Das Hodgkin-Lymphom (HL) ist eine lymphoproliferative Neoplasie, definiert durch das Vorhandensein von Reed-Sternberg-Zellen. Es zeigt eine bimodale Altersverteilung (Gipfel bei 15-35 Jahren und >55 Jahren). Es macht etwa 10-15% aller Lymphome aus. Charakteristischerweise zeigt es eine zusammenhängende Ausbreitung entlang aufeinanderfolgender Lymphknotenstationen — diese Eigenschaft differenziert es vom Non-Hodgkin-Lymphom (NHL). Anteriore mediastinale (thymische) Beteiligung wird in 60-80% gesehen und ist eines der markantesten radiologischen Merkmale des HL. Zervikale und supraklavikuläre Lymphadenopathie ist der häufigste Befund bei Vorstellung. B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, >10% Gewichtsverlust) sind bei 30-40% der Patienten vorhanden und haben prognostische Bedeutung.
Altersbereich
15-35
Häufigkeitsalter
25
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Beim Hodgkin-Lymphom machen neoplastische Zellen (Reed-Sternberg- und Hodgkin-Zellen) nur 1-2% der gesamten Tumormasse aus; der Rest ist reaktives entzündliches Infiltrat (Lymphozyten, Eosinophile, Histiozyten, Plasmazellen). Diese reiche reaktive Mikroumgebung ist ein Grund für die intensive FDG-Aufnahme im PET-CT — sowohl neoplastische als auch reaktive Zellen sind metabolisch aktiv. Das zusammenhängende Ausbreitungsmuster resultiert aus der Tumorzellmigration entlang lymphatischer Kanäle zu aufeinanderfolgenden Stationen — unterschiedlich von hämatogener Ausbreitung und verschieden vom Skip-Muster des NHL. Die anteriore mediastinale Prädilektion entsteht dadurch, dass thymisches lymphoides Gewebe eine geeignete Mikroumgebung für Reed-Sternberg-Zellen bietet. Fibrose (besonders beim nodulär-sklerosierenden Typ) erzeugt Kollagenbänder und trägt zum nodulären anreichernden Masseerscheinungsbild in der CT bei.
Das charakteristischste Merkmal des Hodgkin-Lymphoms ist die sequenzielle Beteiligung zusammenhängender Lymphknotenstationen. Die Erkrankung breitet sich von einer Station zur benachbarten Station entlang lymphatischer Kanäle aus — Skip-Beteiligung ist selten. Dieses Merkmal wird am besten im PET-CT beurteilt und ist kritisch wichtig für die Differenzierung vom NHL.
Kontrast-CT zeigt homogene oder leicht heterogene anreichernde Masse im anterioren Mediastinum. Masse ist meist groß (>5 cm, manchmal >10 cm, 'Bulky Disease'). Zervikale, supraklavikuläre und axilläre Lymphknotenstationen sind zusammenhängend beteiligt. Knoten sind meist diskret, konglomerate Formation ist weniger prominent als beim NHL. Nekrose und Verkalkung sind vor Therapie selten. Perikard- und Pleuraerguss können begleiten.
Berichtssatz
Homogen anreichernde Weichteilmasse von ... × ... cm im anterioren Mediastinum mit zusammenhängendem Befall zervikaler und supraklavikulärer Lymphknotenstationen — vereinbar mit Hodgkin-Lymphom.
PET-CT zeigt sehr intensive FDG-Aufnahme — SUVmax meist 8-20 (Deauville-Score 4-5). Aufnahme wird in zusammenhängenden Knotenstationen beobachtet, die ein zusammenhängendes Ausbreitungsmuster zeigen. Mediastinale Masse und zervikale Knoten zeigen gleichzeitige intensive Aufnahme. Interim-PET-CT ist kritisch wichtig für die Therapieansprechen-Bewertung — Deauville 1-3 zeigt gutes Ansprechen, 4-5 zeigt inadäquates Ansprechen.
Berichtssatz
Intensive FDG-Aufnahme in anteriorer mediastinaler Masse und zusammenhängenden zervikalen-supraklavikulären Lymphknotenstationen (SUVmax: ..., Deauville: ...) — vereinbar mit Hodgkin-Lymphom.
Ultraschall zeigt runde/ovoide, homogen hypoechogene Lymphknoten. Zentrales echogenes Hilum ist verloren — lymphomatöse Infiltration hat hiläres Fett verdrängt. Kortikale Verdickung ist prominent und diffus. Kurzachsen/Längsachsen-Verhältnis >0,5 (Abrundung). Nekrose fehlt meist — homogene hypoechogene interne Struktur dominiert. Knoten ähnlicher Morphologie in mehreren Stationen.
Berichtssatz
Multiple runde, homogen hypoechogene Lymphknoten mit verlorenem zentralem Hilum in der zervikalen Region — vereinbar mit lymphoproliferativer Erkrankung.
Farbdoppler zeigt peripheres und/oder gemischtes Vaskularitätsmuster. Normale hiläre Vaskularität ist verloren, subkapsuläre und periphere vaskuläre Verzweigung dominiert. Vaskularität ist meist erhöht — Grad der Hypervaskularität korreliert mit Tumorlast. RI-Werte sind variabel (0,6-0,9). Power-Doppler zeigt irreguläre vaskuläre Verteilung.
Berichtssatz
Lymphknoten zeigen Verlust der hilären Vaskularität mit peripherem/gemischtem Vaskularitätsmuster — vereinbar mit maligner Lymphadenopathie.
Deutliche Diffusionsrestriktion auf DWI — helles Signal bei hohen b-Werten (b=800-1000). ADC-Werte meist 0,5-0,9 × 10⁻³ mm²/s — signifikant niedriger als reaktive Knoten (>1,0). Intermediär-hohe Signalintensität in T2-gewichteten Bildern. Homogene Anreicherung in Post-Kontrast-T1, Nekrose ist selten. Anteriore mediastinale Masse zeigt homogenes intermediäres Signal in T2.
Berichtssatz
Deutliche Diffusionsrestriktion in Lymphknoten auf DWI (ADC: ... × 10⁻³ mm²/s), vereinbar mit lymphoproliferativer Erkrankung.
Homogene Weichteildichte-Masse (40-60 HU) in der Nativ-CT. Nekrose oder Verkalkung selten vor Therapie. Anteriore mediastinale Masse hat meist symmetrische und lobulierte Kontur. Vaskuläre Strukturen können umhüllt, aber eher verdrängt als invadiert werden (unterschiedlich vom NHL). Pleura-/Perikarderguss kann begleiten.
Berichtssatz
Homogene Weichteildichte-Masse von ... × ... cm im anterioren Mediastinum, keine Nekrose oder Verkalkung nachgewiesen.
Kriterien
Häufigster Typ (60-70%). Lakunäre Zellen und dicke fibröse Bänder sind charakteristisch. Häufig bei jungen Frauen. Anteriore mediastinale Beteiligung >80%.
Unterscheidungsmerkmale
Lobuliert konturierte anteriore mediastinale Masse in der CT. Kann heterogen sein durch fibröse Bänder. Post-therapeutische residuale fibrotische Masse ist häufig — PET-Bewertung erforderlich.
Kriterien
Zweithäufigster Typ (20-25%). Klassische Reed-Sternberg-Zellen sind prominent. Häufiger bei Männern und höherem Alter. EBV-Assoziation >70%.
Unterscheidungsmerkmale
Periphere Lymphadenopathie dominiert, mediastinale Beteiligung ist weniger häufig als bei nodulärer Sklerose. Abdominelle und retroperitoneale Beteiligung ist prominenter. Intensive Aufnahme im PET.
Kriterien
Seltener Typ (5%). Wenige Reed-Sternberg-Zellen im reichlichen Lymphozytenhintergrund. Subtyp mit bester Prognose. Meist im Frühstadium diagnostiziert.
Unterscheidungsmerkmale
Peripher lokalisierte LAP, Bulky Disease ist selten. Kleine, wenige befallene Knoten in der CT. PET-Aufnahme kann weniger intensiv sein als bei anderen Typen.
Unterscheidungsmerkmal
NHL zeigt Skip-Beteiligungsmuster, häufige extranodale Beteiligung, Nekrose und heterogene Struktur — HL zeigt zusammenhängende Ausbreitung, homogene Struktur und anteriore mediastinale Prädilektion.
Unterscheidungsmerkmal
Sarkoidose zeigt bilaterale hiläre und mediastinale symmetrische LAP (Lambda-Zeichen), parenchymale Lungenbeteiligung (perilymphatische Noduli), Abwesenheit von Nekrose und meist niedrig-moderate FDG-Aufnahme — HL zeigt asymmetrische anteriore mediastinale Masse und sehr intensive FDG-Aufnahme.
Unterscheidungsmerkmal
Reaktive LAP zeigt ovale Form, erhaltenes echogenes Hilum, hiläre Vaskularität und <10 mm Kurzachse — HL zeigt runde Morphologie, Hilusverlust, periphere Vaskularität und große Größe.
Unterscheidungsmerkmal
TB-Lymphadenitis zeigt zentrale käsige Nekrose (Randanreicherung), nodales Matting, Verkalkung und klinische TB-Befunde (Fieber, Nachtschweiß, PPD-Positivität) — HL zeigt selten Nekrose, keine Verkalkung vor Therapie, und Knoten sind meist diskret.
Dringlichkeit
urgentManagement
medicalBiopsie
ErforderlichNachsorge
specialist-referralExzisionale Lymphknotenbiopsie ist bei Verdacht auf Hodgkin-Lymphom obligat — FNP ist unzureichend (Architekturbeurteilung erforderlich). Staging erfolgt mit Ann-Arbor/Lugano-System und PET-CT ist Standard-Bildgebung für Staging. Therapie ist Chemotherapie (ABVD) ± Strahlentherapie stadienabhängig. HL hat hohe Heilungsraten (85-90% Frühstadium, 70-80% fortgeschritten). Interim-PET-CT (nach 2 Zyklen) ist kritisch für die Therapieansprechen-Bewertung — Deauville-Scoring-System wird verwendet.
Das Hodgkin-Lymphom ist eine Malignität mit hoher Heilungsrate (80-90 % Langzeitüberleben). Ann-Arbor-Staging + Lugano-Modifikation wird verwendet. PET-CT ist der Goldstandard für Staging und Therapieansprechen. Die Behandlung besteht aus Chemotherapie (ABVD) ± Strahlentherapie. Der Deauville-Score bewertet das Therapieansprechen.