Die akute koaleszente Mastoiditis ist die schwerwiegendste und haufigste intratemporale Komplikation der akuten Otitis media. Charakterisiert durch purolente Materialansammlung in Mastoidzellen (einfache Mastoiditis) und Knochenseptumerosion/-destruktion (koaleszentes Stadium). Wahrend einfache Mastoiditis — Mastoidzellverschattung mit intakten Knochensepten — mit Antibiotika behandelt werden kann, hat die koaleszente Mastoiditis Septumerosion entwickelt und chirurgische Intervention (Mastoidektomie) ist meist erforderlich. Haufiger bei Kindern (2-5 Jahre), Pneumokokken als haufigster Erreger. CT-Felsenbeinbildgebung ist Goldstandard fur Diagnose und Komplikationsbeurteilung: diffuse Mastoidzellverschattung, Knochenseptumerosion (pathognomonischer koaleszenter Befund), subperiostaler Abszess, durales/sinovenoses Enhancement. Unbehandelt konnen lebensbedrohliche Komplikationen auftreten: Sinussigmoideus-Thrombose, Epidural-/Subduralabszess, Hirnabszess, otitischer Hydrozephalus, Meningitis.
Altersbereich
0-15
Häufigkeitsalter
3
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Akute koaleszente Mastoiditis ist eine Komplikation durch direkte Ausbreitung der akuten Otitis media. Die Pathophysiologie schreitet stufenweise fort: (1) Akute Otitis media — bakterielle Infektion und purolente Exsudatansammlung in der Mittelohrmukosa; (2) Mastoidausbreitung — purolentes Material breitet sich durch Aditus ad antrum zu Mastoidantrum und -zellen aus (einfache Mastoiditis); (3) Koaleszentes Stadium — osteoklastische Aktivitat und druckbedingte Knochenresorption verursachen Erosion und Destruktion der Mastoidzellsepten → Interzellulargrenzen verschwinden und bilden eine einzelne grosse purolente Hohle; (4) Komplikationsstadium — Eiter breitet sich zu benachbarten Strukturen aus: Kortexerosion → subperiostaler Abszess, Mastoidspitzenerosion → Bezold-Abszess, Tegmen-mastoideum-Erosion → Epiduralabszess, Sigmoidsinusplattenerosion → Sinussigmoideus-Thrombose.
Erosion und Destruktion der dunnen Knochensepten, die Mastoidzellen trennen — pathognomonischer Befund fur koaleszente Mastoiditis. Bei normaler Mastoidpneumatisation erscheinen Septen als dunne weisse Linien zwischen Zellen; im koaleszenten Stadium sind Septen verschwunden und Zellen durch eine einzelne grosse opake Hohle ersetzt.
Erosion oder komplette Destruktion der Mastoidzellsepten — pathognomonischer Befund fur koaleszente Mastoiditis. Bei normaler Mastoidpneumatisation trennen dunne Knochensepten die Zellen; im koaleszenten Stadium verursacht osteoklastische Knochenresorption das Verschwinden dieser Septen und Zellen werden durch eine einzelne grosse opake Hohle ersetzt. Vergleichende Beurteilung mit der kontralateralen Seite im axialen und koronaren CT ist hilfreich.
Berichtssatz
Diffuse Mastoidzellverschattung mit Knochenseptumerosion, vereinbar mit koaleszenter Mastoiditis; chirurgische Konsultation empfohlen.
Purolente Kollektion, die sich nach Mastoidkortexerosion unter dem Periost ansammelt — erscheint als randstandig kontrastierende Flussigkeitskollektion in der retroaurikularen Region. Zentraler hypodenser Bereich (Eiter) mit umgebender dunner kontrastierender Wand (Randenhancement) ist das typische Abszesserscheinungsbild.
Berichtssatz
Randstandig kontrastierende hypodense Kollektion in der retroaurikularen Region, vereinbar mit subperiostalem Abszess sekundar zur koaleszenten Mastoiditis.
Ausgepragte Diffusionsrestriktion in Mastoidhohle und/oder subperiostalem Abszess in der DWI — hyperintens bei hohem b-Wert, hypointens in der ADC-Karte. Purolentes Material schrankt die Wassermolekuldiffusion durch hohe Viskositat und Zellularitat ein.
Berichtssatz
Ausgepragte Diffusionsrestriktion in Mastoidhohle/subperiostaler Kollektion in der DWI, vereinbar mit purolentem Inhalt.
Fullungsdefekt oder komplette Okklusion im Sinus-sigmoideus-Lumen im kontrastmittelverstarkten CT — zeigt septische Thrombose als Mastoiditiskomplikation an. 'Empty-Delta-Zeichen': hypodenser Thrombus im zentralen Sinuslumen, umgeben von kontrastierender Dura (Entzundung um den Sinus). Flussverlust oder Thrombose wird direkt in der MR-Venographie dargestellt.
Berichtssatz
Fullungsdefekt/Okklusion im Sinus sigmoideus, vereinbar mit septischer Thrombose sekundar zur Mastoiditis; Antikoagulation und chirurgische Drainage sollten evaluiert werden.
Hyperintenses Signal in Mastoidzellen in MRT-T2-gewichteten Bildern — zeigt flussigkeitshaltigen (purolenten oder serosen) Mastoidverschattung an. Purolentes Material kann aufgrund proteinosen Inhalts etwas niedrigeres T2-Signal als reines Wasser zeigen. Iso-hypointens in T1. Mukosaverdickung und -enhancement in kontrastmittelverstarkten Bildern sichtbar.
Berichtssatz
Hyperintenser Flussigkeitsinhalt in Mastoidzellen im MRT-T2, vereinbar mit akuter Mastoiditis in Zusammenschau mit klinischen und CT-Befunden.
Kriterien
Mastoidzellverschattung aber Knochensepten intakt. Erfordert keine Chirurgie.
Unterscheidungsmerkmale
Antibiotikatherapie ausreichend. Septen im CT sichtbar, keine Erosion. Kein subperiostaler Abszess.
Kriterien
Mastoidseptumerosion + purolente Kavitatsbildung. Chirurgische Indikation.
Unterscheidungsmerkmale
Chirurgische Mastoidektomie erforderlich. Hohes Komplikationsrisiko. Septen im CT erodiert, einzelne grosse opake Hohle.
Kriterien
Koaleszente Mastoiditis + intrakranielle Komplikation (Sinussigmoideus-Thrombose, Epiduralabszess, Hirnabszess, Meningitis).
Unterscheidungsmerkmale
Notfallchirurgie + IV Antibiotika + multidisziplinarer Ansatz. Mortalitatsrate 5-10%. Kontrastmittelverstarkte MRT obligat.
Unterscheidungsmerkmal
Mittelohrererguss kann Mastoidverschattung haben aber KEINE Septumerosion, keine retroaurikulare Weichteilschwellung und keine Fieber-/akute Infektionszeichen klinisch. Keine Diffusionsrestriktion in DWI (seroser Erguss).
Unterscheidungsmerkmal
Felsenbeinfraktur erscheint in akuter posttraumatischer Situation, Frakturlinie vorhanden und Mastoidverschattung durch Hamatotympanon bedingt; keine Septumerosion. Traumaanamnese ist definitiver Differentiator.
Unterscheidungsmerkmal
Bei Morbus Meniere ist Felsenbein-CT normal, keine Mastoidverschattung. Nur endolymphatischer Hydrops (Innenohr) im MRT sichtbar; Mastoid und Mittelohr sind normal.
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralKoaleszente Mastoiditis ist eine chirurgische Notfallindikation — wahrend einfache Mastoiditis mit Antibiotika behandelt werden kann, erfordert das koaleszente Stadium IV Antibiotika + chirurgische Drainage (kortikale Mastoidektomie). Verspatete Behandlung fuhrt zu Komplikationen mit hoher Mortalitat: Sinussigmoideus-Thrombose (2-7%), Epiduralabszess (1-3%), Hirnabszess, Meningitis, otitischer Hydrozephalus.
Akute koaleszente Mastoiditis ist ein infektioser Notfall, der dringende Behandlung erfordert. Intravenose Antibiotikatherapie sollte eingeleitet und chirurgische Drainage (Mastoidektomie) geplant werden. Unbehandelt konnen intrakranielle Komplikationen (Epiduralabszess, Sinussigmoideus-Thrombose, Meningitis, Hirnabszess) auftreten.