Das vertebrale Hämangiom ist der häufigste primäre benigne Tumor des Wirbelkörpers und wird bei 10-12% der Bevölkerung als Zufallsbefund entdeckt. Es handelt sich um eine hamartomatöse Läsion aus Fettgewebe und dünnwandigen Gefäßkanälen (Kapillaren und Venolen) zwischen verdickten vertikalen Trabekeln. Im CT sind das 'Polka-dot'-Muster aus verdickten punktförmigen Trabekeln in axialen Schichten und vertikale Striation ('Cord'- oder 'Gitterstab'-Erscheinung) in sagittalen Schichten pathognomonisch. Im MRT zeigt es T1-Hyperintensität durch die Fettkomponente und T2-Hyperintensität durch kombinierte vaskuläre Stroma und Fett — diese 'hell in T1 und T2'-Kombination ist diagnostisch für benignes Hämangiom. Aggressive Hämangiome sind selten (1-2%), vorwiegend vaskuläre Stroma statt Fett — mit niedrigem T1-Signal und können epidurale Ausdehnung mit Myelonkompression verursachen. Typische Hämangiome sind asymptomatisch und erfordern keine Behandlung; beim aggressiven Typ können Vertebroplastie, Embolisation oder chirurgische Dekompression erforderlich sein.
Altersbereich
20-70
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Weiblich dominant
Prävalenz
Sehr häufig
Das vertebrale Hämangiom ist eine hamartomatöse Läsion aus dünnwandigen Gefäßkanälen (Kapillaren und Venolen), Fettgewebe zwischen diesen Kanälen und verdickten vertikalen Knochentrabekeln im Wirbelkörper. Der Mechanismus, der zur Ansammlung von Gefäßkanälen und Fettgewebe anstelle des normalen Knochenmarks führt, ist nicht vollständig verstanden, aber die Differenzierung lokaler mesenchymaler Stammzellen in vaskuläre und adipozytäre Linien wird als beteiligt angesehen. Die vertikale Trabekelverdickung ist eine kompensatorische Antwort auf mechanischen Stress durch umgebende Gefäßkanäle — horizontale Trabekel werden resorbiert, während vertikale Trabekel verdicken und sich verstärken. Dieses vertikale Trabekelmuster erzeugt das charakteristische CT-Erscheinungsbild: verdickte punktförmige Trabekel in axialen Schichten ('Polka-dot'), vertikale Striation in sagittalen Schichten ('Cord'-Muster). Im MRT resultiert die T1-Hyperintensität aus Fettgewebe — die kurze T1-Relaxationszeit der Fettprotonen erzeugt helles Signal. T2-Hyperintensität kommt von zwei Komponenten: (1) T2-Signal der Fettprotonen und (2) T2-Signal des langsam fließenden Blutes in Gefäßkanälen — beide sind in T2 hell. Signalabfall in fettgesättigten Sequenzen bestätigt das Vorhandensein von Fett. Aggressive Hämangiome sind vorwiegend vaskuläre Stroma statt Fett — vermindertes Fett führt zu niedrigerem T1-Signal. Beim aggressiven Typ kann die vaskuläre Proliferation über den Kortex hinaus in den Epiduralraum reichen und Myelonkompression verursachen. Nur 1-2% der Hämangiome sind trotz der hohen Bevölkerungsprävalenz klinisch signifikant.
Querschnittsansicht verdickter vertikaler Trabekel im Wirbelkörper im axialen CT — regelmäßig verteilte Punkte. Pathognomonisch.
In axialen CT-Schichten sind regelmäßig verteilte, verdickte punktförmige Strukturen (Polka-dot-Muster) im Wirbelkörper sichtbar. Diese Punkte stellen Querschnittsansichten der verdickten vertikalen Trabekel dar. Zwischen den Punkten bestehen fettdichte (-30 bis -70 HU) hypodense Areale. Die Läsion ist meist gut abgegrenzt und kann einen Teil oder den gesamten Wirbelkörper betreffen. Die kortikale Integrität ist beim typischen Hämangiom erhalten.
Berichtssatz
Eine Läsion mit Polka-dot-Muster (verdickte vertikale Trabekel) in axialen und vertikaler Striation in sagittalen Schichten mit fettdichten hypodensen Arealen im ... Wirbelkörper, vereinbar mit typischem vertebralem Hämangiom.
T1-gewichtete Sequenzen zeigen eine hyperintense (helle) Läsion im Wirbelkörper. T1-Hyperintensität resultiert aus der Fettkomponente und ist der zuverlässigste MR-Befund des benignen Hämangioms. Beim aggressiven Hämangiom nimmt das T1-Signal ab (iso-hypointens), da Fett abnimmt — dies ist ein kritisches Differenzierungskriterium.
Berichtssatz
Eine T1-hyperintense/niedrigsignalige Läsion im ... Wirbelkörper mit/ohne Signalabfall in fettgesättigten Sequenzen; vereinbar mit typischem/aggressivem vertebralem Hämangiom.
T2-gewichtete Sequenzen zeigen eine hyperintense Läsion im Wirbelkörper. T2-Hyperintensität resultiert sowohl aus Fett- als auch vaskulärer Stromakomponente. STIR-Sequenzen zeigen Signalabnahme nach Fettsättigung — aber keine vollständige Suppression aufgrund der vaskulären Komponente.
Berichtssatz
Eine T2-hyperintense Läsion im ... Wirbelkörper mit partiellem Signalabfall in STIR-Sequenzen; vereinbar mit vertebralem Hämangiom.
In kontrastmittelverstärkten Sequenzen zeigt das vertebrale Hämangiom leichte-mäßige Kontrastmittelaufnahme. Die vaskuläre Komponente hält Kontrastmittel. Die Kontrastierung ist beim aggressiven Hämangiom ausgeprägter. Randkontrastierung kann bei epiduraler Ausdehnung sichtbar sein. Der Kontrastierungsgrad unterstützt die Aggressivitätsbeurteilung.
Berichtssatz
Das Hämangiom im ... Wirbelkörper zeigt leichte/mäßige/ausgeprägte Kontrastmittelaufnahme in kontrastmittelverstärkten Sequenzen; epidurale Ausdehnung wird nicht beobachtet/wird beobachtet.
In fettgesättigten Sequenzen (STIR oder Fat-Sat) wird beim typischen Hämangiom ein Signalabfall beobachtet — bestätigt das Vorhandensein von Fett. Beim aggressiven Hämangiom ist der Signalabfall minimal oder fehlend, da Fett vermindert ist mit vorwiegend vaskulärer Stroma. Das Fettsättigungsverhalten ist kritisch für die Differenzierung typisches vs aggressives Hämangiom.
Berichtssatz
Die Läsion im ... Wirbelkörper zeigt prominenten/minimalen Signalabfall in fettgesättigten Sequenzen, vereinbar mit typischem/aggressivem vertebralem Hämangiom.
Kriterien
T1 und T2 hyperintens, Polka-dot CT, Signalabfall in fettgesättigt, asymptomatisch.
Unterscheidungsmerkmale
Fettbetont, 98-99% Prävalenz, keine Behandlung erforderlich, Zufallsbefund
Kriterien
T1 niedriges Signal (vermindertes Fett), T2 sehr hell, epidurale Ausdehnung, Myelonkompression, symptomatisch.
Unterscheidungsmerkmale
Vaskuläre Stroma vorherrschend, 1-2%, erfordert Vertebroplastie/Embolisation/Chirurgie, Beteiligung hinterer Elemente möglich
Kriterien
Aggressiver Typ + neurologisches Defizit (Myelon-/Nervenwurzelkompression). Kann dringende Dekompression erfordern.
Unterscheidungsmerkmale
Prominente epidurale Komponente, Spinalstenose, Myelopathiezeichen (Myelonsignaländerungen)
Unterscheidungsmerkmal
Spondylodiszitis zeigt T1 niedriges Signal (Ödem), Bandscheibenbeteiligung und -kontrastierung, End-Platten-Destruktion, Fieber/Leukozytose; Hämangiom T1 hell (Fett), keine Bandscheibenbeteiligung, keine Destruktion
Unterscheidungsmerkmal
Spinale TB zeigt anteriore Wirbeldestruktion, großen kalten Abszess, Gibbus-Deformität; Hämangiom hat keine Destruktion, Polka-dot-Muster, keinen Abszess
Unterscheidungsmerkmal
Ependymom ist intramedullär (im Myelon), Myelonexpansion, Cap-Zeichen; Hämangiom im Wirbelkörper (extramedullär), keine Myelonexpansion, Polka-dot-Muster
Dringlichkeit
routineManagement
surveillanceBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
no-follow-upTypische vertebrale Hämangiome sind Zufallsbefunde, die keine Behandlung oder Verlaufskontrolle erfordern — sollten im Befund als 'benignes vertebrales Hämangiom, klinisch nicht signifikant' vermerkt werden. Der aggressive Typ ist selten (1-2%) und Vertebroplastie (Zementinjektion), präoperative Embolisation und/oder chirurgische Dekompression werden bei epiduraler Ausdehnung und Myelon-/Nervenwurzelkompression durchgeführt. Die Unterscheidung des aggressiven Hämangioms von der Metastase ist kritisch — T1-Hyperintensität (Fettvorhandensein) ist das zuverlässigste Kriterium zugunsten des typischen Hämangioms.
Typische vertebrale Hämangiome sind asymptomatisch und erfordern keine Behandlung — sollten als Zufallsbefund ohne Verlaufskontrolle berichtet werden. Aggressive Hämangiome (1-2%) sind selten und können epidurale Ausdehnung und Myelon-/Nervenwurzelkompression verursachen; Vertebroplastie, Embolisation oder chirurgische Dekompression können durchgeführt werden. Der aggressive Typ wird durch niedriges T1-Signal unterschieden (vorwiegend vaskuläre Stroma statt Fett).