Spondylolisthesis ist anteriores (Anterolisthesis) oder selten posteriores (Retrolisthesis) Gleiten eines Wirbelkörpers relativ zum darunter liegenden Wirbel. Fünf Typen sind definiert: Typ I — degenerativ (häufigsten, L4-5, ältere Frauen, durch Facettengelenkdegeneration), Typ II — isthmisch/spondylolytisch (häufigsten bei L5-S1, Pars-interarticularis-Defekt, Stressfraktur bei jungen Sportlern), Typ IV — traumatisch, Typ V — pathologisch, Typ VI — dysplastisch. Meyerding-Klassifikation bestimmt Verschiebungsgrad: Grad I (<25 %), Grad II (25-50 %), Grad III (50-75 %), Grad IV (>75 %), Grad V (Spondyloptose). Sagittale MRT beurteilt Wirbelgleitung, Thekalsackkompression und Nervenwurzelbeziehung. CT-Sagittalreformation zeigt Pars-interarticularis-Defekt am besten. Doppelkanalerscheinungsbild in axialer CT (Napoleon-Hut-Zeichen) ist pathognomonisch auf Gleitebene.
Altersbereich
20-80
Häufigkeitsalter
55
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Häufig
Bei degenerativer Spondylolisthesis (Typ I): Bandscheibendegeneration → Höhenverlust → Facettengelenkorientierung ändert sich (Sagittalisierung) → Facettengelenkdegeneration und Instabilität → anteriores Gleiten. L4-5 häufigsten weil L4-5-Facetten sagittalere Orientierung haben. Bei isthmischer Spondylolisthesis (Typ II) ist Pars-interarticularis-Stressfraktur der Hauptmechanismus: Pars ist dünnster und schwächster Bereich der posterioren Elemente → repetitive Extension + Rotation → Stressfraktur → bilateraler Pars-Defekt → posteriorer Knochenring unterbrochen → Wirbelkörper gleitet anterior. L5-S1 häufigsten weil L5-Pars den meisten Stress erfährt (Scherkräfte maximal am lumbosakralen Übergang). Thekalsackkompression auf Gleitebene: Wirbelkörper gleitet vor während posteriore Elemente bleiben → ventrale und dorsale Kompression.
Doppelkanalerscheinungsbild in axialer CT auf Gleitebene, wo oberer Wirbelkörper und untere posteriore Elemente im selben Schnitt erscheinen. Pathognomonischer axialer CT-Befund der Spondylolisthesis, benannt nach Ähnlichkeit mit Napoleons Dreispitz.
Verlust der kortikalen Kontinuität in der Pars interarticularis in CT-Sagittalreformation und axialen Schnitten — diagnostischer Befund der isthmischen Spondylolisthesis. Akuter Defekt erscheint als dünne Frakturlinie, chronischer Defekt als breites Lysegebiet mit sklerotischen Rändern. Bilateraler Defekt führt zu anteriorem Gleiten.
Berichtssatz
Pars-interarticularis-Defekt auf __[L5/L4]-Ebene __[bilateral/unilateral] im CT, vereinbar mit isthmischer Spondylolisthesis.
Anteriores Gleiten eines Wirbels relativ zum darunter liegenden und Thekalsackkompression auf dieser Ebene in sagittaler T2-gewichteter MRT. Verschiebungsgrad nach Meyerding bestimmt. Bandscheibe auf Gleitebene gewöhnlich degenerativ. Thekalsack zeigt ventrale und dorsale Kompression.
Berichtssatz
Grad-__[I/II/III/IV] anteriores Gleiten (Meyerding) von __[L4/L5] über __[L5/S1] in sagittaler T2-MRT mit Thekalsackkompression auf dieser Ebene.
Doppelkanalerscheinungsbild auf Gleitebene in axialer CT — Napoleon-Hut-Zeichen. Durch Gleiten erscheinen oberer Wirbelkörper und untere posteriore Elemente im selben Axialschnitt → normalerweise einzelner Spinalkanal erscheint als zwei separate Strukturen. Besonders prominent bei hochgradigem Gleiten.
Berichtssatz
Doppelkanalerscheinungsbild (Napoleon-Hut-Zeichen) auf __[L4-5/L5-S1]-Ebene in axialer CT, vereinbar mit Spondylolisthesis.
Neuroforamina verengen sich auf Gleitebene: anteriores Gleiten verändert kraniokaudale und AP-Dimensionen des Foramens → austretende Nervenwurzel wird komprimiert. Foraminale Fettebenenauslöschung in T1 sagittal und Foramenverengung in T2 axial. Bei degenerativer Spondylolisthesis verursachen Bandscheibenvorwölbung + Gleiten gemeinsam Foraminalstenose.
Berichtssatz
Foraminalstenose im __[linken/rechten/bilateralen] __[L4-5/L5-S1] Neuroforamen auf Gleitebene mit austretender Nervenwurzelkompression.
Bei aktiver Pars-Stressreaktion wird fokales Ödemsignal (hyperintens) in der Pars-interarticularis-Region in STIR/T2-fat-sat-Sequenzen gesehen. Zeigt frühe (Prä-Fraktur-)Phase der Stressfraktur. Präsentiert mit Kreuzschmerzen bei jungen Sportlern.
Berichtssatz
Fokales Knochenmarködem in der __[L5/L4] Pars-interarticularis-Region in STIR, vereinbar mit aktiver Stressreaktion.
Kriterien
Durch Facettengelenkdegeneration, Pars interarticularis intakt, >50 Jahre, weiblich dominant, häufigsten L4-5
Unterscheidungsmerkmale
Häufigster Spondylolisthesis-Typ. Facettensagittalisierung und -degeneration. Gewöhnlich Grad I-II. Begleitet von fortgeschrittener Bandscheibendegeneration
Kriterien
Pars-interarticularis-Defekt (Stressfraktur), häufigsten L5-S1, Beginn bei jungen Sportlern, bilateraler Pars-Defekt
Unterscheidungsmerkmale
Repetitiver Extensions- + Rotationsstress (Gymnastik, Fußball). CT zeigt Pars-Defekt am besten. Hochgradiges Gleitpotenzial (Grad III-IV), Progressionsrisiko während des Wachstums
Kriterien
Kongenitale Facettengelenkanomalie (Hypoplasie/Aplasie), gewöhnlich L5-S1, Diagnose in Kindheit/Adoleszenz
Unterscheidungsmerkmale
Pars interarticularis intakt aber elongiert. Hochgradiges Gleitrisiko. Spina bifida occulta begleitet häufig. Chirurgische Stabilisierung gewöhnlich erforderlich
Unterscheidungsmerkmal
Spinalkanalstenose zeigt degenerative Kanalverengung ohne Wirbelgleiten; Spondylolisthesis hat Wirbelgleiten mit Stenose vorwiegend auf Gleitebene
Unterscheidungsmerkmal
DDD zeigt Bandscheibensignalverlust und Endplattenveränderungen, muss kein Gleiten haben; Spondylolisthesis definiert spezifisch Wirbelgleiten, DDD begleitet häufig
Unterscheidungsmerkmal
Facettenarthropathie hat vorwiegende Facettendegeneration ohne Gleiten; degenerative Spondylolisthesis hat Facettenarthropathie mit Gleiten und prominenter Facettensagittalisierung
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthNiedriggradige (Grad I-II) stabile Spondylolisthesis spricht auf konservative Behandlung an. Chirurgische Indikationen: hochgradiges Gleiten (Grad III+), progressives Gleiten, refraktäre Radikulopathie, Cauda-equina-Syndrom. Operation gewöhnlich Dekompression + posterolaterale Fusion. Flexions-Extensions-Dynamikaufnahmen wichtig für Instabilitätsbeurteilung.
Spondylolisthesis kann Kreuzschmerzen und Radikulopathie verursachen. Konservative Therapie (Physiotherapie, Core-Stabilisierung, NSAIDs) wird bei niedriggradigen (Grad I-II) stabilen Verschiebungen angewendet. Chirurgische Dekompression + Fusion ist bei hochgradiger (Grad III-IV) oder progressiver Verschiebung, Nervenwurzelkompression und Cauda-equina-Syndrom indiziert. Pars-Reparatur kann bei jungen Sportlern mit isthmischem Typ erwogen werden. Flexions-Extensions-Dynamikaufnahmen sind wichtig für die Instabilitätsbeurteilung.