Die Milzpseudozyste ist eine zystische Läsion ohne echte Epithelauskleidung, umgeben von einer fibrösen Wand, die etwa 70-80% aller Milzzysten ausmacht. Sie entwickelt sich am häufigsten nach Trauma (stumpfes Bauchtrauma — organisiertes Hämatom) oder Infarkt; seltener durch Ausdehnung einer Pankreaspseudozyste in die Milz. Histopathologisch besteht die Wand aus fibrösem Gewebe, Granulationsgewebe und hämosiderinbeladenen Makrophagen — das Fehlen der Epithelauskleidung ist das Schlüsselmerkmal zur Unterscheidung von echten Zysten. Der Inhalt kann alte Blutprodukte, seröse oder hämorrhagische Flüssigkeit enthalten. Wandverkalkung ist häufig mit 'Eierschalen'-Muster. Meist asymptomatisch; große Pseudozysten können Schmerz oder selten Ruptur entwickeln.
Altersbereich
20-60
Häufigkeitsalter
35
Geschlecht
Mannlich dominant
Prävalenz
Selten
Die Milzpseudozyste entwickelt sich durch Organisation und zentrale Verflüssigung eines Hämatoms oder nekrotischen Areals nach Trauma oder Infarkt. Granulationsgewebe bildet peripher eine fibröse Kapsel; nekrotisches Material im Zentrum verflüssigt sich durch enzymatische Degradation. Makrophagen phagozytieren Hämoglobin-Abbauprodukte (Hämosiderin) — Hämosiderin akkumuliert in der Wand und bildet die Grundlage für Wandverkalkung im CT und T2-hypointenses Wandsignal im MRT. Cholesterinkristalle erhöhen die Dichte des Zysteninhalts. Dystrophische Wandverkalkung bildet das typische 'Eierschalen'-Muster. Pankreaspseudozysten-Ausdehnung in die Milz erfolgt durch enzymatische Erosion.
Periphere, geschichtete, kurvilineare Verkalkung in der Zystenwand im CT — 'Eierschalen'-Muster ist nahezu pathognomonisch für Pseudozyste. Diese Verkalkung reflektiert dystrophische Kalziumablagerung in der fibrösen Wand.
In der nativen CT zeigt sich eine gut abgrenzbare, rundlich-ovale, dickwandige zystische Läsion in der Milz. Wanddicke generell 2-5 mm mit häufiger peripherer 'Eierschalen'-Verkalkung — geschichtet, kurvilinear, glatt berandet. Zysteninhaltsdichte typischerweise 15-35 HU — höher als reines Wasser, reflektiert Hämoglobin-Abbauprodukte und Proteingehalt.
Berichtssatz
Eine dickwandige zystische Läsion zeigt sich in der Milz mit peripherer 'Eierschalen'-Verkalkung der Wand.
In der portalvenösen Phase zeigt der Zysteninhalt kein Enhancement — bestätigt einfache zystische Natur. Die fibröse Zystenwand kann dünnes, glattes Enhancement zeigen. Dickes, irreguläres oder noduläres Enhancement sollte Verdacht auf Abszess oder Malignität wecken.
Berichtssatz
Der Inhalt der zystischen Läsion zeigt kein Enhancement, während die fibröse Wand mildes glattes Enhancement zeigt.
In T2-gewichteten MRT-Bildern erscheint der Zysteninhalt ausgeprägt hyperintens. Die fibröse Zystenwand erscheint ausgeprägt hypointens — kurze T2-Relaxationszeit von Kollagen. Kalzifizierte Wandsegmente sind ebenfalls hypointens. Flüssigkeits-Debris-Spiegel können sichtbar sein.
Berichtssatz
Die zystische Milzläsion zeigt hyperintensen Zysteninhalt und hypointense dicke fibröse Wand in T2-gewichteten MRT-Bildern.
In T1-gewichteten MRT-Bildern variiert das Zysteninhaltssignal je nach Zusammensetzung. Seröser Inhalt zeigt niedriges T1-Signal. Proteinöser Inhalt zeigt intermediäres T1-Signal. Hämorrhagischer Inhalt zeigt T1-Hyperintensität durch Methämoglobin.
Berichtssatz
Die zystische Milzläsion zeigt leicht hyperintenses Signal in T1-gewichteten MRT-Bildern, vereinbar mit proteinösem/hämorrhagischem Zysteninhalt.
In der B-Modus-Sonographie zeigt sich eine gut abgrenzbare, meist unilokuläre, dickwandige zystische Läsion mit hyperechogener Wand. Wandverkalkung erscheint als hyperechogene kurvilineare Linie mit posteriorem Schallschatten. Posteriore Schallverstärkung im flüssigkeitsgefüllten Bereich, Schatten hinter kalkifizierten Segmenten.
Berichtssatz
Eine dickwandige zystische Läsion mit hyperechogener Wand zeigt sich in der Milz im US mit Wandverkalkung und Schallschatten.
Die Pseudozyste zeigt keine Diffusionsrestriktion in der DWI — Signalverlust bei hohen b-Werten mit hohem Signal in ADC-Karten (>2,0 × 10⁻³ mm²/s). Dieser Befund ist kritisch für die Differenzierung vom Abszess. T2-Shine-through muss sorgfältig bewertet werden.
Berichtssatz
Die zystische Milzläsion zeigt keine Diffusionsrestriktion in der DWI mit hohem Signal in den ADC-Karten.
Kriterien
Anamnese eines stumpfen oder penetrierenden Bauchtraumas. Entwickelt sich aus Verflüssigung eines organisierten Hämatoms. Häufigster Typ.
Unterscheidungsmerkmale
Inhalt kann hämorrhagisch sein. Hämosiderinbeladene Wand. Trauma meist Monate-Jahre zuvor.
Kriterien
Entwickelt sich aus Verflüssigung des nekrotischen Areals nach Milzinfarkt. Zystische Transformation im keilförmigen Infarktareal.
Unterscheidungsmerkmale
Kann keilförmig oder peripher lokalisiert sein — reflektiert Morphologie des Infarktareals.
Kriterien
Ausdehnung einer Pankreaspseudozyste in die Milz als Pankreatitiskomplikation.
Unterscheidungsmerkmale
Zystischer Trakt zwischen Pankreasschwanz und Milzhilum sichtbar. Hohe Amylase in Zystenflüssigkeit diagnostisch.
Unterscheidungsmerkmal
Einfache Zyste hat dünne Wand, Wasserdichte, keine Verkalkung, keine Trauma-Anamnese. Pseudozyste hat dicke Wand, erhöhte Dichte, Eierschalenverkalkung, Trauma-Anamnese.
Unterscheidungsmerkmal
Abszess zeigt Diffusionsrestriktion, dicke irreguläre Wand mit Rim-Enhancement, Fieber/Leukozytose. Pseudozyste ohne Diffusionsrestriktion, glatte Wand.
Unterscheidungsmerkmal
Lymphangiom ist multilokular, dünne Septen, keine Wandverkalkung, junger Patient. Pseudozyste ist unilokular, dicke Wand, Eierschalenverkalkung, Trauma-Anamnese.
Unterscheidungsmerkmal
Hämangiom zeigt peripheres noduläres Enhancement mit zentripetaler Füllung. Pseudozyste hat nicht-anreichernden Inhalt und dicke Wand. Hämangiom-Verkalkung punktförmig, Pseudozyste peripher geschichtet.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
12-monthMilzpseudozyste ist benigne und erfordert meist keine Behandlung — jährliche US-Kontrolle bei asymptomatischen Zysten. Chirurgie bei großen (>5 cm) oder symptomatischen Zysten. Ruptur oder Infektion erfordert dringende Chirurgie. Perkutane Aspiration kann diagnostisch sein.
Die Milzpseudozyste ist typischerweise asymptomatisch und nimmt einen benignen Verlauf. Bei kleinen Läsionen mit typischen Merkmalen ist eine Verlaufskontrolle ausreichend. Drainage oder Splenektomie können bei großen oder symptomatischen Zysten in Betracht gezogen werden.