Die Epidermoidzyste (epidermale Einschlusszyste) ist die häufigste benigne zystische Hautläsion und enthält keratinöses Debris, umgeben von einer mit stratifiziertem Plattenepithel ausgekleideten Zystenwand. Sie entspringt dem follikulären Infundibulum und betrifft am häufigsten Gesicht, Hals, Rumpf und Skrotum. Sie tritt typischerweise zwischen 20-60 Jahren auf und ist bei Männern häufiger. Klinisch präsentiert sie sich als langsam wachsender, mobiler, nicht druckschmerzhafter subkutaner Knoten mit einem charakteristischen Punktum (zentrale Pore) auf der darüber liegenden Haut. Eine Ruptur verursacht Keratinverschüttung in umliegendes Gewebe mit intensiver granulomatöser Entzündungsreaktion. Maligne Transformation ist extrem selten (<1%). Ultraschall ist die primäre diagnostische Modalität, wobei das 'Zwiebelschalen'-Muster (laminiert) als pathognomonischer Befund gilt.
Altersbereich
15-65
Häufigkeitsalter
30
Geschlecht
Gleich
Prävalenz
Sehr häufig
Die Epidermoidzyste entwickelt sich durch Invagination oder Implantation von Epithelzellen des follikulären Infundibulums in Dermis oder Subkutis. Die Zystenwand ist mit stratifiziertem Plattenepithel ausgekleidet, das normale Keratinisierungszyklen durchläuft — aber Keratinschichten werden nach innen (ins Zystenlumen) statt nach außen abgestoßen. Im Laufe der Zeit akkumulieren konzentrische Keratinschichten und erzeugen das charakteristische 'Zwiebelschalen'-Muster (laminiert) in der Sonographie: jede Schicht erzeugt Keratin-Luft-Debris-Grenzflächen mit unterschiedlicher akustischer Impedanz → parallele echogene Linien. Die Zystenwand kann über einen kleinen Kanal (Punktum) die Verbindung zur Hautoberfläche aufrechterhalten. Bei Ruptur verursacht Keratinverschüttung eine Fremdkörper-Granulomreaktion → Ödem, Hyperämie und entzündliche Verdickung im umgebenden Gewebe.
Konzentrische, parallele echogene Linien innerhalb der Zyste in der Sonographie werden als 'Zwiebelschalen'- oder 'laminiertes' Muster bezeichnet und sind pathognomonisch für Epidermoidzysten. Entsteht durch Keratinschichten mit unterschiedlicher akustischer Impedanz.
In der B-Mode-Sonographie zeigen sich konzentrische, parallele echogene Linien innerhalb der Zyste — dieses als 'Zwiebelschalen'- oder 'laminiertes' Muster beschriebene Erscheinungsbild ist pathognomonisch für Epidermoidzysten. Das laminierte Muster ist in 60-80% der Fälle nachweisbar.
Berichtssatz
Konzentrische parallele echogene Linien (Zwiebelschalen-/laminiertes Muster) innerhalb einer gut abgrenzbaren subkutanen zystischen Läsion; pathognomonischer Befund für eine Epidermoidzyste.
Prominente dorsale Schallverstärkung hinter der Epidermoidzyste. Das keratinöse Debris-Flüssigkeits-Gemisch dämpft Schallwellen weniger als umliegendes Weichgewebe → verstärkte Signalintensität hinter der Zyste. Der Grad der Verstärkung hängt von der Viskosität des Zysteninhalts ab.
Berichtssatz
Prominente dorsale Schallverstärkung hinter der Läsion, vereinbar mit zystischem Inhalt.
Kein vaskuläres Signal innerhalb der Zyste im Farb- und Power-Doppler — vollständig avaskuläre interne Struktur. Dieser Befund bestätigt die zystische (nicht-neoplastische) Natur. Bei Inflammation kann perikystische Vaskularität auftreten, aber das Zysteninnere bleibt avaskulär.
Berichtssatz
Kein vaskuläres Signal innerhalb der Zyste im Farbdoppler; avaskuläre interne Struktur vereinbar mit zystischer Natur.
In der hochauflösenden Sonographie kann ein dünner hypoechogener Traktus (Hautverbindung) vom oberen Pol der Zyste zur Dermis nachweisbar sein. Dieser Traktus repräsentiert den Zystenkanal (Punktum) vom follikulären Infundibulum und ist ein hochspezifischer Befund für Epidermoidzysten. In 30-50% der Fälle nachweisbar.
Berichtssatz
Ein dünner hypoechogener Traktus (Hautverbindung) vom oberen Zystenpol zur Dermis; stützender Befund für den Ursprung einer Epidermoidzyste.
In T2-gewichteten MRT-Bildern zeigt die Epidermoidzyste hohes Signal — reflektierend die lange T2-Relaxationszeit freier Wasserprotonen im keratinösen Debris. Auf DWI kann deutliche Diffusionsrestriktion sichtbar sein.
Berichtssatz
Die Läsion zeigt hyperintenses Signal in T2-gewichteten Bildern mit Diffusionsrestriktion in DWI; vereinbar mit keratinöser Epidermoidzyste.
In T1-gewichteten Bildern zeigt die Epidermoidzyste variables Signal. Flüssigkeitsdominante Zysten zeigen niedriges, protein-/keratindominante Zysten intermediär-hohes T1-Signal. Nach Kontrastmittelgabe Wandanreicherung möglich, aber kein Enhancement des Zysteninhalts.
Berichtssatz
Die Läsion zeigt intermediäre Signalintensität in T1-gewichteten Bildern ohne interne Anreicherung in kontrastmittelverstärkten Sequenzen.
In der B-Mode-Sonographie zeigt sich eine gut abgrenzbare, ovale oder runde, subkutan gelegene Raumforderung. Die Grenzen sind glatt und scharf mit dünner hyperechogener fibröser Kapsel. Größe typischerweise 1-5 cm, solitär. Keine Infiltration des umgebenden Gewebes.
Berichtssatz
Eine gut abgrenzbare, ovale, dünn hyperechogen kapsulierte zystische Läsion im subkutanen Fettgewebe.
Kriterien
Gut abgrenzbare, glatt kapsulierte Zyste ohne Entzündungs- oder Rupturzeichen. Laminiertes Muster typisch.
Unterscheidungsmerkmale
Homogenes oder laminiertes internes Echomuster, prominente dorsale Verstärkung, avaskulär, keine perizystische Inflammation.
Kriterien
Keratinverschüttung nach Zystenwandruptur mit granulomatöser Entzündungsreaktion. Klinisch schmerzhaft, erythematös, vergrößert.
Unterscheidungsmerkmale
Unregelmäßige/verdickte Wand, perizystischer hypoechogener Halo (Ödem), perizystische Hypervaskularität (Doppler), heterogene interne Struktur. Kann Abszess imitieren.
Kriterien
Multiple Epidermoidzysten können mit Gardner-Syndrom (FAP-Variante) oder Basalzellnävus-Syndrom (Gorlin) assoziiert sein. Syndrom-Screening bei multiplen Zysten erforderlich.
Unterscheidungsmerkmale
Multiple Zysten in verschiedenen anatomischen Lokalisationen. Gardner: Kolonpolypen, Osteome, Desmoidtumoren. Gorlin: Basalzellkarzinome, odontogene Keratozysten.
Unterscheidungsmerkmal
Talgzyste (Tricholemmalzyste) typischerweise am Skalp, homogen hypoechogen ohne laminiertes Muster. Punktförmige echogene Herde (Verkalkung) häufiger.
Unterscheidungsmerkmal
Lipom zeigt isoechogene oder leicht hyperechogene parallele Linien (Fettlobuli) — komprimierbar. Keine dorsale Verstärkung. Epidermoidzyste zeigt dorsale Verstärkung und ist nicht komprimierbar.
Unterscheidungsmerkmal
Abszess zeigt heterogene Flüssigkeitskollektion mit perilisionaler Zellulitis, Rand-Vaskularität und irregulärer Wand. Epidermoidzyste hat dünne glatte Wand, laminiertes Muster und keine Zellulitis.
Unterscheidungsmerkmal
Pilomatrixom häufig bei Kindern mit prominenter Verkalkung + Schallschatten — pathognomonisch. Epidermoidzyste zeigt dorsale Verstärkung statt Schallschatten.
Dringlichkeit
routineManagement
conservativeBiopsie
Nicht erforderlichNachsorge
no-follow-upEpidermoidzyste ist eine vollständig benigne Läsion. Bei charakteristischen Ultraschallbefunden kann die Diagnose sicher gestellt werden. Keine Behandlung bei asymptomatischen Zysten. Chirurgische Exzision bei symptomatischen Läsionen kurativ. Bei atypischen Läsionen Exzision und Histopathologie zum Malignitätsausschluss.
Epidermoidzysten sind benigne Läsionen und eine maligne Transformation ist äußerst selten. Asymptomatische Zysten erfordern keine Behandlung. Symptomatische oder infizierte Zysten werden durch vollständige chirurgische Exzision behandelt — die Zystenwand muss vollständig entfernt werden, um Rezidive zu vermeiden. Rupturierte Zysten können Fremdkörperreaktionen und granulomatöse Entzündungen verursachen.