Der Schilddrüsenabszess ist eine lokalisierte eitrige Infektion innerhalb der Schilddrüse. Es ist ein extrem seltener Zustand, da die Schilddrüse aufgrund ihrer reichen Blutversorgung, Lymphdrainage, Kapselstruktur und ihres hohen Jodgehalts eine natürliche Infektionsresistenz besitzt. Er entwickelt sich am häufigsten bei immunsupprimierten Patienten (HIV, Diabetes, Chemotherapie), bei Kindern mit Piriformis-Sinus-Fistel oder im Rahmen einer vorbestehenden Schilddrüsenpathologie (noduläre Struma, Zyste). Dringende Drainage und Antibiotikatherapie sind erforderlich.
Altersbereich
20-60
Häufigkeitsalter
35
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Sehr selten
Der Schilddrüsenabszess entwickelt sich typischerweise über drei Wege: (1) Piriformis-Sinus-Fistel — die oropharyngeale Flora erreicht die Schilddrüse durch eine kongenitale Fistel, die vom Sinus piriformis zur Schilddrüse verläuft als Rest des linken 3. oder 4. Branchialbogens. Daher sollte ein rezidivierender linker Schilddrüsenabszess bei Kindern und jungen Erwachsenen an eine Piriformis-Sinus-Fistel denken lassen. (2) Hämatogene oder lymphatische Ausbreitung — bakterielle Dissemination von einem entfernten Infektionsherd, besonders bei immunsupprimierten Patienten. (3) Direkte Ausbreitung — von einer benachbarten tiefen Halsinfektion oder infizierten Schilddrüsenzyste. Bei der Abszessbildung lösen Bakterien eine akute Entzündungsreaktion im Schilddrüsengewebe aus — Neutrophileninfiltration, Gewebsnekrose und Eiterbildung treten auf. Die Eiteransammlung aus Liquefaktionsnekrose erscheint als zentral hypodenser/hypoechogener Bereich in der Bildgebung. Die Entzündungsreaktion im umgebenden Schilddrüsengewebe mit Ödem und Hyperämie spiegelt sich als Randanreicherung und umgebende Weichteilverdickung wider. Interne Debris und Gasblasen (bei anaeroben Bakterien) bestimmen die Bildgebungsbefunde des Abszessinhalts.
Die zuverlässigste Bildgebungsbefundkombination des Schilddrüsenabszesses ist eine randanreichernde Kollektion in der kontrastmittelverstärkten Bildgebung mit deutlicher Diffusionsrestriktion derselben Kollektion in DWI. Die Randanreicherung spiegelt die Vaskularisation des Granulationsgewebes wider, während die Diffusionsrestriktion den viskosen Eiterinhalt widerspiegelt. Die Kombination dieser beiden Befunde ermöglicht eine zuverlässige Differenzierung von nekrotischem Tumor, einfacher Zyste und infizierter Zyste.
Dickwandige, irregulär begrenzte, zystische/semi-zystische Kollektion mit heterogenen Binnenechos in oder angrenzend an die Schilddrüse. Interne Debris kann sich schwerkraftabhängig bewegen (dynamische Untersuchung). Das umgebende Schilddrüsenparenchym wird diffus hypoechogen und heterogen (entzündliche Veränderungen). Die Abszesswand ist irregulär, dick und hypoechogen, deutlich vom umgebenden intakten Schilddrüsengewebe unterscheidbar. Bei vorhandenen Gasblasen erscheinen diese als helle echogene Herde mit Reverberationsartefakt.
Berichtssatz
Im [rechten/linken] Schilddrüsenlappen zeigt sich eine __ x __ mm große, dickwandige, irregulär begrenzte zystische Kollektion mit internem Debris. Diffuse entzündliche Veränderungen im umgebenden Schilddrüsenparenchym sind vorhanden. Gasblasen [sind vorhanden/sind nicht nachweisbar]. Die Befunde sind vereinbar mit einem Schilddrüsenabszess.
Im Farbdoppler deutlich erhöhte Vaskularisation (Hyperämie) in der Abszesswand und im umgebenden entzündlichen Schilddrüsengewebe. Keine Vaskularisation im Abszesszentrum (Eiteransammlung) — avaskulärer zentraler Bereich. Dieses Muster peripherer Hypervaskularisation + avaskuläres Zentrum unterstützt die Abszessdiagnose. Diffus erhöhte Vaskularisation kann auch im umgebenden intakten Schilddrüsengewebe sichtbar sein (reaktive Hyperämie).
Berichtssatz
In der Doppleruntersuchung zeigt sich eine deutlich erhöhte Vaskularisation in der Peripherie der Kollektion und im umgebenden Schilddrüsengewebe. Das Zentrum der Kollektion ist avaskulär. Das Muster peripherer Hypervaskularisation + avaskuläres Zentrum ist vereinbar mit einem Abszess.
Im kontrastmittelverstärkten CT eine randanreichernde (ringförmige) hypodense Kollektion in oder angrenzend an die Schilddrüse. Die Abszesswand reichert prominent an, während die zentrale Eiteransammlung nicht anreichert und hypodens bleibt (0-25 HU). Ödem und vermehrte Anreicherung im umgebenden Schilddrüsenparenchym, Stranding im perithyroidalen Fettgewebe sind sichtbar. Interne Gasblasen erscheinen als kleine Herde mit Luftdichte (-1000 HU). In fortgeschrittenen Fällen kann sich der Abszess über die Schilddrüse hinaus in die tiefen Halsräume ausdehnen.
Berichtssatz
Im kontrastmittelverstärkten CT zeigt sich eine __ x __ mm große, randanreichernde hypodense Kollektion im [rechten/linken] Schilddrüsenlappen. Interne Gasblasen [sind vorhanden/sind nicht nachweisbar]. Entzündliche Veränderungen im umgebenden Schilddrüsenparenchym und Stranding im perithyroidalen Fettgewebe sind sichtbar. Die Befunde sind vereinbar mit einem Schilddrüsenabszess.
Eine dünne Traktstruktur, die vom linken Sinus piriformis zur Schilddrüse verläuft, kann im nativen oder kontrastmittelverstärkten CT sichtbar sein. Dieser Trakt repräsentiert eine kongenitale Fistel als Rest des 3. oder 4. Branchialbogens. Der Fistelgang liegt meist links (>90%). Während einer aktiven Infektion zeigen sich Ödem und Verdickung entlang des Fistelgangs; in Remission ist die Fistel sehr dünn und schwer zu erkennen. Die Fistelöffnung kann durch Bariumschluck oder direkte Laryngoskopie bestätigt werden.
Berichtssatz
Im CT zeigt sich eine dünne Traktstruktur, die vom linken Sinus piriformis zum linken Schilddrüsenlappen verläuft. Dieser Befund ist vereinbar mit einer Piriformis-Sinus-Fistel (Rest des 3./4. Branchialbogens) und erklärt die Ätiologie des rezidivierenden Schilddrüsenabszesses.
Die Abszesskollektion zeigt hyperintenses Signal in T2-gewichteten Sequenzen (Flüssigkeits-/Eiterinhalt). Die Abszesswand erscheint als dünner bis dicker Ring mit niedrigem Signal in T2. Periabszedales Ödem (erhöhtes T2-Signal) zeigt sich im umgebenden Schilddrüsenparenchym und Weichteilgewebe. Interner Debris kann heterogenes Signal in T2 zeigen. MRT ist der CT für die multiplanare Beurteilung der Abszessausdehnung überlegen — besonders für die Darstellung des Piriformis-Sinus-Fistelgangs.
Berichtssatz
In T2-gewichteten Sequenzen zeigt sich eine hyperintense Kollektion im [rechten/linken] Schilddrüsenlappen. Hypointense Wandstruktur und periabszessales Ödem sind um die Kollektion vorhanden. Ein Piriformis-Sinus-Fistelgang [ist nachweisbar/ist nicht nachweisbar].
Die Abszesskollektion zeigt deutlich hohes Signal in DWI und niedriges Signal in der ADC-Karte (echte Diffusionsrestriktion). Hoher Proteingehalt, zellulärer Debris und visköser Inhalt in der Eiteransammlung erzeugen Diffusionsrestriktion. Dieser Befund ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von der einfachen Zyste oder dem nekrotischen Tumor (die keine Diffusionsrestriktion zeigen).
Berichtssatz
In der DWI zeigt sich eine deutliche Diffusionsrestriktion in der Schilddrüsenkollektion (ADC: __ x 10⁻³ mm²/s). Dieser Befund ist im Gegensatz zur einfachen Zyste oder nekrotischen Läsion vereinbar mit visköser Eiteransammlung und unterstützt die Abszessdiagnose.
Kriterien
Linksseitige Schilddrüsenlokalisation, junges Alter (<20), rezidivierende Infektionsepisoden, Piriformis-Sinus-Schilddrüsen-Fistelgang in CT/MRT. Rest des 3. oder 4. Branchialbogens.
Unterscheidungsmerkmale
Dünner Gang vom linken Sinus piriformis zum linken Schilddrüsenlappen in CT/MRT. Der Gang ist während aktiver Infektion ödematös und verdickt. Die Fistelöffnung kann durch Bariumschluck bestätigt werden. Die definitive Behandlung ist Thyreoidektomie + Fistelexzision. Antibiotika allein sind unzureichend — rezidivierende Infektion ist unvermeidlich, solange die Fistel besteht.
Kriterien
Schilddrüsenabszess im Rahmen eines immunsuppressiven Zustands (HIV, unkontrollierter Diabetes, Chemotherapie, Organtransplantation). Opportunistische Erreger (Pilze, Mykobakterien) können ursächlich sein.
Unterscheidungsmerkmale
Kann bilateral oder multifokal sein. Atypische Bildgebungsbefunde aufgrund opportunistischer Erreger möglich. Pilzabszess kann granulomatöses Muster zeigen. Mykobakterieller Abszess kann mit käsiger Nekrose assoziiert sein — kann Kalzifikationen enthalten. Die Behandlung ist die Kontrolle des zugrundeliegenden immunsuppressiven Zustands + prolongierte antimikrobielle Therapie.
Kriterien
Sekundärinfektion einer vorbestehenden Schilddrüsenzyste oder eines Knotens. Entwickelt sich meist nach FNA oder Trauma. Die zugrundeliegende Pathologie (multinoduläre Struma, Zyste) ist erkennbar.
Unterscheidungsmerkmale
Vorbestehende Knoten oder Zysten sind um den Abszess im US/CT sichtbar. Abszessgrenzen können der Struktur der zugrundeliegenden Pathologie folgen. FNA-Anamnese ist eine wichtige anamnestische Information. Die Behandlung ist Drainage + Antibiotika; die zugrundeliegende Pathologie sollte hinsichtlich chirurgischer Indikation evaluiert werden.
Unterscheidungsmerkmal
Die einfache Zyste ist eine dünnwandige, anechogene, nicht anreichernde zystische Läsion OHNE Diffusionsrestriktion in DWI. Der Abszess ist dickwandig, enthält internen Debris, zeigt Randanreicherung und Diffusionsrestriktion in DWI. Klinisch präsentiert sich der Abszess mit Schmerzen, Fieber und Leukozytose, während die einfache Zyste asymptomatisch ist.
Unterscheidungsmerkmal
Die subakute Thyreoiditis (De Quervain) zeigt diffuse oder fokale hypoechogene Areale, bildet aber keine organisierte Eiteransammlung — kein Flüssigkeits-Debris-Spiegel oder Randanreicherung. Bei subakuter Thyreoiditis ist die Vaskularisation im Doppler VERMINDERT (hypothyreote Phase), während beim Abszess die umgebende Hypervaskularisation erhöht ist. Bei subakuter Thyreoiditis ist die BSG deutlich erhöht und die Radiojodaufnahme niedrig.
Unterscheidungsmerkmal
Das anaplastische Karzinom kann nekrotische Areale enthalten und mit einem Abszess verwechselt werden; jedoch ist beim anaplastischen Karzinom die solide anreichernde Komponente DOMINANT und nekrotische Areale sind zentral gelegen. Beim Abszess gibt es keine solide anreichernde Komponente — nur Randanreicherung ist sichtbar. Beim anaplastischen Karzinom zeigt sich in DWI Diffusionsrestriktion in soliden Komponenten, während beim Abszess Diffusionsrestriktion in der Kollektion selbst vorliegt. Klinisch hat das anaplastische Karzinom einen chronischen Verlauf, während der Abszess akut ist.
Unterscheidungsmerkmal
Die hämorrhagische Zyste zeigt hohes Signal in T1 (Methämoglobin), der Abszess zeigt niedriges bis intermediäres Signal in T1. Randanreicherung fehlt bei der hämorrhagischen Zyste generell oder ist sehr dünn, während beim Abszess eine prominente dicke Randanreicherung sichtbar ist. In DWI zeigt die hämorrhagische Zyste generell keine Diffusionsrestriktion, während der Abszess deutliche Restriktion zeigt. Die hämorrhagische Zyste ist meist schmerzlos ohne Fieber.
Dringlichkeit
emergentManagement
interventionalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDer Schilddrüsenabszess ist ein infektiöser Notfall, der dringende Behandlung erfordert. Der erste Schritt ist eine breitspektrum-intravenöse Antibiotikatherapie (empirisch: Amoxicillin-Clavulansäure oder Ampicillin-Sulbactam + Metronidazol). Kleine Abszesse (<3 cm) können durch US-gesteuerte Nadelaspiration drainiert werden; große oder komplexe Abszesse erfordern chirurgische Drainage. Beim Piriformis-Sinus-Fistel-assoziierten Abszess sollte 6-8 Wochen nach Kontrolle der akuten Infektion eine Fistelexzision + linke Lobektomie durchgeführt werden — andernfalls ist ein Rezidiv unvermeidlich. Die Fisteldiagnose sollte durch Bariumschluck oder direkte Laryngoskopie bestätigt werden. Kultur und Empfindlichkeitstestung sollten aus dem Drainagematerial durchgeführt werden. Komplikationen: tiefer Halsabszess, Mediastinitis, Sepsis, Atemwegsobstruktion, V.-jugularis-interna-Thrombophlebitis. Die Kontrolle des zugrundeliegenden Zustands ist bei immunsupprimierten Patienten essenziell.
Der Schilddrüsenabszess ist eine Infektion, die eine dringende Behandlung erfordert. Breitbandantibiotika + perkutane oder chirurgische Drainage sind Behandlungsoptionen. Bei Kindern sollte eine Fistel des Sinus piriformis abgeklärt werden. Bei immunsupprimierten Patienten sollte eine Pilzätiologie in Betracht gezogen werden. Komplikationen: Mediastinitis, Sepsis, Atemwegsobstruktion.