Morbus Crohn ist eine chronische, transmurale, granulomatöse entzündliche Darmerkrankung, die jeden Teil des Gastrointestinaltrakts befallen kann. Am häufigsten betrifft er das terminale Ileum und Zökum (40 %). Zeigt charakteristischerweise Skip-Läsionen (erkrankte Bereiche getrennt durch gesunde Segmente), transmurale Entzündung, Fisteln, Sinustrakte und Strikturen. Mittleres Erkrankungsalter ist 15-35, mit einem zweiten Gipfel zwischen 50-70 Jahren. Die Erkrankung wird pathologisch in aktive Entzündung, Fibrostenose und penetrierenden (fistulierenden) Phänotyp klassifiziert. CT-Enterographie und MR-Enterographie sind grundlegende Modalitäten zur Beurteilung von Krankheitsaktivität, Ausmaß und Komplikationen. MR-Enterographie wird bei jungen Patienten und Verlaufskontrollen aufgrund der Strahlenfreiheit bevorzugt. In der Bildgebung sind murale Stratifikation, murale Anreicherungssteigerung, Comb-Zeichen, Creeping Fat und mesenteriale Lymphadenopathie Befunde aktiver Erkrankung.
Altersbereich
15-45
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Die Pathogenese des Morbus Crohn ist multifaktoriell: genetische Prädisposition (NOD2/CARD15-, ATG16L1-, IL23R-Mutationen), Umweltauslöser (Rauchen, NSAIDs, Antibiotikaeinnahme) und intestinale Mikrobiom-Dysbiose lösen gemeinsam die Erkrankung aus. Gestörte intestinale Barrierefunktion → übermäßige Immunantwort auf luminale bakterielle Antigene → Th1/Th17-vermittelte chronische Entzündung → transmuraler Schaden. Transmurale Entzündung betrifft alle Wandschichten — führt zu Fibrinablagerung auf der serosalen Oberfläche, subserosaler Fettproliferation (Creeping Fat) und peritonealen Adhäsionen. In der vaskulären Komponente der chronischen Entzündung treten Neovaskularisation und Vasodilatation in mesenterialen Arteriolen auf → 'Comb Sign' in der Bildgebung. Granulombildung (bei 30-50 % der Patienten) ist ein Crohn-spezifischer histologischer Befund. Transmurale Entzündung prädisponiert für Fistel- und Abszessbildung — tiefe Ulzera in der Darmwand erreichen die Serosa und bilden abnorme Verbindungen mit benachbarten Strukturen. Der chronische Entzündungs-Reparatur-Zyklus führt zu progressiver Fibrose und Strikturbildung.
Aktive Erkrankungsbereiche getrennt durch gesunde Segmente — pathognomonisches Verteilungsmuster des Morbus Crohn. Unterscheidet von kontinuierlicher Beteiligung der Colitis ulcerosa.
Skip-Läsionen im terminalen Ileum und/oder anderen Dünndarmsegmenten in der portalvenösen Phase — aktive Erkrankungsbereiche getrennt durch gesunde Segmente. Murale Stratifikation (Target-Zeichen) in aktiven Segmenten: hypodense submuköse Ödemschicht zwischen anreichernder Mukosa und Serosa. Wanddicke variiert zwischen 4-12 mm. Asymmetrische Beteiligung (ausgeprägter am mesenterialen Rand) ist charakteristisch für Crohn.
Berichtssatz
Skip-Läsionen und murale Stratifikation im terminalen Ileum werden beobachtet, vereinbar mit aktivem Morbus Crohn.
Vasa-recta-Dilatation im Mesenterium neben dem aktiven Erkrankungssegment in der arteriellen Phase — 'Comb-Zeichen'. Dilatierte gerade Gefäße verlaufen parallel vom Mesenterium zur Darmwand und ähneln Kammzähnen. Dieser Befund reflektiert erhöhten mesenterialen Blutfluss und Neovaskularisation.
Berichtssatz
Comb-Zeichen im Mesenterium neben dem aktiven Erkrankungssegment wird beobachtet, unterstützt aktive Crohn-Entzündung.
Mesenteriale Fettproliferation um die Darmwand im aktiven Erkrankungssegment in der portalvenösen Phase — 'Creeping Fat'. Erhöhte Dichte im mesenterialen Fettgewebe und erhöhter Abstand zwischen Darmschlingen werden beobachtet. Creeping Fat ist am ausgeprägtesten im terminalen Ileum und ist ein hochspezifischer Befund für Morbus Crohn.
Berichtssatz
Creeping Fat im terminalen Ileum wird beobachtet, vereinbar mit chronischer transmuraler Entzündung und Morbus Crohn.
Ausgeprägte Diffusionsrestriktion in aktiv entzündeten Segmenten in DWI — helles Signal in Bildern mit hohem b-Wert und niedrige ADC-Werte. DWI ist sehr wertvoll bei der Differenzierung aktiver Entzündung von fibrotischer Striktur — fibrotische Striktur zeigt keine Diffusionsrestriktion. DWI im MR-Enterographie-Protokoll ist ein zuverlässiger Indikator der Krankheitsaktivität und erfordert kein Kontrastmittel.
Berichtssatz
Diffusionsrestriktion in aktiven Segmenten in DWI in der MR-Enterographie wird beobachtet, unterstützt aktive Crohn-Entzündung.
Abnorme Trakte (Fisteln) zwischen Darmschlingen oder Darm-Haut/Darm-Blase und Flüssigkeitskollektionen mit Randanreicherung (Abszesse) in der portalvenösen Phase. Enteroenterische Fisteln sind der häufigste Typ. Perianale Fisteln werden bei 30-50 % der Crohn-Patienten gesehen. Abszesse sind meist in der ileozökalen Region oder im Becken lokalisiert und zeigen Randanreicherung + zentrale niedrige Dichte.
Berichtssatz
Enteroenterische Fistel und Abszess mit Randanreicherung in der ileozökalen Region werden beobachtet, vereinbar mit penetrierendem Morbus Crohn.
Wandverdickung mit hoher Signalintensität in aktiven Erkrankungssegmenten in T2-gewichteter MR-Enterographie — Ödem. T2-Hyperintensität ist ein zuverlässiger Indikator aktiver Entzündung. Fibrotische Striktur zeigt niedriges Signal in T2 — sehr wertvoll bei der aktiv-fibrotischen Differenzierung. STIR-Sequenz unterdrückt Fett und macht Wandödem deutlicher sichtbar.
Berichtssatz
T2-hyperintense Wandverdickung im terminalen Ileum in der MR-Enterographie wird beobachtet, vereinbar mit aktivem entzündlichem Morbus Crohn.
Kriterien
Aktive mukosale und transmurale Entzündung — keine Striktur oder Penetration
Unterscheidungsmerkmale
Murale Stratifikation, Comb-Zeichen, DWI-positiv. Gutes Ansprechen auf Anti-TNF/Anti-Integrin-Therapie. Häufigster initialer Phänotyp.
Kriterien
Lumenverengung mit Obstruktionsbefunden — fibrotische Striktur
Unterscheidungsmerkmale
T2-hypointense Wand, DWI-negativ (reine Fibrose), prästenotische Dilatation. Kann Operation oder endoskopische Dilatation erfordern. Begrenztes Ansprechen auf medizinische Therapie.
Kriterien
Fistel-, Sinustrakt- und/oder Abszessbildung — transmurale Komplikationen
Unterscheidungsmerkmale
Enteroenterische/enterokutane/enterovesikale Fisteln. Perianale Fisteln häufig. Abszessdrainage und Operation können erforderlich sein. Immunsuppressive Therapie + Chirurgie-Kombination.
Unterscheidungsmerkmal
Bei TB prädominante zökale/ileozökale Beteiligung, asymmetrische Wandverdickung und Kontraktion; bei Crohn Skip-Läsionen und longitudinale Ulzera. Omentumverklebung und hochdichter Aszites deuten auf TB
Unterscheidungsmerkmal
Beim Lymphom aneurysmatische Dilatation (Obstruktion selten), homogene Anreicherung; bei Crohn Striktur und Obstruktion häufig, murale Stratifikation vorherrschend
Unterscheidungsmerkmal
Bei Ischämie vaskuläre Pathologie (Thrombose/Embolie), segmentale Beteiligung und akute Klinik; bei Crohn Skip-Läsionen, chronischer Verlauf und Fistel/Abszess
Unterscheidungsmerkmal
Beim Adenokarzinom fokale kurzstreckige annuläre Einengung; bei Crohn langstreckige Verdickung, Skip-Läsionen und entzündliche Befunde
Dringlichkeit
urgentManagement
medicalBiopsie
ErforderlichNachsorge
3-monthMorbus-Crohn-Behandlung erfordert multidisziplinären Ansatz. 5-ASA (mild), Kortikosteroide (mäßig-schwer), Anti-TNF (Infliximab, Adalimumab), Anti-Integrin (Vedolizumab) und Anti-IL-12/23 (Ustekinumab) werden bei aktiver Entzündung eingesetzt. Fibrotische Strikturen erfordern endoskopische Ballondilatation oder chirurgische Resektion. Abszessdrainage (perkutan oder chirurgisch) + Antibiotikatherapie.
Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung mit Remissions- und Schubphasen. CT-/MR-Enterographie ist entscheidend für die Beurteilung der aktiven Entzündung, Fisteln, Abszesse und Strikturen. Der Behandlungsansatz richtet sich nach der Krankheitsaktivität.