Gallenleck und Bilom resultieren aus Unterbrechung der Gallengangintegrität, die zu Galleextravasation in die Peritonealhöhle oder den Retroperitonealraum führt. Entwickelt sich am häufigsten nach Cholezystektomie, Leberresektion oder Lebertransplantation. Bilom definiert die akkumulierte Galleansammlung — kann enkapsuliert oder frei sein. Bei Superinfektion bildet sich biliärer Abszess. HIDA-Szintigraphie mit extraluminaler Tracerakkumulation bestätigt die Diagnose und ist der zuverlässigste Beweis für aktives Leck. CT und US zeigen die Ansammlung, können aber aktives Leck nicht direkt beweisen. Behandlung umfasst perkutane Drainage + ERCP mit Sphinkterotomie/Stenting als Erstlinie.
Altersbereich
25-75
Häufigkeitsalter
45
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Selten
Gallenleck entsteht, wenn die Gallengangwand durch chirurgischen Schaden, Ischämie oder Nekrose ihre Integrität verliert. Häufigste Quellen nach Cholezystektomie: (1) Clipabrutsch oder inadäquate Ligatur vom Zystikusstumpf, (2) Leck aus Luschka-Gängen — akzessorische Gänge in der Gallenblasenfossa, die während der Cholezystektomie möglicherweise nicht erkannt werden, (3) Hauptgallengangverletzung (Strasberg-Klassifikation). Gallenflüssigkeit ist ein potenter Irritans — Gallensäuren und Phospholipasen schädigen peritoneale Mesothelzellen und verursachen chemische Peritonitis. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine fibröse Kapsel um die Galleansammlung (enkapsuliertes Bilom) oder sie bleibt frei und bildet biliären Aszites. Bei Superinfektion produzieren gasbildende Bakterien (E.coli, Klebsiella) Gasblasen im Bilom. In der Bildgebung erscheint das Bilom als niedrigdichte (0-20 HU in CT) oder anechogene (US) gut definierte Ansammlung. Bei infiziertem Bilom entwickeln sich Wandanreicherung (inflammatorische Neovaskularisation), Gasblasen und heterogener Inhalt. HIDA-Szintigraphie mit Radiopharmakon-Akkumulation im extraluminalen Bereich beweist aktives Leck.
Radiopharmakon-Akkumulation ausserhalb des biliaren Systems nach Leberaufnahme in HIDA — spezifischster und sensitivster Befund aktiven Gallenlecks.
Gut definierte, homogene, niedrigdichte (0-20 HU) Flussigkeitsansammlung benachbart zur Gallenblasenfossa oder im subhepatischen/perihepatischen Bereich in portalvenoser Phase — Bilom. Ansammlung reichert nicht an (avaskular). Groesse kann von cm bis Liter reichen. Gallenblasenfossa ist leer (Cholezystektomie). Chirurgische Clips werden benachbart zur Ansammlung nachgewiesen.
Berichtssatz
Niedrigdichte Flussigkeitsansammlung (Bilom) benachbart zur Gallenblasenfossa festgestellt, vereinbar mit postoperativem Gallenleck.
Radiopharmakon-Akkumulation ausserhalb des Gallengangsystems — im subhepatischen oder perihepatischen Bereich nach Leberaufnahme in HIDA-Szintigraphie. Dieser Befund ist direkter Beweis aktiven Gallenlecks. Sensitivitat >90%, Spezifitat >95%.
Berichtssatz
Extraluminale Radiopharmakon-Akkumulation in HIDA-Szintigraphie, bestatigend aktives Gallenleck.
Anechogene gut definierte Flussigkeitsansammlung in Gallenblasenfossa/subhepatischem Bereich im US. Dunne Septierungen deuten auf organisiertes Bilom, dicke irregulare Wand auf infiziertes Bilom/Abszess. Interne Echogenitaten konnen Debris oder Blutmischung anzeigen.
Berichtssatz
Anechogene Flussigkeitsansammlung im subhepatischen Bereich festgestellt, vereinbar mit Bilom.
Deutlich hyperintense Flussigkeitsansammlung im perihepatischen/subhepatischen Bereich in T2-gewichteten Bildern. Hypointens in T1 (Gallenflussigkeit). Verbindungspunkt zwischen Ansammlung und Gallengang kann in MRCP detektiert werden — wertvoll fur Lecklokalisierung. Bei infiziertem Bilom entwickeln sich interne Heterogenitat und Wandverdickung in T2.
Berichtssatz
Hyperintense perihepatische Flussigkeitsansammlung in T2 vereinbar mit Bilom; Leckpunkt sollte in MRCP untersucht werden.
Gasblasen innerhalb des Biloms in nativer CT — anzeigend Superinfektionsentwicklung. Ansammlungsdichte kann erhoht sein (Protein/Debris). Wandanreicherung in portalvenoser Phase reflektiert inflammatorisches Gewebe. Klinisch begleitet von Fieber und Leukozytose — dringende perkutane Drainage erfordernd.
Berichtssatz
Gasblasen und Wandanreicherung innerhalb des Biloms festgestellt, vereinbar mit infiziertem Bilom (Abszess).
Passage von intravenösem Kontrastmittel, das vom Leberparenchym exkretiert wird, durch Gallengangdefekt in die Peritonealhöhle in Spätphasen-CT-Cholangiographie (60-90 Minuten) — direkter CT-Beweis aktiven Gallenlecks. Kontrastakkumulation wird als zunehmende Dichte innerhalb des Biloms beobachtet — Bilomdichte von 0-20 HU in Standard-portalvenöser Phase steigt auf 30-60 HU in Spätphase bei Kontrastflüssigkeitspassage. Leckpunkt kann aus der Lokalisation abgeleitet werden, wo extravasiertes Kontrastmittel beginnt. Diese Technik kann als Alternative zur HIDA-Szintigraphie verwendet werden und wird mit zusätzlicher Spätbildgebung in derselben CT-Sitzung gewonnen. Sensitivität steigt bei Verwendung hepatobiliären Kontrastmittels (wie Gadoxetsäure in MR) aber Standard-jodierte Kontrastmittel werden ebenfalls teilweise von Hepatozyten exkretiert.
Berichtssatz
Zunehmende Bilomdichte in Spätphasen-CT, anzeigend aktive Kontrastpassage durch Gallengangdefekt (aktives Gallenleck).
Kriterien
Clipabrutsch oder inadaquate Ligatur vom Zystikusstumpf
Unterscheidungsmerkmale
Haufigster Typ; Bilom benachbart zur Gallenblasenfossa; ERCP mit Stent gewohnlich ausreichend
Kriterien
Leck aus akzessorischen Gangen in Gallenblasenfossa
Unterscheidungsmerkmale
Kleine Ansammlungen; gewohnlich selbstlimitierend; perkutane Drainage kann ausreichen
Kriterien
Leck von biliarer Anastomosenlinie nach Lebertransplantation
Unterscheidungsmerkmale
Bilom benachbart zur Anastomosenlinie; perihepatische Ausbreitung; wiederholtes ERCP/Stent kann erforderlich sein
Unterscheidungsmerkmal
Bei Gangverletzung zeigt MRCP Gangdiskontinuitat/-obstruktion; bei einfachem Gallenleck ist Gangkontinuitat erhalten mit Leck aus kleinem Defekt
Unterscheidungsmerkmal
Bei akuter Cholezystitis Gallenblasenwandverdickung + pericholezystische Flussigkeit vorhanden, Gallenblase existiert; bei Bilom Gallenblase fehlend (Postcholezystektomie)
Unterscheidungsmerkmal
Bei Gallenblasenperforation fokaler Wanddefekt + pericholezystische Ansammlung vorhanden; bei Bilom Gallenblase fehlend
Dringlichkeit
urgentManagement
interventionalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthIn Gallenleckbehandlung ist perkutane Drainage (Bilom >3 cm) + ERCP mit Sphinkterotomie/Stenting Erstlinie. Kleine Lecks (<5 mL/Tag) konnen mit konservativem Management schliessen. Infiziertes Bilom erfordert dringende Drainage + Antibiotika. Chirurgie (Hepatikojejunostomie) bei therapierefraktarem oder grossem Gangverletzung erwogen.
Das Gallenleck/Bilom wird in der Regel mit ERCP-Sphinkterotomie und Stenteinlage behandelt. Perkutane Drainage wird bei grossen Bilomen hinzugefuegt. Unbehandelte Faelle koennen eine biliaere Peritonitis und Sepsis entwickeln. Waehrend die meisten Ductus-cysticus-Stumpflecks mit konservativer oder endoskopischer Behandlung abheilen, erfordern schwere Gallengangverletzungen eine Operation.