Vasa praevia ist der Zustand, bei dem fetale Gefäße die Membranen über dem inneren Muttermund frei kreuzen — ungeschützt durch Plazenta oder Wharton-Gel. Inzidenz ~1/2500 Schwangerschaften. Risikofaktoren: velamentöse Insertion, bilobuläre/sükzenturiate Plazenta, IVF, tiefe Plazenta, Mehrlingsschwangerschaft. Bei Membranruptur droht fetale Exsanguination — fetales Blutvolumen nur ~250 mL. Pränatale Diagnose ist lebensrettend: Mortalität ohne Diagnose ~60%, mit pränataler Diagnose und geplantem Kaiserschnitt <5%. Farbdoppler zeigt fetale Gefäße mit fetalem Herzrhythmus-synchronem Fluss über dem Muttermund — pathognomonisch.
Altersbereich
18-45
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Fetale Gefäße kreuzen den Muttermund durch zwei Hauptmechanismen: (1) Velamentöse Insertion (Typ 1) — Nabelschnur inseriert in Membranen statt am Plazentarand. Gefäße verlaufen frei über Membranen ohne Wharton-Gel-Schutz. (2) Sükzenturiatläppchen (Typ 2) — Verbindungsgefäße zwischen Läppchen und Hauptlappen verlaufen über Membranen. Bei Membranruptur können Gefäße reißen → fetaler Blutverlust. Fetales Blutvolumen ~250 mL → 50-100 mL Verlust = hämodynamische Instabilität → Exsanguination in Minuten. US-Diagnose durch Farbdoppler-Nachweis von Gefäßen über dem Muttermund mit fetalem Herzrhythmus. TVUS viel sensitiver als transabdominaler US.
Gefäße mit fetalem Herzfrequenz-synchronem Fluss auf Membranebene über dem Muttermund im Farbdoppler — pathognomonisch. Pränatale Diagnose reduziert fetale Mortalität von 60% auf <5%.
Im TVUS mit Farbdoppler werden fetale Gefäße auf Membranebene über dem inneren Muttermund dargestellt. Gefäße als 1-2 Arterien und 1 Vene, Durchmesser 2-4 mm. Pulse-Wave-Doppler bestätigt Synchronität mit fetalem Herzschlag (120-160 bpm) — definitive Differenzierung von maternalen Gefäßen (60-100 bpm).
Berichtssatz
Im Farbdoppler werden fetale Gefäße mit fetalem Herzfrequenz-synchronem Fluss auf Membranebene über dem inneren Muttermund dargestellt, vereinbar mit Vasa praevia.
Die Nabelschnur inseriert in die fetalen Membranen statt am Plazentarand — velamentöse Insertion. Gefäße verlaufen über Membranen ohne Wharton-Gel-Schutz. Wichtigster Risikoindikator für Vasa praevia — Insertionsstelle bei jeder pränatalen US beurteilen.
Berichtssatz
Velamentöse Nabelschnurinsertion in Membranen wird dargestellt; Beziehung der Verbindungsgefäße zum inneren Muttermund wurde per Doppler für Vasa-praevia-Risiko beurteilt.
Ein akzessorisches (sükzenturiates) Läppchen wird getrennt vom Hauptlappen dargestellt — Verbindungsgefäße verlaufen über Membranen. Ob diese Gefäße den Muttermund kreuzen, wird systematisch per Doppler kontrolliert. Sükzenturiatläppchen ist Ursache der Vasa praevia Typ 2.
Berichtssatz
Verbindungsgefäße zwischen Sükzenturiatläppchen und Hauptlappen ___ (kreuzen / kreuzen nicht) den inneren Muttermund — ___ (Vasa praevia diagnostiziert / ausgeschlossen).
In T2-gewichteten MRT-Sequenzen können vaskuläre Strukturen mit Flow-Void im Muttermundbereich dargestellt werden — fetale Gefäße. Langsamer venöser Fluss kann Signal geben. MRT komplementär bei posteriorer Plazenta, adipösen Patientinnen oder unsicherer US-Diagnose.
Berichtssatz
Tubuläre vaskuläre Strukturen mit Flow-Void im Muttermundbereich im MRT sind vereinbar mit Vasa praevia.
Zervixlänge und Beziehung der fetalen Gefäße zum Muttermund werden gemeinsam im TVUS beurteilt. Kurze Zervix (<25 mm) + Vasa praevia erhöht signifikant das Rupturrisiko — beeinflusst Hospitalisierung und Entbindungstiming. Serielle Messungen verfolgen Zervixlängenveränderungen.
Berichtssatz
Zervixlänge beträgt __ mm; Entbindungsplanung und Hospitalisierungsentscheidung in Kombination mit Vasa praevia erforderlich.
Bei vaginaler Blutung unter Geburt kann der APT-Test (Apt-Downey) bestimmen, ob das Blut fetal oder maternal ist. Fetales Hämoglobin (HbF) ist alkaliresistent; maternales HbA wird denaturiert → Farbänderung. Korrelation mit US-Befunden unterstützt Notfallmanagement. Pränatale Diagnose soll dieses Szenario verhindern.
Berichtssatz
Bei klinischer vaginaler Blutung sollte der APT-Test fetales Blut bestätigen — bestätigend für Vasa-praevia-Diagnose.
Kriterien
Umbilkalgefäße von velamentöser Insertion kreuzen den Muttermund
Unterscheidungsmerkmale
Häufigster Typ (90%+), Umbilikalarterie und -vene verlaufen über Membranen, Nabelschnurinsertion in Membranen
Kriterien
Verbindungsgefäße zwischen Sükzenturiat- und Hauptlappen kreuzen den Muttermund
Unterscheidungsmerkmale
Assoziiert mit bilobulärer/sükzenturiater Plazenta, Verbindungsgefäße möglicherweise dicker, Lobusabstand und Os-Relation beurteilt
Kriterien
Vasa praevia + Zervixlänge <25 mm — Hochrisiko-Kombination
Unterscheidungsmerkmale
Frühe Hospitalisierung (28.-30. Woche), antenatale Kortikosteroide obligat, früherer Kaiserschnitt möglich (34. Woche), Notfall-Kaiserschnitt-Bereitschaft jederzeit
Unterscheidungsmerkmal
Bei Praevia bedeckt Plazentagewebe den Muttermund → maternales Blutungsrisiko; bei Vasa praevia kreuzen nur fetale Gefäße → fetales Blutungsrisiko — Blutungsquelle und Risikotyp unterscheiden sich
Unterscheidungsmerkmal
Beim Sükzenturiatläppchen kreuzen Gefäße möglicherweise nicht den Muttermund → keine Vasa praevia; bei Vasa praevia kreuzen sie → Kaiserschnitt obligat — Doppler bestätigt Os-Relation
Unterscheidungsmerkmal
Zervikale Ektope hat Fruchtsack in Zervix; Vasa praevia hat keine Zervixpathologie, nur fetale Gefäße über dem Muttermund — völlig verschiedene Pathologien
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralPränatale Diagnose der Vasa praevia ist lebensrettend — Mortalität ohne Diagnose ~60%, mit Diagnose <5%. Management: geplanter Kaiserschnitt (34.-37. Woche), Amniotomie ABSOLUT kontraindiziert. Hospitalisierung 30.-34. Woche. Antenatale Kortikosteroide für Lungenreife. Bei kurzer Zervix (<25 mm) frühere Planung. Serielle TVUS-Kontrolle. Kontinuierliche fetale Herzfrequenzüberwachung. Ohne pränatale Diagnose: vaginale Blutung + Bradykardie → APT-Test → Notfall-Kaiserschnitt. Screening: bei velamentöser Insertion oder Sükzenturiatläppchen Doppler-Beurteilung der Os-Relation obligat.
Vasa praevia führt ohne pränatale Diagnose zu verheerenden Ergebnissen — fetale Gefäße reißen bei Membranruptur und verursachen schnellen fetalen Tod. Mit pränataler Diagnose steigert ein geplanter Kaiserschnitt (34-37 Wochen) das fetale Überleben auf >95 %. Velamentöse Insertion und Succenturiatlappen sollten bei der US im zweiten Trimester gescreent werden. Nach Diagnose werden Hospitalisierung (32-34 Wochen) und antenatale Steroide verabreicht.