Die kolorektale Intussuszeption ist ein Zustand, bei dem sich ein Darmsegment teleskopartig in das Lumen des angrenzenden distalen Segments einstülpt. Bei Erwachsenen haben die überwiegende Mehrheit der Intussuszeptionen (65-90%) eine zugrunde liegende organische Ursache (Lead Point), am häufigsten neoplastische Läsionen (benigne Polypen, Lipome, Adenokarzinome, Metastasen). Zwei grundlegende Muster werden definiert: die kolokolische Intussuszeption (Kolon in Kolon) und die koloanale/rektale Intussuszeption (assoziiert mit Rektumprolaps). Die CT ist die sensitivste Bildgebungsmodalität für die Diagnose mit dem charakteristischen 'Target Sign' oder 'wurstförmige Raumforderung'. Bei Erwachsenen ist eine chirurgische Exploration aufgrund der hohen Malignitätsrate in der Regel erforderlich; bei Kindern ist der idiopathische ileokolische Typ häufiger und die pneumatische oder hydrostatische Reduktion die Erstlinientherapie.
Altersbereich
0-75
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Die Intussuszeption entsteht, wenn eine Läsion in der Darmwand (Lead Point) oder abnorme Peristaltik ein Darmsegment (Intussuszeptum) in das Lumen des distalen Segments (Intussuszipiens) schiebt. Bei Erwachsenen ist der Lead Point typischerweise ein Polyp, Lipom, Adenokarzinom oder metastatischer Tumor; diese Läsionen werden von peristaltischen Wellen erfasst und nach distal gezogen. Das invaginierende Segment trägt sein Mesenterium mit sich, was zur Kompression der mesenterialen Gefäße führt. Der venöse Rückfluss wird zuerst beeinträchtigt (venöse Kongestion, Wandödem, Mukosablutung); solange die arterielle Versorgung fortbesteht, entwickelt sich keine Ischämie, in fortgeschrittenen Fällen führt arterielle Kompression jedoch zu transmuraler Ischämie, Nekrose und Perforation. Das charakteristische 'Target Sign' im CT resultiert aus der konzentrischen Schichtung der teleskopierten Darmwände, des mesenterialen Fetts und der Gefäße. Das invaginierte mesenteriale Fett entspricht dem hypodensen zentralen Bereich im CT, die Darmwände den kontrastmittelaufnehmenden konzentrischen Ringen. Das Mitziehen der mesenterialen Gefäße im invaginierten Segment ('Mesenteric Vessel Dragging Sign') bietet zusätzliche diagnostische Unterstützung.
Konzentrische Ringstruktur in CT-Axialschnitten, gebildet durch hypodenses mesenteriales Fett zwischen teleskopierten Darmwänden — pathognomonischer Befund der Intussuszeption.
Konzentrisches Ringmuster in axialen Schichten: äußerste Intussuszipiens-Wand (kontrastmittelaufnehmend), mittleres hypodenses invaginiertes mesenteriales Fett, innerste Intussuszeptum-Wand (kontrastmittelaufnehmend). Diese Schichtung wird als 'Target Sign' oder 'Bull's Eye Sign' bezeichnet. Am deutlichsten in Schnitten senkrecht zur Längsachse der Läsion. Das mesenteriale Fettgewebe zwischen den invaginierten Darmwänden bildet den hypodensen zentralen Bereich (typischerweise -20 bis -80 HU).
Berichtssatz
In den axialen Schichten des Kolons zeigt sich ein konzentrisches Ringmuster ('Target Sign') mit hypodensem mesenterialem Fettgewebe zwischen den teleskopierten Darmwänden; die Befunde sind vereinbar mit einer kolokolischen Intussuszeption.
Koronale und sagittale Reformationen zeigen eine wurstförmige Weichteilraumforderung im Kolon, die in der Längsachse elongiert ist. Dieses Erscheinungsbild reflektiert die tubuläre Konfiguration der Darm-in-Darm-Struktur in Längsschnitten. Die Masse ist typischerweise 5-15 cm lang. An beiden Enden der Masse verengt sich das Darmlumen abrupt ('Meniskuszeichen' oder 'Klauenzeichen').
Berichtssatz
In den koronalen Reformationen zeigt sich im Kolon eine ca. ... cm lange wurstförmige Weichteilraumforderung mit Darm-in-Darm-Konfiguration, vereinbar mit einer Intussuszeption.
An der distalen Spitze des Intussuszeptums (dem Ausgangspunkt der Invagination) kann eine kontrastmittelaufnehmende Raumforderung nachgewiesen werden. Dieser Lead Point kann ein Polyp, Lipom, Adenokarzinom oder metastatischer Tumor sein. Lipom-Lead-Points sind bei Fettdichte (-40 bis -120 HU) leicht zu erkennen. Ein Adenokarzinom erscheint als heterogen kontrastmittelaufnehmende, unregelmäßig begrenzte Weichteilraumforderung. Die Lead-Point-Detektion ist entscheidend für die Operationsplanung und Malignitätsrisikobewertung.
Berichtssatz
An der distalen Spitze des Intussuszeptums zeigt sich eine ca. ... mm große kontrastmittelaufnehmende Raumforderung (Lead Point); eine histopathologische Abklärung bezüglich Malignität wird empfohlen.
Das invaginierte Darmsegment zieht mesenteriale Gefäße und Fettgewebe mit sich. Im CT zeigt sich, wie die mesenterialen Gefäße in die Intussuszeptionsmasse hineingezogen werden ('Mesenteric Vessel Dragging Sign'). Diese Gefäße erscheinen als helle lineare Strukturen in kontrastmittelverstärkten Phasen und zeigen die Richtung der Invagination an. Das Ausmaß des Gefäßdragging reflektiert indirekt das Ischämierisiko.
Berichtssatz
Die mesenterialen Gefäße werden in die Intussuszeptionsmasse hineingezogen ('Mesenteric Vessel Dragging Sign'); eine sorgfältige Beurteilung bezüglich vaskulärer Kongestion wird empfohlen.
Im Ultraschall zeigt sich in Transversalschnitten das 'Doughnut-Zeichen': hypoechogener äußerer Ring (ödematöse Darmwand) und hyperechogener Kern (invaginiertes Mesenterium und Mukosa). In Längsschnitten das 'Pseudonierenzeichen' — nierenähnliche ovale Erscheinung des invaginierten Segments. Mit Doppler kann der Blutfluss im invaginierten Mesenterium beurteilt werden.
Berichtssatz
Sonographisch zeigt sich im Kolon ein 'Doughnut-Zeichen' transversal und ein 'Pseudonierenzeichen' longitudinal, vereinbar mit einer Intussuszeption.
Diffuse Verdickung und Ödem der invaginierten Darmwand aufgrund venöser Kongestion. Im nativen CT erscheint die Darmwand dicker als normal (>4 mm). In fortgeschrittenen Fällen kann submuköses Ödem ein 'Doppelwandzeichen' erzeugen. Bei transmuraler Ischämie können Pneumatosis oder mesenteriales/portalvenöses Gas nachgewiesen werden — diese Befunde indizieren eine notfallmäßige chirurgische Intervention.
Berichtssatz
Im invaginierten Darmsegment zeigen sich Wandverdickung und Ödem; Pneumatosis oder portalvenöses Gas ist nicht/ist nachgewiesen.
In T2-gewichteten MRT-Bildern zeigt sich im invaginierten Segment eine mehrschichtige Darmwandstruktur. Die ödematöse Submukosa zeigt hyperintenses T2-Signal, die Muskularis hypointenses T2-Signal; diese alternierenden Signalintensitäten erzeugen ein Schichtungsmuster. Bei Ischämie sind DWI-Hyperintensität und niedriges ADC-Signal Frühindikatoren einer Darmwandischämie.
Berichtssatz
MRT-T2-gewichtete Bilder zeigen eine mehrschichtige Darmwandstruktur und submuköses Ödem im invaginierten Segment.
Kriterien
Invagination eines Kolonsegments in ein distales Kolonsegment. Häufigster Typ bei Erwachsenen. Meist Polyp, Lipom oder Adenokarzinom als Lead Point. Malignitätsrate 40-65%.
Unterscheidungsmerkmale
Verlust der Kolonhaustrierung im invaginierten Segment, Target-Sign-Breite entsprechend dem Kolonkaliber, meist im linken Kolon oder Sigma.
Kriterien
Invagination des distalen Ileums in Zäkum und Colon ascendens. Häufigster Typ bei Kindern (>90% idiopathisch). Bei Erwachsenen meist durch Läsion an der Ileozäkalklappe ausgelöst.
Unterscheidungsmerkmale
Target Sign im rechten Unterbauch an der Dünndarm-Kolon-Übergangszone. Bei Kindern meist kein Lead Point identifizierbar.
Kriterien
Invagination der Rektumwand in eigenes Lumen; interner oder externer Prolaps. Diagnose mittels Defäkographie oder dynamischer MR-Defäkographie. Wichtige Ursache des obstruierten Defäkationssyndroms.
Unterscheidungsmerkmale
Rektale Invagination während Pressen in Defäkographie oder dynamischer MRT. Oxford-Klassifikation Grade I-V.
Kriterien
Kurzsegmentig (<3,5 cm), kein Lead Point, spontane Rückbildung. Rückbildung im Verlaufs-CT; geringe klinische Signifikanz.
Unterscheidungsmerkmale
Kurzsegmentiger Befall, keine Obstruktionszeichen, minimales Wandödem. Bestätigung durch Rückbildung in der Verlaufskontrolle.
Unterscheidungsmerkmal
Adenokarzinom zeigt annuläre Wandverdickung und Lumeneinengung; Intussuszeption zeigt Darm-in-Darm-Target-Sign. Allerdings kann Adenokarzinom der Lead Point sein.
Unterscheidungsmerkmal
Lipom ist homogen fettdicht (-40 bis -120 HU) und eine der häufigsten benignen Lead-Point-Ursachen. Fettdichter Lead Point im Target Sign deutet auf Lipom-assoziierte Intussuszeption.
Unterscheidungsmerkmal
Lymphom zeigt homogene hypodense Wandverdickung mit 'aneurysmatischer Dilatation', verursacht selten Obstruktion. Relativ selten als Intussuszeption-Lead-Point.
Unterscheidungsmerkmal
Kolorektale Organmetastasen können Lead Point sein; meist multiple submuköse Knoten. Bekannte primäre Malignität in der Anamnese ist differenzialdiagnostisch entscheidend.
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDie kolorektale Intussuszeption bei Erwachsenen ist ein chirurgischer Notfall mit Malignitätsrate von 40-65%. Frühzeitige chirurgische Exploration (segmentale Resektion) wird empfohlen. Reduktionsversuche bei Erwachsenen nicht empfohlen. Bei Kindern ist pneumatische/hydrostatische Reduktion Erstlinientherapie für ileokolischen Typ. Konservative Nachbeobachtung ist für transiente, kurzsegmentige Intussuszeptionen ohne Lead Point akzeptabel.
Bei Kindern wird Luft-/hydrostatische Enema-Reduktion versucht. Bei Erwachsenen ist Chirurgie meist erforderlich (wegen Lead-Point). Ischämie- und Gangrän-Komplikationen erfordern Notfalloperation. ~50% der Erwachsenen-Invaginationen haben einen malignen Lead-Point.