Der Mittelohrererguss (serose Otitis media, OME) ist die haufigste Ursache fur padiatrische Schwerhorigkeut, charakterisiert durch nicht-purolente Flussigkeitsansammlung in der Mittelohrhohle. Die Pravalenz erreicht bis zu 90% bei Kindern (nahezu jedes Kind hat mindestens eine Episode bis zum Alter von 2 Jahren). Eustachische Rohrenfunktionsstorung ist der grundlegende pathophysiologische Mechanismus — gestorte Tubenfunktion verhindert Mittelohrventilation, erzeugt Unterdruck und Flussigkeit akkumuliert durch mukoperiosteale Transudation. Das CT zeigt homogene Weichteildichteverschattung in der Mittelohrhohle und Mastoidzellen; kritischerweise KEINE Knochenerosion — dieser Befund differenziert vom Cholesteatom. Im MRT ist Flussigkeit T2-hyperintens und T1-hypointens; keine Diffusionsrestriktion in DWI (Cholesteatom-Differentiator). Unilateraler Mittelohrererguss bei Erwachsenen erfordert immer Ausschluss einer Nasopharynxpathologie (insbesondere Nasopharynxkarzinom). Adenoidhypertrophie und Allergie sind haufigste Ursachen bei Kindern. Chronischer Erguss (>3 Monate) ist Indikation fur Ventilationsrohrchen (Grommet).
Altersbereich
1-80
Häufigkeitsalter
5
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Sehr häufig
Der grundlegende Mechanismus des Mittelohrerergusses ist die Eustachische Rohrenfunktionsstorung. Die normale Eustachische Rohre (Tuba pharyngotympanica) sorgt fur Ventilation und Drainage zwischen Nasopharynx und Mittelohr — offnet sich beim Schlucken und Gahnen zum Druckausgleich im Mittelohr. Bei Tubenfunktionsstorung: (1) Ventilation ist gestort → Luft im Mittelohr wird resorbiert → Unterdruck entwickelt sich; (2) Unterdruck verursacht Transudation aus mukoperiostealen Kapillaren → seroser Erguss akkumuliert; (3) prolongierter Erguss verursacht Schleimhautmetaplasie → Becherzellzahl steigt → Muzinsekretion steigt → Erguss wird mukoid ('Glue Ear'). Bei Kindern ist die Eustachische Rohre anatomisch kurzer, horizontaler und weiter. Adenoidhypertrophie kann das Tubenostium mechanisch obstruieren. Im CT erscheint Erguss als homogene Weichteildichteverschattung (~20-40 HU). Knochenstrukturen sind intakt. Im MRT reflektiert T2-Hyperintensitat den Flussigkeitscharakter; kein DWI-Restriktion.
Weichteildichteverschattung in der Mittelohrhohle mit komplett intakten Knochenstrukturen — keine Erosion von Scutum, Tegmen tympani, Ossikelkette, Fazialiskanal oder sinoduralen Strukturen.
Homogene Weichteildichteverschattung (~20-40 HU) in der Mittelohrhohle — reflektiert flussigkeitsgefullte Hohle. Verschattung zeigt nicht-schwerkraftabhangige Verteilung (gravitationelle Schichtung ist nicht prominent da mukoider Inhalt viskos ist). Epitympanon (Attikus), Mesotympanon und Hypotympanon ganz oder teilweise betroffen. WICHTIGSTER BEFUND: Knochenstrukturen komplett intakt — Scutum, Tegmen tympani, Ossikelkette, Fazialiskanal, sinodurale Strukturen ohne Erosion.
Berichtssatz
Homogene Weichteildichteverschattung in der Mittelohrhohle mit intakten Knochenstrukturen; vereinbar mit Mittelohrererguss, Cholesteatomsbefunde fehlen.
Hyperintenses Signal in der Mittelohrhohle in MRT-T2-gewichteten Bildern — reflektiert Flussigkeitsinhalt. Seroser Erguss zeigt deutlich hyperintenses (CSF-ahnliches) Signal, mukoider Erguss zeigt etwas niedrigeres aber noch hyperintenses Signal. Bei chronischem Erguss kann Granulationsgewebe begleiten.
Berichtssatz
Hyperintenses Flussigkeitssignal in der Mittelohrhohle im MRT-T2, vereinbar mit Mittelohrererguss.
Keine Diffusionsrestriktion bei Mittelohrererguss in der DWI — Signalverlust bei hohem b-Wert, hoher ADC-Wert in der ADC-Karte. Dieser Befund ist fur die Cholesteatom-Differentialdiagnose kritisch wichtig: Cholesteatom zeigt ausgepragte Diffusionsrestriktion durch Keratindebris-Akkumulation (hell in DWI, dunkel in ADC), wahrend Erguss frei diffundierende Flussigkeit enthalt.
Berichtssatz
Keine Diffusionsrestriktion in der Mittelohrverschattung in der DWI; kein Cholesteatom-favorisierender Befund, vereinbar mit serosem/mukoidem Erguss.
Scutum (laterale Attikuswand) und Ossikelkette sind intakt — wichtigster CT-Befund in der Cholesteatom-Differentialdiagnose. Cholesteatom verursacht Scutumerosion (Knochendefekt in der lateralen epitympanalen Region), wahrend bei Erguss das Scutum scharfrandig und intakt bleibt.
Berichtssatz
Scutum, Ossikelkette und Tegmen tympani sind intakt; keine Knochenerosion identifiziert, Cholesteatombefunde fehlen.
Komplette oder partielle Mastoidzellverschattung — zeigt Ergussausbreitung vom Mastoidantrum zu Mastoidzellen. Kritischer Befund: Mastoidsepten sind intakt (Abgrenzung von koaleszenter Mastoiditis). Verschattung ist homogen und niedrig-mittel dicht. Kann bilateral sein (besonders bei Kindern).
Berichtssatz
Mastoidzellverschattung mit intakten Septen; koaleszente Mastoiditisbefunde fehlen.
Kriterien
Dauer <3 Monate, dunner seroser Erguss, meist nach Infektion der oberen Atemwege.
Unterscheidungsmerkmale
Oft selbstlimitierend. Niedrige Dichte im CT (10-20 HU). Deutlich hyperintens im MRT-T2. Therapie: Beobachtung.
Kriterien
Dauer >3 Monate, viskoser mukoider Erguss, Schleimhautmetaplasie vorhanden.
Unterscheidungsmerkmale
Ventilationsrohrchenindikation. Etwas hohere Dichte im CT (20-40 HU). Kann leichte T1-Signalerhohung im MRT zeigen. Therapie: Grommet.
Kriterien
Obstruktion der Eustachischen Rohre durch Nasopharynxpathologie (NPC, Adenoidhypertrophie) oder nach Radiotherapie.
Unterscheidungsmerkmale
Unilateraler Erguss bei Erwachsenen → NPC-Ausschluss obligat! Nasopharynx-MRT/CT. Bilateraler Erguss haufig nach Radiotherapie.
Unterscheidungsmerkmal
Koaleszente Mastoiditis hat Mastoidseptumerosion, retroaurikulare Weichteilschwellung/Abszess und klinische Fieber-/akute Infektionsbefunde dominieren. Bei Erguss sind Septen intakt und keine akuten Infektionsbefunde.
Unterscheidungsmerkmal
Felsenbeinfraktur zeigt Frakturlinie, Pneumozephalus und Ossikelkettendislokation; keine Knochendiskontinuitat bei Erguss. Traumaanamnese ist definitiver Differentiator.
Unterscheidungsmerkmal
Erweiterter vestibulaerer Aquadukt ist eine Innerohr-anomalie und betrifft nicht die Mittelohrhohle; Erguss findet sich im Mittelohr und Mastoid. Bei EVA wird spezifisch die vestibulaere Aquaduktbreite >1,5 mm gemessen.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthMittelohrererguss bei Kindern ist meist selbstlimitiert und initiale 3-monatige Beobachtung wird empfohlen. Bei >3 Monaten persistierendem Erguss wird Horbeurteilung (Audiometrie) durchgefuhrt und Ventilationsrohrcheneinlage bei >25-30 dB Horvorlust indiziert. Unilateraler Erguss bei Erwachsenen erfordert IMMER Nasopharynxevaluation — Nasopharynxkarzinom kann unilateralen Erguss durch Eustachische Rohrenobstruktion verursachen.
Haufigste Ursache fur kindliche Schwerhorigkeut, lost sich meist mit konservativer Therapie. Ventilationsrohren (Grommets) konnen bei chronischem Erguss eingelegt werden. Unilateraler Erguss bei Erwachsenen erfordert Evaluation bezuglich Nasopharynxkarzinom — Nasopharynxbildgebung ist obligat.