Die Gallenblasenvolvulus (Torsion) ist eine axiale Rotation der Gallenblase entlang ihres Mesenteriums oder ihrer peritonealen Befestigungen, die zu einer Verdrehung und Obstruktion der Arteria cystica und des Ductus cysticus führt. Sie ist selten, erfordert aber eine Notfalloperation (100% Mortalität ohne Eingriff). Tritt typischerweise bei älteren, schlanken Frauen auf — altersbedingter peritonealer Fettverlust und erhöhte Gallenblasenmobilität (wandernde/schwimmende Gallenblase) sind prädisponierende Faktoren. Eine Rotation des Gallenblasen-Fundus >180° im oder gegen den Uhrzeigersinn verursacht vaskuläre Kompromittierung — zunächst wird der venöse Rückfluss blockiert (Kongestion, Ödem, Hämorrhagie), gefolgt von arteriellem Flussstopp (Ischämie, Gangrän, Nekrose). Die präoperative Diagnose ist schwierig (<10% der Fälle) und wird meist intraoperativ bei Patienten entdeckt, die mit der Verdachtsdiagnose einer akuten Cholezystitis operiert werden. Im CT sind das 'Whirl Sign' (Verdrehungsmuster des Ductus cysticus und des vaskulären Pedikels), diffuse Gallenblasen-Wandverdickung und pericholezystische Flüssigkeit pathognomonisch. Im US zeigen sich echogenes Debris im Gallenblasenlumen und Wandödem (Doppelwandzeichen); der Doppler zeigt verminderte oder fehlende Wandvaskularisation.
Altersbereich
60-95
Häufigkeitsalter
75
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Sehr selten
Die Gallenblasenvolvulus entsteht, wenn die Befestigung der Gallenblase am Leberbett anatomisch schwach ist. Normalerweise wird die Gallenblase durch peritoneale Befestigungen in der Leberfossa gehalten. Mit zunehmendem Alter führen peritonealer Fettverlust und Bindegewebslaxität dazu, dass die Gallenblase frei beweglich wird (wandernde Gallenblase); dies ist besonders bei Gallenblasen mit langem Mesenterium ausgeprägt. Prädisponierende Faktoren umfassen Viszeroptose, Kyphoskoliose und schnellen Gewichtsverlust. Die Torsion wird typischerweise bei >180°-Rotation klinisch signifikant — der venöse Rückfluss wird zuerst blockiert mit Kongestion und Ödem, dann folgt der arterielle Flussstopp mit ischämischer Nekrose. Hämorrhagische Infarzierung der Gallenblasenwand entwickelt sich durch venöse Kongestion — dies erklärt die Wandhyperdensität im CT und T1-Hyperintensität im MRT. Das Whirl Sign repräsentiert die Pedikelverdrehung der Arteria cystica und des Ductus cysticus. Im Gallenblasenlumen akkumulieren Schlamm und Debris aufgrund der Stase. Das Fehlen der Wandvaskularisation im Doppler bestätigt die vollständige Unterbrechung des arteriellen und venösen Flusses — dieser Befund ist kritisch für die Differenzierung von der akuten Cholezystitis, da entzündliche Cholezystitis typischerweise eine erhöhte Wandvaskularisation zeigt.
Spiral-/helikale Konfiguration des Ductus cysticus, der Arteria cystica und des umgebenden peritonealen Fettgewebes, die sich auf Höhe des Gallenblasenhalses im CT gemeinsam drehen. Pathognomonisch und spezifischster Befund der Gallenblasenvolvulus.
Spiral- oder Verdrehungsmuster am Gallenblasenhals und Ductus-cysticus-Region im CT — 'Whirl Sign'. Die Arteria cystica, der Ductus cysticus und das umgebende peritoneale Fettgewebe rotieren zusammen und bilden eine helikale Konfiguration. Dieser Befund ist am besten in axialen Schnitten auf Höhe des Gallenblasenhalses zu sehen, vaskuläre Komponenten sind in der arteriellen Phase deutlicher.
Berichtssatz
Spiralförmiges Verdrehungsmuster des Ductus cysticus und des vaskulären Pedikels auf Höhe des Gallenblasenhalses ('Whirl Sign') wird identifiziert; vereinbar mit Gallenblasenvolvulus, notfallchirurgische Evaluation wird empfohlen.
Diffuse und symmetrische Gallenblasenwandverdickung in der portalvenösen Phase (>3 mm, typisch 5-10 mm). Die Wand kann in nativen Serien hyperdense erscheinen (intramurale Hämorrhagie — durch venöse Kongestion). In Kontrastphasen ist die Wandanreicherung vermindert oder heterogen. In fortgeschrittenen Stadien kann intramurales Gas (emphysematöse Veränderung — Gangrän) sichtbar sein. Gallensteine fehlen typischerweise — ein wichtiger differenzierender Hinweis.
Berichtssatz
Diffuse Gallenblasenwandverdickung (__ mm) mit heterogener Anreicherung und hyperdensem luminalem Inhalt; keine Gallensteine identifiziert. Ischämische Cholezystitis/Torsion sollte primär differentialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Deutliche Verlagerung der Gallenblase aus der Leberfossa — 'schwimmende Gallenblase' oder 'wandernde Gallenblase'-Befund. Bei Torsion bewegt sich der Fundus von der Leber weg in eine kaudalere und medialere oder lateralere Position. Koronale und sagittale CT-Reformate zeigen veränderte Gallenblasen-Langachsenorientierung und erhöhten Abstand zur Leberoberfläche.
Berichtssatz
Die Gallenblase ist deutlich aus der Leberfossa verlagert mit veränderter Orientierung ('schwimmende Gallenblase'); vereinbar mit Torsion, notfallchirurgische Evaluation wird empfohlen.
Diffuse Wandverdickung und Doppelwand-Erscheinung im B-Mode-US — Wandödem und intramurale Hämorrhagie. Wanddicke typischerweise 5-10 mm. Ein hypoechogenes Band (Ödem/Flüssigkeit) zwischen äußerer und innerer Wandschicht. Echogenes Debris im Gallenblasenlumen. Gallensteine mit posteriorem Schallschatten fehlen typischerweise.
Berichtssatz
Diffuse Gallenblasenwandverdickung mit Doppelkontur-Erscheinung im US mit dichtem echogenem Debris im Lumen; keine Gallensteine identifiziert. Akalkulöse ischämische Cholezystitis/Torsion sollte berücksichtigt werden.
Farb- und Power-Doppler zeigen vollständig fehlende oder deutlich verminderte Wandvaskularisation. Bei akuter entzündlicher Cholezystitis ist die Wandvaskularisation typischerweise erhöht (Hyperämie); bei Torsion ist der Fluss unterbrochen. Power-Doppler ist empfindlicher für niedrige Flüsse.
Berichtssatz
Keine Vaskularisation in der Gallenblasenwand im Farb- und Power-Doppler detektiert; vereinbar mit ischämischer Cholezystitis/Torsion, notfallchirurgische Konsultation wird empfohlen.
Hyperintenses Signal in der Gallenblasenwand in T1-gewichteten Bildern — spiegelt intramurale Hämorrhagie (Methämoglobin) wider. T1-Hyperintensität ist in Prä-Kontrast-Serien auffällig und kann in Post-Kontrast-Bildern mit Anreicherung verwechselt werden — Subtraktionstechnik hilft bei der Differenzierung.
Berichtssatz
Hyperintenses Signal in der Gallenblasenwand im MRT T1 vereinbar mit intramuraler Hämorrhagie; ischämische/gangränöse Cholezystitis oder Torsion sollte berücksichtigt werden.
Kriterien
180-360° Rotation. Venöse Kongestion vorherrschend, arterieller Fluss kann teilweise erhalten sein.
Unterscheidungsmerkmale
Verminderte aber nicht vollständig fehlende Vaskularisation im Doppler. Weniger auffälliges Whirl Sign im CT.
Kriterien
≥360° Rotation. Arterieller und venöser Fluss vollständig unterbrochen. Akutes Abdomen.
Unterscheidungsmerkmale
Prominentes Whirl Sign, kompletter Doppler-Vaskularitätsverlust, intramurales Gas (Gangrän). Hohes Perforationsrisiko. Mortalität 100% ohne Eingriff.
Kriterien
Rotation entlang der Gallenblasen-Langachse — häufigster Typ (~85%).
Unterscheidungsmerkmale
Deutliche Rotation der Fundus- und Halsachse im CT — am besten in sagittalen Reformaten bewertet.
Unterscheidungsmerkmal
Bei akuter Cholezystitis ist die Wandvaskularisation im Doppler ERHÖHT; bei Torsion VERMINDERT oder FEHLEND. Akute Cholezystitis hat typischerweise Gallensteine und positives Murphy-Zeichen.
Unterscheidungsmerkmal
Emphysematöse Cholezystitis hat intramurales/intraluminales Gas aber KEIN Whirl Sign. Gallenblase in normaler Position. Bei Torsion ist Gas eine späte Komplikation mit schwimmender Gallenblase + Whirl Sign.
Unterscheidungsmerkmal
Gallenblasenperforation zeigt Wanddefekt und pericholezystische/subhepatische Kollektion. Bei Torsion ist der Wanddefekt eine späte Komplikation mit Whirl Sign + schwimmender Gallenblase.
Unterscheidungsmerkmal
Gallenblasenkarzinom zeigt irreguläre Wandverdickung oder intraluminale Raumforderung + Anreicherung. Bei Torsion ist die Verdickung diffus und symmetrisch mit Whirl Sign.
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralGallenblasenvolvulus ist eine NOTFALL-chirurgische Erkrankung — Mortalität 100% ohne Behandlung. Notfall-Cholezystektomie bei Diagnose oder starkem Verdacht. Präoperative Diagnose ist selten (<10%). Mortalität: 5-6% bei sofortiger Chirurgie, 20-30% bei Verzögerung oder Perforation.
Der Gallenblasenvolvulus ist eine seltene Erkrankung, die eine Notoperation erfordert. Die praeoperative Diagnose ist schwierig und wird oft intraoperativ gestellt. Verzoegerte Behandlung kann zu Gangraen, Perforation und Sepsis fuehren. Sollte bei aelteren, schlanken Frauen mit akutem Abdomen in Betracht gezogen werden.