Der Innenmeniskusriss ist eine der häufigsten Binnenverletzungen des Kniegelenks und entsteht durch eine Zerstörung der fibrokartilaginären Struktur durch traumatische oder degenerative Mechanismen. Der Innenmeniskus reißt häufiger als der Außenmeniskus (2:1 Verhältnis), da er fest mit den Kapselbändern und dem medialen Seitenband (MCL) verwachsen ist, was seine Mobilität einschränkt und die Verletzungsanfälligkeit erhöht. Das Hinterhorn ist die am häufigsten betroffene Region (75%). Risse werden basierend auf intrameniskalen Signaländerungen als Grad 1 (globulär), Grad 2 (linear, nicht die Oberfläche erreichend) und Grad 3 (die Gelenkfläche erreichend oder durch die volle Dicke reichend) klassifiziert. Der Korbhenkelriss ist eine spezielle Form des Grad 3, charakterisiert durch ein disloziertes Meniskusfragment; das doppelte PCL-Zeichen ist pathognomonisch. Akute traumatische Risse treten bei Sportlern durch Pivot-/Rotationskräfte auf, während chronische degenerative Risse bei Patienten >40 Jahre mit zugrunde liegender Arthrose durch Minimaltrauma entstehen. Die MRT ist der Goldstandard mit 90-95% Sensitivität/Spezifität. Sagittale PD-fettgesättigte und koronale Sequenzen bewerten intrameniskale Signalzunahme und morphologische Störung.
Altersbereich
15-60
Häufigkeitsalter
35
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Sehr häufig
Der Innenmeniskus ist eine halbmondförmige fibrokartilaginäre Struktur im medialen Kompartiment des Tibiaplateaus. Er besteht hauptsächlich aus Typ-I-Kollagenfasern (60-70%) und Proteoglykanen. Die Meniskusvaskularisation ist auf die periphere 1/3 Rotzone beschränkt, die von Ästen der Kapselarterie versorgt wird. Die zentrale 2/3 Weißzone ist avaskulär und wird durch Diffusion aus der Synovialflüssigkeit ernährt. Dieser Vaskularitätsunterschied bestimmt direkt das Heilungspotenzial basierend auf der Risslokalisation: periphere Risse können heilen, zentrale nicht. Beim traumatischen Mechanismus überlasten plötzliche Rotation und Valgusstress während der Knieflexion den Meniskus — der zwischen Femurkondylus und Tibiaplateau eingeklemmte Meniskus reißt. Das Hinterhorn reißt am häufigsten, weil es in Flexion die größte Last trägt und die geringste Mobilität hat. Beim degenerativen Mechanismus entwickelt sich mit dem Alter eine mukoide Degeneration in der Meniskusmatrix — Kollagenfasern werden schwächer, Proteoglykangehalt nimmt ab und das Gewebe kann selbst normalen Belastungen nicht mehr standhalten. Diese Degeneration zeigt sich im MRT als Grad-1-2-intrameniskale Signalzunahme: Mukoidmaterialansammlung zeigt wasserähnliches Signal in T2/PD-Sequenzen, da Proteoglykane Wassermoleküle binden und die lokale Protonendichte erhöhen. Beim Korbhenkelriss löst sich das zentrale Fragment entlang der longitudinalen Risslinie und verlagert sich in die Fossa intercondylaris, wo es anterior des HKB liegt und ein 'Doppel-HKB'-Bild erzeugt. Dieses verlagerte Fragment wird zwischen den Gelenkflächen eingeklemmt und produziert mechanische Symptome (Blockierung, Einklemmung).
In sagittalen MRT-Bildern zeigt sich eine zweite signalarme Bandstruktur in der Fossa intercondylaris direkt anterior und parallel zum HKB. Diese Struktur repräsentiert das zentrale Meniskusfragment, das sich entlang der longitudinalen Risslinie gelöst und in die Fossa intercondylaris verlagert hat beim Korbhenkelriss. Zusammen mit dem normalen HKB sind zwei separate bandähnliche Strukturen sichtbar — dieses Erscheinungsbild wird als 'Doppel-HKB' bezeichnet und ist pathognomonisch für den Korbhenkelriss des Innenmeniskus.
In PD-fettgesättigten sagittalen Bildern zeigt sich ein lineares oder komplexes hyperintenses Signal innerhalb des Meniskus. Grad 1 zeigt eine globuläre, nicht die Oberfläche erreichende Signalzunahme (asymptomatische Degeneration). Grad 2 zeigt ein lineares Signal, das sich im Meniskus erstreckt, aber die Gelenkfläche nicht erreicht. Bei Grad 3 erreicht das Signal mindestens eine Gelenkfläche und repräsentiert einen echten Riss. Das Hinterhorn ist die am häufigsten betroffene Region. Das Rissmuster kann horizontal, vertikal, radial, schräg oder komplex sein. Störung der Meniskusmorphologie (Verkürzung, Unregelmäßigkeit, Fragmentation) unterstützt die Rissdiagnose.
Berichtssatz
Ein lineares hyperintenses Signal, das die Gelenkfläche erreicht, wird im Hinterhorn des Innenmeniskus gesehen, vereinbar mit einem Grad-3-Riss.
In sagittalen PD-fettgesättigten Bildern zeigt sich eine signalarme bandförmige Struktur in der Fossa intercondylaris direkt anterior und parallel zum HKB — dies ist das dislozierte Korbhenkelfragment. Zusammen mit dem normalen HKB sind zwei separate HKB-ähnliche Strukturen sichtbar, daher der Name 'Doppel-HKB-Zeichen'. Das dislozierte Fragment ist etwas dünner und unregelmäßiger als das native HKB. Gleichzeitig zeigen koronale Bilder den Innenmeniskuskörper als fehlend oder deutlich verkürzt (Absent-Body-Zeichen). Korbhenkelrisse sind im Innenmeniskus 3-4 mal häufiger als im Außenmeniskus.
Berichtssatz
Eine signalarme Bandstruktur, die sich parallel und anterior zum HKB in der Fossa intercondylaris erstreckt, wird gesehen; das Doppel-HKB-Zeichen ist vereinbar mit einem Korbhenkelriss.
In T2-gewichteten Bildern bilden sich parameniskale Zysten, wenn der Meniskusriss in die parameniskale Region reicht, durch Synovialflüssigkeit, die durch die Risslinie austritt. Diese Zysten treten am häufigsten bei Horizontalrissen auf. Sie erscheinen als T2-hyperintense lokalisierte Flüssigkeitsansammlungen am äußeren Meniskusrand oder der meniskokapsulären Verbindung. Die Zystengröße variiert von wenigen Millimetern bis 2-3 cm. Die Zyste ist ein indirektes Zeichen eines zugrunde liegenden Meniskusrisses, und bei Vorhandensein sollte der Meniskus sorgfältig beurteilt werden.
Berichtssatz
Eine T2-hyperintense parameniskale Zyste von ca. ___ mm wird am äußeren Rand des Hinterhorns des Innenmeniskus gesehen, assoziiert mit einem zugrunde liegenden Meniskusriss.
In koronalen PD- oder T2-Bildern wird die Verlagerung des Innenmeniskuskörpers um mehr als 3 mm über den Tibiarand hinaus als 'Meniskusextrusion' definiert. Extrusion zeigt eine Störung der strukturellen Integrität des Meniskus und einen Verlust der Lastverteilungsfunktion an. Sie wird typischerweise bei degenerativen Horizontal- oder Radialrissen gesehen, insbesondere bei Meniskuswurzelrissen. Der Extrusionsgrad korreliert direkt mit der Arthroseprogredienz — >3 mm Extrusion sagt Knorpelverlust und Knochenmarkläsionen voraus. Bilaterale (mediale und laterale) Extrusion ist selten und deutet auf fortgeschrittene Degeneration hin.
Berichtssatz
Eine Extrusion des Innenmeniskuskörpers von ca. ___ mm wird in koronalen Bildern gesehen, vereinbar mit meniskaler Strukturstörung und degenerativem Riss.
In T2-fettgesättigten oder STIR-Sequenzen zeigen sich intraartikulärer Erguss (hyperintense Flüssigkeit) und reaktive Knochenmarködeme sowie Synovitisbefunde um den Meniskusriss. Akute Risse zeigen prominenten Gelenkerguss, während chronische degenerative Risse minimalen Erguss zeigen. Synovitis erscheint als verdickte und anreichernde Synovialmembran. Subchondrales Knochenmarködem (Bone Bruise) im Tibiaplateau und Femurkondylus ist ein assoziierter Befund axialer Belastung und Kontusion bei traumatischen Rissen.
Berichtssatz
Ein mäßiger Gelenkerguss wird im suprapatellaren Recessus und posterioren Kompartiment gesehen, mit assoziiertem subchondralem Knochenmarködem im medialen Kompartiment.
Der normale Innenmeniskus zeigt eine Fliege-Erscheinung (Bow-tie) in 2 aufeinanderfolgenden sagittalen Schnitten durch die Körperregion — wo Vorder- und Hinterhorn konvergieren. Beim Korbhenkelriss verursacht die Verlagerung des zentralen Fragments den Verlust dieser Fliege-Erscheinung — die Fliege ist nur in 0 oder 1 Schicht sichtbar. Dieser Befund ist synonym mit dem 'Absent-Body'-Zeichen und hat hohe Sensitivität für den Korbhenkelriss.
Berichtssatz
Das Fliege-Zeichen fehlt im Körpersegment des Innenmeniskus in sagittalen Bildern, ein Befund vereinbar mit einem Korbhenkelriss.
Kriterien
Risslinie erstreckt sich in horizontaler (paralleler) Ebene im Meniskus und trennt oberes und unteres Blatt
Unterscheidungsmerkmale
Häufigster Typ bei degenerativem Hintergrund, >40 Jahre, häufige Assoziation mit parameniskaler Zyste, meist Hinterhorn
Kriterien
Risslinie erstreckt sich in vertikaler Ebene parallel zur Längsachse des Meniskus — beginnt in der peripheren Region
Unterscheidungsmerkmale
Traumatisch bei jungen Sportlern, Heilungspotenzial wenn peripher (Rotzone), kann bei Ausdehnung zum Korbhenkelriss fortschreiten
Kriterien
Ausdehnung des Longitudinalrisses mit Verlagerung des zentralen Fragments in die Fossa intercondylaris — Doppel-HKB-Zeichen
Unterscheidungsmerkmale
Mechanische Symptome (Blockierung), fehlendes Bow-tie-Zeichen, Flounce-Zeichen, chirurgische Dringlichkeit, 3-4x häufiger im Innenmeniskus
Kriterien
Risslinie erstreckt sich senkrecht zum freien Rand des Meniskus und unterbricht die zirkumferentiellen Fasern
Unterscheidungsmerkmale
Beeinträchtigt die Meniskusfunktion schwer (unterbricht den zirkumferentiellen Reifenstress), assoziiert mit Meniskusextrusion und Wurzelrissen
Kriterien
Kombination von zwei oder mehr Rissmustern — horizontal+vertikal oder radial+horizontal
Unterscheidungsmerkmale
Meist degenerativ, geringe Reparaturwahrscheinlichkeit, erfordert partielle Meniskektomie, assoziiert mit fortgeschrittenem Alter und Arthrose
Unterscheidungsmerkmal
Außenmeniskusriss tritt im mobileren Außenmeniskus auf, häufig assoziiert mit VKB-Riss und erhöhtem Risiko bei Scheibenmeniskus; Innenmeniskusriss ist häufiger und meist assoziiert mit MCL-Verletzung
Unterscheidungsmerkmal
Chondrale Läsion betrifft die Gelenkknorpeloberfläche an anderer Lokalisation als der Meniskus; Knorpeldefekt/-verdünnung füllt sich mit hyperintenser Flüssigkeit in T2, während Meniskusriss hyperintenses Signal innerhalb des Meniskus zeigt
Unterscheidungsmerkmal
MCL-Verletzung ist eine extraartikuläre Bandpathologie außerhalb des Meniskus, charakterisiert durch periligamentäres Ödem; O'Donoghue-Trias (VKB+MCL+Innenmeniskus) Koexistenz sollte nicht vergessen werden
Unterscheidungsmerkmal
Knochenkontusion ist Knochenmarködem an einer anderen anatomischen Stelle als die Meniskusstruktur; sie tritt jedoch häufig zusammen mit traumatischem Meniskusriss auf und zeigt den Verletzungsmechanismus an
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDie Behandlung des Innenmeniskusrisses wird durch Risstyp, Lokalisation und Patientenalter/Aktivitätsniveau bestimmt. Meniskusnaht wird bei peripheren (Rotzone) Rissen und jungen Patienten bevorzugt — Erhaltung des Meniskus verhindert Arthroseentwicklung. Partielle Meniskektomie wird bei zentralen (Weißzone), degenerativen und komplexen Rissen durchgeführt. Korbhenkelriss ist eine chirurgische Dringlichkeit, da das dislozierte Fragment mechanische Symptome (Blockierung) produziert und Verzögerung Knorpelschäden verursacht. Konservative Behandlung (Physiotherapie, NSAR) kann nur bei kleinen, stabilen, peripheren und asymptomatischen Rissen versucht werden. Nach Meniskektomie steigt das Arthroserisiko im medialen Kompartiment innerhalb von 5-10 Jahren erheblich.
Mediale Meniskusrisse sind eine wichtige Ursache für Knieschmerzen, Schwellung und mechanische Symptome (Blockierung, Schnappen). Degenerative Risse können auf konservative Behandlung ansprechen, während traumatische Risse und Korbhenkelrisse einen chirurgischen Eingriff (arthroskopische Meniskektomie oder Reparatur) erfordern können.