Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist die häufigste endokrine Störung, die 6-15% der Frauen im reproduktiven Alter betrifft. Diagnose nach Rotterdam-Kriterien (2 von 3): Oligo-/Anovulation, klinischer/biochemischer Hyperandrogenismus, ultrasonographische polyzystische Ovarmorphologie. Ultrasonographische Diagnose: ≥12 Antralfollikel (2-9 mm) in einem Ovar und/oder Ovarvolumen >10 mL. Insulinresistenz, Adipositas, Infertilität, metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes-Risiko sind erhöht. 'Perlenschnur'-Muster in der Bildgebung ist charakteristisch.
Altersbereich
15-40
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Häufig
PCOS basiert grundlegend auf einer Dysregulation der hypothalamisch-hypophysär-ovariellen Achse, Insulinresistenz und Hyperandrogenismus. Das LH/FSH-Verhältnis ist erhöht (meist >2:1) — erhöhtes LH steigert die Androgenproduktion in Thekazellen, während niedriges FSH die Follikelreifung verhindert. Follikel können nicht reifen und kleine Antralfollikel (2-9 mm) akkumulieren in der peripheren Rinde — das 'Perlenschnur'-Muster in der Bildgebung erzeugend. Stromahypertrophie ist das histologische Korrelat der erhöhten Androgenproduktion und erscheint als erhöhte stromale Echogenität/Volumen im US. Die Ovarialkapsel verdickt sich (kortikale Fibrose) und erzeugt eine mechanische Barriere für die Ovulation. Erhöhtes Ovarvolumen resultiert aus Follikelakkumulation und Stromahypertrophie, mit >10 mL als diagnostischer Schwellenwert.
Erscheinung multipler kleiner Antralfollikel (2-9 mm), die in der ovariellen peripheren Rinde wie eine Perlenschnur angeordnet sind. Charakteristischster ultrasonographischer Befund des PCOS. Follikel sind anechogen, rund, uniform in der Größe und peripher an der Innenfläche der Ovarialrinde angeordnet — zentrales Stroma bleibt hyperechogen mit erhöhtem Volumen. Dieses Muster ist das visuelle Korrelat der Follikel, die aufgrund niedrigem FSH nicht reifen und im kleinen antralen Stadium arretieren. Unterscheidung vom normalen Zyklus, da das normale Ovar verstreute, größenvariable Follikel hat (dominanter Follikel >10 mm). Neuer internationaler Konsensus 2023: ≥20 Follikel (2-9 mm) pro Ovar oder Volumen >10 mL ist diagnostisch (vorheriger Schwellenwert war ≥12).
≥12 kleine Antralfollikel (2-9 mm) peripher in der Ovarialrinde gelegen zeigen lineare Anordnung — 'Perlenschnur'-Muster. Follikel sind anechogen, rund und uniform in der Größe. Zentrales Stroma ist hyperechogen mit erhöhtem Volumen.
Berichtssatz
Multiple kleine Antralfollikel (2-9 mm) mit peripherer Verteilung werden in beiden Ovarien beobachtet, mit 'Perlenschnur'-Muster vereinbar mit polyzystischer Ovarmorphologie.
Ovarvolumen >10 mL (Ellipsoid-Formel: Länge x Breite x Höhe x 0,523). Bilaterale Beteiligung typisch. Erhöhtes Volumen resultiert aus Follikelakkumulation und Stromahypertrophie.
Berichtssatz
Beide Ovarvolumina sind erhöht (rechts: ... mL, links: ... mL) und überschreiten den >10 mL-Schwellenwert; vereinbar mit polyzystischer Ovarmorphologie.
Zentrales Ovarialstroma zeigt erhöhte Echogenität und Volumen. Stromales/totales Ovarvolumen-Verhältnis ist erhöht (>0,34). Stromahypertrophie ist die Konsequenz des Hyperandrogenismus.
Berichtssatz
Die ovarielle stromale Echogenität ist erhöht, vereinbar mit Stromahypertrophie.
Peripher gelegene signalreiche Follikel und zentrales niedrig-intermediäres Signalstroma in T2-gewichteten Aufnahmen. 'Perlenschnur'-Muster auch in der MRT sichtbar. Ovargröße erhöht.
Berichtssatz
Multiple kleine peripher gelegene Follikel und erhöhtes Stromavolumen werden in beiden Ovarien in der MRT beobachtet, vereinbar mit polyzystischer Ovarmorphologie.
Erhöhte Vaskularität im Ovarialstroma. Stromale Gefäße sind prominenter mit niedrigerem Resistenzindex. Stromale Hypervaskularität kann mit dem Grad des Hyperandrogenismus korrelieren.
Berichtssatz
Erhöhte stromale Vaskularität wird in der Doppler-Untersuchung nachgewiesen, ein unterstützender Befund vereinbar mit PCOS.
Kriterien
Hyperandrogenismus + Oligo-/Anovulation + polyzystische Ovarmorphologie. Alle drei Rotterdam-Kriterien positiv. Häufigster Phänotyp.
Unterscheidungsmerkmale
Prominenteste ultrasonographische Befunde. Bilaterale große Ovarien, zahlreiche periphere Follikel, prominente Stromahypertrophie. Höchstes metabolisches Risiko.
Kriterien
Hyperandrogenismus + Oligo-/Anovulation, polyzystische Ovarmorphologie FEHLEND. Ultrasonographisches Kriterium nicht erfüllt.
Unterscheidungsmerkmale
Ovarieller US kann normal erscheinen. Diagnose stützt sich auf klinische und biochemische Kriterien. Metabolisches Profil ähnlich Phänotyp A.
Kriterien
Hyperandrogenismus + polyzystische Ovarmorphologie, reguläre Ovulation. Oligo-/Anovulation FEHLEND.
Unterscheidungsmerkmale
Ultrasonographische PCOS-Morphologie vorhanden, aber Menstruationszyklus regulär. Fertilität meist erhalten. Milderes metabolisches Profil.
Kriterien
Oligo-/Anovulation + polyzystische Ovarmorphologie, Hyperandrogenismus FEHLEND. Androgenspiegel normal.
Unterscheidungsmerkmale
Ultrasonographische PCOS-Morphologie vorhanden, Oligo-/Amenorrhö vorhanden, aber keine Akne/Hirsutismus. Mildester Phänotyp. Niedrigeres metabolisches Risiko.
Unterscheidungsmerkmal
Einfache Ovarialzyste ist einzeln, groß (>3 cm), anechogen, dünnwandig. PCOS wird durch multiple kleine Follikel (2-9 mm), bilateral, erhöhtes Ovarvolumen und Stromahypertrophie unterschieden. Ovarvolumen ist normal bei einfacher Zyste.
Unterscheidungsmerkmal
Hämorrhagische Zyste ist einzeln, groß, retikuläres Muster (Fibrinstränge), Ovar lokal vergrößert. Bei PCOS sind multiple kleine uniforme Follikel, periphere Anordnung und bilaterale Beteiligung prominent. Klinischer Kontext unterscheidet auch — hämorrhagische Zyste mit akutem Schmerz, PCOS mit chronischer Oligo-/Amenorrhö.
Unterscheidungsmerkmal
Dermoid (reifes zystisches Teratom) hat heterogene interne Struktur, Fett-Flüssigkeitsspiegel, Verkalkung/Zähne, 'Spitze des Eisbergs'-Zeichen. Einzelne Läsion. PCOS hat völlig unterschiedliche Morphologie mit multiplen uniformen kleinen anechogenen Follikeln, bilateral, Stromahypertrophie.
Dringlichkeit
routineManagement
medicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
annualPCOS ist eine chronische endokrine Störung, die multidisziplinäres Management erfordert. Behandlung wird basierend auf klinischer Präsentation individualisiert: Ovulationsinduktion bei Infertilität (Letrozol First-Line, Clomifen Second-Line); orale Kontrazeptiva + Antiandrogene (Spironolakton) für Hyperandrogenismus; Metformin + Lebensstilmodifikation (Diät, Bewegung, Gewichtsabnahme) für Insulinresistenz. Metabolisches Syndrom-Screening sollte jährlich durchgeführt werden (Glukose, Lipidprofil, Blutdruck). Endometriumhyperplasie-Risiko ist erhöht (unopponiertes Östrogen durch chronische Anovulation) — mindestens eine Menstruationsblutung pro Jahr sollte sichergestellt oder Progesteronschutz gegeben werden. Langfristig sind Typ-2-Diabetes-, kardiovaskuläres und Endometriumkarzinom-Risiko erhöht. Ovarielles Drilling (laparoskopisch) ist Alternative bei therapieresistenten Fällen.
PCOS ist eine der häufigsten Ursachen für Infertilität. Das Risiko für metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Endometriumkarzinom ist erhöht. Die Rotterdam-Kriterien werden zur Diagnose herangezogen (2 von 3 Kriterien: Oligoanovulation, Hyperandrogenämie, polyzystische Ovarialmorphologie).