Der Rotatorenmanschettenriss ist eine partielle oder vollschichtige Unterbrechung einer oder mehrerer der vier Muskel-Sehnen-Einheiten (Supraspinatus, Infraspinatus, Subscapularis, Teres minor) um das Schultergelenk. Der Supraspinatus ist die am häufigsten betroffene Sehne (90%+), da er dem stärksten mechanischen Impingement im subakromialen Raum ausgesetzt ist und die kritische Zone der Sehne (1 cm proximal der Insertion) eine avaskuläre Region ist. Die Prävalenz steigt mit dem Alter: 25-50% asymptomatische Risse existieren über 50 Jahre. Risse können traumatisch (akuter Sturz, Sportverletzung) oder degenerativ (chronisches Impingement, Sehnendegeneration) sein. MRT ist der Goldstandard — Sehnenspalt, Retraktionsgrad und Verfettung (Goutallier-Klassifikation) werden in T2-fat-sat koronalen und sagittalen Schnitten beurteilt. Bei vollschichtigen Rissen geht die Sehnenkontinuität vollständig verloren und Flüssigkeitskommunikation zwischen Glenohumeralgelenk und subakromialer Bursa entsteht. Behandlung wird als konservativ oder chirurgisch (arthroskopische Reparatur) basierend auf Rissgröße, Retraktion, Muskelqualität und funktionellen Patientenanforderungen geplant.
Altersbereich
40-80
Häufigkeitsalter
55
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Sehr häufig
Die Pathophysiologie des Rotatorenmanschettenrisses ist multifaktoriell und kombiniert intrinsische (Sehnendegeneration) und extrinsische (mechanisches Impingement) Faktoren. Intrinsische Faktoren: die kritische Zone der Supraspinatussehne (~1 cm proximal der Insertion) ist ein vaskuläres Wasserscheidengebiet, das für hypoxische Degeneration prädisponiert ist — arterielle Perfusion ist in dieser Region am niedrigsten und nimmt mit dem Alter weiter ab. Kollagen-(Typ-I-)Degeneration, Proteoglykanakkumulation und chondroide Metaplasie entwickeln sich in der Sehnenmatrix. Extrinsische Faktoren: subakromiales Impingement — anterior-inferiore Projektion des Akromions (Typ-III-Hakenakromion), Os acromiale, Verdickung des korakoakromialen Bandes oder Osteophyten der Akromioklavikulargelenk-Arthrose komprimieren mechanisch die Supraspinatussehne. Wiederholte Überkopfbewegungen (Sportler, Maler) verstärken diese Kompression. Der Riss beginnt meist am anterioren Teil der Supraspinatussehne (stärkste Impingementzone) und schreitet nach posterior und medial fort — kann sich auf Infraspinatus und Subscapularis ausdehnen (massiver Riss). Das helle Erscheinungsbild des Sehnenspalts in T2-fat-sat spiegelt Synovialflüssigkeit/Granulationsgewebe wider, das die Rissstelle mit freien Wasserprotonen mit langer T2-Relaxationszeit füllt. Verfettung (Goutallier) repräsentiert den Ersatz von Muskelfasern durch Fettgewebe beim chronischen Riss — sichtbar als intramuskuläre hochsignalige Bereiche in T1 und ist irreversibel. Muskelatrophie ist vermindertes Muskelvolumen und zusammen mit Verfettung der wichtigste prognostische Bestimmungsfaktor.
In T2-fat-sat koronal-MRT vollständiger Verlust der Supraspinatussehnenkontinuität mit hyperintensem Flüssigkeitssignal anstelle der Sehne und Risskante mit medialer Retraktion (zum Glenoid). Dieser Befund ist der diagnostische primäre MRT-Befund des vollschichtigen Rotatorenmanschettenrisses. Retraktionsgrad bestimmt chirurgische Reparierbarkeit: Retraktion zum oder über das Glenoidniveau zeigt schlechte Prognose an.
In koronalen T2-fat-sat-Bildern zeigt der vollständige Verlust der Supraspinatussehnenkontinuität mit hyperintensem Flüssigkeitssignal anstelle der Sehne einen vollschichtigen Riss an. Rissgröße wird anteroposterior gemessen (klein <1 cm, mittel 1-3 cm, groß 3-5 cm, massiv >5 cm). Flüssigkeitskommunikation zwischen Glenohumeralgelenk und subakromialer Bursa ist pathognomonisch für vollschichtigen Riss.
Berichtssatz
Ein vollschichtiger Riss von ca. ___ cm in der Supraspinatussehne wird gesehen mit Sehnenstumpfretraktion von ___ cm auf Glenoidniveau.
In T1-gewichteten sagittal-schrägen Bildern wird Fettakkumulation in den Rotatorenmanschettenmuskeln (besonders Supraspinatus und Infraspinatus) beurteilt. Goutallier-Klassifikation: Grad 0 — normaler Muskel, kein Fett; Grad 1 — Fettstreifen; Grad 2 — Muskel>Fett; Grad 3 — Muskel=Fett; Grad 4 — Fett>Muskel. Grad ≥3 Verfettung ist irreversibel und Muskelfunktion verbessert sich auch nach chirurgischer Reparatur nicht — schlechter prognostischer Indikator.
Berichtssatz
Goutallier-Grad-___-Verfettung wird im Supraspinatus-Muskel gesehen.
In T2-fat-sat koronalen Bildern zeigt sich fokale hyperintense Signalzunahme an der artikulären (Gelenkseite) Oberfläche der Supraspinatussehne — Teildicke ist betroffen bei intakter bursaler Oberfläche. Artikuläre Oberflächenrisse sind häufiger als bursale Oberflächenrisse (3:1 Verhältnis). Partieller Riss >50% der Dicke ist wichtig für das Progressionsrisiko zum vollschichtigen Riss.
Berichtssatz
Ein teilschichtiger Riss, der ca. ___% der Sehnendicke betrifft, wird an der artikulären Oberfläche der Supraspinatussehne gesehen.
In T2-fat-sat axialen und koronalen Bildern zeigt sich hyperintense Flüssigkeitsansammlung in der subakromial-subdeltoidalen Bursa. Beim vollschichtigen Rotatorenmanschettenriss passiert Glenohumeralgelenkflüssigkeit durch den Riss zur Bursa — dieser bursale Erguss ist ein indirekter Befund des vollschichtigen Risses. Fokale bursale Flüssigkeit kann auch beim partiellen bursalen Oberflächenriss gesehen werden. Isolierter bursaler Erguss ohne Rotatorenmanschettenriss ist auch ein Befund der subakromialen Bursitis oder des Impingementsyndroms.
Berichtssatz
Flüssigkeitsansammlung in der subakromial-subdeltoidalen Bursa wird gesehen, beurteilt als assoziiert mit Rotatorenmanschettenriss.
Im US zeigen sich fokale Verdünnung, Defekt oder nicht-darstellbares Segment in der Supraspinatussehne. Beim vollschichtigen Riss 'Non-Visualisation'-Befund — Sehne wird nicht gesehen und hypoechogene/anechogene Flüssigkeit füllt ihren Platz. Humeruskopf-kortikale Oberflächenunregelmäßigkeit und subakromiale bursale Flüssigkeit sind begleitende Befunde. Dynamische Beurteilung ermöglicht die Evaluation von Sehnenretraktion und -mobilität.
Berichtssatz
Fokale Non-Visualisation vereinbar mit vollschichtigem Riss und Flüssigkeitsansammlung anstelle der Sehne wird in der Supraspinatussehne gesehen.
Kriterien
Defekt an Gelenkseite der Sehne, bursale Oberfläche intakt
Unterscheidungsmerkmale
Häufigster partieller Risstyp (3:1), >50% Dicke Progressionsrisiko, MR-Arthrographie Goldstandard
Kriterien
Kompletter Sehnenkontinuitätsverlust, AP-Dimension <1 cm
Unterscheidungsmerkmale
Gute chirurgische Prognose, minimale Retraktion, Muskelqualität meist erhalten
Kriterien
AP-Dimension >5 cm oder ≥2 Sehnenbeteiligung
Unterscheidungsmerkmale
Signifikante Retraktion, Goutallier ≥3 Verfettung häufig, kann irreparabel sein, inverse Schulterprothese sollte erwogen werden
Unterscheidungsmerkmal
Bei Tendinopathie ist Sehne verdickt mit Signalzunahme aber ohne flüssigkeitsgefülltem Spalt; beim Riss ist Sehnenkontinuität mit Flüssigkeitsspalt unterbrochen
Unterscheidungsmerkmal
Subakromiale Bursitis charakterisiert durch isolierten bursalen Erguss, Sehne intakt; beim Riss begleitet bursaler Erguss den Sehnenspalt
Unterscheidungsmerkmal
Bei Tendinitis calcarea niedrigsignaler Verkalkungsfokus in Sehne, kein Rissspalt; beim Riss Flüssigkeitssignal-Spalt vorhanden
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralRotatorenmanschettenrissbehandlung wird basierend auf Risstyp, Größe, Retraktionsgrad, Muskelqualität (Goutallier) und Patientenalter/Aktivitätsniveau geplant. Partielle Risse (<50% Dicke) werden meist konservativ behandelt (Physiotherapie, subakromiale Kortikosteroidinjektion). Bei vollschichtigen Rissen in aktiven, jungen Patienten ist arthroskopische Reparatur Standardbehandlung. Reparierbarkeits-Kriterien: Retraktion <3 cm, Goutallier ≤2, adäquate Muskelmasse. Bei massiven, irreparablen Rissen wird inverse Totalschulterprothese durchgeführt. Bei akuten traumatischen Rissen wird frühe Operation (innerhalb 3-6 Wochen) bevorzugt, da Verzögerung Muskelatrophie und Verfettung erhöht.
Rotatorenmanschettenrisse erfordern besonders bei aktiven Patienten eine chirurgische Reparatur. Muskelatrophie und fettige Infiltration (Goutallier Grad 3-4) beeinträchtigen die chirurgischen Ergebnisse und zeigen irreversible Veränderungen an. Teilrisse können konservativ behandelt werden, bergen aber das Risiko einer Rissprogression. Retrahierte massive Risse können eine inverse Schulterprothese erfordern.