Das Reinke-Ödem (polypoide Corditis) ist eine bilaterale, diffuse polypoide Schwellung, die sich durch Ansammlung polysaccharidreicher gelatinöser Flüssigkeit im Reinke-Raum (oberflächliche Schicht der Lamina propria — lockeres Bindegewebe zwischen dem Stimmband und dem Epithel) der Stimmlippen entwickelt. Der stärkste Risikofaktor ist Rauchen (Raucheranamnese bei 97% der Patienten). Stimmliche Überbelastung und GERD sind weitere Auslöser. Präsentiert sich mit Stimmvertiefung und Dysphonie. In fortgeschrittenen Fällen kann die polypoide Schwellung das Atemwegslumen verengen. In der Bildgebung ist eine glatt begrenzte, nicht anreichernde, bilaterale Stimmlippenschwellung charakteristisch.
Altersbereich
40-70
Häufigkeitsalter
55
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Häufig
Der Reinke-Raum ist die lockere Bindegewebsschicht direkt unter dem Stimmlippenepithel. Dieser Raum enthält normalerweise geringe Mengen an Mukopolysacchariden und Hyaluronsäure. Toxische Substanzen im Zigarettenrauch (Acrolein, Formaldehyd) schädigen das vaskuläre Endothel im Reinke-Raum — die Kapillarpermeabilität steigt und Plasmaproteine extravasieren. Die chronische Entzündungsreaktion löst eine Fibroblastenaktivierung aus — es kommt zur übermäßigen Mukopolysaccharidproduktion. Dieses gelatinöse Material sammelt sich im Reinke-Raum an und schwellt die Stimmlippen diffus an. Die Bilateralität spiegelt die gleiche Exposition beider Stimmlippen gegenüber Zigarettenrauch wider. In der Bildgebung: Flüssigkeitsansammlung erzeugt hohes Signal im T2 (freies Wasser); minimale oder keine Anreicherung aufgrund vaskulärer Schädigung (vermindertes fibrovaskuläres Gewebe); glatte Begrenzung zeigt Fehlen von Gewebsinvasion an — das kritischste Unterscheidungsmerkmal vom PEK. Niedrige Dichte im CT resultiert aus der wassernahen Dichte der Ödemflüssigkeit.
Diffuse, symmetrische polypoide Schwellung im Reinke-Raum beider Stimmlippen. Niedrige Dichte, keine Anreicherung, glatte Ränder — pathognomonische Unterscheidung vom PEK.
Im kontrastmittelverstärkten CT sind die bilateralen Stimmlippen diffus verdickt mit polypoidem Erscheinungsbild. Die verdickten Stimmlippen zeigen niedrige Dichte (Ödemflüssigkeit, 15-30 HU). Keine oder minimale Anreicherung. Die Ränder sind glatt, können lobuliert aber nicht infiltrativ sein. Das glottische Atemwegslumen kann durch bilaterale Schwellung verengt sein. Wichtig: keine Erosion oder Invasion des Schild- und Ringknorpels — kritisch für den PEK-Ausschluss.
Berichtssatz
Die bilateralen Stimmlippen sind diffus verdickt mit polypoidem Erscheinungsbild (Dicke jeder Stimmlippe ca. __ mm). Keine Anreicherung sichtbar. Die Ränder sind glatt. Keine Knorpelerosion oder -invasion vorhanden. Das glottische Atemwegslumen ist [erhalten/verengt]. Die Befunde sind vereinbar mit einem Reinke-Ödem (polypoide Corditis).
Ausgeprägte, homogene Hyperintensität zeigt sich in den bilateralen Stimmlippen in MRT-T2-gewichteten Sequenzen. Das Signal wird mit Fettunterdrückung im STIR noch auffälliger. Während normale Stimmlippen im T2 niedriges bis intermediäres Signal zeigen, erzeugt das Reinke-Ödem eine dramatische Signalerhöhung. Keine oder minimale Anreicherung in postkontrastmittelverstärkten Sequenzen.
Berichtssatz
Ausgeprägte homogene Hyperintensität zeigt sich in den bilateralen Stimmlippen in den MRT-T2-Sequenzen. Keine Anreicherung in den postkontrastmittelverstärkten Sequenzen sichtbar. Die Befunde sind vereinbar mit einem Reinke-Ödem.
Im nativen CT sind die bilateralen Stimmlippen symmetrisch verdickt mit glatten äußeren Konturen. Niedrige Dichte (nahe Wasserdichte). Kritischer Negativbefund: keine Erosion, Sklerose oder Invasion des Schildknorpels, Ringknorpels und Arytenoidknorpels. Paraglottische Fettebenen sind erhalten. Diese Negativbefunde schließen ein PEK stark aus.
Berichtssatz
Glatt begrenzte, niedrigdichte polypoide Verdickung zeigt sich in den bilateralen Stimmlippen. Keine Erosion oder Invasion des Schild- und Ringknorpels identifiziert. Paraglottische Fettebenen sind erhalten. Keine Befunde sprechen für ein PEK.
Das Reinke-Ödem zeigt keine Diffusionsrestriktion im DWI — ADC-Werte sind hoch. Die Diffusionsbewegung der freien Ödemflüssigkeit ist uneingeschränkt. Dies ist ein zusätzlicher hilfreicher Befund zur Unterscheidung vom PEK: Diffusionsrestriktion wird beim PEK aufgrund hoher Zellularität erwartet.
Berichtssatz
Keine Diffusionsrestriktion in den Stimmlippenläsionen im DWI sichtbar. ADC-Werte sind hoch. Keine Befunde sprechen für Malignität.
In der transzervikalen Sonografie sind die bilateralen Stimmlippen diffus verdickt und hypoechogen. Ödemflüssigkeit verursacht niedrige Echogenität. Die Ränder sind glatt. Die Vaskularisation ist minimal oder fehlend im Doppler (aufgrund vaskulärer Schädigung). US kann die Stimmlippenmobilität dynamisch beurteilen — bilaterale Stimmlippenbewegung ist beim Reinke-Ödem meist erhalten.
Berichtssatz
Im transzervikalen US sind die bilateralen Stimmlippen diffus verdickt und hypoechogen. Die Vaskularisation ist minimal/fehlend im Doppler. Die Stimmlippenmobilität ist [erhalten/eingeschränkt].
Kriterien
Minimale polypoide Schwellung, ohne Atemwegsverengung
Unterscheidungsmerkmale
Kann sich mit Raucherentwöhnung und Stimmtherapie zurückbilden. Leichte Stimmlippenverdickung in der Bildgebung.
Kriterien
Signifikante polypoide Schwellung, kann Atemweg verengen, kann zwischen die Stimmlippen prolabieren
Unterscheidungsmerkmale
Erfordert chirurgische Behandlung (mikrolaryngoskopische Exzision). Atemwegskompromittierung möglich.
Kriterien
Einseitige Beteiligung — selten, erfordert PEK-Ausschluss
Unterscheidungsmerkmale
Bei einseitiger Beteiligung muss ein PEK durch Biopsie ausgeschlossen werden. Glatte Ränder und fehlende Anreicherung sprechen für benigne.
Unterscheidungsmerkmal
Granulom ist fokal, am Processus vocalis; Reinke-Ödem ist diffus, bilaterale Stimmbandbeteiligung.
Unterscheidungsmerkmal
Subglottische Stenose liegt auf Ringknorpelebene; Reinke-Ödem auf glottischer Ebene (Stimmlippen).
Unterscheidungsmerkmal
Epiglottitis ist supraglottisch (Epiglottis); Reinke-Ödem ist glottisch (Stimmlippen). Epiglottitis hat Fieber und akute Präsentation.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
6-monthPrimärtherapie ist Raucherentwöhnung, Stimmtherapie und GERD-Kontrolle. In fortgeschrittenen Fällen (Atemwegskompromittierung, schwere Stimmstörung) wird mikrolaryngoskopische Chirurgie (Aspiration des gelatinösen Materials aus dem Reinke-Raum) durchgeführt. Die Prognose ist exzellent ohne Risiko maligner Transformation. Nachsorge bezüglich PEK wird jedoch aufgrund des Rauchens empfohlen.
Die Behandlung umfasst Raucherentwöhnung, Stimmtherapie und GERD-Kontrolle. In fortgeschrittenen Fällen kann eine chirurgische Exzision (Mikrolaryngoskopie) erforderlich sein. Die Prognose ist exzellent. Kein Risiko einer malignen Transformation, aber PEK-Überwachung wird wegen des Rauchens empfohlen.