Das Chorioangiom ist der häufigste benigne Plazentaltumor — aus primitiver mesenchymaler Kapillarproliferation in Chorionzotten, histologisch ähnlich dem kavernösen Hämangiom. Histologische Inzidenz ~1/100 Plazenten, klinisch signifikante (>4-5 cm) ~1/3500-9000 Schwangerschaften. Große Chorioangiome verursachen fetale Komplikationen: Polyhydramnion, fetale Anämie, nicht-immuner Hydrops fetalis und Hochauswurfherzversagen — durch arteriovenösen Shunt-Effekt. Im US als gut abgrenzbare, hypervaskuläre solide Masse an der Plazentaoberfläche dargestellt; hohes T2-Signal im MRT. Intensive Doppler-Vaskularität und zuführende Arterie sind diagnostisch wertvoll.
Altersbereich
18-45
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Sehr selten
Das Chorioangiom entsteht aus abnormaler angioblastischer Proliferation des primitiven Chorionmesenchyms — vaskuläre Vorläuferzellen in Chorionzotten proliferieren unkontrolliert und bilden eine vaskuläre Masse. Histologisch eine vaskuläre Struktur mit drei Varianten: angiomatös, zellulär und degeneriert. Kleine Chorioangiome (<4 cm) sind hämodynamisch unbedeutend. Große (>4-5 cm) erzeugen arteriovenösen Shunt zwischen fetaler und maternaler Zirkulation → kompensatorische kardiale Hypertrophie → Hochauswurfherzversagen → Hydrops. Blut-Pooling und Turbulenz können mikroangiopathische Hämolyse und Verbrauchskoagulopathie verursachen (Kasabach-Merritt-ähnlich). Polyhydramnion durch erhöhte renale Perfusion und Flüssigkeitstransudation. Hohes T2-Signal reflektiert langsam fließendes Blut in vaskulären Räumen.
Gut abgrenzbare solide Masse + prominente Hypervaskularität und zuführende Chorionarterie im Doppler — pathognomonisch für Chorioangiom. Unterscheidet von avaskulären plazentaren Läsionen.
Eine gut abgrenzbare, runde/ovale, meist homogen hypoechogene oder gemischte solide Masse wird an der Plazentaoberfläche (Chorionplatte) oder im Parenchym dargestellt. Kann aus der Chorionplatte in die Amnionhöhle protrudieren. Große Läsionen können durch Hämorrhagie/Nekrose/Verkalkung heterogen erscheinen.
Berichtssatz
Eine gut abgrenzbare, hypoechogene solide Masse von __ × __ mm an der Plazentaoberfläche ist vereinbar mit Chorioangiom.
Im Farbdoppler zeigt sich intensive Vaskularität in der Masse — multiple vaskuläre Kanäle und zuführende Arterie werden identifiziert. Die zuführende Arterie wird als Chorionarterienzweig am Nabelschnureintritt identifiziert. Power-Doppler zeigt niedrige Flussgeschwindigkeiten besser. Spektraler Doppler zeigt niedrigresistenten arteriellen Fluss — hämodynamischer Nachweis arteriovenösen Shuntings.
Berichtssatz
Die Masse ist im Farbdoppler markant hypervaskulär mit identifizierbarer zuführender Arterie (Chorionarterienzweig) — unterstützt die Chorioangiom-Diagnose.
In T2-gewichteten MRT-Bildern wird eine gut abgrenzbare Masse mit hoher Signalintensität dargestellt — langsam fließendes Blut in vaskulären Räumen. Helleres Signal als Plazentagewebe. In T1 iso- bis leicht hyperintens; bei Hämorrhagie deutlich hyperintense Areale (Methämoglobin). Progressive Kontrastmittelanreicherung von peripher nach zentral — ähnlich Hämangiom-Muster.
Berichtssatz
Eine gut abgrenzbare Masse mit hoher T2-Signalintensität von __ mm an/in der Plazenta ist vereinbar mit Chorioangiom.
Polyhydramnion kann bei großen Chorioangiomen (>4-5 cm) auftreten — AFI >24 cm oder tiefste Tasche >8 cm. Indirekter Befund für fetale Hochauswurfherzinsuffizienz durch erhöhte renale Perfusion + Transudation von der Tumoroberfläche. Polyhydramnion-Schwere korreliert mit Tumorgröße und Vaskularitätsgrad.
Berichtssatz
Polyhydramnion (AFI: __ cm) begleitet das Chorioangiom — engmaschige Überwachung für fetale Komplikationen empfohlen.
Bei großen Chorioangiomen werden fetale Hydrops-Zeichen systematisch beurteilt: Hautödem (>5 mm), Aszites, Pleuraerguss, Perikarderguss, Plazentaverdickung (>40 mm). Flüssigkeit in ≥2 Kompartimenten = nicht-immuner Hydrops. Hydrops-Entwicklung ist dringende Interventionsindikation — intrauterine Transfusion, Laserkoagulation oder Embolisation der zuführenden Arterie.
Berichtssatz
Fetale Hydrops-Zeichen (Hautödem / Aszites / Pleuraerguss / Perikarderguss) sollten beurteilt werden — bei Komplikation eines großen Chorioangioms.
MCA-PSV-Messung (mittlere zerebrale Arterie Peak-systolische Velocität) screent auf fetale Anämie bei großen Chorioangiomen. MCA PSV >1,5 MoM zeigt fetale Anämie — mikroangiopathische Hämolyse oder Hämodilution durch AV-Shunting. Serielle MCA-PSV-Überwachung ist Standardansatz.
Berichtssatz
MCA PSV beträgt __ cm/s, entsprechend __ MoM für das Gestationsalter.
Kriterien
Größe <4 cm, hämodynamisch unbedeutend
Unterscheidungsmerkmale
Asymptomatisch, niedriges fetales Komplikationsrisiko, serielle US-Kontrolle ausreichend (alle 4 Wochen), keine spezifische Behandlung
Kriterien
Größe >4-5 cm, hämodynamisch signifikantes AV-Shunt-Potenzial
Unterscheidungsmerkmale
Hohes fetales Komplikationsrisiko, engmaschige Überwachung obligat, MCA-PSV-Monitoring, Laserkoagulation oder Embolisation möglicherweise erforderlich, intrauterine Transfusion, Amnioreduktion
Kriterien
Degenerative Veränderungen mit Hämorrhagie, Nekrose, Verkalkung oder Fibrose
Unterscheidungsmerkmale
Heterogenes Erscheinungsbild, Verkalkungen mit posteriorer Schallauslöschung, Vaskularität möglicherweise vermindert im Doppler — Degeneration kann vaskuläre Strukturen verschließen
Unterscheidungsmerkmal
Intervillöse Thrombose ist AVASKULÄR im Doppler (kein aktiver Fluss); Chorioangiom ist HYPERVASKULÄR im Doppler (multiple Kanäle + zuführende Arterie) — Doppler allein differenziert
Unterscheidungsmerkmal
Subchorionisches Hämatom ist subchorionisch, sichelförmig und avaskulär; Chorioangiom ist im/am Plazentagewebe, rund und hypervaskulär — Lokalisation + Form + Vaskularität unterscheiden
Unterscheidungsmerkmal
Bei Blasenmole ist die gesamte Plazenta abnormal (Schneesturm) mit sehr hohem β-hCG; Chorioangiom zeigt fokale Masse mit normaler restlicher Plazenta und proportionalem β-hCG
Unterscheidungsmerkmal
Plazentales Teratom enthält Fett- und Verkalkungskomponenten (Fettsignal im MR); Chorioangiom hat dominante vaskuläre Struktur (T2-hyperintens + hypervaskulär) — Gewebekomponenten unterscheiden sich
Dringlichkeit
routineManagement
surveillanceBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthKleine Chorioangiome (<4 cm) sind klinisch unbedeutend — serielle US-Kontrolle alle 4 Wochen ausreichend. Große (>4-5 cm) erfordern multidisziplinäre engmaschige Überwachung: AFI-Messung, MCA-PSV-Monitoring, fetale Echokardiographie, Hydrops-Screening. Behandlung bei Komplikationen: Laserkoagulation der zuführenden Arterie, intrauterine Transfusion, Amnioreduktion. Kein malignes Transformationsrisiko — Chorioangiom ist vollständig benigne.
Kleine Chorioangiome (<4 cm) sind meist asymptomatisch und erfordern keine Intervention außer Verlaufskontrollen. Große Chorioangiome (>4-5 cm) können durch AV-Shunting fetale Anämie, High-Output-Herzinsuffizienz, Hydrops fetalis und Polyhydramnion entwickeln. Therapie: serielle US-Kontrollen, Amnioreduktion (Polyhydramnion), intrauterine Transfusion (fetale Anämie), Laserkoagulation oder Embolisation der Tumorzuführungsarterie (refraktäre Fälle).