Das Zervixkarzinom ist weltweit der vierthaufigste Krebs bei Frauen. Das Plattenepithelkarzinom (SCC) ist der haufigste Subtyp (70-80%), gefolgt vom Adenokarzinom (20-25%). HPV-Infektion (insbesondere Typ 16 und 18) spielt eine primare Rolle in der Atiologie. Fruhstadium-Erkrankung (FIGO IB1 und darunter) wird chirurgisch behandelt, wahrend lokal fortgeschrittenes Stadium (IB2-IVA) mit konkomitanter Chemoradiotherapie behandelt wird. Die MRT bleibt der Goldstandard fur das lokale Staging des Zervixkarzinoms — sie spielt eine kritische Rolle bei der Beurteilung von Tumorgrosse, parametrialer Invasion, vaginaler Invasion und Beckenwandbeteiligung.
Altersbereich
30-70
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Häufig
Das Zervixkarzinom entwickelt sich fast immer als chronische Folge einer HPV-Infektion (Humanes Papillomavirus). Die HPV-Onkoproteine E6 und E7 inaktivieren die Tumorsuppressorproteine p53 bzw. pRb — was zu unkontrollierter Zellproliferation fuhrt. Die Sequenz CIN (Zervikale Intraepitheliale Neoplasie) I → CIN II → CIN III → invasives Karzinom entwickelt sich uber Jahre. SCC stammt aus der zervikalen Transformationszone (Plattenepithel-Zylinderepithel-Grenze); das Adenokarzinom entwickelt sich aus dem endozervikalen Drusenepithel. Der Tumor invadiert das zervikale Stroma, dann parametriale Gewebe, Vagina und Beckenwand. Bildgebungsbefunde spiegeln diese Pathologie wider: der zervikale Stromaring erscheint T2-hypointens — Tumorinvasion stört diesen Ring. In der DWI zeigt der Tumor aufgrund hoher Zellularitat eine Diffusionsrestriktion. Das 'Stromaring'-Zeichen ist der Schlusselbefund fur die Beurteilung der parametrialen Invasion. Parametriale Invasion ist definiert als Tumorausdehnung uber den zervikalen Stromaring hinaus in das parametriale Fett — es zeigt FIGO-Stadium IIB an und andert den Behandlungsansatz von Chirurgie zu Chemoradiotherapie.
Das zervikale Stroma erscheint als hypointenser Ring in der T2-gewichteten MRT — Storung oder Verlust dieses Rings ist der zuverlassigste Indikator fur parametriale Invasion. Ein intakter Stromaring zeigt das Fehlen einer parametrialen Invasion an (Chirurgie indiziert), wahrend ein vollstandig gestorter Ring eine parametriale Invasion anzeigt (FIGO IIB, Chemoradiotherapie indiziert).
In der T2-gewichteten MRT erscheint das Zervixkarzinom als Masse mit intermediarer bis hoher Signalintensitat in der Zervix — normales zervikales Stroma erscheint homogen T2-hypointens, wahrend der Tumor als helles Areal innerhalb dieses hypointensen Hintergrunds wichtigen Kontrast bietet. Die Tumorgrosse (grosster Durchmesser) wird gemessen — ≤2 cm (IB1), >2 cm ≤4 cm (IB2), >4 cm (IB3). Die Stromaringbeurteilung ist kritisch: wenn der Ring intakt ist, liegt keine parametriale Invasion vor; wenn vollstandig unterbrochen, ist eine parametriale Invasion vorhanden.
Berichtssatz
In der T2-gewichteten MRT wird eine Masse mit intermediarem bis hohem Signal von [X] cm in der Zervix nachgewiesen. Der zervikale Stromaring ist [intakt / fokal gestort / vollstandig gestort], vereinbar mit FIGO-Stadium [IB / IIB].
Das Zervixkarzinom zeigt eine deutliche Diffusionsrestriktion in der DWI — helles Signal bei hohen b-Werten (b=800-1000) und niedriges Signal auf der ADC-Karte. ADC-Werte liegen im Allgemeinen <0,9 x 10-3 mm2/s. DWI ist besonders wertvoll fur die Erkennung kleiner Tumoren, die Beurteilung der auf T2 nicht nachweisbaren parametrialen Invasion und die Erkennung von Resttumor/Rezidiv nach Behandlung.
Berichtssatz
In der DWI wird eine deutliche Diffusionsrestriktion in der zervikalen Masse mit niedrigen ADC-Werten nachgewiesen, vereinbar mit einem Zervixkarzinom.
In der dynamischen kontrastmittelverstarkten MRT zeigt das Zervixkarzinom in der Spatphase ein geringeres Enhancement als normales zervikales Stroma. In der Fruhphase kann der Tumor ein intensives Enhancement zeigen, aber in der Spatphase kontrastiert das Stroma intensiver — dieser Unterschied erzeugt das 'Stromaring-Enhancement'-Muster, das die Grenze der parametrialen Invasion klart.
Berichtssatz
Die zervikale Masse erscheint in der Spatphase der kontrastmittelverstarkten MRT hypointenser als das Stroma; der Stromaring ist [intakt / gestort] und parametriale Invasion [wird nicht / wird] nachgewiesen.
Die kontrastmittelverstärkte CT zeigt das Zervixkarzinom als heterogen kontrastierende Masse in der Zervix. Die CT ist im Vergleich zur MRT bei der Beurteilung der parametrialen Invasion und kleiner Tumoren eingeschrankt, aber wertvoll fur die Beurteilung von pelvinen und paraaortalen Lymphknotenmetastasen, Hydronephrose/Ureterobstruktion und Fernmetastasen.
Berichtssatz
In der kontrastmittelverstarkten CT wird eine heterogen kontrastierende Masse in der Zervix nachgewiesen mit [pelvinen/paraaortalen Lymphknotenmetastasen / Hydronephrose / Fernmetastasen] [nachgewiesen / nicht nachgewiesen].
Der transvaginale US kann das Zervixkarzinom als heterogene, hypoechogene oder gemischt echogene Masse in der Zervix zeigen. Zervikale Konturunregelmasigkeit und Obliteration von Nabothian-Zysten konnen nachgewiesen werden. Der Doppler zeigt erhohten vaskularen Fluss und niedrigen Widerstandsindex.
Berichtssatz
Im transvaginalen US wird eine heterogene Masse in der Zervix mit erhohtem vaskularem Fluss in der Doppler-Untersuchung nachgewiesen; Becken-MRT wird fur das Staging empfohlen.
FDG-PET-CT zeigt eine erhohte FDG-Aufnahme beim Zervixkarzinom (SUVmax im Allgemeinen 8-20). PET-CT ist CT und MRT insbesondere bei der Erkennung von Lymphknotenmetastasen uberlegen — metabolisch aktive metastatische Lymphknoten konnen auch bei normaler Kurzachse nachgewiesen werden.
Berichtssatz
In der FDG-PET-CT wird eine erhohte metabolische Aktivitat (SUVmax: [X]) in der zervikalen Masse nachgewiesen mit [pelvinen/paraaortalen FDG-aviden Lymphknoten / Fernmetastasen] [nachgewiesen / nicht nachgewiesen].
Kriterien
Haufigster Subtyp (70-80%). Stammt aus der Transformationszone (Plattenepithel-Zylinderepithel-Grenze). Starke Assoziation mit HPV Typ 16. Keratinisierende und nicht-keratinisierende Varianten existieren.
Unterscheidungsmerkmale
Hohere FDG-Aufnahme, Strahlentherapieansprechen im Allgemeinen besser als beim Adenokarzinom, HPV16-assoziiert, SCC-Antigen als Tumormarker verwendbar.
Kriterien
Zweithaufigster Subtyp (20-25%). Stammt aus dem endozervikalen Drusenepithel. Assoziiert mit HPV Typ 18. Die Inzidenz hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Kann sich mit fassformiger Zervix prasentieren.
Unterscheidungsmerkmale
Fassformige Zervix, endozervikale Lokalisation, schleimproduzierende glandulare Differenzierung, HPV18-assoziiert, stadienangepaste Prognose ahnlich SCC, aber Strahlentherapieansprechen etwas schlechter.
Kriterien
Zeigt sowohl squamöse als auch glandulare Differenzierung (3-5%). SCC- und Adenokarzinom-Komponenten koexistieren. Zeigt aggressiven Verlauf.
Unterscheidungsmerkmale
Biphasische Histologie, aggressiver Verlauf, schlechtere Prognose als reines SCC oder Adenokarzinom, bildgebend nicht unterscheidbar.
Unterscheidungsmerkmal
Zervikaler Polyp erscheint als gut abgrenzbare, gestielte Masse — keine Restriktion in der DWI, Stromaring intakt, variables Signal auf T2 (fibröse Komponente hypointens).
Unterscheidungsmerkmal
Nabothian-Zysten sind gut abgrenzbare, T2-hyperintense zystische Lasionen — keine Restriktion in DWI, kein Enhancement, Stromaring intakt, konnen multipel sein.
Unterscheidungsmerkmal
Endometriumkarzinom entsteht primar aus der Endometriumhohle und dehnt sich nach unten zur Zervix aus — keine primare zervikale Masse, JZ-Storung wird an der endometrialen-myometrialen Grenze gesehen (nicht im zervikalen Stroma).
Unterscheidungsmerkmal
Leiomyosarkom ist eine intramurale Masse aus dem Myometrium — keine zervikale Masse (ausser seltenes zervikales Leiomyosarkom), heterogenes Signal auf T2, koagulative Nekrose T1-hyperintens.
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
ErforderlichNachsorge
specialist-referralEine Zervixbiopsie (kolposkopisch gefuhrte Stanzbiopsie oder LEEP/Konisation) ist fur die Diagnose obligatorisch. Das Staging erfolgt mit Becken-MRT + abdominopelviner CT (oder PET-CT). FIGO-Stadium ≤IB1: radikale Hysterektomie + pelvine Lymphknotendissektion. FIGO-Stadium ≥IB2: konkomitante Chemoradiotherapie (Cisplatin-basiert) ist die Standardbehandlung. Parametriale Invasion (FIGO IIB) andert den Behandlungsansatz von Chirurgie zu Chemoradiotherapie — die Stromaringbeurteilung in der MRT ist von kritischer Bedeutung.
Das Zervixkarzinom ist weltweit die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Es ist durch HPV-Impfung vermeidbar. Die MRT ist der Goldstandard für das lokale Staging. Die Radiochemotherapie ist die primäre Behandlung für FIGO ≥IB2-Fälle. Das Vorhandensein einer parametranen Invasion (Stadium IIB+) ändert die Behandlungsstrategie von Operation auf Radiochemotherapie.