Gossypibom (Textilom) ist ein Fremdkörpergranulom, verursacht durch einen zurückgelassenen chirurgischen Schwamm oder Gaze im Abdomen nach Operation. Akute Präsentation manifestiert sich als Abszess oder Fistel, chronisch als granulomatöse Raumforderung. CT zeigt charakteristisch 'Whirl Sign' — Spiralmuster des radioopaken Markers im Schwamm und umgebende Entzündungsreaktion. Medizinrechtlich bedeutsamer Zustand. Inzidenz zwischen 1/1000 und 1/10000 abdominellen Operationen berichtet.
Altersbereich
20-80
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Sehr selten
Gossypibom verursacht zwei Typen von Reaktionen durch Interaktion des zurückgelassenen Schwamms/Gaze mit umgebenden Geweben. Exsudativer Typ: akute Entzündungsreaktion — Neutrophileninfiltration, Abszessbildung, bakterielle Superinfektion und Fistelbildung können sich entwickeln. Fibrotischer/granulomatöser Typ: chronische Fremdkörperreaktion — Fremdkörperriesenzellen, Fibrose und Verkalkung entwickeln sich, Masseneffekt entsteht. Im CT zeigt der radioopake Marker im Schwamm (Bariumsulfat oder Bleifaden) hohe Dichte und erscheint als 'Whirl Sign' oder lineare Hyperdensität. Schwammmaterial kann Gas einschließen und 'Sponge Pattern' erzeugen — diese Gasblasen resultieren aus Degradation nicht-absorbierbaren Materials. Umgebende kontrastmittelanreichernde Entzündungswand reflektiert die Granulomkapsel.
Spirale oder kurvilineare Hochdichtestruktur in der Masse im CT — charakteristisches Spiralerscheinungsbild des radioopaken Markers im Schwammmaterial. Pathognomonischer Befund für Gossypibom, der die Diagnose bestätigt. Radioopaker Marker kann Bariumsulfat-imprägnierter Faden oder Bleistreifen sein.
Spirale oder kurvilineare Hochdichtestruktur in der Masse — CT-Erscheinungsbild des radioopaken Markers (Bariumsulfat-imprägnierter Faden) im Schwamm. Whirl Sign ist pathognomonisch für Gossypibom. Marker zeigt typischerweise >100 HU Dichte und erzeugt auffälligen Kontrast im umgebenden niederdichten Schwammmaterial.
Berichtssatz
Spirale/kurvilineare Hochdichtestruktur (Whirl Sign) in intraabdomineller Raumforderung, vereinbar mit Gossypibom (zurückgelassener chirurgischer Schwamm).
Kleine Gasblasen in der Masse ('Sponge Pattern'). Reflektiert Luft, die in poröser Struktur des Schwammmaterials eingeschlossen ist, oder Degradationsgase. Gas in der Masse ohne Abszess ist ein diagnostischer Hinweis auf Gossypibom. Gasblasen typischerweise 1-5 mm und verstreutes Muster.
Berichtssatz
Verstreute kleine Gasblasen in der Masse (Sponge Pattern), vereinbar mit Gossypibom.
Kontrastmittelanreichernde dicke Entzündungswand um die Masse (Granulomkapsel). Beim chronischen Typ zeigt fibrotische Kapsel glatte und uniforme Anreicherung. Beim akuten Typ irreguläre, dicke und heterogene Anreicherung — deutet auf Abszessbildung hin. Wanddicke variiert 2-10 mm.
Berichtssatz
Kontrastmittelanreichernde Entzündungswand um die Masse, vereinbar mit Fremdkörpergranulom.
Masse zeigt heterogenes Signal in T2-MRT — Schwammmaterial niedriges Signal (fibrös und Luft), umgebendes entzündliches Gewebe hohes Signal. In T1 Schwammmaterial niedrig-intermediäres Signal, umgebende Granulomkapsel zeigt prominente Post-Kontrast-Anreicherung. Radioopaker Marker erscheint als Signalvoid in allen Sequenzen.
Berichtssatz
Masse mit heterogenem Signal, Bereichen von Signalvoid und umgebender anreichernder Kapsel im MRT, vereinbar mit Gossypibom.
Hyperechogene Masse mit prominenter akustischer Schattenbildung im US. Schallwellen werden durch Schwammmaterial und Gasgehalt stark reflektiert und erzeugen posterioren akustischen Schatten. Diagnostischer Wert ist limitiert, da der Befund unspezifisch ist — kann mit Steinen, Verkalkungen oder gashaltigen Strukturen verwechselt werden.
Berichtssatz
Hyperechogene Masse mit prominenter akustischer Schattenbildung im US; Gossypibom sollte im Kontext der Operationsanamnese in Betracht gezogen werden.
Verkalkung in der Massenwand bei chronischem Gossypibom. Dystrophische Verkalkung entwickelt sich über Jahre in der fibrotischen Kapsel. Eierschalen- oder grobe Verkalkungsmuster können gesehen werden. Kalzifiziertes Gossypibom ist üblicherweise asymptomatisch und wird zufällig entdeckt.
Berichtssatz
Verkalkung in der Massenwand im chronischen Stadium, vereinbar mit chronischem Gossypibom.
Kriterien
Akute Entzündungsreaktion — Präsentation mit Abszess, Fistel oder Darmobstruktion. Erscheint in der frühen postoperativen Phase (Wochen-Monate). Begleitet von Fieber, Schmerz und Leukozytose. CT zeigt Randanreicherung, perifokale Entzündung und möglichen Fistelgang.
Unterscheidungsmerkmale
Frühe postoperative Phase, Abszess/Fistel, Fieber, Leukozytose, kann dringende Operation erfordern
Kriterien
Chronische Fremdkörperreaktion — eingekapselte granulomatöse Masse. Präsentation zufällig oder mit Masseneffekt Jahre später. Niedriggradige Entzündung, Fibrose und Verkalkung. CT zeigt gut abgrenzbare, eingekapselte Masse, Wandverkalkung kann vorhanden sein.
Unterscheidungsmerkmale
Späte Präsentation, eingekapselte Masse, Verkalkung, Zufallsbefund, elektive Chirurgie
Kriterien
Schwamm migriert in Darmlumen oder benachbartes Organ. Transmurale Migration durch Darmwanderosion mit Darmobstruktion oder Fistelbildung. Blasen-, vaginale oder kutane Fisteln berichtet. Seltenster aber kompliziertester Typ.
Unterscheidungsmerkmale
Fremdkörper im Darmlumen, Fistelgang, transmurale Migrationsbefunde
Unterscheidungsmerkmal
Intraabdomineller Abszess fehlt Whirl Sign und Sponge Pattern; Gossypibom hat radioopaken Marker (Whirl Sign) und Operationsanamnese
Unterscheidungsmerkmal
Desmoidtumor ist homogene solide Masse ohne Gas oder radioopaken Marker; Gossypibom zeigt Whirl Sign und Gasblasen (Sponge Pattern)
Unterscheidungsmerkmal
Retroperitoneales Liposarkom enthält fettdichte Komponenten und Weichteilsepten; Gossypibom wird durch radioopaken Marker und Operationsanamnese unterschieden
Unterscheidungsmerkmal
Mesenteriales Hämatom zeigt akut hohe Dichte (50-70 HU) mit abnehmender Dichte im Verlauf; Gossypibom zeigt persistierendes Whirl Sign und Sponge Pattern
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralChirurgische Entfernung sollte bei Gossypibom-Diagnose geplant werden. Akuter Typ (Abszess/Fistel) kann Notfall-OP erfordern. Elektive Chirurgie ist für chronischen Typ ausreichend. Korrekte Dokumentation ist aufgrund medizinrechtlicher Implikationen kritisch wichtig. Strikte Einhaltung chirurgischer Schwamm-Zählprotokolle ist die Grundlage der Prävention. Biopsie ist unnötig — Diagnose wird durch CT gestellt.
Gossypibom erfordert chirurgische Entfernung. Infektion, Abszess, Fistel und Obstruktionskomplikationen können sich entwickeln. Hat medikolegale Bedeutung. CT ist die sensitivste diagnostische Methode.