Der Retropharyngealabszess ist eine eitrige Ansammlung im retropharyngealen Raum (zwischen der bukkopharyngealen Faszie und der Alar-Faszie). Bei Kindern (<5 Jahre) ist die Vereiterung retropharyngealer Lymphknoten (Rouvière-Knoten — Knoten, die Nasopharynx, Nasennebenhöhlen und Mittelohrentzündungen drainieren) die häufigste Ursache; da diese Knoten bis zum Alter von 5-6 Jahren atrophieren, stehen bei Erwachsenen andere Mechanismen im Vordergrund (penetrierendes Trauma, Fremdkörperingestion, dentale Infektionsausbreitung, vertebrale Osteomyelitis). Im CT zeigt sich eine retropharyngeale hypodense Kollektion + Randanreicherung + prävertebrales Ödem. Die Ausbreitung ins Mediastinum über den Danger Space (zwischen Alar-Faszie und prävertebraler Faszie) stellt eine lebensbedrohliche Gefahr dar — posteriores Mediastinum kann bis T4-Wirbel, anteriores Mediastinum bis zum Diaphragma reichen.
Altersbereich
0-65
Häufigkeitsalter
4
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Die Retropharyngealabszessbildung zeigt eine altersabhängig unterschiedliche Pathogenese. Bei Kindern: Obere Atemwegsinfektion (Nasopharyngitis, Otitis media, Sinusitis) → lymphatische Ausbreitung zu retropharyngealen Lymphknoten (Rouvière) → suppurative Lymphadenitis → nodale Nekrose und Abszessbildung. Rouvière-Knoten befinden sich auf C1-C3-Wirbelebene und atrophieren bis zum Alter von 5-6 Jahren — daher viel häufiger bei Kindern. Bei Erwachsenen: Penetrierendes Trauma (Fischgräte, Endoskopie), Fremdkörper, dentale/peritonsilläre Abszessausbreitung, vertebrale Osteomyelitis/Diszitis (posteriorer Weg) oder IV-Drogenkonsum. Bei der Abszessbildung verursachen Bakterien (Streptococcus, Staphylococcus, Anaerobier) Gewebsnekrose und Eiterbildung. Im CT: Das nekrotische Zentrum ist avaskulär, zeigt niedrige Dichte und keine Anreicherung; umgebendes Granulationsgewebe enthält Neovaskularisation und erzeugt Randanreicherung. Prävertebrales Weichteilödem (>7mm auf C2-Höhe, >14mm auf C6-Höhe ist pathologisch) zeigt das Ausmaß des Entzündungsprozesses. Kritische anatomische Beziehung: Der retropharyngeale Raum kommuniziert über den 'Danger Space' mit dem posterioren Mediastinum (bis T4) und anterioren Mediastinum (bis Diaphragma) — Infektionsausbreitung in diese potentiellen Räume erhöht dramatisch das Mediastinitis- und Mortalitätsrisiko.
Randanreichernde hypodense Kollektion im retropharyngealen Raum im Kontrast-CT. Enthält im Gegensatz zur Zellulitis eine gut begrenzte Flüssigkeitskollektion. Goldstandardbefund für Abszessdiagnose.
Im kontrastmittelverstärkten CT eine hypodense Flüssigkeitskollektion + Randanreicherung (ringförmig) im retropharyngealen Raum (anterior der prävertebralen Muskulatur, posterior der pharyngealen Konstriktoren). Kollektion ist meist median oder leicht paramedian. Innere Dichte 0-25 HU (eitrige Flüssigkeit). Wanddicke kann irregulär sein. Gasblasen deuten auf anaerobe Infektion hin. Zellulitis-Unterscheidung ist wichtig: keine Kollektion bei Zellulitis, nur diffuses Ödem und Stranding.
Berichtssatz
Eine __ x __ mm große, randanreichernde hypodense Kollektion zeigt sich im retropharyngealen Raum. Die innere Dichte beträgt ca. __ HU, vereinbar mit eitriger Kollektion. Gasblasen [sind vorhanden/sind nicht nachweisbar]. Die Befunde sind vereinbar mit einem Retropharyngealabszess.
Das prävertebrale Weichteilgewebe ist verdickt mit Ödem und Fat-Stranding. Normale prävertebrale Weichteildicke: <7mm auf C2-Höhe, <14mm auf C6-Höhe (dünner bei Kindern). Überschreitung dieser Werte gilt als pathologisch. Ödem und Stranding zeigen die Ausbreitung des Entzündungsprozesses in den prävertebralen Raum. Osteomyelitis/Diszitis-Befunde an Wirbelkörpern und Bandscheiben sollten gesucht werden (bei Erwachsenenfällen).
Berichtssatz
Das prävertebrale Weichteilgewebe misst __ mm auf C2-Höhe, __ mm auf C6-Höhe (überschreitet pathologische Grenzen). Fat-Stranding und Ödem sind sichtbar.
Der Retropharyngealabszess kann sich über den Danger Space ins Mediastinum ausbreiten — in diesem Fall zeigen sich posteriore mediastinale Kollektion, mediastinale Verbreiterung und Fat-Stranding im Thorax-CT. Mediastinale Ausbreitung erhöht die Mortalität auf bis zu 50%. Thorax-CT sollte routinemäßig bei Retropharyngealabszess-Fällen durchgeführt werden. Pneumomediastinum kann als zusätzlicher Befund begleiten.
Berichtssatz
Die retropharyngeale Kollektion zeigt mediastinale Ausbreitung über den Danger Space. Posteriore mediastinale Kollektion ist sichtbar. Mediastinales Fat-Stranding ist vorhanden. NOTFALLMÄSSIGE chirurgische Beurteilung wird empfohlen.
Die retropharyngeale Kollektion zeigt ausgeprägte Diffusionsrestriktion im DWI — hohes DWI-Signal und niedrige ADC-Werte. Diffusionsrestriktion spiegelt die hohe Viskosität und den zellulären Gehalt des eitrigen Materials wider. Dieser Befund ist sehr hilfreich bei der Unterscheidung von Abszess und reaktivem Erguss/Ödem.
Berichtssatz
Ausgeprägte Diffusionsrestriktion zeigt sich in der retropharyngealen Kollektion im DWI (hohes DWI-Signal, niedriger ADC). Dieser Befund ist vereinbar mit eitrigem Inhalt und Abszessbildung.
Die retropharyngeale Kollektion verlagert den Atemweg nach anterior (Masseneffekt). Das oropharyngeale oder hypopharyngeale Lumen kann verengt sein. In schweren Fällen kann sich eine Atemwegskompromittierung entwickeln. Die Messung des Atemwegsdurchmessers ist kritisch für Entscheidungen zum Notfall-Atemwegsmanagement.
Berichtssatz
Die retropharyngeale Kollektion verlagert den Atemweg nach anterior. Das [oropharyngeale/hypopharyngeale] Lumen ist verengt mit einem Restdurchmesser von ca. __ mm. Atemwegskompromittierung [ist vorhanden/besteht Risiko/ist nicht erkennbar].
Kriterien
<5 Jahre, obere Atemwegsinfektion in der Anamnese, auf C1-C3-Höhe
Unterscheidungsmerkmale
Transorale Drainage meist ausreichend. Bessere Prognose. Suppurativer Lymphknoten kann sichtbar sein.
Kriterien
Anamnese von penetrierendem Trauma, Fremdkörper, dentaler Infektion oder vertebraler Osteomyelitis
Unterscheidungsmerkmale
Ätiologie sollte untersucht werden (Fremdkörper, vertebrale Infektion). Höheres Risiko mediastinaler Ausdehnung. Chirurgische Drainage meist notwendig.
Kriterien
Ausbreitung ins Mediastinum über Danger Space, posteriore mediastinale Kollektion im Thorax-CT
Unterscheidungsmerkmale
Mortalität kann bis zu 50% erreichen. Erfordert notfallmäßige Thoraxchirurgie. Mediastinitis-Behandlung umfasst aggressives Debridement + prolongierte Antibiotika.
Unterscheidungsmerkmal
Epiglottitis betrifft supraglottische Strukturen; beim Retropharyngealabszess ist die Epiglottis normal, Kollektion im retropharyngealen Raum.
Unterscheidungsmerkmal
Knorpelfraktur + Emphysem beim Trauma; randanreichernde Kollektion + Fieber beim Abszess.
Unterscheidungsmerkmal
Stenose ist chronisch, subglottisch, konzentrische Verengung; Abszess ist akut, Kollektion im retropharyngealen Raum.
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDer Retropharyngealabszess ist ein Atemwegs- und Mediastinitis-Notfall. IV-Breitbandantibiotika werden sofort begonnen. Chirurgische Drainage ist bei Abszessdiagnose erforderlich (transoraler oder externer Zugang). Bei mediastinaler Ausdehnung wird eine notfallmäßige Thoraxchirurgie durchgeführt. Bei Kindern ist transorale Drainage meist ausreichend; bei Erwachsenen kann ein externer Zugang bevorzugt werden. Die Ätiologie sollte untersucht werden (Fremdkörper, vertebrale Infektion).
Der Retropharyngealabszess ist ein Atemwegsnotfall. IV-Antibiotika + chirurgische Drainage bilden die Behandlungsgrundlage. Mediastinale Ausbreitung (über den Danger Space) erhöht die Mortalität dramatisch — erfordert eine notfallmäßige Thoraxchirurgie. Bei Kindern ist eine transorale Drainage in der Regel ausreichend.