Die Intussuszeption ist die teleskopartige Invagination eines Darmsegments in das Lumen eines benachbarten distalen Segments. Im Dünndarm sind jejunojejunale und jejunoileale Intussuszeptionen die häufigsten Typen. Bei Kindern ist sie meist idiopathisch und tritt in der Ileozökalregion auf; bei Erwachsenen liegt in etwa 90 % der Fälle ein anatomischer Lead Point (Führungspunkt) vor — wie Lipom, Polyp, Adenom, Lymphom, Metastase oder Meckel-Divertikel. Die Intussuszeption des Erwachsenen macht 1-5 % aller Darmobstruktionen aus. Die klinische Präsentation umfasst intermittierende Bauchschmerzen, Übelkeit-Erbrechen und Obstruktionsbefunde. Die CT ist der Goldstandard für die Diagnose und ist durch das 'Target-Sign' (Zielscheiben-Zeichen) oder 'Sausage-Sign' (Wurst-Zeichen) gekennzeichnet. Die Behandlung bei Erwachsenen ist meist chirurgisch, da der zugrunde liegende Lead Point maligne sein kann.
Altersbereich
0-80
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Die Intussuszeption entsteht, wenn eine Läsion in der Darmwand oder dysfunktionale Peristaltik ein Darmsegment (Intussusceptum) in das Lumen des benachbarten distalen Segments (Intussuszipiens) zieht. Der Lead Point wird durch normale peristaltische Wellen nach distal getrieben und zieht das folgende Darmsegment mit. Das Mesenterium und die mesenterialen Gefäße werden ebenfalls mit dem invaginierten Segment mitgezogen — dies führt zu venöser Kompromittierung, Kongestion und Ödem. Im fortgeschrittenen Stadium wird auch die arterielle Perfusion beeinträchtigt, was zu Ischämie, Nekrose und Perforation führen kann. Das 'Target-Sign' im CT resultiert aus den konzentrischen Schichten der teleskopierten Darmwände in der axialen Bildgebung — die äußere Intussuszipiens-Wand, das interponierte mesenteriale Fett und die innere Intussusceptum-Wand werden in unterschiedlichen Dichten dargestellt. Das 'Sausage-Sign' beschreibt das elongierte Massenerscheinungsbild des invaginierten Segments in der koronaren/sagittalen Ansicht. Das Mitziehen von mesenterialem Fett und Gefäßen wird als 'mesenteric fat sign' bezeichnet und unterscheidet die Intussuszeption von anderen Obstruktionsursachen.
Konzentrische teleskopierte Darmwandschichten in der axialen CT (Target-Sign) und elongierte wurstförmige Raumforderung in koronaren/sagittalen Schichten (Sausage-Sign) — pathognomonische Befunde der Intussuszeption. Interponiertes hypodenses mesenteriales Fett zwischen den teleskopierten Darmwänden bildet die Grundlage dieser Befunde.
Pathognomonisches 'Target-Sign' in axialen Schichten — konzentrische teleskopierte Darmwandschichten erzeugen ein Zielscheibenerscheinungsbild. Von außen nach innen: Intussuszipiens-Wand (anreichernd), interponiertes hypodenses mesenteriales Fett, Intussusceptum-Wand (anreichernd), inneres Lumen. Diese vier Schichten in unterschiedlichen Dichten bilden konzentrische Ringe. Die Läsion hat typischerweise einen Durchmesser von 3-5 cm.
Berichtssatz
Target-Sign mit konzentrischen teleskopierten Darmwandschichten und interponiertem mesenterialem Fett im Dünndarm ist vereinbar mit Intussuszeption.
Sausage-Sign in koronaren und sagittalen Schichten — das invaginierte Darmsegment erscheint als elongierte, wurstförmige Raumforderung. Die Größe variiert je nach Lead-Point-Größe und Invaginationslänge; typischerweise 5-15 cm lang. Die teleskopierten Darmwände erscheinen als longitudinale parallele Linien. Mesenteriale Gefäßstrukturen können entlang des invaginierten Segments verfolgt werden.
Berichtssatz
Elongiertes wurstförmiges Massenerscheinungsbild (Sausage-Sign) im Dünndarm in koronaren/sagittalen Schichten ist vereinbar mit Intussuszeption.
Mitziehen von mesenterialem Fett und Gefäßstrukturen in das invaginierte Segment (Mesenteric-Fat-Sign) — hypodenses Fettgewebe wird innerhalb des Darmlumens im CT gesehen. Der Lead Point kann an der distalen Spitze der Invagination als anreichernde oder charakteristisch dichte Raumforderung identifiziert werden: Lipom (Fettdichte -50 bis -100 HU), Polyp/Adenom (Weichteildichte), Lymphom (homogenes Weichgewebe). Die Lead-Point-Identifikation ist für die Behandlungsplanung kritisch.
Berichtssatz
Mesenteriales Fett-Dragging innerhalb des invaginierten Dünndarm-Segments mit einer Raumforderung an der distalen Spitze als Lead Point ist vereinbar mit Intussuszeption.
Doughnut-Sign im transversalen B-Modus-US — teleskopierte Darmwände bilden konzentrische hypoechogene und hyperechogene Ringe. Pseudokidney-Sign in longitudinalen Schnitten — das invaginierte Segment nimmt ein nierenähnliches Erscheinungsbild an; periphere hypoechogene Kortex (ödematöse Darmwand) und zentraler hyperechogener Bereich (mesenteriales Fett + Mukosa) werden gesehen.
Berichtssatz
Konzentrische teleskopierte Darmwandkonfiguration (Doughnut-Sign) im transversalen und Pseudokidney-Sign im longitudinalen Schnitt im Dünndarm sind vereinbar mit Intussuszeption.
Darmwandverdickung und verminderte Anreicherung des invaginierten Segments — Ischämiebefunde. Venöse Kongestion führt zu Wandödem und -verdickung. Im fortgeschrittenen Stadium nimmt die Wandanreicherung ab oder verschwindet (Ischämie/Nekrose). Periintestinale Flüssigkeit und freie Flüssigkeit können begleitend auftreten. Pneumatosis intestinalis (intramurale Luft) und portal-venöses Gas sind Befunde fortgeschrittener Ischämie/Nekrose.
Berichtssatz
Darmwandverdickung und verminderte Anreicherung im invaginierten Dünndarm-Segment sind vereinbar mit Ischämiebefunden aufgrund vaskulärer Kompromittierung.
Dünndarmdilation proximal des Intussuszeptionspunkts — mechanische Obstruktionsbefunde. Dilatierte Schlingen sind mit Flüssigkeit und Gas gefüllt mit Durchmessern >3 cm. Distale Schlingen sind dekomprimiert. Der Transitionspunkt liegt am Intussuszeptionspunkt und wird zusammen mit dem Target-/Sausage-Sign bewertet.
Berichtssatz
Dünndarmdilation proximal des Intussuszeptionspunkts ist vereinbar mit mechanischen Obstruktionsbefunden.
Kriterien
Invagination eines Jejunumsegments in das distale Jejunumlumen
Unterscheidungsmerkmale
Lokalisation im linken oberen Quadranten, Lipom oder Polyp als häufiger Lead Point, geringeres Risiko einer kompletten Obstruktion
Kriterien
Invagination eines Jejunumsegments in das Ileumlumen
Unterscheidungsmerkmale
Längeres invaginiertes Segment, ausgeprägtere Obstruktionsbefunde, Lymphom oder Metastase kann Lead Point sein
Kriterien
Invagination eines Ileumsegments in das distale Ileumlumen
Unterscheidungsmerkmale
Meckel-Divertikel oder lymphoide Hyperplasie als häufiger Lead Point, häufiger bei Kindern, Schmerzen im rechten unteren Quadranten
Kriterien
Kurzes Segment (<3,5 cm), kein Lead Point, spontane Reposition, meist Zufallsbefund
Unterscheidungsmerkmale
Klinisch insignifikant, keine Obstruktionsbefunde, löst sich in der Follow-up-CT auf, keine Behandlung erforderlich
Unterscheidungsmerkmal
Adhäsive Obstruktion hat kein Darm-in-Darm-Erscheinungsbild (Target-/Sausage-Sign) am Transitionspunkt; abrupter Kaliberwechsel und 'Small-Bowel-Feces-Sign' können gesehen werden. Mesenteriales Fett-Dragging (Mesenteric-Fat-Sign) ist spezifisch für Intussuszeption.
Unterscheidungsmerkmal
Das Lymphom kann segmentale Wandverdickung und aneurysmatische Dilatation zeigen; Lymphom kann ein Lead Point bei Intussuszeption sein, aber das konzentrische Target-Sign fehlt beim Lymphom selbst. Das Sandwich-Sign (mesenteriale LAP) ist charakteristisch für das Lymphom.
Unterscheidungsmerkmal
Ischämie hat keine Darm-in-Darm-Konfiguration und kein mesenteriales Fett-Dragging. Ischämie zeigt SMA/SMV-Thrombose, 'papierdünne Wand' oder Pneumatosis. Bei Intussuszeption ist Ischämie ein sekundärer Befund und koexistiert mit dem Target-Sign.
Unterscheidungsmerkmal
Morbus Crohn zeigt segmentale Wandverdickung, Skip-Läsionen, Fistel/Abszess und 'Comb-Sign' (mesenteriale vaskuläre Kongestion). Das konzentrische Target-Sign der Intussuszeption fehlt bei Crohn. Crohn betrifft meist das terminale Ileum.
Dringlichkeit
urgentManagement
surgicalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralDie Dünndarm-Intussuszeption des Erwachsenen ist ein chirurgischer Notfall — ein Lead Point liegt in 90 % der Fälle vor und ein signifikanter Anteil ist maligne. Transiente Intussuszeption (<3,5 cm, kein Lead Point) kann beobachtet werden. Bei Kindern kann die ileozökale Intussuszeption mit pneumatischer oder hydrostatischer Reposition behandelt werden, aber die Dünndarm-Intussuszeption erfordert in der Regel eine Operation.
Bei Erwachsenen entwickelt sich die Invagination meist mit einem pathologischen Leitpunkt und erfordert eine Operation. Bei Kindern kann sie idiopathisch sein und eine Luft-/hydrostatische Reposition kann versucht werden. Transiente Invagination ohne Leitpunkt ist benigne.