Morbus Crohn ist eine chronische transmurale granulomatöse entzündliche Darmerkrankung, die jeden Teil des Gastrointestinaltrakts betreffen kann. Kolorektale Beteiligung tritt bei 30-50% der Fälle auf. Charakteristische Befunde umfassen Skip-Läsionen (segmentale Beteiligung), transmurale Entzündung, Fistel- und Strikturbildung. Beginnt am häufigsten zwischen 15-35 Jahren. CT-Enterographie und MR-Enterographie sind primäre Bildgebungsmodalitäten für Diagnose und Nachsorge. Terminales Ileum ist die häufigste Lokalisation, aber isolierte Kolonbeteiligung kann ebenfalls auftreten.
Altersbereich
15-50
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Morbus Crohn resultiert aus einer inadäquaten Immunantwort, ausgelöst durch Umweltfaktoren (Darmmikrobiom-Veränderungen, Rauchen) auf dem Boden einer genetischen Suszeptibilität (NOD2/CARD15-Mutation ist der stärkste Risikofaktor). Die Entzündung ist transmural — betrifft alle Schichten von Mukosa bis Serosa. Diese transmurale Entzündung bildet die Grundlage der Crohn-Komplikationen: Fisteln (Entzündung jenseits der Wand), Abszesse (Infektion in Fistelgängen), Strikturen (chronische Entzündung resultierend in Fibrose) und Perforation. Im CT erscheint transmurale Entzündung als Wandverdickung, verstärktes mukosales Enhancement (aktive Entzündung) und perienterisches Fat Stranding. Kammzeichen (Vasa-recta-Erweiterung) ist das CT-Korrelat aktiver mesenterialer Entzündung und Hyperämie — erweiterte gerade Gefäße ähneln Kammzähnen. Skip-Läsionen reflektieren die segmentale Natur der Erkrankung und unterscheiden von Colitis ulcerosa.
Die Kombination von segmentaler Wandverdickung zwischen normalen Darmsegmenten (Skip-Läsionen) mit erweiterten Vasa recta auf der Mesenterialseite (Kammzeichen) ist das Signaturzeichen von Morbus Crohn. Skip-Läsionen reflektieren die segmentale Natur, Kammzeichen reflektiert aktive transmurale Entzündung.
Segmentale Wandverdickung (>4 mm) zwischen normalen Darmsegmenten. Skip-Läsionen sind pathognomonisch für Morbus Crohn und unterscheiden von der kontinuierlichen Beteiligung der Colitis ulcerosa.
Berichtssatz
Segmentale Wandverdickung in einem Skip-Läsionen-Muster zwischen normalen Darmsegmenten ist sichtbar, vereinbar mit Morbus Crohn.
Erweiterte Vasa recta auf der Mesenterialseite des entzündeten Darmsegments — Kammzahn-Erscheinungsbild. Zeigt aktive mesenteriale Entzündung und Hyperämie an.
Berichtssatz
Kammzeichen ist auf der Mesenterialseite des entzündeten Darmsegments sichtbar, was aktive Entzündung nahelegt.
Fistelgänge ausgehend vom entzündeten Darmsegment — können enteroenterisch, enterokutan, enterovesikal oder perianal sein. Sinustrakte sind blind endende Gänge. Erscheinen als enhancende lineare Trakte im CT.
Berichtssatz
Ein ___-Typ-Fistelgang ausgehend vom entzündeten Darmsegment ist sichtbar.
Murales Ödem in T2W — submuköses Ödem erscheint als hyperintense Schicht (Stratifikation). MR-Indikator aktiver Entzündung. MR-Enterographie bei jungen Patienten bevorzugt aufgrund des Strahlenvorteils gegenüber CT.
Berichtssatz
Submuköses Ödem und murale Stratifikation in T2W im entzündeten Darmsegment ist sichtbar, vereinbar mit aktivem Morbus Crohn.
Mesenteriale Fettproliferation — Fettakkumulation auf der Mesenterialseite des entzündeten Darmsegments (Creeping Fat). Charakteristischer Befund bei chronischem Morbus Crohn.
Berichtssatz
Creeping Fat ist auf der Mesenterialseite des entzündeten Darmsegments sichtbar, vereinbar mit chronischem Morbus Crohn.
Diffusionsrestriktion im aktiv entzündeten Darmsegment in der DWI. Wertvoll zur Differenzierung aktiver Entzündung von fibrotischer Striktur. ADC-Wert sinkt bei aktiver Entzündung.
Berichtssatz
Diffusionsrestriktion in der DWI ist im verdickten Darmsegment sichtbar, was aktive Entzündung nahelegt.
Kriterien
Montreal B1. Keine Striktur oder Fistel. Wandverdickung und Entzündung dominieren.
Unterscheidungsmerkmale
Wandverdickung, Fat Stranding, Kammzeichen im CT. Gutes Ansprechen auf medikamentöse Therapie. T2-Hyperintensität und DWI-Positivität im MR bestätigen aktive Entzündung.
Kriterien
Montreal B2. Luminale Verengung und proximale Dilatation. Keine Fistel.
Unterscheidungsmerkmale
Luminale Verengung, proximale Dilatation (Obstruktion) im CT. Niedriges T2-Signal im MR deutet auf fibrotische Striktur, hohes T2 + DWI-Positivität auf aktive entzündliche Striktur. Therapie wird durch aktive vs fibrotische Unterscheidung bestimmt.
Kriterien
Montreal B3. Fistel, Sinustrakt oder Abszess vorhanden. Aggressivster Phänotyp.
Unterscheidungsmerkmale
Fistelgänge, perienterische Abszesse, freie Flüssigkeit im CT/MR. Erfordert Anti-TNF-Therapie (Infliximab) und/oder Chirurgie. Perianale Fisteln werden am besten im MRT beurteilt.
Unterscheidungsmerkmal
Colitis ulcerosa zeigt kontinuierliche (keine Skip-Läsionen), symmetrische mukosale Beteiligung, die vom Rektum nach proximal reicht. Morbus Crohn zeigt segmentale, asymmetrische, transmurale Beteiligung und Fisteln.
Unterscheidungsmerkmal
Ischämische Kolitis betrifft vaskuläre Watershed-Bereiche (Milzflexur), plötzlicher Beginn, häufig bei Älteren. Morbus Crohn charakterisiert junge Patienten, terminale Ileumbeteiligung und Fisteln.
Unterscheidungsmerkmal
Adenokarzinom zeigt fokale Masse/annuläre Verengung, schulterförmige Ränder und Lymphadenopathie. Morbus Crohn zeigt langstreckige Beteiligung, Skip-Läsionen und entzündliche Veränderungen.
Unterscheidungsmerkmal
Lymphom zeigt aneurysmatische Dilatation, homogene Wandverdickung und luminale Erweiterung. Morbus Crohn zeigt Lumenverengung (Striktur), Fisteln und Kammzeichen.
Dringlichkeit
urgentManagement
medicalBiopsie
ErforderlichNachsorge
6-monthDie Behandlung bei Morbus Crohn wird durch Krankheitsphänotyp und -aktivität bestimmt. Aktive entzündliche Erkrankung verwendet 5-ASA (mild), Kortikosteroide (moderat), Anti-TNF (Infliximab, Adalimumab — moderat-schwer), Vedolizumab oder Ustekinumab. Stenosierende Erkrankung: aktive entzündliche Striktur → medikamentöse Therapie, fibrotische Striktur → endoskopische Ballondilatation oder chirurgische Resektion. Penetrierende Erkrankung: perienterischer Abszess → perkutane Drainage + Antibiotika, Fistel → Anti-TNF + Chirurgie. Perianale Fisteln: MR-gesteuerte Seton-Einlage + Anti-TNF ist Standardtherapie. Nachsorge: CT/MR-Enterographie alle 6-12 Monate zur Aktivitätsbeurteilung, fäkales Calprotectin und CRP für Labormonitoring.
Chronische, rezidivierende Erkrankung. Erfordert immunsuppressive Therapie. Komplikationen (Striktur, Fistel, Abszess) können Chirurgie erfordern. Langbestehende Kolitis erhöht das kolorektale Krebsrisiko.