Das Aspergillom (Myzetom, Pilzball) ist eine intrakavitäre Pilzmasse, die durch Kolonisation von Aspergillus-Arten (meist A. fumigatus) in einer vorbestehenden pulmonalen Kavität oder zystischen Höhle entsteht. Es entwickelt sich am häufigsten in Kavitäten nach Tuberkulose, Sarkoidose oder Bronchiektasen. Das Luftsichelzeichen (Air-Crescent-Sign) ist pathognomonisch. Es ist klinisch bedeutsam aufgrund des Risikos einer lebensbedrohlichen Hämoptyse.
Altersbereich
40-70
Häufigkeitsalter
55
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Das Aspergillom entwickelt sich, wenn inhalierte Aspergillus-Sporen eine vorbestehende pulmonale Kavität (am häufigsten eine TB-Kavität) kolonisieren. Pilzhyphen, Schleim, entzündliches Debris und Fibrin verbinden sich zu einer intrakavitären Masse (Pilzball). Diese Masse haftet nicht an der Kavitätenwand — sie verlagert sich mit der Schwerkraft (Monod-Zeichen). Bronchialarterien in der Kavitätenwand hypertrophieren, und die vaskuläre Invasion durch Pilzhyphen führt zur Hämoptyse. Das Luftsichelzeichen reflektiert die Luftsichel zwischen dem Pilzball und der Kavitätenwand — dieser Raum zeigt an, dass der Pilzball die Kavität nicht vollständig ausfüllt. Kavitätenwandverdickung und Pleurareakion entwickeln sich im Laufe der Zeit.
Sichelförmiger Luftraum zwischen der Kavitätenwand und dem intrakavitären Pilzball. Pathognomonisch für Aspergillom, zeigt an, dass der Pilzball die Kavität nicht vollständig ausfüllt. Am besten im Lungenfenster beurteilbar. Die Lage der Luftsichel ändert sich bei Positionsänderung (zusammen mit Monod-Zeichen).
Eine runde oder ovale intrakavitäre Masse mit Weichteildichte in einer vorbestehenden Kavität, mit einem sichelförmigen Luftraum zwischen der Masse und der Kavitätenwand (Luftsichelzeichen). Die Masse füllt das Kavitätenlumen teilweise aus und ist typischerweise in der abhängigen Position lokalisiert.
Berichtssatz
Eine intrakavitäre Masse mit Weichteildichte wird in einer __ mm Kavität im rechten/linken Oberlappen nachgewiesen, mit einem sichelförmigen Luftraum zwischen Masse und Kavitätenwand (Luftsichelzeichen); die Befunde sind mit einem Aspergillom vereinbar.
Die intrakavitäre Masse verlagert sich mit der Schwerkraft in CT-Aufnahmen in Bauch- und Rückenlage (Monod-Zeichen). Dieser Befund beweist, dass die Masse nicht an der Kavitätenwand haftet und frei schwimmend ist.
Berichtssatz
Die intrakavitäre Masse verlagert sich bei Positionsänderung (Monod-Zeichen); die frei schwimmende Masse in der Kavität unterstützt die Diagnose eines Aspergilloms.
Kavitätenwandverdickung und angrenzende Pleuraverdickung/Pleureareaktion. Diese Befunde reflektieren den chronischen entzündlichen Prozess und den Effekt der Pilzkolonisation auf die Kavitätenwand.
Berichtssatz
Kavitätenwandverdickung und angrenzende Pleurareakion werden nachgewiesen, vereinbar mit chronischem Aspergillom; klinische Verlaufskontrolle bezüglich des Hämoptyserisikos wird empfohlen.
Hypertrophierte Bronchialarterien können in der Kavitätenwand im kontrastmittelverstärkten CT nachgewiesen werden. Diese Befunde zeigen die Quelle der Hämoptyse an und sind wichtig für die Embolisationsplanung.
Berichtssatz
Hypertrophierte Bronchialarterien werden in der Kavitätenwand im kontrastmittelverstärkten CT nachgewiesen und werden als Quelle der Hämoptyse angesehen; eine Bronchialarterienembolisation kann geplant werden.
Der Pilzball zeigt eine niedrige Signalintensität in T2-gewichteter MRT. Dieser Befund resultiert aus dem niedrigen Wassergehalt und der dichten Hyphenstruktur des Pilzballs. Entzündung und Flüssigkeit um die Kavität sind in T2 hyperintens.
Berichtssatz
Eine signalarme intrakavitäre Masse wird in der Kavität in T2-gewichteten Sequenzen nachgewiesen, vereinbar mit Pilzball (Aspergillom).
Schwammartige interne Lufteinschlüsse können im Pilzball nachgewiesen werden. Diese Befunde reflektieren zwischen Hyphen eingeschlossene Luftblasen und helfen, die intrakavitäre Masse von einem soliden Tumor zu unterscheiden.
Berichtssatz
Schwammartige interne Lufteinschlüsse werden in der intrakavitären Masse nachgewiesen, vereinbar mit Pilzballstruktur.
Kriterien
Einzelner Pilzball in einer einzelnen Kavität, dünnwandige Kavität (<3 mm), minimale Erkrankung im umgebenden Parenchym, normale Lungenfunktion
Unterscheidungsmerkmale
Bester Kandidat für chirurgische Resektion. Lobektomie oder Segmentektomie kann mit niedriger Mortalitätsrate durchgeführt werden. Präsentiert sich meist asymptomatisch oder mit leichter Hämoptyse.
Kriterien
Multiple Kavitäten oder multiple Pilzbälle in einer einzelnen Kavität, dickwandige Kavität, ausgedehnte Erkrankung im umgebenden Parenchym (Fibrose, Bronchiektasen), eingeschränkte Lungenfunktion
Unterscheidungsmerkmale
Chirurgisches Risiko ist hoch. Bronchialarterienembolisation wird zur Hämoptyse-Kontrolle bevorzugt. Risiko der Progression zur chronischen pulmonalen Aspergillose besteht. Kavernostomie oder intrakavitäre antimykotische Behandlung kann erwogen werden.
Kriterien
Zusätzlich zum Aspergillom, Progression in Kavitätenanzahl/-größe, Pleuraverdickung, Konsolidierung, Symptome >3 Monate, Aspergillus IgG positiv
Unterscheidungsmerkmale
Zeigt subakuten/chronischen Verlauf und schreitet ohne Behandlung fort. Langzeit-Antimykotika-Therapie (Itraconazol/Voriconazol) ist erforderlich. Kann sich auch ohne Immunsuppression entwickeln — meist liegt eine strukturelle Lungenerkrankung (COPD, Sarkoidose, frühere TB) zugrunde.
Unterscheidungsmerkmal
Lungenabszess zeigt Luft-Flüssigkeits-Spiegel in einer dickwandigen glattwandigen Kavität, aber keine freie intrakavitäre solide Masse. Aspergillom hat eine intrakavitäre solide Masse (Pilzball) und Luftsichelzeichen. Abszesswand reichert an, Aspergillom-Kavitätenwand kann dünner sein.
Unterscheidungsmerkmal
Kavitäres Plattenepithelkarzinom zeigt unregelmäßige dickwandige Kavität mit nodulärer Komponente in der Kavitätenwand. Die Masse ist invasiv in die Kavitätenwand und nicht frei — bewegt sich nicht bei Positionsänderung. Beim Aspergillom ist der Pilzball frei und das Monod-Zeichen ist positiv.
Unterscheidungsmerkmal
Tuberkulom ist ein solider Knoten, der interne Kavitation entwickeln kann, aber freie intrakavitäre Masse und Luftsichelzeichen werden nicht erwartet. Zentrale/laminierte Verkalkung und Satellitenknoten sind typisch für Tuberkulom. Beim Aspergillom ist eine freie Masse in einer vorbestehenden Kavität vorhanden.
Unterscheidungsmerkmal
Lungenembolie-Infarkt kann zur Kavitation fortschreiten, aber freie intrakavitäre Masse wird nicht erwartet. Hampton-Höcker (keilförmige periphere Verdichtung) ist typisch. Luftsichelzeichen ist spezifisch für Aspergillom.
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
3-monthDas Aspergillom kann aufgrund des Risikos einer massiven Hämoptyse (>300 mL/24 Stunden) eine Notfallintervention erfordern. Die Bronchialarterienembolisation ist die erste Intervention bei Hämoptyse. Die definitive Behandlung ist die chirurgische Resektion (Lobektomie bei einfachem Aspergillom). Beim komplexen Aspergillom ist das chirurgische Risiko hoch — antimykotische Therapie und Embolisation werden bevorzugt. CT-Verlaufskontrolle in 3-6-monatigen Intervallen wird bei asymptomatischen Patienten durchgeführt. Galactomannan-Antigen und Aspergillus-IgG-Serologie unterstützen die Diagnose. Das Risiko einer Progression zur invasiven pulmonalen Aspergillose sollte bei immunsupprimierten Patienten bewertet werden.
Asymptomatische Aspergillome können beobachtet werden. Chirurgische Resektion oder Bronchialarterienembolisation ist bei Hämoptysen erforderlich. Eine antimykotische Therapie (Itraconazol, Voriconazol) kann als Adjuvans verabreicht werden.