Die akute Epiglottitis ist eine akute Entzündung und ein Ödem der Epiglottis und supraglottischer Strukturen (aryepiglottische Falten, Arytenoide, Valleculae). Während Haemophilus influenzae Typ B vor der Impfung der häufigste Erreger bei Kindern war, wird sie heute überwiegend bei Erwachsenen durch verschiedene Pathogene (Streptococcus, Staphylococcus, Haemophilus non-typeable) verursacht. Sie kann rasch zu einer kompletten Atemwegsobstruktion fortschreiten — was ein notfallmäßiges Atemwegsmanagement erfordert. Das 'Thumb Sign' (verdickte Epiglottis) in der seitlichen Halsaufnahme ist der klassische Befund, während das kontrastmittelverstärkte CT der Goldstandard für Diagnose und Komplikationsbewertung ist.
Altersbereich
2-65
Häufigkeitsalter
45
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Die akute Epiglottitis beginnt, wenn bakterielle Pathogene die Epiglottisschleimhaut infizieren. Die Entzündungskaskade — Neutrophileninfiltration, Zytokinfreisetzung, erhöhte vaskuläre Permeabilität — erzeugt ein sich rasch ausbreitendes Ödem und eine Zellulitis in der Epiglottis und den umgebenden supraglottischen Strukturen. Die anatomische Struktur der Epiglottis macht diesen Prozess gefährlich: Da die Epiglottisschleimhaut fest am darunterliegenden Knorpel haftet, sammelt sich Ödemflüssigkeit an der lingualen Oberfläche, drückt die Epiglottis nach posterior-inferior und verengt das Atemwegslumen. Die aryepiglottischen Falten enthalten lockeres areolares Gewebe, sodass sich das Ödem dort sehr schnell ausbreitet. In fortgeschrittenen Fällen kann sich ein supraglottischer Abszess bilden — Verflüssigung tritt im nekrotischen Gewebe auf. In der Bildgebung: Ödem zeigt hohes Signal im T2, niedrige Dichte im CT; entzündliche Hyperämie erzeugt diffuse mukosale Anreicherung; bei Abszessentwicklung zentrale Hypodensität + Randanreicherungsmuster. Der Atemwegslumendurchmesser kann von normalen 5-7mm auf 2-3mm schrumpfen — kritische Atemwegskompromittierung.
Verlust der normalen dünnen Blattform der Epiglottis, die auf der seitlichen Halsaufnahme oder sagittaler CT-Reformation ein rundliches und verdicktes 'Daumen'-Erscheinungsbild annimmt. Während die normale Epiglottisdicke <3mm beträgt, erreicht sie bei Epiglottitis >7mm. Pathognomonischer Befund.
Im kontrastmittelverstärkten CT ist die Epiglottis auf das 2-3-fache ihrer normalen Größe verdickt und nimmt ein rundliches Erscheinungsbild an — das axiale und sagittale Korrelat des 'Thumb Sign' in der seitlichen Aufnahme. Während die normale Epiglottis in sagittalen Schnitten als dünnes Blatt (2-3mm) erscheint, verdickt sie sich bei Entzündung auf 7-10mm. Die Epiglottisschleimhaut zeigt eine diffuse Anreicherung (entzündliche Hyperämie). Aufgrund des Ödems zeigt das Epiglottisparenchym niedrige Dichte. Die sagittale Reformation zeigt die Epiglottisdicke und das Atemwegslumen am besten.
Berichtssatz
Die Epiglottis ist deutlich verdickt und misst ca. __ mm (Thumb Sign). Die aryepiglottischen Falten sind ödematös und verdickt. Das supraglottische Atemwegslumen ist verengt (Atemwegsdurchmesser ca. __ mm). Diffuse mukosale Anreicherung ist sichtbar. Die Befunde sind vereinbar mit einer akuten Epiglottitis.
Die aryepiglottischen Falten sind bilateral verdickt und ödematös, mit diffuser niedrigdichter Weichteilschwellung. Die Valleculae können flüssigkeitsgefüllt oder obliteriert sein. Reaktives Ödem kann auch im prävertebralen Weichteilgewebe sichtbar sein. Die oropharyngeale und hypopharyngeale Mukosa kann ebenfalls ödematös und verdickt sein (ausgebreitete Supraglottitis).
Berichtssatz
Die aryepiglottischen Falten sind bilateral verdickt und ödematös. Die Valleculae erscheinen [obliteriert/flüssigkeitsgefüllt]. Die Befunde sind vereinbar mit einer Supraglottitis.
In komplizierten Fällen zeigt sich eine niedrigdichte Kollektion + Randanreicherung innerhalb oder um die Epiglottis oder aryepiglottischen Falten — supraglottische Abszessbildung. Im Gegensatz zur Zellulitis enthält der Abszess eine gut begrenzte Flüssigkeitskollektion. Gasblasen deuten auf eine anaerobe Infektion hin. Die Ausdehnung des Abszesses in den paraglottischen Raum, das prä-epiglottische Fettgewebe oder den retropharyngealen Raum sollte beurteilt werden.
Berichtssatz
Eine __ x __ mm große, randanreichernde hypodense Kollektion zeigt sich auf Höhe der Epiglottis/aryepiglottischen Falte, vereinbar mit supraglottischer Abszessbildung. Gasblasen [sind vorhanden/sind nicht nachweisbar].
Deutlich erhöhtes Signal zeigt sich in der Epiglottis und den aryepiglottischen Falten in T2-gewichteten und STIR-Sequenzen — der freie Wassergehalt der Ödemflüssigkeit erzeugt hohes T2-Signal. Fettunterdrückung in STIR macht das Ödemsignal auffälliger. Aufgrund des lockeren Gewebes in den aryepiglottischen Falten wird das Ödem im MRT sehr gut dargestellt. Leicht hypointenses oder isointenses Erscheinungsbild im T1.
Berichtssatz
Deutlich erhöhtes Signal zeigt sich in der Epiglottis und den aryepiglottischen Falten in T2/STIR-Sequenzen. Die supraglottischen Strukturen sind ödematös und verdickt. Die Befunde sind vereinbar mit einer akuten Epiglottitis/Supraglottitis.
In der seitlichen Halsaufnahme hat sich die Epiglottis von ihrer normalen dünnen Blattform in eine runde, verdickte 'Daumen'-Form verwandelt — das klassische 'Thumb Sign'. Während die normale Epiglottisdicke unter 3mm liegt, übersteigt sie bei Epiglottitis 7mm. Die aryepiglottischen Falten sind ebenfalls verdickt und die Valleculae können obliteriert sein. Die Atemwegslumenbreite sollte in der seitlichen Aufnahme beurteilt werden.
Berichtssatz
In der seitlichen Halsaufnahme ist die Epiglottis deutlich verdickt mit positivem 'Thumb Sign'. Der supraglottische Atemweg ist verengt. Vereinbar mit akuter Epiglottitis; weitere Abklärung mit kontrastmittelverstärktem CT wird empfohlen.
Kriterien
Diffuses Ödem und Anreicherung, keine Flüssigkeitskollektion
Unterscheidungsmerkmale
Diffuse niedrigdichte Schwellung und mukosale Anreicherung im CT, keine fokale Kollektion oder Randanreicherung. Häufigste Form. Spricht in der Regel adäquat auf Antibiotikatherapie an.
Kriterien
Fokale hypodense Kollektion + Randanreicherung innerhalb der Epiglottis oder aryepiglottischen Falte
Unterscheidungsmerkmale
Kann chirurgische Drainage erfordern. Gasblasen deuten auf anaerobe Infektion hin. Höheres Komplikationsrisiko.
Kriterien
Alter 2-7 Jahre, ungeimpft, rascher Verlauf, schwere Atemwegskompromittierung
Unterscheidungsmerkmale
Nach Impfung dramatisch zurückgegangen. Fulminanterer Verlauf, schnelles Obstruktionsrisiko aufgrund des kleinen Durchmessers der kindlichen Atemwege. Bildgebung erfolgt in der Regel nach Sicherung der Atemwege.
Unterscheidungsmerkmal
Retropharyngealabszess ist im retropharyngealen Raum lokalisiert; bei Epiglottitis sind supraglottische Strukturen betroffen. Epiglottis ist beim Retropharyngealabszess normal.
Unterscheidungsmerkmal
Beim Larynxtrauma sind Knorpelfraktur, Emphysem und Hämatom sichtbar. Bei Epiglottitis kein Knorpelschaden; entzündliches Ödem steht im Vordergrund.
Unterscheidungsmerkmal
Reinke-Ödem liegt auf Stimmlippenebene; Epiglottis und supraglottische Strukturen sind normal. Bei Epiglottitis sind die Stimmlippen meist verschont.
Dringlichkeit
emergentManagement
medicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDie akute Epiglottitis ist ein Atemwegsnotfall. Atemwegssicherung ist die dringendste Priorität — Intubation oder Tracheotomie in kontrollierter Umgebung kann erforderlich sein. IV-Antibiotikatherapie (Cephalosporin der 3. Generation + Anti-Staphylokokken) wird sofort begonnen. Chirurgische Drainage kann bei Abszess-Komplikation erforderlich sein. Steroidtherapie ist umstritten, wird aber in einigen Zentren zur Reduktion des Atemwegsödems eingesetzt.
Die akute Epiglottitis ist ein Atemwegsnotfall. Eine schnelle Atemwegssicherung ist erforderlich (Intubation oder Tracheotomie). Eine IV-Antibiotikatherapie wird eingeleitet. Bei Abszess-Komplikation kann eine chirurgische Drainage erforderlich sein.