Der intraabdominelle Abszess ist eine organisierte, begrenzte infizierte Flüssigkeitskollektion im Abdomen. Häufigste Ursachen: postoperative Komplikationen (50%), GI-Perforation, Pankreatitis, Trauma und Morbus Crohn. Polymikrobielle Bakteriologie. CT höchste Sensitivität (95%) mit Randanreicherung, zentraler niederdichter Flüssigkeit, Gasblasen und Fettgewebsimbibierung. Behandlung: Antibiotika + perkutane oder chirurgische Drainage. Unbehandelt: Sepsis, Multiorganversagen, Mortalität bis 80%.
Altersbereich
20-80
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Häufig
Abszessbildung: bakterielle Kontamination → Entzündungsreaktion → Lokalisation → Reifung. Peritonale Abwehrmechanismen lokalisieren Infektion: Omentum als 'abdominaler Polizist' + Fibrinbildung. Abszesskapsel mit Neovaskularisation (Grundlage der CT-Randanreicherung). Zentrales purulentes Material avaskulär (niedrigdicht). Gasblasen durch anaerobe Bakterien (Fermentation). DWI-Diffusionsrestriktion durch hohe zelluläre Dichte und Viskosität — sensitivste MR-Sequenz.
Randanreicherung der Abszesskapsel als heller peripherer Ring in portalvenöser Phase. Granulationsgewebe und Neovaskularisation akkumulieren Kontrastmittel. Zentrales purulentes Material avaskulär. Double-Target-Zeichen bei fortgeschrittenen Fällen.
Portalvenöses CT zeigt Flüssigkeitskollektion mit Randanreicherung. Abszesswand 2-5 mm. Zentraler Inhalt niedrigdicht (10-30 HU), avaskulär. Gasblasen (-1000 HU) pathognomonisch. Umgebende Fettgewebsimbibierung. Lokalisation gibt Hinweis auf Ursache.
Berichtssatz
Flüssigkeitskollektion mit Randanreicherung und Gasblasen in [Lokalisation] vereinbar mit intraabdominellem Abszess; perkutane Drainage erwägen.
DWI zeigt ausgeprägte Diffusionsrestriktion (ADC <1,0, oft <0,7 × 10⁻³ mm²/s). Hohe Viskosität und zelluläre Dichte des purulenten Inhalts. Sensitivste MR-Sequenz (95%) für Abszessdiagnose. Differenziert von einfachen Kollektionen (Serom, Lymphozele — hoher ADC).
Berichtssatz
Kollektion zeigt ausgeprägte Diffusionsrestriktion in DWI (ADC: [Wert] × 10⁻³ mm²/s) vereinbar mit purulentem Inhalt (Abszess).
B-Mode-US zeigt Abszess als komplexe Flüssigkeitskollektion mit internen Echos, Septierungen, dicker Wand. Gasblasen als hyperechogene Foci mit Dirty Shadowing. Doppler: periphere Hyperämie der Wand. US primär für Drainageplanung.
Berichtssatz
Komplexe Flüssigkeitskollektion mit internen Echos und Septierungen in [Lokalisation] vereinbar mit Abszess.
Native CT zeigt Gasblasen (-1000 HU) als pathognomonischen Befund. Gas akkumuliert antigravitativ. Gas-Flüssigkeitsspiegel möglich. Gas kann auch von Perforation oder iatrogen (postoperativ) stammen. Purulenter Inhalt 10-30 HU.
Berichtssatz
Gasblasen innerhalb der Kollektion deuten auf gasbildende bakterielle Infektion (Abszess) hin.
Arterielle Phase evaluiert umgebende Entzündungszeichen. Fettgewebsimbibierung zeigt Exsudation. Reaktive Darmwandverdickung. Peritonale Verdickung bei lokaler Peritonitis. Phlegmon als Abszess-Vorläufer ohne organisierte Kollektion.
Berichtssatz
Ausgeprägte Fettgewebsimbibierung um den Abszess mit reaktiver Verdickung benachbarter Darmwände als Hinweis auf aktiven Entzündungsprozess.
Markierte-Leukozyten-Szintigraphie zeigt fokale Radiopharmakon-Akkumulation. Verwendet bei unklarem CT oder chronischen/atypischen Abszessen. SPECT/CT verbessert anatomische Lokalisierung.
Berichtssatz
Fokale erhöhte Aufnahme in der markierten-Leukozyten-Szintigraphie in [Lokalisation] vereinbar mit aktivem infektiösem/entzündlichem Fokus (Abszess).
Kriterien
Häufigster Abszesstyp (50%). Kolorektal-, Appendektomie-, bariatrische und hepatobiliäre Chirurgie häufigste Ursachen. Präsentation Tag 5-14 postoperativ.
Unterscheidungsmerkmale
Lokalisiert nahe Operationsfeld. Anastomosennaht-Nähe häufigst. Orale Kontrastkontrolle bei Anastomoseninsuffizienz.
Kriterien
Nach GI-Perforation. Lokalisiert nahe Perforationsort. Pneumoperitoneum möglich. Identifizierung der Perforationsquelle therapiekritisch.
Unterscheidungsmerkmale
Appendizitis-Perforation: rechter unterer Quadrant mit Appendikolith. Divertikulitis: linker unterer Quadrant. Perforiertes Ulkus: subphrenisches Gas.
Kriterien
Infizierte Nekrose oder infizierte Pseudozyste nach akuter Pankreatitis. Gasblasen als zuverlässigster CT-Befund. FNA mit Gram-Färbung bestätigt Infektion.
Unterscheidungsmerkmale
Peripankreatische Lokalisation. Infizierte Nekrose mit WON. Step-up-Ansatz: Antibiotika → Drainage → minimalinvasive Nekrosektomie. Mortalität 15-30%.
Unterscheidungsmerkmal
Hämatom hochdicht (50-70 HU) vs Abszess zentral niedrigdicht mit Randanreicherung. Kein Gas im Hämatom. DWI-Restriktion im Abszess vs minimal im Hämatom.
Unterscheidungsmerkmal
Mesenterialzyste dünnwandig, glatt, Wasserdichte vs Abszess dickwandig mit Randanreicherung und Gas. Keine Fettgewebsimbibierung bei Zyste. DWI-Restriktion nur beim Abszess.
Unterscheidungsmerkmal
PMP mit muzinösem Aszites und Scalloping vs Abszess lokalisiert mit Randanreicherung und Gas. PMP chronisch/langsam vs Abszess akut.
Unterscheidungsmerkmal
Bakterielle Peritonitis: diffuse peritoneale Entzündung ohne lokalisierte Kollektion. Abszess: lokalisiert und begrenzt. Peritonitis erfordert Notfall-OP; Abszess perkutan drainierbar.
Dringlichkeit
emergentManagement
interventionalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthDringende Behandlung erforderlich. Breitspektrum-Antibiotika + perkutane Drainage (>3 cm) oder chirurgische Drainage. Quellenkontrolle. Mortalität 10-20% mit Therapie; 80% ohne. Antibiotikadauer 4-7 Tage nach Quellenkontrolle.
Der intraabdominelle Abszess kann unbehandelt zu Sepsis und Multiorganversagen führen. Perkutane Drainage (CT- oder US-gesteuert) ist die primäre Therapie. Antibiotikatherapie begleitet die Drainage. Chirurgie kann erforderlich sein, wenn die Drainage unzureichend ist. Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ist wichtig.