Der Milzabszess ist eine infektiöse Läsion, charakterisiert durch Eiteransammlung im Milzparenchym. Er ist selten, aber unbehandelt mit sehr hoher Mortalität (40-100 %). Die häufigsten Wege sind hämatogene Ausbreitung (Bakteriämie, Endokarditis), direkte Ausbreitung von benachbarter Infektion oder Superinfektion eines Milzinfarkts. Erreger umfassen Bakterien (Staphylococcus aureus, Streptococcus spp., E. coli, Salmonella), Pilze (Candida, Aspergillus bei Immunsupprimierten) und Mykobakterien. Risikofaktoren: Immunsuppression, IV-Drogengebrauch, Diabetes mellitus, Endokarditis, Sichelzellanämie, Trauma.
Altersbereich
20-80
Häufigkeitsalter
50
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Selten
Milzabszessbildung erfolgt über mehrere Mechanismen: (1) Hämatogene Ausbreitung — Mikroorganismen siedeln sich in Milzsinusoiden während Bakteriämie an; (2) Superinfektion — nekrotisches Gewebe in Infarkt- oder Hämatombereichen bietet Substrat für bakterielle Kolonisation; (3) Direkte Ausbreitung von Nachbarorganen. Abszessformation: bakterielle Kolonisation → Neutrophileninfiltration → proteolytische Enzymfreisetzung → Gewebeliquefaktion → Eiterbildung. Eiter enthält hohe Protein-, zelluläre Debris- und Fibrinnetzwerkanteile — dieser viskose Inhalt bildet die Grundlage der Diffusionsrestriktion im DWI. Randenhancement im CT reflektiert intensive Neovaskularisation des Granulationsgewebes in der Abszesswand.
Dick randanreichernde hypodense Läsion im CT + ausgeprägte Diffusionsrestriktion im DWI (niedriger ADC) + interne Gasblasen ist diagnostisch für Milzabszess.
In der portalvenösen Phase zeigt sich eine Läsion mit dicker, unregelmäßig anreichernder Wand (Randenhancement) und nicht anreicherndem hypodensem Zentrum. Wanddicke variiert, typischerweise 2-5 mm. Das zentrale hypodense Areal entspricht Eiteransammlung (Dichte 10-30 HU). Interne Gasblasen oder Luft-Flüssigkeits-Spiegel bei gasbildenden Bakterien — hochspezifischer Befund.
Berichtssatz
Eine hypodense Läsion mit dickem, unregelmäßigem Randenhancement zeigt sich in der Milz mit internen Gasblasen; vereinbar mit Milzabszess.
Im DWI zeigt der Abszess ausgeprägte Diffusionsrestriktion — hyperintenses Signal bei hohem b-Wert und niedrige ADC-Werte (typischerweise <0,8 × 10⁻³ mm²/s). Dies ist der wertvollste MRT-Befund für die Abszessdiagnose und entscheidend für die Differenzierung von einfacher Zyste (hoher ADC >2,5), nekrotischem Tumor (heterogener ADC) und zystischen Läsionen.
Berichtssatz
Ausgeprägte Diffusionsrestriktion zeigt sich in der zystischen Läsion der Milz im DWI mit niedrigen ADC-Werten; vereinbar mit viskösem Eitergehalt und unterstützend für Abszessdiagnose.
In der T2-gewichteten MRT zeigt das Abszesszentrum ein hyperintenses Signal (Eiterflüssigkeitsgehalt). Die Abszesswand erscheint als T2-hypointenser Rand — 'Doppel-Target-Zeichen'. Periläsionales Ödem kann als hyperintense Zone sichtbar sein.
Berichtssatz
Die Milzläsion zeigt ein hyperintenses Zentrum mit hypointensem Rand als 'Doppel-Target-Zeichen' in T2-gewichteter MRT; vereinbar mit Abszess.
Im B-Modus-US zeigt sich eine komplexe zystische Läsion mit hypoechogener oder gemischter Echogenität, unregelmäßiger Wand und internem Debris oder Septierungen. Interne Echos (Eiterdebris) zeigen, dass die Läsion nicht vollständig anechogen ist — anders als einfache Zyste. 'Dirty Shadowing' bei Gas möglich.
Berichtssatz
Eine dickwandige komplexe zystische Läsion mit internem Debris und Septierungen zeigt sich in der Milz im US; vereinbar mit Abszess.
In der nativen CT zeigt sich eine hypodense Läsion relativ zum Milzparenchym. Interne Gasblasen bei sehr niedriger Dichte (-1000 HU) sind hochspezifisch für Abszessdiagnose.
Berichtssatz
Eine hypodense Läsion zeigt sich in der Milz in nativer CT mit internen Gasblasen; vereinbar mit Abszess.
In der T1-gewichteten MRT zeigt das Abszesszentrum ein hypointenses Signal. Proteinöser Eiter kann leichten T1-Signalanstieg zeigen. In Post-Kontrast-T1 zeigt sich dickes, unregelmäßiges Randenhancement.
Berichtssatz
Hypointenses Zentrum mit dickem Randenhancement in Post-Kontrast-Serien zeigt sich in der Milzläsion in T1-gewichteter MRT; vereinbar mit Abszess.
Kriterien
Häufigster Typ. Staphylococcus, Streptococcus, E. coli. Solitär oder multipel.
Unterscheidungsmerkmale
Großer solitärer Abszess oder wenige große Läsionen. Randenhancement und Gasbildung häufig. Antibiotikatherapie + perkutane Drainage.
Kriterien
Candida oder Aspergillus. Bei neutropenem Patienten. Multiple kleine (<1 cm) Läsionen.
Unterscheidungsmerkmale
Miliares Muster — zahlreiche kleine hypodense Knötchen. Leber und Milz können gleichzeitig betroffen sein (hepatosplenische Candidiasis). 'Bulls-eye' Muster.
Kriterien
Mycobacterium tuberculosis. Miliäre TB oder fokale TB. Bei Immunsupprimierten und endemischen Gebieten.
Unterscheidungsmerkmale
Randenhancement durch verkäsende Nekrose. Verkalkung in subakuter-chronischer Phase häufig.
Unterscheidungsmerkmal
Infarkt ist keilförmig und nicht anreichernd (akute Phase); Abszess zeigt rundes Randenhancement.
Unterscheidungsmerkmal
Einfache Zyste zeigt keine Diffusionsrestriktion (hoher ADC >2,5); Abszess zeigt ausgeprägte Restriktion (niedriger ADC <0,8).
Unterscheidungsmerkmal
Lymphom zeigt homogenes minimales Enhancement ohne Rand oder Gas; Abszess zeigt Randenhancement und Gas.
Unterscheidungsmerkmal
Metastase zeigt heterogenes solides Enhancement, heterogener ADC im DWI; Abszess hat homogen niedrigen ADC.
Dringlichkeit
emergentManagement
interventionalBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
specialist-referralMilzabszess erfordert Notfallbehandlung — unbehandelte Mortalität 40-100 %. Behandlung: (1) IV Breitspektrum-Antibiotika, (2) Perkutane Drainage (US- oder CT-gesteuert), (3) Splenektomie bei Therapieversagen. Blutkulturen und Endokarditisuntersuchung erforderlich.
Ein Milzabszess hat unbehandelt eine hohe Mortalität. Perkutane Drainage oder Splenektomie sind Behandlungsoptionen. Eine zugrunde liegende Immunsuppression und die Infektionsquelle sollten abgeklärt werden.