unspezifischer leicht hypoechogener Bereich oder fokale asymmetrische Dichteerhöhung sichtbar sein. US ist nicht die primäre Modalität für LCIS-Screening, aber wertvoll zur Erkennung begleitender invasiver Läsionen.
Berichtssatz
Keine fokale Läsion im Ultraschall nachgewiesen; LCIS ist im Ultraschall typischerweise okkult und negative US-Befunde schließen LCIS nicht aus.
Kriterien
Kleine, uniforme, runde Zellen — diskohäsive Proliferation, die lobuläre Azini füllt. E-Cadherin negativ. Keine Nekrose. Niedrige mitotische Aktivität. Häufigster Typ (80-90%).
Unterscheidungsmerkmale
Okkult in allen bildgebenden Modalitäten. Als bilateraler Risikomarker bewertet. Aktive Überwachung oder Chemoprophylaxe (Tamoxifen) wird empfohlen. Chirurgische Exzision ist im Allgemeinen nicht erforderlich (bei adäquater Probenentnahme).
Kriterien
Große, atypische Zellen, nukleärer Pleomorphismus, fokale Komedonekrose kann vorhanden sein. E-Cadherin negativ (Unterscheidung von DCIS). Aggressiveres biologisches Verhalten — Behandlung ähnlich DCIS wird empfohlen.
Unterscheidungsmerkmale
Kann Verkalkungen in der Mammographie zeigen (DCIS-ähnlich). Anreicherung im MRT kann prominenter sein. Chirurgische Exzision wird im Allgemeinen empfohlen. Rezidivrisiko ist höher als bei klassischem LCIS.
Kriterien
LCIS charakterisiert durch massive Distension der Lobuli. Azini sind deutlich erweitert und mit neoplastischen Zellen gefüllt. Zentrale Nekrose kann sichtbar sein. Wird als aggressiver als klassisches LCIS angesehen.
Unterscheidungsmerkmale
Erweiterte Lobuli können manchmal einen Masseneffekt erzeugen — können als fokale Asymmetrie oder unspezifische Läsion im MRT oder US erscheinen. Chirurgische Exzision wird empfohlen. Progressionsrisiko zum invasiven Karzinom ist höher als bei klassischem LCIS.
Unterscheidungsmerkmal
DCIS präsentiert sich mit Verkalkungen (pleomorph/linear/verzweigt) in der Mammographie — LCIS ist typischerweise in der Mammographie okkult. DCIS ist E-Cadherin-positiv, LCIS ist E-Cadherin-negativ. DCIS ist eine lokale prämaligne Läsion, LCIS ist ein bilateraler Risikomarker.
Unterscheidungsmerkmal
ILC ist ein invasiver Tumor, der sich mit Masse oder Non-Mass-Enhancement im MRT zeigt — LCIS ist typischerweise auch im MRT okkult. ILC kann in der Mammographie okkult sein, aber im US/MRT nachweisbar. Beide sind E-Cadherin-negativ, aber ILC hat die Basalmembran durchbrochen.
Unterscheidungsmerkmal
Fibroadenom erscheint als gut begrenzter, ovaler, hypoechogener solider Knoten im US — LCIS ist im US typischerweise unsichtbar. Fibroadenom zeigt ovale Masse oder grobe Verkalkung in der Mammographie. Fibroadenom ist eine benigne Neoplasie ohne Malignitätsrisiko.
Unterscheidungsmerkmal
IDC bildet spikulierte oder unregelmäßig begrenzte Masse in der Mammographie — LCIS bildet keine Masse. IDC erscheint als hypoechogene, unregelmäßig begrenzte Masse mit posteriorer Schallabschattung im US. IDC ist E-Cadherin-positiv während LCIS negativ ist.
Dringlichkeit
routineManagement
surveillanceBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
annualKlassisches LCIS wird als Risikomarker behandelt — chirurgische Exzision ist im Allgemeinen nicht erforderlich (bei adäquater Probenentnahme in Stanzbiopsie). Behandlungsoptionen: (1) Aktive Überwachung — jährliche Mammographie + 6-monatliche klinische Untersuchung, jährliches MRT-Screening bei Hochrisikopatientinnen. (2) Chemoprophylaxe — Tamoxifen oder Raloxifen für 5 Jahre (~50% Risikoreduktion). (3) Bilaterale prophylaktische Mastektomie — in sehr hochriskanten ausgewählten Fällen (BRCA + LCIS). Bei pleomorphem und floridem LCIS wird Behandlung ähnlich DCIS empfohlen — chirurgische Exzision + freie Ränder. Lebenszeitrisiko für invasives Karzinom nach LCIS-Diagnose beträgt 20-30%.
LCIS ist ein Risikomarker und wird auch als Präkanzerose (Vorläuferläsion) betrachtet. Jährliches Mammographie- und MRT-Screening für Hochrisikopatientinnen wird empfohlen. Eine Chemoprophylaxe (Tamoxifen/Raloxifen) zur Risikoreduktion kann in Betracht gezogen werden. Eine beidseitige prophylaktische Mastektomie kann in seltenen Fällen diskutiert werden.