Reaktive Lymphadenopathie ist eine benigne Vergrößerung von Lymphknoten aufgrund von Infektion, Entzündung oder Immunantwort. Sie ist die häufigste Ursache einer Lymphadenopathie und kann in allen Altersgruppen auftreten. Histologisch wird sie als follikuläre Hyperplasie, parakortikale Hyperplasie oder Sinushistiozytose klassifiziert. Reaktive Knoten sind meist druckschmerzhaft, messen 1-2 cm und bilden sich nach Behandlung der zugrunde liegenden Ursache zurück. Bilateraler und symmetrischer Befall deutet auf eine systemische Immunantwort hin. In der Bildgebung sind benigne morphologische Merkmale erhalten: ovale Form, erhaltene Hilusarchitektur und gleichmäßige kortikale Verdickung sind charakteristisch.
Altersbereich
5-80
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Häufig
Bei reaktiver Lymphadenopathie führt Antigenstimulation zur zellulären Proliferation in Lymphknotenkompartimenten. Bei follikulärer Hyperplasie expandieren B-Zell-Keimzentren, bei parakortikaler Hyperplasie vergrößern sich T-Zell-Zonen, bei Sinushistiozytose tritt Makrophagenakkumulation auf. Diese Proliferation verursacht kortikale Verdickung, während hiläre vaskuläre Strukturen und Fettgewebe erhalten bleiben — daher persistiert das echogene Hilum im Ultraschall. Gleichmäßige kortikale Expansion reflektiert die homogene Natur des reaktiven Prozesses; fokale asymmetrische Verdickung deutet auf fokale Pathologie hin. Der erhöhte Blutfluss erfolgt über hiläre vaskuläre Pedikel, wodurch das hiläre Vaskularitätsmuster im Doppler erhalten bleibt — unterschiedlich vom peripheren oder chaotischen Vaskularitätsmuster maligner Knoten.
Erhaltung des zentralen echogenen Hilums im Ultraschall ist der zuverlässigste morphologische Indikator für benignen Charakter. Intaktes hiläres Fett und vaskuläre Strukturen zeigen offene normale lymphatische Drainagewege und Abwesenheit maligner Infiltration an.
Ovaler, gut abgrenzbarer Lymphknoten. Zentrales echogenes Hilum ist prominent erhalten. Kortex kann gleichmäßig verdickt sein (3-4 mm), ist aber symmetrisch und regulär. Kurzachse meist <10 mm. Keine interne Nekrose, Verkalkung oder zystische Veränderung. Kein perinodales Ödem oder Matting im umgebenden Weichteilgewebe.
Berichtssatz
Ovaler Lymphknoten mit erhaltenem zentralem echogenem Hilum und gleichmäßiger kortikaler Verdickung, vereinbar mit reaktiver Lymphadenopathie.
Farbdoppler zeigt hiläres Vaskularitätsmuster — Blutfluss verzweigt sich vom Hilum zum Kortex. Keine periphere, subkapsuläre oder chaotische Vaskularität. Power-Doppler zeigt reguläre und symmetrische vaskuläre Verzweigung. Resistiver Index (RI) meist <0,8. Vaskularitätsgrad kann erhöht sein (hyperreaktiver Knoten), aber Verteilungsmuster bleibt hilär.
Berichtssatz
Farbdoppler zeigt hiläres Vaskularitätsmuster ohne periphere oder chaotische Vaskularität — vereinbar mit benigner Morphologie.
Ovaler Lymphknoten mit homogener Kontrastmittelaufnahme in der Kontrast-CT. Zentrale hiläre Fettebene ist erhalten und als hypodenser zentraler Bereich sichtbar. Kurzachse meist <10 mm. Keine Nekrose, Verkalkung oder perinodale Infiltration. Anreicherung ähnlich oder leicht erhöht im Vergleich zur umgebenden Muskulatur. Keine konglomerate Lymphadenopathie.
Berichtssatz
Ovaler Lymphknoten mit homogener Anreicherung und erhaltener zentraler hilärer Fettebene, vereinbar mit reaktiver Lymphadenopathie.
Kann mild-moderate Diffusionsrestriktion auf DWI zeigen — zelluläre Dichte ist erhöht, aber nicht so ausgeprägt wie in malignen Knoten. ADC-Werte meist >1,0 × 10⁻³ mm²/s (typisch <0,8-1,0 bei malignen Knoten). Intermediäre Signalintensität in T2-gewichteten Bildern, isointens zur Muskulatur in T1. Homogenes Signalmuster und erhaltene ovale Morphologie sind charakteristisch.
Berichtssatz
Lymphknoten zeigt milde Diffusionsrestriktion auf DWI mit ADC-Wert >1,0 × 10⁻³ mm²/s — Malignität ist von niedriger Wahrscheinlichkeit.
Kann mild-moderate FDG-Aufnahme in PET-CT zeigen — SUVmax meist <3-4. Reaktive Knoten können falsch-positive FDG-Aufnahme zeigen, besonders während akuter Infektion. Symmetrische, bilaterale Aufnahme unterstützt reaktiven Prozess. Fokale intensive Aufnahme (SUVmax >4-5) ist malignitätsverdächtig und kann Biopsie erfordern. Morphologisch benigne Merkmale (ovale Form, erhaltenes Hilum) in der CT-Komponente sind kritisch bei der Interpretation der PET-Positivität.
Berichtssatz
Milde FDG-Aufnahme im Lymphknoten (SUVmax: ...) — reaktive Lymphadenopathie ist im klinischen Kontext wahrscheinlich, Verlaufskontrolle empfohlen.
Ovaler Lymphknoten mit Weichteildichte (30-50 HU) in der Nativ-CT. Zentral kann hypodenses hiläres Fett sichtbar sein. Keine Nekrose, Verkalkung oder perinodales Stranding. Homogene interne Struktur. Knoten mit ähnlicher Morphologie können in mehreren Stationen gefunden werden — multifokale reaktive Lymphadenopathie.
Berichtssatz
Ovale Lymphknoten mit Weichteildichte und homogener interner Struktur, keine Nekrose oder Verkalkung nachgewiesen.
Kriterien
Expansion der B-Zell-Keimzentren, charakterisiert durch Tingible-Body-Makrophagen in reaktiven Keimzentren. Häufigster Typ der reaktiven Lymphadenopathie.
Unterscheidungsmerkmale
Keine spezifischen Bildgebungsbefunde — allgemeine reaktive Morphologie wird beobachtet. Erfordert histologische Diagnose. Meist assoziiert mit Infektionen oder Autoimmunerkrankungen.
Kriterien
Expansion der T-Zell-reichen parakortikalen Zonen, besonders bei viralen Infektionen (EBV, CMV) und Arzneimittelreaktionen. Immunoblastenvermehrung ist charakteristisch.
Unterscheidungsmerkmale
Prominente kortikale Verdickung kann hiläre Struktur relativ unterdrücken — kann maligne Knoten imitieren. Bilaterale zervikale Knoten sind typisch bei EBV-Mononukleose. Meist bei jungen Patienten.
Kriterien
Histiozyten-(Makrophagen-)Akkumulation in Lymphknotensinusoiden, meist in Lymphknoten der Tumordrainage-Region. Phagozytäre Aktivität ist als Teil der Immunantwort erhöht.
Unterscheidungsmerkmale
Bei Nachweis im Kontext bekannter Malignität ist die Differenzierung von Metastasen wichtig — enthält aber histologisch keine Tumorzellen. Diagnose durch Biopsie. Unspezifische reaktive Morphologie in der Bildgebung.
Kriterien
Regionale Lymphknotenvergrößerung durch Hauterkrankungen (Dermatitis, Psoriasis, Ekzem). Melaninbeladene Makrophagen, interdigitierende dendritische Zellen und Langerhans-Zellen akkumulieren im parakortikalen Bereich.
Unterscheidungsmerkmale
Häufig in inguinalen und axillären Knoten, im gleichen Drainagegebiet wie die Hautläsion. Reaktive Morphologie in der Bildgebung — keine spezifischen Befunde. Kann mit Mycosis fungoides assoziiert sein — Lymphom sollte ausgeschlossen werden.
Unterscheidungsmerkmal
Hodgkin-Lymphom zeigt intensive FDG-Aufnahme (SUVmax meist >5), Befall zusammenhängender Knotenstationen und anteriore mediastinale Masse ist typisch — reaktive LAP zeigt milde Aufnahme, symmetrische und nicht-zusammenhängende Verteilung.
Unterscheidungsmerkmal
Metastatischer SCC zeigt zentrale Nekrose (ringförmige Anreicherung), runde Morphologie, Verlust der Hilusarchitektur und perinodale Invasion — reaktive LAP erhält Hilum, keine Nekrose, ovale Form dominiert.
Unterscheidungsmerkmal
TB-Lymphadenitis zeigt periphere Randanreicherung (zentrale käsige Nekrose), Matting der Knoten und Verkalkung — reaktive LAP hat keine Nekrose, kein Matting und Verkalkung wird nicht erwartet.
Unterscheidungsmerkmal
Katzenkratzkrankheit zeigt fokale Nekrose, Abszessformation und prominente perinodale entzündliche Veränderungen — regionale LAP nahe der Inokulationsstelle mit Katzenkontaktanamnese ist diagnostisch. Reaktive LAP zeigt keine Nekrose.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthReaktive Lymphadenopathie ist eine benigne Erkrankung, die sich meist mit Behandlung der zugrunde liegenden Ursache zurückbildet. Biopsie ist nicht erforderlich bei Kurzachse <10 mm, ovaler Form und erhaltenem Hilum. Kontroll-US nach 4-6 Wochen zur Beurteilung der Rückbildung. Bei Wachstum, Formveränderung oder Hilusverlust sollte weitere Untersuchung (Biopsie) geplant werden. Biopsie sollte initial erwogen werden bei Kurzachse >15 mm oder Malignitätsanamnese.
Die reaktive Lymphadenopathie ist die häufigste Ursache einer Lymphadenopathie und erfordert keine Behandlung. Sie bildet sich spontan zurück, wenn die zugrunde liegende Infektion/Entzündung behandelt wird. Eine Rückbildung wird bei der 4-6-wöchigen Verlaufskontrolle erwartet. Eine Biopsie sollte jedoch erwogen werden bei >2 cm, runder Form, Hilusverlust oder anhaltendem Wachstum.