Der Schulterlabrumriss ist eine partielle oder komplette Ablösung der fibrokartilaginären Struktur des Glenoidlabrums. Das Labrum vertieft die Glenoidhöhle und trägt 50% zur glenohumeralen Stabilität bei. Risse werden nach Lokalisation klassifiziert: Bankart-Läsion (anteroinferior — assoziiert mit anteriorer Instabilität/Luxation), SLAP-Läsion (superior — am Bizepssehnen-Ursprung, bei Überkopfsportlern), posteriorer Labrumriss (selten, posteriore Instabilität). MRT und besonders MR-Arthrographie (intraartikuläre Gadolinium-Injektion) sind der Goldstandard — verdünntes Gadolinium hebt den Riss durch Penetration in den Labrumriss hervor.
Altersbereich
15-45
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Häufig
Das Glenoidlabrum ist eine fibrokartilaginäre Struktur am Glenoidknochenrand. Die primäre Funktion des Labrums ist die Vertiefung der Glenoidhöhle um 50% und Beitrag zur Humeruskopfstabilität. Zusätzlich setzen glenohumerale Bänder und Bizepssehne am Labrum an. Bankart-Läsion tritt am häufigsten bei anteriorer Schulterluxation auf: wenn der Humeruskopf nach anterior luxiert, avulsiert das anteroinferior Labrum vom Glenoidrand. Beim knöchernen Bankart ist auch ein anteriores Knochenfragment des Glenoidrandes avulsiert. Hill-Sachs-Läsion ist eine posterosuperior Kompressionsfraktur des Humeruskopfes als kontralateraler Impaktionsbefund der anterioren Luxation. SLAP-Läsion ist die Ablösung des superioren Labrums anterior nach posterior am Bizepsursprung. Paralabrale Zysten bilden sich durch Synovialflüssigkeit, die durch die Labrumrisslinie hinter das Labrum sickert.
In MR-Arthrographie T1-fat-sat axialen Bildern hochsignalige Gadolinium-Linie, die zwischen Labrum und Glenoidrand penetriert. Dieser Befund beweist, dass der Labrumriss mit dem Gelenk kommuniziert und ist diagnostisch.
In axialen T1-fat-sat-Bildern der MR-Arthrographie zeigt sich eine gadolinium-penetrierende Risslinie im anteroinferior Labrum. Labrum ist vom Glenoidrand gelöst mit Kontrastmittelfüllung zwischen Labrum und Glenoid. Beim knöchernen Bankart wird auch ein anteriorer Glenoid-Knochendefekt gesehen.
Berichtssatz
Gadolinium-penetrierende Risslinie mit Ablösung vom Glenoidrand im anteroinferior Labrum wird gesehen, vereinbar mit Bankart-Läsion.
In T2-fat-sat koronal-schrägen Bildern zeigen sich labrale Irregularität, Signalzunahme und labrale Ablösung am Bizepsursprung des superioren Labrums. SLAP-Klassifikation: Typ I — Degeneration; Typ II — labrale Ablösung (häufigste, 40%); Typ III — Korbhenkel; Typ IV — Riss in Bizepssehne reichend.
Berichtssatz
Labrale Ablösung und Signalzunahme auf Bizepsursprungshöhe des superioren Labrums wird gesehen, vereinbar mit SLAP-Typ-___-Läsion.
In T2-fat-sat axialen oder koronalen Bildern zeigt sich eine T2-hyperintense zystische Läsion hinter dem Labrum oder im Glenoidknochen. Paralabrale Zysten bilden sich durch Synovialflüssigkeit, die durch die Labrumrisslinie außerhalb des Labrums sickert und sind indirekte Befunde eines zugrunde liegenden Labrumrisses.
Berichtssatz
Eine paralabrale Zyste von ca. ___ mm hinter dem posterioren/superioren Labrum wird gesehen und deutet auf einen zugrunde liegenden Labrumriss hin.
In T2-fat-sat axialen Bildern zeigt sich ein Impaktionsdefekt mit umgebendem Knochenmarködem in der posterosuperior Region des Humeruskopfes. Hill-Sachs-Läsion ist der klassische kontralaterale Befund der anterioren Schulterluxation.
Berichtssatz
Ein Impaktionsdefekt und Knochenmarködem vereinbar mit Hill-Sachs-Läsion wird im posterosuperior Humeruskopf gesehen.
In der MR-Arthrographie zeigt sich Kontrastpenetration mit Avulsion an der humeralen Insertion des inferioren glenohumeralen Bandes. Bei HAGL-Läsion kann das Labrum intakt sein — Instabilitätsquelle ist Bandavulsion nicht Labrumriss.
Berichtssatz
Avulsion und Kontrastpenetration an der humeralen Insertion des inferioren glenohumeralen Bandes wird gesehen, vereinbar mit HAGL-Läsion.
Kriterien
Anteroinferior Labrum vom Glenoid avulsiert
Unterscheidungsmerkmale
Assoziiert mit anteriorer Luxation, Hill-Sachs begleitend, rezidivierende Instabilität, chirurgische Reparatur (Bankart-Repair)
Kriterien
Superiores Labrum anterior-posterior Ablösung (Bizepsursprung)
Unterscheidungsmerkmale
Häufig bei Überkopfsportlern, Typ II am häufigsten, Bizepssehneninstabilität kann begleiten, SLAP-Repair oder Bizepstenodese
Kriterien
Posteriores Labrum Ablösung vom Glenoid
Unterscheidungsmerkmale
Selten (5-10%), posteriore Instabilität, Kim-Läsion (paralabrale Zyste + posteriorer Labrumriss), bei offensiven Linesmen-Sportlern
Unterscheidungsmerkmal
Rotatorenmanschettenriss ist Sehnenpathologie, Labrumriss ist Labrumpathologie — unterschiedliche Anatomie, unterschiedliche klinische Präsentation
Unterscheidungsmerkmal
Bizepssehnen-Pathologie wird in der Bizepsrinne gesehen; bei SLAP-Läsion superiorer Labrumriss am Bizepsursprung — beide können koexistieren
Unterscheidungsmerkmal
Subakromiale Bursitis ist bursale Pathologie, Labrumriss ist Labrumpathologie — völlig verschiedene anatomische Region und Mechanismus
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralLabrumrissbehandlung wird basierend auf Risstyp, Patientenalter, Aktivitätsniveau und Instabilitätsmuster geplant und erfordert multidisziplinäre Beurteilung. Bankart-Läsion: arthroskopische Bankart-Reparatur (labrale Refixation mit Nahtankern) ist Standard bei jungen Patienten mit rezidivierender anteriorer Instabilität — Erfolgsrate 85-95%, Rezidiv 5-15%. Knöcherner Bankart oder engaging Hill-Sachs mit Glenoid-Knochenverlust >25% kann Latarjet-Verfahren erfordern (Korakoidtransfer) — Erfolgsrate 95%+, Rezidiv 2-5%. SLAP-Läsion: SLAP-Reparatur bei jungen Überkopfsportlern (<35 Jahre) mit Typ-II-Rissen bevorzugt; Bizepstenodese bei >40 Jahren und niedrigem Anspruchsprofil bietet vorhersagbarere Ergebnisse. Posteriore Labrumrisse: arthroskopische posteriore labrale Reparatur. Bei paralabraler Zyste mit Nervus suprascapularis-Kompression müssen Dekompression + labrale Reparatur zusammen durchgeführt werden — Infraspinatusatrophie kann irreversibel sein. MR-Arthrographie ist Goldstandard für präoperative Planung.
Bankart-Läsionen sind die wichtigste Ursache für rezidivierende Schulterluxationen und erfordern eine chirurgische Reparatur (arthroskopische Bankart-Reparatur). SLAP-Läsionen verursachen Leistungsverlust bei Überkopfsportlern. Große Knochendefekte (engaging Hill-Sachs, Glenoidknochenverlust >20%) können eine offene Operation (Latarjet-Verfahren) erfordern.