Die hypopharyngeale Retentionszyste ist eine benigne zystische Läsion, die durch Obstruktion der Ausführungsgänge kleiner Speicheldrüsen (seromucinöse Drüsen) in der Pharynx- und Larynxschleimhaut entsteht. Sie tritt am häufigsten in der Vallecula (zwischen Zungenbasis und Epiglottis), an der epiglottischen Oberfläche (lingual oder laryngeal), im Recessus piriformis und in den aryepiglottischen Falten auf. In der radiologischen Bildgebung erscheint sie als glatt begrenzte, nicht-enhancende, flüssigkeitsdichte (CT) oder T2-hyperintense (MRT) zystische Läsion. Die inzidentelle Detektionsrate ist hoch; die meisten haben keine klinische Bedeutung. Große Vallekulazysten können jedoch bei Neugeborenen und Säuglingen eine Atemwegsobstruktion verursachen — möglicherweise eine Notintubation und chirurgische Intervention erfordern.
Altersbereich
20-80
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Häufig
Retentionszysten resultieren aus Gangobstruktion kleiner Speicheldrüsen (seromucinöse Drüsen), die in der Pharynx- und Larynxschleimhaut weit verbreitet sind. Diese Drüsen produzieren kontinuierlich Flüssigkeit (seröse und muzinöse Sekretionen); Gangobstruktion (chronische Inflammation, Trauma, vorherige Chirurgie/Intubation) verhindert die Drainage und Sekretionen akkumulieren im Drüsenlumen. Steigender intraluminaler Druck führt zur Zystenbildung. Die Zystenwand ist von Drüsenepithel (Drüsengangepithel) ausgekleidet — dieses Merkmal unterscheidet Retentionszysten von anderen Zystentypen (Epidermoid, Dermoid, Branchial). Zysteninhalt ist klare seröse oder geleeartige muzinöse Flüssigkeit; niedrige Dichte in der CT (0-20 HU) und hohes T2-Signal in der MRT reflektieren diesen Flüssigkeitsinhalt. Die Zystenwand enthält dünnes fibröses Gewebe und ist nicht vaskularisiert — kein Enhancement wird erwartet. Zysten wachsen langsam und invadieren nicht das umgebende Gewebe; große Zysten können benachbarte Strukturen mechanisch verdrängen. Vallekulazysten sind bei Neugeborenen besonders gefährlich, da der Säuglings-Atemweg klein ist und selbst eine kleine Zyste eine signifikante Obstruktion verursachen kann. Bei Erwachsenen sind die meisten Zysten inzidentell und ohne klinische Bedeutung.
Eine glatt begrenzte, nicht-enhancende, deutlich T2-hyperintense zystische Läsion in der Vallecula oder Epiglottis ist der Signaturbefund der Retentionszyste. Fehlen von DWI-Restriktion schließt Epidermoidzyste aus, und fehlendes Enhancement schließt solide Tumoren aus.
Die native CT zeigt eine glatt begrenzte, runde/ovale, flüssigkeitsdichte (0-20 HU) hypodense zystische Läsion in der Vallecula, Epiglottis oder im Recessus piriformis. Die Zystenwand ist dünn ohne distinkte Wandverdickung. Keine interne Septierung, Kalzifikation oder solide Komponente vorhanden. Umgebende Schleimhaut und knöcherne Strukturen sind normal — keine Invasion oder Destruktion wird erwartet. In kontrastmittelverstärkten Serien zeigt die Zyste kein Enhancement; selbst dünnes Randenhancement fehlt (wenn nicht infiziert).
Berichtssatz
Eine glatt begrenzte, nicht-enhancende, flüssigkeitsdichte zystische Läsion wird in der linken Vallecula gesehen, vereinbar mit einer Retentionszyste; als Zufallsbefund bewertet.
In T2-gewichteten MRT-Sequenzen zeigt die Retentionszyste ein deutlich hyperintenses (helles) Signal — aufgrund des Flüssigkeitsinhalts deutlich vom umgebenden Weichgewebe getrennt. Die Zyste zeigt homogenes Signal; keine interne Septierung oder solide Komponente. Die Zystenwand kann als dünne signalarme Linie in T2 sichtbar sein. In T1 ist die Zyste meist hypointens (seröse Flüssigkeit); proteinreiche Flüssigkeit kann milde T1-Hyperintensität zeigen. Kein Enhancement vorhanden. Keine Diffusionsrestriktion im DWI erwartet — dieses Merkmal unterscheidet von Epidermoidzyste.
Berichtssatz
Eine zystische Läsion, deutlich hyperintens in T2, hypointens in T1, ohne Enhancement oder DWI-Restriktion wird an der lingualen Oberfläche der Epiglottis gesehen, vereinbar mit einer Retentionszyste.
Im transzervikalen oder intraoralen US erscheint die Retentionszyste als anechogene, glatt begrenzte zystische Läsion. Sie zeigt posteriore akustische Verstärkung — ein charakteristischer US-Befund zystischer Strukturen. Keine interne Echogenität, solide Komponente oder Septen vorhanden. Keine Vaskularisation im Doppler detektiert. US ist besonders nützlich bei der Bewertung von Vallecula- und Epiglottiszysten.
Berichtssatz
Im transzervikalen US zeigt sich eine anechogene, glatt begrenzte zystische Läsion in der Vallecula-Region mit posteriorer akustischer Verstärkung; vereinbar mit einer Retentionszyste.
Die Retentionszyste zeigt keine Diffusionsrestriktion im DWI — ADC-Werte liegen im hohen Bereich vereinbar mit freiem Wasser (>2,0×10⁻³ mm²/s). Dieses Merkmal unterscheidet von der Epidermoidzyste; Epidermoidzysten zeigen Diffusionsrestriktion und hohes Signal im DWI aufgrund von Keratindebris. DWI-Differenzierung ist besonders klinisch wichtig für Zysten in der Vallecula und Epiglottis.
Berichtssatz
Die zystische Läsion zeigt keine Diffusionsrestriktion im DWI mit ADC-Werten im hohen Bereich; Epidermoidzyste wurde ausgeschlossen, vereinbar mit Retentionszyste.
Kriterien
In der Vallecula (zwischen Zungenbasis und Epiglottis) lokalisiert
Unterscheidungsmerkmale
Häufigste Lokalisation; Atemwegsobstruktionsrisiko bei Neugeborenen; meist inzidentell bei Erwachsenen
Kriterien
An der epiglottischen Oberfläche (lingual oder laryngeal) lokalisiert
Unterscheidungsmerkmale
An der laryngealen Oberfläche kann Atemweg verengt werden; an der lingualen Oberfläche meist asymptomatisch
Kriterien
Im Recessus piriformis lokalisiert
Unterscheidungsmerkmale
Kann Dysphagiesymptome verursachen; Differentialdiagnose mit SCC ist wichtig
Unterscheidungsmerkmal
SCC solide Raumforderung, heterogenes Enhancement, invasive Ränder; Zyste nicht-enhancende Flüssigkeitsläsion, glatte Grenzen
Unterscheidungsmerkmal
Zenker retropharyngealer Luft-Flüssigkeitsspiegel, mit posteriorer Wand verbunden; Retentionszyste intraluminal, kein Luftinhalt
Unterscheidungsmerkmal
Abszess Randenhancement, Fieber, akute Präsentation; Zyste kein Enhancement, asymptomatisch
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
no-follow-upHypopharyngeale Retentionszysten sind meist Zufallsbefunde, die keine Behandlung erfordern. Symptomatische Zysten (Dysphagie, Globusgefühl) werden mit endoskopischer Marsupialisation behandelt. Bei Neugeborenen können große Vallekulazysten eine NOTFALL-Atemwegintervention erfordern — pädiatrische HNO-Konsultation ist obligat.
Hypopharyngeale Retentionszysten sind meist Zufallsbefunde, die keine Behandlung erfordern. Große Vallekulazysten können bei Neugeborenen eine Atemwegsobstruktion verursachen (neonataler Stridor). Bei Erwachsenen werden symptomatische Zysten mit endoskopischer Marsupialisation behandelt.