Die Ovarialtorsion ist die Rotation des Ovars und/oder der Tuba uterina um ihren vaskulären Stiel. Sie macht 3% der gynäkologischen Notfälle aus. Beginnt mit venöser Abflussbehinderung, gefolgt von arterieller Durchblutungsunterbrechung mit ovarieller Ischämie/Nekrose. Frühdiagnose und chirurgische Intervention sind entscheidend für ovarerhaltende Behandlung (Detorsion). Verzögerte Diagnose erfordert Oophorektomie aufgrund ovarieller Nekrose. Häufiger bei Frauen im reproduktiven Alter, mit Ovarialzyste/-tumor als prädisponierendem Faktor.
Altersbereich
15-45
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Selten
Bei der Ovarialtorsion dreht sich das Ovar und/oder die Tuba uterina um den vaskulären Stiel. Zunächst wird der niedrigdruckige venöse und lymphatische Rückfluss gestört — dies verursacht Kongestion, Ödem und Vergrößerung des Ovars. Erhöhter interstitieller Druck kompromittiert auch den arteriellen Fluss und initiiert ovarielle Ischämie. Dieser pathophysiologische Prozess bestimmt direkt die Bildgebungsbefunde: Kongestion → ovarielle Vergrößerung und periphere Follikel (Stromaödem drückt Follikel peripher); venöse Stase → ovarielles parenchymatöses Ödem (T2/FLAIR-Hyperintensität, verminderte Echogenität im US); arterielle Okklusion → verminderter/fehlender Fluss im Doppler und Enhancement-Verlust in CT/MRT. Das Whirlpool-Zeichen ist die direkte Visualisierung des torquierten vaskulären Stiels im Doppler oder CT.
Spiraliges/wirbeliges Erscheinungsbild des torquierten vaskulären Stiels im Farb-Doppler. Ovarielle Gefäße und Tuba uterina rotieren mehrfach um den Stiel — diese Rotation erscheint als verschlungene rot-blaue Farbkodierung (Spiralmuster) im Farb-Doppler. Spezifischster Ultraschallbefund der Ovarialtorsion (87-94% Spezifität). Im B-Mode kann der verdrehte Stiel auch als alternierende konzentrische hyperechogene und hypoechogene Ringe ('Target-Zeichen') erscheinen. Das Whirlpool-Zeichen hilft auch bei der Graduierung der Torsion — mehr Rotationen um den Stiel zeigen höheres Ischämierisiko an.
Vergrößertes Ovar (meist >5 cm) mit peripher verlagerten Follikeln. Stromaödem drückt Follikel in die Peripherie und erzeugt das 'periphere Follikel-Zeichen'. Ovarielles Stroma erscheint hypoechogen/ödematös.
Berichtssatz
Das Ovar ist deutlich vergrößert (... cm) mit peripher verlagerten follikulären Strukturen; diese Befunde sind vereinbar mit einer Ovarialtorsion.
Verminderter oder fehlender arterieller/venöser Fluss im Ovar im Doppler. Venöser Fluss geht zuerst verloren (niedriger Druck). In fortgeschrittenen Stadien geht auch der arterielle Fluss verloren. Whirlpool-Zeichen — spiraliges/wirbeliges Doppler-Signal im vaskulären Stiel.
Berichtssatz
Im Ovar ist kein arterieller/venöser Fluss in der Doppler-Untersuchung nachweisbar, vereinbar mit Ovarialtorsion; Whirlpool-Zeichen ist vorhanden.
Spiraliges/wirbeliges Doppler-Signal im torquierten vaskulären Stiel (Whirlpool-Zeichen). Direkte Visualisierung der tubaren und ovariellen Gefäße, die um den Stiel rotieren. Spezifischster US-Befund der Ovarialtorsion.
Berichtssatz
Ein Whirlpool-Zeichen wird in der Doppler-Untersuchung am vaskulären Stiel nachgewiesen, was die Ovarialtorsion bestätigt.
Vergrößertes Ovar zeigt fehlendes oder vermindertes Enhancement in der kontrastmittelverstärkten CT. Ischämisches Ovar unterscheidet sich deutlich vom normalen kontralateralen Ovar. Torquierter Stiel kann auch ein spiraliges Erscheinungsbild in der CT zeigen.
Berichtssatz
Das linke/rechte Ovar ist deutlich vergrößert und zeigt kein Enhancement in den Kontrastmittelphasen; diese Befunde sind vereinbar mit ovarieller Ischämie/Torsion.
Ausgeprägtes Stromaödem (Hyperintensität) im Ovar in T2-gewichteten Aufnahmen. Periphere Follikel zeigen hohes T2-Signal, abgrenzbar vom ödematösen Stroma. Ovar ist generell vergrößert mit erhöhter Signalintensität.
Berichtssatz
Hyperintensität vereinbar mit ausgeprägtem Ödem wird im Ovarialstroma in T2-gewichteten Sequenzen beobachtet, was auf Ovarialtorsion/-ischämie hindeutet.
Diffusionsrestriktion im Ovarialparenchym in der DWI bei fortgeschrittener Torsion. Helles DWI-Signal in hämorrhagischen Infarktarealen aufgrund zytotoxischen Ödems. Dieser Befund zeigt Nekroseentwicklung an.
Berichtssatz
Diffusionsrestriktion wird im Ovarialparenchym in der DWI beobachtet, was auf eine Entwicklung eines hämorrhagischen Infarkts hindeutet.
Hochdichte Areale (50-70 HU) im Ovar in der nativen CT — reflektierend hämorrhagischen Infarkt. Periphere follikuläre Strukturen sind niedrigdicht mit zunehmender Auffälligkeit bei Kontrastmittelgabe.
Berichtssatz
Hochdichte Areale vereinbar mit hämorrhagischem Infarkt werden im Ovar in der nativen CT beobachtet.
Kriterien
Rotation des Ovars allein um seine eigene Achse. Tuba uterina nicht beteiligt. Seltener.
Unterscheidungsmerkmale
Stiel kann kürzer sein, Whirlpool-Zeichen nur in ovariellen Gefäßen sichtbar. Häufiger in pädiatrischer und adoleszenter Altersgruppe.
Kriterien
Ovar und Tuba uterina drehen sich zusammen um den vaskulären Stiel. Häufigste Form. Ovarialzyste/-tumor ist prädisponierender Faktor.
Unterscheidungsmerkmale
Dilatierte Tuba uterina kann begleiten. Whirlpool-Zeichen umfasst sowohl ovarielle als auch tubale Gefäße. Größerer Stielbereich.
Kriterien
Ovar durchläuft wiederholte Torsion und spontane Detorsion. Intermittierende Beckenschmerzepisoden. Bildgebungsbefunde variabel.
Unterscheidungsmerkmale
Ovar kann im schmerzfreien Intervall normal erscheinen. Doppler-Fluss kann erhalten sein. Vergrößertes Ovar + normaler Doppler = intermittierende Torsion sollte erwogen werden. Klassische Befunde während Schmerzepisoden vorhanden.
Unterscheidungsmerkmal
Hämorrhagische Zyste ist meist im normalgroßen Ovar, retikuläres/Fibrinstrangmuster, periphere Vaskularität ('Ring of Fire') im Doppler erhalten, kein Whirlpool-Zeichen. Torsion wird durch vergrößertes Ovar, periphere Follikel, verminderten/fehlenden Doppler-Fluss und Whirlpool-Zeichen unterschieden.
Unterscheidungsmerkmal
Tuboovarialer Abszess präsentiert sich mit Fieber + Leukozytose + erhöhten Entzündungsmarkern. Dickwandige komplexe zystische Struktur, Ovar-Tube nicht unterscheidbar (Zahnrad-Zeichen), interne Debris, erhöhte Vaskularität. Torsion wird durch akuten Schmerz + Whirlpool + verminderten Fluss unterschieden.
Unterscheidungsmerkmal
Endometriom hat homogene hypoechogene interne Echos ('Milchglas'), dicke Kapsel, zyklische Schmerzen. Doppler-Fluss um die Wand erhalten. Ovargröße meist normal. Torsion wird durch akut einsetzenden Schmerz, vergrößertes Ovar, periphere Follikel und verminderten Doppler unterschieden.
Unterscheidungsmerkmal
Einfache Zyste ist anechogen, dünnwandig, dorsale Schallverstärkung, asymptomatisch oder leichter Schmerz. Normaler Doppler. Normale Ovargröße. Torsion entwickelt sich meist auf einer vorbestehenden Zyste — aber vergrößertes Ovar, periphere Follikel und fehlender Doppler-Fluss kommen hinzu.
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
no-follow-upOvarialtorsion ist eine NOTFALL-chirurgische Indikation. Frühdiagnose (<6-8 Stunden) bietet die Möglichkeit einer ovarerhaltenden laparoskopischen Detorsion — Oophorektomie ist nicht nötig, wenn ovarielle Vitalität erhalten ist. Bei verzögerter Diagnose ist die Oophorektomie des nekrotischen Ovars obligat. Wenn eine prädisponierende Läsion (Zyste, Tumor) die Torsion verursacht hat, wird sie gleichzeitig behandelt. Ovarerhaltung hat Priorität im reproduktiven Alter. Bei Kindern kann sie ohne prädisponierende Läsion auftreten. US ist Erstwahlmodalität für die Diagnose — Whirlpool-Zeichen und verminderter Doppler-Fluss sind diagnostisch. CT/MRT zur definitiven Ausschluss oder Bestätigung. Bei hohem klinischem Verdacht und äquivokaler Bildgebung → diagnostische Laparoskopie empfohlen, da das Risiko eines Ovarverlusts höher als erwartet ist.
Die Ovarialtorsion ist ein chirurgischer Notfall. Eine frühzeitige Diagnose und Detorsion kann das Ovar retten. Eine verzögerte Diagnose birgt das Risiko einer ischämischen Nekrose und des Verlusts des Ovars. Dermoidzysten und große Zysten prädisponieren am häufigsten für eine Torsion.