Die kolorektale Endometriose ist die ektope Implantation von funktionellem Endometriumgewebe in der Kolon- oder Rektumwand, die bei 5-12% der Faelle von tief infiltrierender Endometriose (DIE) auftritt. Die rektosigmoidale Verbindung ist am haeufigsten betroffen (70-90%). Patientinnen praesentieren sich mit menstruationszyklusbezogenen Beckenschmerzen, Dyschezie (schmerzhafte Defaekation), rektaler Blutung und Diarrhoe. Becken-MRT ist der Goldstandard fuer Diagnose und Operationsplanung. Laesionen erscheinen als hypointense solide nodulaere oder plaquefoermige Verdickung in T2-gewichteten Bildern — reflektiert fibrotische Stromareaktion und Haemosiderinablagerung. Die transmurale Invasionstiefe bestimmt die Therapieentscheidung; chirurgische Resektion kann bei tiefer Beteiligung (Muscularis propria und darueber hinaus) erforderlich sein.
Altersbereich
20-50
Häufigkeitsalter
35
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Selten
Die kolorektale Endometriose beginnt mit Endometriumzellen, die durch retrograde Menstruation die Peritonealhoehle erreichen und sich auf der Darmserosa implantieren. Die implantierten Endometriumzellen sind oestrogenabhaengig und zeigen Proliferation und Blutung waehrend des gesamten Menstruationszyklus — wiederholte Mikrohaemorrhagie und Entzuendung in jedem Zyklus loesen eine chronische fibrotische Reaktion aus. Dieses fibrotische Stroma bildet eine dichte desmoplastische Reaktion um die Endometriumdruesen und verursacht ein hypointenses Erscheinungsbild in T2-gewichteten MRT-Bildern — die kurze T2-Zeit resultiert aus dichten Kollagenfibrillen und Haemosiderinablagerung, die die Beweglichkeit der Wassermolekuele einschraenken. Die Laesion schreitet von der Serosa zur Mukosa fort: Serosa → Muscularis propria → Submukosa → Mukosa. Die Beteiligung der Muscularis propria fuehrt zu Wandverdickung und Lumenverengung — erscheint als konzentrische oder exzentrische Wandverdickung in CT und MRT. Wiederholte Blutungen verursachen Haemosiderinakkumulation (Eisenablagerung), die T1-Hyperintensitaet (Methaemoglobin/Haemosiderin) und T2-Hypointensitaet (T2-verkuerzende Wirkung von Haemosiderin) erzeugt. Zyklische Blutungen koennen kleine endometriotische Zysten (Schokoladenflecken) innerhalb der Darmwand bilden.
Pilzkappenfoermige T2-hypointense nodulaere Verdickung in der rektosigmoidalen Wand — die endometriotische Implantation hat sich von der Serosa zur Muscularis propria ausgebreitet und die charakteristische Pilzkappenkonfiguration angenommen. Diese Morphologie ist charakteristisch fuer tief infiltrierende Endometriose.
Hypointense nodulaere oder plaquefoermige Wandverdickung im rektosigmoidalen Bereich in T2-gewichteten Bildern. Die Laesion betrifft typischerweise die Serosa und Muscularis-propria-Schichten. Das hypointense Signal reflektiert fibrotisches Stroma und Haemosiderinablagerung. Die Verdickung kann exzentrisch (anteriore Wand praedominant) oder konzentrisch sein. Die Mukosaschicht ist im Allgemeinen intakt. Kleine T2-hyperintense Herde nahe der Laesion repraesentieren dilatierte Endometriumdruesen.
Berichtssatz
T2-hypointense nodulaere Wandverdickung im rektosigmoidalen Bereich, vereinbar mit tief infiltrierender Endometriose; die Laesion betrifft die Serosa und Muscularis-propria-Schichten.
Kleine hyperintense Herde innerhalb der Wandverdickung in T1-gewichteten Bildern — Blutprodukte (Methaemoglobin) in endometriotischen Zysten. Diese Hyperintensitaet persistiert in fettunterdrueckten Sequenzen (Unterscheidung von Fett). T1-hyperintense Herde sind hochcharakteristisch fuer Endometriose. Multiple hyperintense Herde koennen in groesseren Laesionen gesehen werden.
Berichtssatz
T1-hyperintense Herde innerhalb der Wandverdickung mit persistierender Hyperintensitaet in fettunterdrueckten Sequenzen, vereinbar mit Blutprodukten in endometriotischen Zysten.
Milde bis maessige Diffusionsrestriktion im soliden endometriotischen Nodulus in diffusionsgewichteten Bildern. ADC-Werte sind niedriger als normale Darmwand, aber hoeher als maligne Tumoren. Die dichte zellulaere Struktur der fibrotischen Komponente traegt zur Diffusionsrestriktion bei.
Berichtssatz
Milde Diffusionsrestriktion im endometriotischen Nodulus in diffusionsgewichteten Bildern mit intermediaeren ADC-Werten.
Exzentrische oder konzentrische Wandverdickung im rektosigmoidalen Bereich in der portalvenoesen Phase-CT. Die Verdickung hat Weichteildichte mit maessiger Anreicherung. Luminale Verengung kann vorhanden sein. Perirektales Fettgewebsstranding oder feine lineare fibrotische Baender koennen sichtbar sein. Assoziiertes ovarielles Endometriom oder uterosakrale Ligamentverdickung kann begleiten.
Berichtssatz
Exzentrische Wandverdickung im rektosigmoidalen Bereich mit mildem perirektalen Fettgewebsstranding im CT, wobei eine kolorektale Endometriose in der Differentialdiagnose zu beruecksichtigen ist.
Hypoechogene nodulaere Verdickung im rektosigmoidalen Bereich im transvaginalen Ultraschall. Die Laesion hat ihren Ursprung in der Muscularis propria und kann echofreie oder hypoechogene kleine zystische Areale enthalten. Negatives Sliding-Zeichen (Rektum gleitet nicht gegen die posteriore Uteruswand) deutet auf Adhaesion und tiefe Infiltration hin. TVUS hat in erfahrenen Haenden eine hohe Sensitivitaet fuer die Diagnose.
Berichtssatz
Hypoechogene nodulaere Wandverdickung im rektosigmoidalen Bereich mit negativem Sliding-Zeichen im transvaginalen Ultraschall, vereinbar mit tief infiltrierender Endometriose.
Persistierende hyperintense Herde in der Laesion in T1-gewichteten fettunterdrueckten Sequenzen — bestaetigt Blutprodukte und unterscheidet von Fettgehalt. Diese Sequenz demonstriert spezifisch den Haemoglobinabbau (Methaemoglobin) in endometriotischen Zysten. Persistierende T1-Hyperintensitaet nach Fettunterdrueckung ist pathognomonisch fuer Endometriose.
Berichtssatz
Persistierende hyperintense Herde in der Laesion in der T1-fettunterdrueckten Sequenz, vereinbar mit Blutprodukten in endometriotischen Zysten, unterstuetzt die Diagnose einer Endometriose.
Kriterien
Haeufigste Form (70-90%). Lokalisation am rektosigmoidalen Uebergang oder oberen Rektum. Haeufige Assoziation mit Douglas-Cul-de-sac-Obliteration.
Unterscheidungsmerkmale
Anteriore Wandpraedominanz, exzentrische Verdickung, Dyschezie und zyklische Rektalblutung. Der Abstand Laesion-Analrand ist kritisch fuer die Operationsplanung (>8 cm anteriore Resektion, <8 cm tiefe anteriore Resektion erforderlich).
Kriterien
Zoekum- oder terminale Ileumbeteiligung. Macht 5-10% aller kolorektalen Endometriosefaelle aus. Kann mit Appendizitis oder Morbus Crohn verwechselt werden.
Unterscheidungsmerkmale
Rechter-Unterbauch-Schmerz, zyklische Symptome. Zoekale/terminale Ileum-Wandverdickung im CT. T2-hypointense Verdickung mit T1-hyperintensen Herden im MRT. Menstruationsanamnese ist kritisch in der Differentialdiagnose.
Kriterien
Beteiligung von mehr als einem Darmsegment. Bei schwerer Endometriose gesehen. Meist rektosigmoid + ileocoecal oder rektosigmoid + Colon sigmoideum.
Unterscheidungsmerkmale
T2-hypointense Verdickung in multiplen Darmsegmenten. Mit Douglas-Obliteration, ovariellem Endometriom und uteroskaraleer Ligamentbeteiligung in der Becken-MRT. Erfordert multidisziplinaere Operationsplanung.
Unterscheidungsmerkmal
Adenokarzinom zeigt heterogenes intermediares Signal in T2, waehrend Endometriose deutlich T2-hypointens ist. Beim Adenokarzinom ist die Mukosaoberflaeche meist gestoert/ulzeriert; bei Endometriose ist die Mukosa typischerweise intakt. Lymphadenopathie und Fernmetastasen koennen das Adenokarzinom begleiten.
Unterscheidungsmerkmal
Morbus Crohn zeigt T2-hyperintense aktive Entzuendung oder T2-hypointense fibrotische Stenose; Endometriose ist homogen T2-hypointens. Skip-Laesionen, Fisteln und mesenteriale Fettpropliferation (Creeping Fat) sind charakteristisch fuer Crohn; fehlen bei Endometriose. Menstruationszyklusbezug deutet auf Endometriose hin.
Unterscheidungsmerkmal
GIST zeigt heterogenes T2-hyperintenses Signal, waehrend Endometriose T2-hypointens ist. GIST zeigt exophytisches Wachstumsmuster; Endometriose infiltriert von der Serosa zur Mukosa. T1-hyperintense Herde werden beim GIST nicht gesehen (ausser haemorrhagischem GIST).
Unterscheidungsmerkmal
Lymphom zeigt intermediares T2-Signal mit homogener Anreicherung; Endometriose ist T2-hypointens. Aneurysmatische Dilatation (Lumenweitung) kann beim Lymphom gesehen werden; Lumenverengung ist typisch bei Endometriose. Systemische B-Symptome und ausgedehnte Lymphadenopathie koennen das Lymphom begleiten.
Dringlichkeit
routineManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthDie Behandlung der kolorektalen Endometriose haengt von der Symptomschwere und Invasionstiefe ab. Hormonelle Therapie (OKP, Progestine, GnRH-Analoga) bietet Symptomkontrolle in milden Faellen. Chirurgische Resektion wird bei tiefer Infiltration (Muscularis propria und darueber hinaus) empfohlen — Shaving, Diskusexzision oder segmentale Resektion. Becken-MRT ist in der Operationsplanung essenziell zur Bestimmung der transmuralen Invasionstiefe und Anzahl/Lokalisation der Laesionen. Ein multidisziplinaerer Teamansatz (Gynaekologie, Kolorektaler Chirurg, Radiologe) ist wichtig. Maligne Transformation ist extrem selten, wurde aber berichtet.
Medikamentöse Behandlung (hormonell) oder chirurgische Resektion. Tief infiltrierende Endometriose (DIE) wird durch MRT zur chirurgischen Planung beurteilt. Maligne Transformation ist sehr selten.