Das Plazenta-Akreta-Spektrum (PAS) beschreibt eine Gruppe von Pathologien mit abnormaler Adhärenz oder Invasion der Plazenta ins Myometrium. Drei Grade existieren: Akreta (fehlende Decidua basalis, Zotten an Myometriumoberfläche adhärent), Inkreta (Zotten invadieren das Myometrium), Perkreta (Zotten erreichen die Serosa und Nachbarorgane — insbesondere die Blase). Die Inzidenz steigt parallel zu steigenden Kaiserschnittraten (~1/533 Geburten). Der wichtigste Risikofaktor ist die Kombination Placenta praevia + vorheriger Kaiserschnitt. Die pränatale Diagnose ist kritisch zur Vermeidung massiver Hämorrhagien — multidisziplinäre Planung reduziert die Mortalität von 40% auf <5%.
Altersbereich
20-45
Häufigkeitsalter
35
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Sehr selten
Der grundlegende Mechanismus des PAS ist eine fehlende oder defekte Decidua basalis. Bei normaler Schwangerschaft bildet die Decidua basalis eine natürliche Barriere. Trauma durch vorherige Kaiserschnittnarbe, Kürettage oder Uteruschirurgie schädigt diese Schicht → Fibrose und inadäquate Dezidualisierung ermöglichen direkten Trophoblast-Myometrium-Kontakt → abnormale Invasion. Im Ultraschall manifestiert sich dies als myometriale Ausdünnung, plazentare Lakunen und Verlust des retroplazentaren 'Clear Space'. Lakunen enthalten turbulenten Blutfluss. Im MRT erzeugt invasives Trophoblastengewebe T2-hypointense Bänder im Myometrium — eine Mischung aus Fibrose, Hämosiderin und desmoplastischer Reaktion. Bei Perkreta erreicht das Gewebe die Blasenwand.
Kombination aus multiplen irregulären vaskulären Lakunen ('Schweizer Käse') in der Plazenta und Verlust des retroplazentaren Clear Space — die zuverlässigste sonographische Befundkombination für die PAS-Diagnose.
Irreguläre, multiple vaskuläre Räume (Lakunen) werden in der Plazenta dargestellt — 'Schweizer-Käse'- oder 'mottenfraßartige' Erscheinung. Lakunen repräsentieren abnormal erweiterte vaskuläre Areale. Zunehmende Anzahl korreliert mit höherer Akreta-Wahrscheinlichkeit.
Berichtssatz
Multiple irreguläre vaskuläre Lakunen werden in der Plazenta dargestellt mit 'Schweizer-Käse'-Erscheinung, vereinbar mit Plazenta-Akreta-Spektrum.
Bei normaler Schwangerschaft wird ein hypoechogener retroplazentarer 'Clear Space' (Dezidualzone und dilatierte myometriale Venen) zwischen Plazenta und Myometrium dargestellt. Beim PAS geht dieser Raum verloren — die Plazenta haftet direkt am Myometrium. Die Erkennung dieses Verlusts, besonders an der Blasen-Uterus-Grenzfläche, hat hohe Sensitivität für die Akreta-Diagnose.
Berichtssatz
Ein Verlust des retroplazentaren 'Clear Space' wird im unteren Uterinsegment festgestellt, verdächtig auf Plazenta-Akreta-Spektrum.
Im Farbdoppler zeigt sich hochgeschwindigkeitsturbulenter Fluss in den Lakunen — Mosaikmuster (Color-Aliasing). Vaskuläre Brücken zwischen Lakunen, das Myometrium durchquerende Gefäße und abnormale Vaskularität zur Zervix können dargestellt werden.
Berichtssatz
Im Farbdoppler zeigt sich hochgeschwindigkeitsturbulenter Fluss (Mosaikmuster) in den plazentaren Lakunen, vereinbar mit Plazenta-Akreta-Spektrum.
Irreguläre hypointense Bänder werden in der Plazenta in T2-gewichteten MRT-Bildern dargestellt. Diese Bänder repräsentieren Fibrose, Hämosiderinablagerung und desmoplastische Reaktion durch invasives Trophoblastengewebe im Myometrium. Banddicke und -ausmaß korrelieren mit der Invasionstiefe.
Berichtssatz
Irreguläre hypointense Bänder werden in der Plazenta in T2-gewichteten MRT-Bildern dargestellt, hinweisend auf invasives Trophoblastengewebe vereinbar mit Plazenta-Akreta-Spektrum.
In T2-gewichteten MRT-Bildern ist das Myometrium an der Plazenta-Blasen-Grenzfläche extrem ausgedünnt (<1 mm) oder fokal verloren. Normales Myometrium erscheint als dreischichtige Struktur mit intermediärem T2-Signal. Beim PAS erodiert invasives Trophoblastengewebe das Myometrium → fokale Diskontinuität. Bei Perkreta ist das Myometrium vollständig verloren.
Berichtssatz
Eine myometriale Ausdünnung/fokaler Verlust an der Plazenta-Blasen-Grenzfläche wird festgestellt, hinweisend auf die invasive Form des Plazenta-Akreta-Spektrums (Inkreta/Perkreta).
Im kontrastmittelverstärkten MRT werden prominente vaskuläre Strukturen und frühe Anreicherung an der utero-vesikalen Grenzfläche dargestellt — Neovaskularisation repräsentierend. Dieser Befund ist besonders bei Perkreta zu sehen und kritisch für die chirurgische Planung.
Berichtssatz
Neovaskularisation und frühe Anreicherung an der utero-vesikalen Grenzfläche werden im kontrastmittelverstärkten MRT dargestellt, vereinbar mit Perkreta.
Kriterien
Zotten an Myometriumoberfläche adhärent, aber nicht invadierend — Decidua basalis fehlend
Unterscheidungsmerkmale
Häufigste Form (75-80%), myometriale Dicke erhalten aber ausgedünnt, Clear-Space-Verlust
Kriterien
Zotten invadieren das Myometrium, erreichen aber nicht die Serosa
Unterscheidungsmerkmale
Prominente myometriale Ausdünnung, T2-hypointense Bänder, fokaler myometrialer Verlust
Kriterien
Zotten erstrecken sich über die Serosa hinaus und invadieren Nachbarorgane (Blase, Darm, Parametrium)
Unterscheidungsmerkmale
Vollständiger myometrialer Verlust, Blasenvorwölbung, utero-vesikale Neovaskularisation, höchstes Mortalitätsrisiko, Hysterektomie häufig erforderlich
Unterscheidungsmerkmal
Bei isolierter Praevia ist die myometriale Dicke erhalten ohne Lakunen; PAS zeigt Lakunen + Clear-Space-Verlust + myometriale Ausdünnung
Unterscheidungsmerkmal
Bei Ablösung zeigt retroplazentares Hämatom Plazentalösung; beim PAS invadiert die Plazenta das Myometrium und kann sich nicht lösen
Unterscheidungsmerkmal
Retinierte Produkte zeigen postpartale endometriale Verdickung; PAS wird pränatal diagnostiziert und erfordert chirurgische Planung
Dringlichkeit
emergentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralPAS ist eine der wichtigsten Ursachen massiver geburtshilflicher Hämorrhagien — pränatale Diagnose ist lebensrettend. Geplante Sectio-Hysterektomie (34.-36. Woche) mit multidisziplinärem Team ist der Standardansatz. Intraoperative Ballonokkusion oder Embolisation kann die Blutung reduzieren.
Das PAS ist ein lebensbedrohlicher geburtshilflicher Notfall. Multidisziplinäre Planung ist aufgrund des massiven Blutungsrisikos obligat. Bei Percreta ist häufig eine Kaiserschnitt-Hysterektomie erforderlich. Die pränatale Diagnose verbessert die Ergebnisse dramatisch. Nach Diagnose sind die Überweisung an ein tertiäres Zentrum, Blutbankbereitschaft und die Planung durch ein erfahrenes Team entscheidend.