Die kongenitale Zwerchfellhernie (CDH) ist eine Herniation abdomineller Organe (Darm, Magen, Milz, Leber) in den Thorax durch einen kongenitalen Defekt im Zwerchfell. Bochdalek-Typ (posterolateral, 70-75% links, 20-25% rechts) ist am häufigsten. Morgagni-Typ (anterior, retrosternal) ist seltener (2-5%). CDH ist ein schwerer neonataler Notfall — abdominelle Organe im Thorax behindern die Lungenentwicklung und verursachen pulmonale Hypoplasie und pulmonale Hypertension. CXR zeigt Darmschlingen im Thorax, fehlende oder hypoplastische ipsilaterale Lunge, kontralaterale Mediastinalverschiebung und Verlust der Zwerchfellkontur. Mortalität 30-40%. Behandlung ist Stabilisierung (ECMO möglicherweise erforderlich) gefolgt von chirurgischer Zwerchfellreparatur.
Altersbereich
0-0.1
Häufigkeitsalter
-
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Die CDH-Pathophysiologie umfasst zwei grundlegende Mechanismen: (1) Anatomischer Defekt — beim Bochdalek-Typ führt ein Verschlussversagen der pleuroperikardalen Membranen zum posterolateralen Zwerchfelldefekt. Abdominelle Organe hernieren durch den Defekt in den Thorax. (2) Pulmonale Entwicklungsstörung — abdominelle Organe im Thorax behindern mechanisch die ipsilaterale Lungenentwicklung und verursachen pulmonale Hypoplasie; dies resultiert nicht nur aus mechanischer Kompression, sondern auch aus gestörter intrauteriner Lungenflüssigkeitsdynamik und unzureichender vaskulärer Bettentwicklung. Pulmonale Hypertension entsteht durch vaskuläre Glattmuskulatur-Hypertrophie.
Der Signaturbefund der CDH ist Darmschlingen im Thorax im CXR mit Verlust der ipsilateralen Zwerchfellkontur. Die Kombination beider Befunde bestätigt die CDH-Diagnose. Bei rechtsseitiger Leberherniation kann das Blasenerscheinungsbild fehlen — homogene Verschattung und Mediastinalverschiebung werden gesehen.
Der charakteristischste CXR-Befund sind Darmschlingen im linken Hemithorax (Bochdalek-Typ, 75% links). Gasgefüllte Darmschlingen erscheinen als multiple strahlentransparente (schwarze) runde Strukturen im Thorax. Die linke Zwerchfellkontur geht verloren. Bei rechtsseitiger Hernie erscheint die Leber als homogene Weichteilgewebe-Verschattung im Thorax.
Berichtssatz
Gasgefüllte Darmschlingen werden im linken/rechten Hemithorax beobachtet mit Verlust der ipsilateralen Zwerchfellkontur; Befunde vereinbar mit kongenitaler Zwerchfellhernie (Bochdalek-Typ).
Masseneffekt hernierter Organe verschiebt mediastinale Strukturen kontralateral. Bei linksseitiger CDH nach rechts — Herz zur rechten Hemithorax-Seite verschoben (Dextroposition). Die kontralaterale Lunge wird teilweise komprimiert. Ausgeprägte Mediastinalverschiebung kann hämodynamische Instabilität verursachen.
Berichtssatz
Mediastinale Strukturen sind kontralateral verschoben mit Kompression der kontralateralen Lunge; Masseneffekt hernierter Organe ist prominent.
CDH kann im pränatalen US (typisch bei 18-24 Wochen Anomaliescreening) erkannt werden. Bei linksseitiger CDH ist der häufigste Befund der Magen im Thorax als zystische Struktur. Herz ist kontralateral verschoben. LHR (Lung-to-Head Ratio) ist prognostischer Bestimmungsfaktor (LHR <1,0 schlechte Prognose). Leberherniation (liver up) ist ein schlechter Prognosefaktor.
Berichtssatz
Im pränatalen US werden zystische Struktur (Magen) und/oder Darmschlingen im linken/rechten Hemithorax beobachtet mit ipsilateraler Lungenhypoplasie; Befunde vereinbar mit kongenitaler Zwerchfellhernie.
Fetales MRT wird ergänzend zum pränatalen US für genaue Lungenvolumenbeurteilung, Bestimmung des Hernieninhalts (Darm vs Leber) und Beurteilung des Leberhernierungsgrades eingesetzt. In T2-gewichteten Sequenzen ist das Lungenparenchym signalreich (fetale Lungenflüssigkeit T2-hyperintens) — Lungenvolumen wird multiplanar berechnet. Fetales MRT bietet genauere TFLV-Berechnung als LHR.
Berichtssatz
Im fetalen MRT werden Hernieninhalte (Darm/Leber) im linken/rechten Hemithorax mit vermindertem ipsilateralem Lungenvolumen beobachtet; TFLV wird als ___ mL berechnet.
CT kann postnatal für chirurgische Planung und Komplikationsbewertung durchgeführt werden. Kontrastmittel-CT evaluiert die detaillierte Anatomie der Hernieninhalte, Zwerchfelldefektgröße, pulmonale Gefäßentwicklung und assoziierte Anomalien.
Berichtssatz
CT zeigt durch einen linken/rechten Zwerchfelldefekt in den Thorax hernierte abdominelle Organe (Darm/Leber/Milz) mit ipsilateraler Lungenhypoplasie.
Kriterien
Posterolateraler Zwerchfelldefekt. 90-95% aller CDH-Fälle. 75% links, 20-25% rechts, 2% bilateral. Perinatale Präsentation (Atemnotsyndrom bei Geburt).
Unterscheidungsmerkmale
Links: Magen, Milz, Darm, manchmal linker Leberlappen hernieren. Rechts: Leber und Darm hernieren — Leber kann protektiv wirken. Pulmonale Hypoplasie und Hypertension sind Hauptmortalitätsfaktoren.
Kriterien
Anteriorer, retrosternaler Zwerchfelldefekt (Larrey-Raum). 2-5% aller CDH-Fälle. Meist rechte Seite (90%). Generell spätere Diagnose (Säuglings-/Kindesalter oder sogar Erwachsenenalter).
Unterscheidungsmerkmale
Weniger schwere pulmonale Auswirkung — meist keine Lungenhypoplasie. Hernieninhalt meist Omentum und Colon transversum. Elektive chirurgische Reparatur.
Kriterien
Defekte in beiden Zwerchfellen. <2% aller CDH-Fälle. Generell nicht mit dem Leben vereinbar — bilaterale pulmonale Hypoplasie.
Unterscheidungsmerkmale
Höchste Mortalität. ECMO-Unterstützung meist erforderlich. Beatmung sehr schwierig wegen bilateraler pulmonaler Hypoplasie. Hohe Rate assoziierter Anomalien.
Unterscheidungsmerkmal
CPAM ist eine intrapulmonale zystische Läsion — Zwerchfell intakt. Bei CDH besteht Zwerchfelldefekt mit abdominellen Organen im Thorax. CT differenziert Hernieninhalt von Lungenzyste.
Unterscheidungsmerkmal
Bei CLE wird ein hyperinflationierter Lungenlappen gesehen — Zwerchfell intakt, keine abdominellen Organe. CDH-Blasenerscheinungsbild wird von CLE-uniformer Hyperinflation unterschieden.
Unterscheidungsmerkmal
Sequestration ist Lungengewebe ohne normale Bronchialverbindung — hat systemische arterielle Versorgung. Bei CDH sind abdominelle Organe im Thorax. CT-Angiographie zeigt Sequestrations-Arterienversorgung.
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralCDH ist ein schwerer neonataler Notfall. Präsentation bei Geburt mit Atemnot, Zyanose und Kahnbauch. Chirurgische Reparatur NACH HÄMODYNAMISCHER STABILISIERUNG. Mortalität 30-40%. Langzeitprobleme: bronchopulmonale Dysplasie, gastroösophagealer Reflux, Hörverlust, neurodevelopmentale Beeinträchtigung.
Ein schwerwiegender neonataler Notfall. Pulmonale Hypoplasie und persistierende pulmonale Hypertonie sind die primären Determinanten von Mortalität und Morbidität. Die pränatale Diagnose ist kritisch für fetale Intervention und Geburtsplanung (ECMO-Bereitschaft). LHR und o/e TLV werden zur Prognoseeinschätzung verwendet. FETO (fetoskopische Trachealokklusion) ist eine experimentelle Behandlungsoption bei schweren Fällen. Postnatale Stabilisierung (ECMO, sanfte Beatmung) ist vor der Operation essentiell. Langzeitkomplikationen: chronische Lungenerkrankung, GERD, neurodevelopmentale Verzögerung.