Radiogene Enteritis ist Strahlenschaden am Dünndarm nach pelviner oder abdominaler Strahlentherapie. Die akute Form (während oder unmittelbar nach der Behandlung) ist durch Mukosaschaden und Entzündung charakterisiert; Symptome umfassen Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit. Die chronische Form (Monate-Jahre später) ist durch obliterative Vaskulitis und Fibrose charakterisiert; Striktur, Fistel, Obstruktion und Malabsorption können sich entwickeln. Terminales Ileum und pelvine Dünndarmschlingen sind am häufigsten betroffen, da Beckenorgane (Zervix, Rektum, Prostata, Blase) die häufigsten Strahlentherapiestellen sind. Im CT werden Wandverdickung, erhöhte mukosale Anreicherung (Target-Zeichen), mesenteriale vaskuläre Veränderungen, Striktur und Fistel beobachtet. Risiko steigt signifikant bei kumulativer Strahlendosis >45 Gy. Gleichzeitige Chemotherapie erhöht das Risiko. Behandlung ist konservativ (Ernährungsunterstützung, antiinflammatorisch) oder chirurgisch bei komplizierten Fällen.
Altersbereich
30-80
Häufigkeitsalter
60
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Radiogene Enteritis resultiert aus der direkten zytotoxischen Wirkung ionisierender Strahlung auf Dünndarmgewebe. In der akuten Phase zielt die Strahlung auf sich schnell teilende Kryptenzellen — DNA-Doppelstrangbrüche und Apoptose verursachen Mukosaschaden. Störung der Villusstrukturen reduziert die absorptive Oberfläche und führt zu Durchfall/Malabsorption. Entzündliche Zytokinfreisetzung (TNF-alpha, IL-1, IL-6) verursacht Mukosaödem und erhöhte vaskuläre Permeabilität. Wandverdickung und Target-Zeichen im CT spiegeln mukosales/submukosales Ödem und Hyperämie wider — die innere Mukosaschicht reichert an, während die ödematöse Submukosa niedrigdicht bleibt und die äußere Muskularis/Serosa anreichert. In der chronischen Phase entwickelt sich obliterative Vaskulitis — Kleingefäßendothel wird geschädigt, intimale Proliferation und Thrombose verengen das Lumen, ischämischer Schaden führt zu Fibrose. Dieser vaskuläre Schaden bleibt auf das Bestrahlungsfeld begrenzt und erzeugt eine scharfe Grenze zwischen betroffenen und normalen Segmenten (field-limited pattern). Fibrose verursacht Wandverdickung, Striktur und mesenteriale Verkürzung/Retraktion.
Target-Zeichen (dreischichtige Stratifikation) in Darmwand vereinbar mit Bestrahlungsfeldgrenzen + scharfer Übergang zu normalen Segmenten = radiogene Enteritis. Normale Darmsegmente außerhalb des Feldes stärken die Diagnose.
In der portalvenösen Phase ist der klassische Befund der radiogenen Enteritis das Target-Zeichen — dreischichtige Wandstratifikation. Innere Mukosaschicht reichert an (hyperämische Mukosa), mittlere Submukosaschicht bleibt niedrigdicht (Submukosaödem), äußere Muskularis-/Serosaschicht reichert an. Dieses dreischichtige Erscheinungsbild wird als 'Target'- oder 'Doppelhalo'-Zeichen bezeichnet. Wandverdickung ist im Allgemeinen symmetrisch und regelmäßig. Beteiligung ist auf das Bestrahlungsfeld begrenzt — scharfe Grenze zwischen betroffenen und normalen Darmsegmenten wird beobachtet.
Berichtssatz
Segmentale Wandverdickung vereinbar mit dem Bestrahlungsfeld wird in pelvinen Dünndarmschlingen gesehen mit Target-Zeichen (anreichernde Mukosa + niedrigdichte Submukosa + anreichernde Serosa).
Das pathognomonische Merkmal der radiogenen Enteritis ist die Wandverdickung, die mit den Bestrahlungsfeldgrenzen übereinstimmt. Scharfer Übergang wird zwischen betroffenen Darmsegmenten und normalen Segmenten beobachtet. Nach pelviner Strahlentherapie sind typischerweise terminales Ileum, Sigmoidkolon und pelvine Dünndarmschlingen betroffen. Wandverdickung ist regelmäßig, symmetrisch und bildet keine fokale Masse. Dieses 'field-limited' Muster ist ein wichtiger Hinweis zur Unterscheidung der radiogenen Enteritis von Morbus Crohn und Lymphom.
Berichtssatz
Segmentale Wandverdickung vereinbar mit Bestrahlungsfeldgrenzen wird im terminalen Ileum und pelvinen Dünndarmschlingen gesehen mit scharfem Übergang zu normalen Segmenten; vereinbar mit radiogener Enteritis.
Bei chronischer radiogener Enteritis werden Darmstriktur, mesenteriale Retraktion und Verbackung der Darmschlingen (Matting) beobachtet. Luminale Verengung mit proximaler Dilatation wird an Striktursegmenten gesehen. Mesenterium erscheint verdickt, retrahiert und fibrotisch — Fettinfiltration um mesenteriale Gefäße wird beobachtet. Darmschlingen erscheinen verbacken (adhärent) und normale Abstände sind verloren. Fisteltrakten können abnormale Verbindungen mit benachbarten Darmschlingen oder Blase/Vagina bilden.
Berichtssatz
Chronische Striktur und mesenteriale Retraktion werden auf Höhe des terminalen Ileums gesehen mit verbackenen Darmschlingen; proximale Dilatation ist vorhanden — vereinbar mit chronischer radiogener Enteritis.
In T2-gewichteten MR-Bildern zeigt die radiogene Enteritis hyperintenses Signal mit Wandverdickung und Submukosaödem in betroffenen Darmsegmenten. Das hohe Signal in T2 spiegelt erhöhten Gehalt an freiem Wasser wider. MR-Enterographie bietet höheren Weichteilkontrast als CT und zeigt mukosale/submukosale Veränderungen detaillierter. Diffusionsrestriktion kann in Bereichen aktiver Entzündung in der DWI gesehen werden.
Berichtssatz
In T2-gewichteten MR-Bildern werden segmentale Wandverdickung und submukosale Hyperintensität in pelvinen Dünndarmschlingen gesehen; vereinbar mit aktiver radiogener Enteritis.
Mesenteriale vaskuläre Veränderungen werden bei radiogener Enteritis beobachtet: mesenteriale Gefäßfüllung (Engorgement), mesenteriale Fettverschleierung (Haziness) und 'Kamm-Zeichen' (dilatierte Vasa recta). Diese Befunde zeigen aktive Entzündung an. In der chronischen Phase können mesenteriale Fibrose, vaskuläre Okklusion und Kollateralentwicklung gesehen werden. Mesenteriale Fettinfiltration spiegelt Ödem des umgebenden Gewebes wider.
Berichtssatz
Vaskuläre Füllung, Fettinfiltration und dilatierte Vasa recta (Kamm-Zeichen) werden im Mesenterium betroffener Segmente gesehen, was einen aktiven entzündlichen Prozess unterstützt.
Fistelbildung ist eine wichtige Komplikation chronischer radiogener Enteritis. Entero-enterische Fisteln (zwischen Darmschlingen), entero-vesikale Fisteln (Darm-Blase) und entero-vaginale Fisteln (Darm-Vagina) können auftreten. Im CT erscheint der Fisteltrakt als dünner Kanal mit Luft und/oder Kontrast. Intraluminales Gas in der Blase (Pneumaturie) ist ein indirektes Zeichen einer entero-vesikalen Fistel. Entzündliche Veränderungen und Flüssigkeitsansammlung um die Fistel können begleiten.
Berichtssatz
Ein Fisteltrakt zwischen Darmschlingen/zur Blase/Vagina wird im Bestrahlungsfeld gesehen mit umgebenden entzündlichen Veränderungen; vereinbar mit Komplikation chronischer radiogener Enteritis.
Kriterien
Entwickelt sich während oder innerhalb von 6 Wochen nach Abschluss der Strahlentherapie. Vorwiegend Mukosaschaden und Entzündung.
Unterscheidungsmerkmale
Wandverdickung, Target-Zeichen, mesenteriale Hyperämie im CT. Meist vorübergehend und bessert sich mit konservativer Behandlung.
Kriterien
Entwickelt sich Monate-Jahre nach Strahlentherapie (meist 6 Monate-30 Jahre). Vorwiegend obliterative Vaskulitis und Fibrose.
Unterscheidungsmerkmale
Striktur, mesenteriale Fibrose, Matting, Fistel im CT. Progressiv und irreversibel. Chirurgie kann erforderlich sein.
Kriterien
Chronische radiogene Enteritis mit mechanischer Darmobstruktion, Fistelbildung oder Perforation.
Unterscheidungsmerkmale
Kann notfallchirurgische Intervention erfordern. Transitionspunkt, intraluminales Gas in Blase, freie Luft im CT. Mortalität 10-20%.
Unterscheidungsmerkmal
Morbus Crohn zeigt Skip-Läsionen (diskontinuierliche Beteiligung), radiogene Enteritis zeigt kontinuierliche Beteiligung begrenzt auf Bestrahlungsfeld. Fistel und Striktur auch bei Crohn gesehen aber Verteilung unterschiedlich.
Unterscheidungsmerkmal
Lymphom fokale oder multifokale Masse/Wandverdickung, nicht auf Bestrahlungsfeld begrenzt; radiogene Enteritis diffus, feldbegrenzt, keine Massenbildung.
Unterscheidungsmerkmal
Ischämische Enteritis zeigt vaskuläre territoriale Verteilung (AMS/AMI), radiogene Enteritis ist bestrahlungsfeldbegrenzt. Mesenteriale vaskuläre Pathologie (Thrombose/Stenose) begleitet Ischämie.
Unterscheidungsmerkmal
Metastase bildet noduläre/polypoide Massen, radiogene Enteritis diffuse Wandverdickung. Bull's-eye-Zeichen, Intussuszeption bei Metastase; Target-Zeichen, field-limited Muster bei radiogener Enteritis.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthAkute radiogene Enteritis bessert sich meist mit konservativer Behandlung (Diätmodifikation, Antidiarrhoika, Probiotika). Chronische radiogene Enteritis kann Ernährungsunterstützung, antiinflammatorische Medikamente und Chirurgie bei Obstruktion/Fistel erfordern. Bestrahlte Patienten benötigen regelmäßige Nachsorge, da die chronische Form Jahre später auftreten kann. Chirurgische Mortalität ist hoch (10-20%) — Wundheilung ist in bestrahltem Gewebe beeinträchtigt.
Die Strahlenenteritis kann akut (während der Behandlung) oder chronisch (Monate-Jahre später) auftreten. Die chronische Strahlenenteritis präsentiert sich mit Striktur, Fistel und Malabsorption. Die Behandlung ist symptomatisch; schwere Fälle können eine Operation erfordern.